USA 2016. Regie: Paul Schrader. Darsteller: Nicolas Cage, Willem Dafoe, Christopher Matthew Cook, Louisa Krause, Paul Schrader, Melissa Bolona

Offizielle Synopsis: „Diesen Job erledigen wir richtig! Dieser Job wird Triumph oder Untergang!“ – Nachdem wir die Kleinganoven Troy, Mad Dog und Diesel mittlerweile schon bei einigen früheren Schandtaten begleiten konnten, kommt uns ganz stark der Verdacht: Die Nadel des Schicksals wird sich für die drei Ex-Knackis eher in Richtung Untergang drehen …

Kritik: Was war eigentlich der letzte wirklich gute Paul Schrader-Film, den man ohne Einschränkungen empfehlen konnte? „The Affliction“ 1997? Das ist auch schon wieder 20 Jahre her. Oder sogar „The Light Sleeper“ von 1992? Wir reden hier vom Regisseur von „American Gigolo“ und „Mishima“, vom Autor von „Taxi Driver“, „Rolling Thunder“ und „Red Bull“, der seine jahrelange Kokainsucht gerne biographisch wie filmisch thematisiert und vielleicht in den Ruhestand hätte gehen sollen, bevor er schmierige No Budget-Dramen mit Lindsay Lohan und Pornostars drehen musste.

„Dog eat dog“ ist sicher ein Fortschritt gegenüber der deprimierenden Sackgasse, die „The Canyons“ war, aber als Rehabilitierung taugt er leider auch nicht. Dafür hat er zu wenig Anspruch, zu wenig Eier. Seine manische Energie, natürlich wieder gespiegelt im massiven Drogenkonsum der Protagonisten, wirkt seltsam gezwungen, als wäre Schrader weniger an dem interessiert, was auf der Leinwand passiert, sondern mehr an dem, was die Leute von einem Schrader-Film erwarten. Gangster, Drogen, Sexismus, explosive Gewalt – alles wird eher abgehakt als inszeniert.

Da passt es auch, dass mit Cage und Dafoe zwei frühere Weggefährten Schraders mit an Bord sind, die zu kalkuliert die Sau rauslassen, weil sie halt Cage und Dafoe sind. Nichts ist neu, keine Facette, keine Geste. Dafoe und Cage spielen Schrader. Das ist zu „laid back“, da fehlt die Wut, die Anklage. Die Dreharbeiten können kaum jemanden beansprucht haben, das Ergebnis wirkt, als hätten die Beteiligten sich gefreut, einfach mal wieder drei Wochen lang gemeinsam abhängen zu können. 

Natürlich ist Schrader selbst auf Autopilot niemand, der seine 40 Jahre Hollywood-Erfahrung vergisst: Die Sprüche sind amüsant schräg, die Gewalt kommt unterhaltsam überdreht – und wenn sonst nichts geht, läuft halt eine Statistin oben ohne durch die Bar. Frauen war bei Schrader ja seit jeher nur Schlampen oder frigide Miststücke. 

Und ja: Mit Besuchen in Strip-Bars, Drogen-Trips und vergeigten Verbrechen kann man durchaus 90 Minuten rumbringen, ohne dass der Zuschauer wegdöst. Aber ist das noch oder schon Entertainment?

So bin ich hin- und hergerissen: Soll ich „Dog eat dog“ gut finden, weil er im kurzfristigen Kontext einen Aufstieg für Schrader darstellt und zumindest über die Laufzeit launig zu unterhalten weiß? Oder soll ich ihn schlecht finden, weil er im gesamten Oeuvre des legendären Filmemachers nur eine weitere belanglose Fußnote darstellt und man von Schrader einfach mehr erwarten darf? Ich ziehe mich mit auf ein feiges „sowohl als auch“ zurück.

Fazit: Ein kleines, schmutziges Gangsterdrama, aufgepumpt mit Zynismus und selbstreferenziellem Overacting, das von einem Nachwuchs-Regisseur akzeptabel wäre, für eine der großen Stimmen des New Hollywood der 70er aber nur eine beschämende Fingerübung darstellt. 5/10 – Yetis mögen so etwas mögen, aber die haben ja auch keinen Anspruch.

Shriek of the Yeti:

„Schrader goes Tarantino, a bit. Drei Kleinganoven versauen den großen Coup. Cage und Dafoe spielen verdammt gut, es ist durchaus lustig, aber im Endeffekt nicht wirklich was neues. Wer das Genre mag, wird aber gut bedient. 7/10.“



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MarcusheinoDr. AculaPeroy Recent comment authors
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Peroy
Peroy

Voll Fantasy, ey…

Dr. Acula

Was echte Genre-Motive angeht, war das tatsächlich ein eher maues Festival…

heino
heino

Auch hier volle Zustimmung. Schrader geht auf Nummer Sicher und macht nichts falsch, aber begeistern kann das auch nicht.

5/10

Marcus
Marcus

„vom Autor von „Taxi Driver“, „Rolling Thunder“ und „Red Bull“, der “

Psst (oder sollte ich sagen: „Prost!“) – mach das mal richtig, bevor es jemand merkt. 😀

Marcus
Marcus

Jo, ich weiß, wer Paul Schrader ist und was er geleistet hat. Das hilft mir, solange dieser Film hier läuft, aber nix.

Mäanderndes Gangsterfilmchen mit Dafoe im Overdrive und Cage auf Autopilot, das eine zu dünne Soße aus Gags und Gewalt über die ausufernde Schilderung der Existenznöte schmerzhaft uninteressanter Menschen träufelt. Das ist nicht aktiv nervtötend, aber am Ende vollkommen überflüssig. 5/10.