Kanada 2016. Regie: Jeremy Gillespie, Steven Kostanski. Darsteller: Ellen Wong, Kathleen Munroe, Kenneth Welsh,Aaron Poole, Art Hindle, Amy Groening, Stephanie Belding

Offizielle Synopsis: Sheriff Carters gemütliche Nachtschicht kommt zu einem jähen Ende, als ihm aus dem Wald ein blutender Mann vors Auto rennt. Umgehend bringt Carter den Verletzten ins naheliegende Krankenhaus, doch damit tritt er ungewollt eine höllische Lawine los. Zuerst tauchen zwei mysteriöse Jäger auf, die dem Unbekannten nach dem Leben trachten. Aber schon bald sieht sich die illustre Schar von Patienten und Angestellten einem viel größeren Problem gegenüber: Niemand kann das Krankenhaus verlassen, denn draußen versammeln sich messerschwingende Kultisten in weißen Roben, die jeden Fluchtversuch vereiteln. Und als dann drinnen die ersten Opfer zu ekelerregenden Schleimmonstern mutieren, müssen die Überlebenden erkennen, dass das wahre Tor zur Hölle gerade erst begonnen hat, sich zu öffnen …

Kritik: Auf jedem Festival gibt es ein oder zwei Filme, die einem die Laune verderben. Nicht, weil sie schlecht sind – schlechte Filme gehören im wahrsten Sinne des Wortes zum Programm, da muss man durch, das preist man mit ein. Ich rede von ärgerlichen Filmen, von doofen Filmen, die selbst einfachste Prämissen vergeigen, weil die Macher denken, sie hätten einen ganz tollen Dreh gefunden – der komplett nach hinten losgeht.

2015 war das z.B. „Hellions“, ein kanadischer Film, der ein ganz solides „Home Invasion“-Setup in einen pinkfarbenen, unentschlüsselbaren Mindfuck dreht und dabei die Zuschauer komplett außen vor lässt. 2017 begeht der ebenfalls kanadische „The Void“ so ziemlich den exakt gleichen Fehler.

Die Ausgangssituation ist weder neu noch spektakulär, aber vielversprechend: In düsterer Nacht entdeckt ein Sheriff einen verletzten Mann auf der Landstraße, bringt ihn in ein Krankenhaus, das nach einem Brand nur noch mit einer Notbesetzung arbeitet, die auf den Umzug in das neue Gebäude wartet. Schnell stellt sich heraus, dass eine Sekte bizarrer Kuttenträger hinter dem Flüchtling her ist und eine paranormale Entität die Toten in Monster verwandelt…

„Das Ding aus einer anderen Welt“ meets „Assault on Precinct 13“. Klingt doch gut. Klingt solide. Klingt wie „kann man machen, bringt man 90 Minuten mit rum“.

Leider fliegen die Carpenter-Anleihen nach dem ersten Akt aus dem Fenster und die Lovecraft- und Barker-Gäule gehen mit den Machern durch. Es geht um geheime, obszöne Experimente, Tore in gar schröckliche Dimensionen, satanische Allmacht, verbotenes Wissen – und zu letzterem gehört anscheinend auch die Frage, was der wirre Kappes überhaupt soll. Jeder stringente Plot wird abserviert, der Antagonist geriert sich als Möchtegern-Pinhead und man fragt sich im Rückgriff auf die Sesamstraße: wieso weshalb warum? Tausend tolle Sachen, die gibt es überall zu sehen – aber nicht hier.

Es zieht sich, es kommt nichts voran, man wünscht sich das Ende herbei. Und dieses Ende ist erwartungsgemäß metaphysischer Unfug ohne jeden inneren Abschluss, da wird fleißig am Altar des ersten Phantasm-Films und bei Fulci gehuldigt.

