USA 2016. Regie: Bryan Bertino. Darsteller: Zoe Kazan, Ella Ballentine, Scott Speedman, Aaron Douglas, Chris Webb, Christine Ebadi, Marc Hickox

Offizielle Synopsis: Auf dunkler Landstraße kommt es zwischen Mutter und Tochter erst zum Streit und kurze Zeit später zu einer unerfreulichen Begegnung mit einem verletzten Wolf, die nach misslungenem Ausweichmanöver im Straßengraben endet. Die telefonisch angeforderte Hilfe verzögert sich aufgrund des unberechenbaren Wetters, und so sitzen Kathy und Lizzy vorerst untätig in nächtlicher Einsamkeit – bis sich die Anzeichen mehren, dass dort draußen im Dunkeln etwas auf sie lauert. Natürlich, versichert Kathy ihrer Tochter, gebe es keine Monster. Doch schon der erste gutmütige Helfer, der vorbeikommt, macht eine anderweitige Erfahrung. Inmitten eines plötzlich über sie hereinbrechenden Albtraums aus Tod und Raserei muss Kathy erkennen, dass sie sich schwerstens geirrt hat …

Kritik: Es ist interessant, dass das FFF-Programmheft bei der obigen Inhaltsangabe den Motor des Handlung völlig ausblendet, die treibende Metapher. Kathy ist nämlich eine Schlampe, eine schwere Trinkerin, und hat Elisabeth vermutlich schon mit 15 oder 16 in die Welt gesetzt. Als Totalversagerin ist sie das Feindbild ihrer Tochter, deren Überlebensstrategie das totale Gegenteil ist: sie ist organisiert, kontrolliert, fokussiert. So haben sich im Laufe der Jahre die Rollen vertauscht, ist Kathy zum „Kind“ der eigenen Tochter geworden – in der Attacke des Monster wird sie allerdings ein letztes Mal als Mutter gefordert.

„Gilmore Girls“ als Monsterfilm quasi.

Wie bei „Babadook“ ist das Monster nur ein externer Katalysator, der die Beziehung von Mutter und Tochter in Frage stellt und dann neu definiert. Darum ist es auch völlig irrelevant, woher das Monster kommt, was es kann und was es will. Es bleibt eine Chiffre – das schwarze, Zähne fletschende Biest in dunkler Nacht, das Mutter und Tochter zu vernichten droht. 

Regisseur und Autor Bertino ist anzurechnen, dass er auf diese Weise versucht, einen Wald- und Wiesen-Monsterfilm mit ein bisschen mehr Gehalt und Drama aufzupumpen. Es gelingt ihm allerdings nur halb, denn er stellt seine Figuren zwar korrekt auf und platziert sie in einem wirklich beängstigenden Szenario – dann geht ihm aber schnell die Luft aus. Das Monster belagert das Auto – und nun? Statt clevere Angriffe und nicht minder clevere Gegenangriffe eskalieren zu lassen, wird jeder noch so banale Vorgang (Handy holen, toten Wolf anschauen) weit über die Schamgrenze hinaus gestreckt und mit Phrasen wie „Alles okay“ und „Hab‘ keine Angst“ aufgefüllt. Wenn Kathy ihrer Tochter zum gefühlt dreißigsten Mal versichert, sie werde außerhalb des Wagens schon sicher sein, dann möchte man die Leinwand anbrüllen: „Steig halt endlich aus, du blödes Stück!“

Weiter ausgebremst wird „The Monster“ durch die Rückblenden, die das schwierige Verhältnis von Mutter und Tochter illustrieren sollen, aber letztlich nur Zeitschinderei sind – wir erfahren rein gar nichts, was wir nach dem Prolog nicht eh schon wussten. 

Würde man die Rückblenden rausschneiden und die Spannungsmomente etwas straffen, würde „The Monster“ vermutlich zu einem sehr knackigen Kurzfilm von 60 Minuten mutieren. Als Episode der Serie „Masters of Horror“ hätte das von mir den Daumen hoch bekommen. Aber die Notwendigkeit, auf klassische Spielfilmlänge zu kommen, überfordert den Autor sichtlich und strapaziert dann auch das atmosphärisch dichte Setting und das sichtliche Bemühen der beiden Darstellerinnen.

