„Fange an zu schreiben, komme, was da wolle. Das Wasser fließt nicht, so lange man nicht den Wasserhahn aufdreht.“
(Louis L’Amour)

crestIch hatte ja angedroht, dass ich mein Sabbatical nutzen würde, um mal wieder in der tiefen Pfütze der Fiction zu waten (und um mir solche krummen Analogien abzugewöhnen). Nach sechs Jahren, in denen ich primär journalistisch gearbeitet habe, möchte ich mein Fabuliergeschick entrosten. Sei es mit Kurzgeschichten oder Romanen – Genre egal. Einfach mal wieder was schreiben, was Anfang, Mitte und Ende hat – und haltlos erfunden ist.

Nun ist die Motivation ja etwas, das mich nicht mit glühender Leidenschaft verfolgt, und so manche hehre Absicht, „heute aber!“ zwei bis fünf Seiten zu schreiben, verstarb einen leisen „ohh, guck mal, ein neues Nostalgia Critic-Video!“-Tod. Machen wir uns nichts vor: Das Sabbatical ergebnislos zu verschlabbern wäre eine Leistung, die ich leichten Fußes und fetten Arsches zu liefern in der Lage wäre.

Na ja, nicht GANZ ergebnislos: Nach der Neuinstallation meines von Amazon ersetzten Fire Tablets habe ich es schon wieder bis Level 450 bei „4 Bilder 1 Wort“ gebracht.

Doch „Autor“ soll meine Berufsbezeichnung sein, nicht „Lusche“!

Warum also zur Abwechslung nicht mal auf „peer pressure“ setzen, auf Social Media-Coaching, auf neumodische Belohnungsmechanismen aus dem Gaming-Umfeld?

Und da kommt der NaNoWriMo ins Spiel, entzerrt „NAtional NOvel WRiting MOnth“. Das Prinzip ist eigentlich ganz simpel. Man nimmt sich vor, im November einen Roman zu schreiben. 1500 Worte am Tag. Genre egal, finale Länge egal, Qualität letztlich auch egal. Es geht nur darum, zu schreiben. Erfahrung zu sammeln. Schreibblockaden zu überwinden. Disziplin zu lernen. 

„Du kannst nur lernen, ein besserer Schreiber zu sein, indem du schreibst. Ich weiß nicht viel über Kurse für kreatives Schreiben. Aber sie sagen dir nicht die Wahrheit, wenn sie dir nicht beibringen, dass Schreiben harte Arbeit ist.“
(Doris Lessing)

Zu diesem Zweck legt man einen Account an, sucht sich einen Titel für das geplante Epos und schreibt ein paar Zeilen zum Inhalt. Und dann: legt man los. Und lässt die gesamte Welt über die Webseite des NaNoWriMo am Fortschritt der Arbeit teilhaben. Für das Erreichen gesetzter Wegmarken kassiert man zudem virtuelle Orden. Die sonst so einsame Arbeit des Schriftstellers wird zum sozialen Happening mit spielerischen Elementen.

Mein Kumpel und Ko-Autor Nathan Shumate nimmt schon seit Jahren am NaNoWriMo teil und ist der lebende Beweis, dass am Ende des Monats tatsächlich ein fertiger (kurzer) Roman dabei rauskommen kann.

Ihr ahnt es: 2016 habe ich mich entschieden, auch mal mitzumachen, die Kombination aus Web-Sabbatical und genereller Entspannung in den Dienst der gute Sache zu stellen. Und darum schreibt der Wortvogel in den nächsten vier Wochen unter den Augen der Welt den Horror-Schundschmöker „The Train„. Hoffentlich.

Natürlich arbeite ich jetzt schon härter an den Entschuldigungen für mein Versagen als am eigentlichen Konzept des Romans. So bin ich nächste Woche wieder fünf Tage auf Reportage, da sehe ich mein Macbook nicht mal von weitem. Wie soll ich da meine 1500 Wörter-Etappen schaffen? Und wer zählt Manuskripte (bzw. Typoskripte, wie es eigentlich heißen muss) in Wörtern?!

Egal. Ich probier das jetzt einfach mal. Grob habe ich mir eine Obergrenze von 25.000 Wörtern für „The Train“ gesetzt, was THEORETISCH in 17 Tagen zu schaffen sein sollte. Laut dem ollen MRR habe ich alles, was es braucht:

„Ohne Eitelkeit gibt es kein Schreiben. Egal, ob Autor oder Kritiker – Eitelkeit muss dabei sein. Sonst entsteht nichts.“
(Marcel Reich-Ranicki)

Man kann das Spiel natürlich noch bis zur Kasteiung steigern, in dem man die Etappen für den NaNoWriMo mit der „most dangerous writing app“ schreibt, die jedes Innehalten, jedes Zögern mit der gnadenlosen Löschung der bisherigen Ergüsse bestraft. Da wird die Schreibarbeit zum Akkord, zur Folter gar – aber nicht für mich. Schließlich besteht bei mir jederzeit die Möglichkeit, dass eine Katze auf meinen Schoß steigt, mir ihren Popo ins Gesicht hält und mit einem mäßig interessierten „wasmachstnda?“ den Blick auf den Bildschirm verstellt. 

Sollte „The Train“ fertig werden und in seiner Gänze mein gnädiges Urteil finden, stellt sich natürlich die Frage, was ich damit mache. Mal sehen.

Genug der Vorrede. Morgen geht’s los. Und ihr seid dabei.

P.S.: Eigentlich mache ich das mit dem NaNoWriMo nur, weil der doofe Doc Acula es auch macht. Und wenn DER das schon kann…



10 “ An die Arbeit! Der NaNoWriMo ruft! ”

  1. 3

    Hehe, ja, NaNoWriMo macht Spaß (und Stress, aber comicfreak, das lohnt sich).
    Ich hab’s letztes Jahr mitgemacht. Es ist wirklich erstaunlich, wieviel man am Ende des Monats zusammenhat.
    Okay, verständnisvolle Partner(innen) helfen da ungemein. 🙂

    Viel Spaß!



Antworten

XHTML: Du kannst diese Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>