Fazit: Hätte als Satanisten-„Assault“ funktionieren können, aber die Macher hatten andere Ideen. Dumme Ideen. Ein wirres Ärgernis ist das Ergebnis. 2 von 10. Es kann kaum noch schlechter werden…

Shriek of the Yeti:

„Aus Carpenter- und Barker-Versatzstücken zusammengestückelter Horror, der sich nach einer starken ersten halben Stunde leider dem kompletten groben Unfug ergibt. 5/10.“



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Pogopuschel
Pogopuschel

Also irgendwie passen der Trailer (der furchtbar dröge ist) und der Film, den du beschreibst, bzw. der in der offiziellen Inhaltsangabe beschrieben wird, so gar nicht zusammen.

Peroy
Peroy

Das ist allein vom Inhalt her aber der interessanteste Film, der auch am besten aufs Festival passt…

heino
heino

Der Fairneß halber merke ich an, dass Marcus deine Meinung teilte. Mir hat der Film allerdings gefallen, weil er eine schön creepy Atmosphäre hatte und gerade die krude Mischung, die du kritisierst, hat mich genau auf dem richtigen Fuß erwischt. Bei einem Fulci/Lovecraft/Barker-Rundumklau erwarte ich keine stringente Story oder ausgefeilte Charaktere, sondern viel Atmosphäre und Kunstblut. Und da liefert der Streifen.

7/10

Marcus
Marcus

Also das ist doch mal wieder, was der Dewi hier wieder für eine gequir—

—wait, what? Was schreibt er da?

Okay, Fehlstart. Stimmt alles. Sorry, ich war schon vorbelastet und glaubte mich mal wieder in der Rolle des einsamen Streiters für die wirklich wahrste Wahrheit, weil wirklich jeder im Kino um mich herum den Film so gelobt hat. Ein gelungener Rückgriff auf Fulci und Carpenter sei das, ein hochatmosphärischer Crowdpleaser und was nicht sonst noch alles.

Nein.

Das ist einfach nur tumber, plumper, dröger Billo-Schplädda ohne Verstand und Ideen, dessen Macher von Prince of Darkness über Hellraiser bis zur Geisterstadt der Zombies alles gesehen und toll gefunden haben, ohne sagen zu können, warum; der „dumme Dinge tun“ und „dummes Zeug reden“ mit einer Story verwechselt; der „durch schlecht ausgeleuchtete Korridore latschen“ und „Goooore!“ für Atmosphäre und „random shit happens and is never explained“ für Kultfaktor hält, und der es vor allem schafft, mit den Vorbildern keine einzige Sekunde zuwege zu bringen, die auch nur halbwegs unheimlich wäre.

Ich denke, der Film hier unterscheidet sich von THE TRANSFIGURATION nur in zwei Punkten:

1. Die einen glauben, sie machen Kunst, die anderen glauben, sie machen Kult. (Beide irren.)
2. Wenn die einen merken, dass sie erzählerisch nicht weiterwissen, lassen sie ihre Figuren bedeutungsschwanger ins Nichts gucken, währen die anderen dann das Kunstblut und das Gekröse auspacken.

Das eine ist auf geschäftigere und kurzweiligere Art und Weise schlecht als das andere, aber das hilft mir auch nicht weiter.

Ohne. Mich. 3/10.

Peroy
Peroy

Das ist trotzdem der Film, der sich mir in dem Line Up am ehesten aufdrängt…

Jake
Jake

Den gab’s gestern für 99 Cent Leihgebühr bei Amazon, da konnte ich trotz der negativen Stimmen nicht widerstehen.

Ich sag’s mal so: Hätte Seth Brundle in seinen ersten, fehlgeschlagenen Teleportationsversuchen anstatt eines Pavians eine VHS-Kopie von „The Thing“, „Hellraiser“ und „The Beyond“ in die Kammer gesteckt, wäre wohl eine kinematografische Mißgeburt à la „The Void“ wieder herausgekrochen.

Fazit: Kill it with fire! 4/10

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