Einen Extrapunkt gibt es für die gelungene technische Umsetzung des Monsters als ölige Mischung aus Alien und Grizzly (es werden auch Erinnerungen an „Attack the Block“ wach). Zwar besagt das Neue Handbuch der Horrorklischees, dass die Strategie des „Monster erst spät und dann nur wenig zeigen“ mittlerweile nicht mehr funktioniert, aber „The Monster“ ist ein schönes Beispiel dafür, dass das eben nicht immer stimmt. Das ist sympathisch klassisch inszeniert.

Fazit: Möchte gerne ein Hybrid aus „Cujo“ und „Babadook“ sein, überhebt sich aber seinem zu dünnen Plot und den Minimal-Dialogen, die eh schon gestreckte Spannungssequenzen endgültig überstrapazieren. Wegen der düsteren Atmosphäre, dem gelungenen Monster und den beiden überzeugenden Hauptdarstellerinnen reicht es trotzdem noch für 7 von 10 – nur Yetis vergeben bekanntermaßen halbe Punkte.

Shriek of the Yeti:

„Mutter und Tochter mit arg gestresstem Verhältnis bleiben nach einem Unfall mitten in der Nacht im Wald liegen. Wär schon creepy genug, aber es gibt eben noch ein böses böses Monster. Angenehm old-schoolig, aber etwas zu lang und mit störenden Flashbacks. Kann man aber kucken. 6,5/10.“



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Muriel

Hm… Ja, da bin ich ungefähr bei dir. Ich würd ihm aber objektiv nur 6 und selbst-emotional eher 4 Punkte geben, weil ich echt gelitten habe, weil ich alle 5 Minuten jemanden für das unnötig verschenkte Potential ohrfeigen wollte. Das hätte SO ein toller Film sein können, glaubich. Sogar in lang.
Also, er ist zum Beispiel objektiv wohl besser als Arrival (Ich weiß, es ist komisch, die zu vergleichen, aber ich geh halt selten ins Kino.), aber Arrival tut weniger weh. Da hatten sie nämlich keine Idee, oder nur eine große, schlechte, und das muss man sich halt ansehen. Bei The Monster hab ich immer wieder gedacht „Oooh, ooh gut, da bin ich jetzt gespannt, wie… Oh. Ach so. Ähm. Mist.“ Das war schade.
Und ich hab keine Ahnung, wie ich damit umgehen will, dass du da oben einfach ohne weiteren Kommentar „Schlampe“ geschrieben hast. Hm. Wahrscheinlich dann einfach auch nicht kommentieren.

Peroy
Peroy

Schreibt einfach so „Schlampe“, der Dewi… ohne weiteren Kommentar… so ’ne dumme Fotze!!! >:(

heino
heino

Da bin ich absolut bei dir, der Film hätte deutlich besser sein MÜSSEN, aber die Macher vergeigen das auf haarsträubende Weise. Am schlimmsten fand ich den Plan, den die Mutter fasst und der zu ihrem Opfertod führt, der aber total sinnlos ist. Und diese aufgesetzte Holzhammersymbolik hat dem Streifen den Rest gegeben.

5/10

Marcus
Marcus

Die Schauspieler sind toll und die Grundidee, den bestehenden Konflikt zwischen den Figuren in eine solche Horrorstory reinzuverlängern, klappt super. Auch filmisch brennt hier nix an.
Nur leider ist der Film zu detailverliebt beim Aufbau seiner Backstory und dann wieder zu simpel beim eigentlichen Genreteil. Das Ergebnis schafft es dann leider, bei gerade mal 90 Minuten noch deutliche Längen zu haben. In Summe für Genrefreunde aber dennoch zu empfehlen. 7/10.

Jake
Jake

Zu flach geratener „Babadook“-Verschnitt, der mit stimmungsvollem Setting und überzeugenden Darstellern punkten kann. Die Rückblenden störten mich weniger, das teils sehr unlogische Verhalten der handelnden Personen dafür umso mehr. Gerade noch 7/10.