Anhand von Ausschnitten, Bildern und Anekdoten habe ich euch schon oft durch die Produktionen geführt, die meiner Feder entsprungen sind. Heute probiere ich mal was anderes…

Ich bin stolz auf vieles, was ich über die Jahre angesammelt habe. Entsprechend ärgere ich mich aber auch, wenn etwas wegkommt, was nicht zu ersetzen ist. So dachte ich lange, die CDs mit den Soundtracks meiner Filme und Serien verloren zu haben. Die meisten davon sind nie offiziell auf CD erschienen – ich habe sie bekommen, in dem ich die Komponisten bat, mir eine Studio-Ausspielung zu machen.

Jahrelang waren sie verschollen und ich traute mich nicht, die Musiker ein zweites Mal anzuhauen. Die haben ja auch Besseres zu tun. Aber auf der Suche nach einigen externen Festplatten unbekannten Aufenthalts stieß ich dieser Tage in meiner Kiste mit Filmrequisiten auf die „Vollgas“-Promotasche. Darin: DVDs meiner Projekte – und die Soundtrack-CDs. Jetzt ist mir klar, dass ich die Sachen bei meinem Vortrag in Leipzig 2011 mitgenommen und hinterher etwas zu achtlos verstaut hatte.

Nun sind sie also aufgetaucht und ich ergreife die Gelegenheit, euch die Ohrschmeichler meines künstlerischen Schaffens zu präsentieren. Dabei habe ich versucht, die größtmögliche Bandbreite der Soundtracks abzubilden.

Den Anfang macht das „Main theme“ von „Sumuru“. Geschrieben hat es der Londoner Komponist Guy Farley. Neben seinen Soundtracks arbeitet der Mann auch mit Popstars wie Duran Duran und den Sugababes. An diesem Stück gefällt mir besonders der ethnische Einschlag, der gut zu einem SF-Film über einen Wüstenplaneten passt:

Next up: Stephan Massimo ist ein sehr bekannter Werbe-Komponist, der mit „Anytime and anywhere“ auch einen veritablen Pophit der 90er in seiner Bio hat. Er hat einen Haufen „Tatorte“ ebenso mit Soundtracks versorgt wie den Katastrophenfilm „Crashpoint“ meines ehemaligen Ko-Autors Marc und die „Wanderhure“-Reihe auf SAT.1. Sein Beitrag zu „Vollgas“ war so interessant und vielfältig, dass ich an dieser Stelle gleich zwei Stücke präsentieren möchte. Zum Einstieg – let’s get funky:

Massimo kann aber auch dicker und dramatischer à la Bondfilm:

Es ist reiner Zufall, dass der anfangs erwähnte Guy Farley noch einen zweiten Film von mir mit Musik unterlegt hat, nämlich „Post Impact“, aka „Apokalypse Eis“. Er hat sich tatsächlich bei mir entschuldigt, dass die beiden Soundtracks fast komplett elektronisch eingespielt werden mussten, weil die Budgets kein großes Orchester zuließen. Mir wurscht – ich find’s trotzdem klasse. Dieses kurze Stück heißt „Solstar turns“:

Meine Telenovela „Lotta in Love“ drehte sich ja komplett um Liebe und Musik. Sicher werden sich auch noch einige Leute an Annett Louisans hübsches Titelstück „Wer bin ich wirklich?“ erinnern. In der Serie selbst wird viel komponiert, die große Ballade „Remind me to forget you“ ist Aufhänger diverser Folgen. Hier eine akustische Roheinspielung aus einer der späteren Episoden:

Das Stück war so populär, dass Yvonne Catterfeld es sich nach dem Ende der Serie als „Erinner‘ mich dich zu vergessen“auf deutsch umschreiben ließ.

Weiter geht’s mit „Lost City Raiders“ – diesen Soundtrack kann man tatsächlich auf CD kaufen. Komponist Gert Wilden jr. hat in den letzten 20 Jahren einige größere Projekte vertont, darunter „Die wilden Kerle“ und „Sophie Scholl“. Hier das Stück „Waterfall“ aus dem Showdown meines SF-Abenteuerfilms für Pro7:

Wer übrigens meint, den Namen Gert Wilden zu kennen, der bezieht sich vermutlich auf den Vater. Wilden senior war einer der produktivsten Filmkomponisten der 60er Jahre („Das Rätsel der grünen Spinne“, „Heißer Hafen Hongkong“) und wird auf ewig der Mann sein, der mit dem „Schulmädchen-Report“ Musik in die Bumsfilme brachte. Und weil die Welt ein Dorf ist, schrieb er auch den Score für „Ich, Dr. Fu Man Chu“ von Harry Alan Towers, der knapp 40 Jahre später meinen „Sumuru“ produzierte.

Zu meiner „Märchenstunde“ für Pro7 kann ich wenig anbieten, denn ich besitze den Soundtrack von Steffen Kaltschmid leider nicht. Darum muss die wunderbare, im Karel Gott-Stil gehaltene Titelmusik reichen:

Zum Abschluss noch ein Schmankerl – Dieter Schleip hat zu meinem Zweiteiler „Dr. Hope“ einen wirklich tollen orchestralen Soundtrack mit 47 einzelnen Stücken und einer Laufzeit von 46 Minuten geschrieben, der vom Philharmonischen Filmorchester München unter der Leitung von Frank Heckel im Juni 2009 eingespielt wurde. Die Auswahl fiel schwer, aber hier nun Track 42 mit dem Titel „1900“, der die Aufbruchsstimmung des Jahrhundertwechsels widerspiegelt:

Sind das Soundtracks „for the ages“? Klassiker des modernen TV-Scores? Natürlich nicht. Es sind Auftragsproduktionen gewesen, Gebrauchsmusik mit mehr oder weniger Aufwand, je nachdem, was das Budget für die Musik noch übrig hatte. Aber trotzdem oder gerade deswegen kann ich nicht sagen, dass ich jemals mit einem der Soundtracks unzufrieden war. Für sich genommen passt jeder Score zu seinem entsprechenden Film, wird das Geschehen auf dem Bildschirm passend untermalt, gestützt und emotional verstärkt. Ich bin Gert, Guy, Stephan, Dieter und den diversen Zulieferern von „Lotta in Love“ dankbar – und werde die CDs nie wieder verlieren. Versprochen.



avatar
1 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
1 Comment authors
G Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste
Benachrichtige mich zu:
G

Erstmal: Auch hier Gratulation zum gelungenen Relaunch der Seite!

Mir gefällt das Sumuru-Theme sehr gut. Neben dem von dir erwähnten ethnischen Einschlag kann ich da das Abenteuer schon fast riechen. 😉