Trash Fire

trash fire posterUSA 2016. Regie: Richard Bates Jr. Darsteller: Adrian Grenier, Angela Trimbur, Fionnula Flanagan, AnnaLynne McCord, Matthew Gray Gubler, Sally Kirkland

Offizielle Synopsis: Isabel hat mit ihrem Partner Owen einen ganz besonderen Fang gemacht. Wenn der Bulimiker nicht gerade seine Psychiaterin in den Schlaf quatscht, beschimpft er Isabels Freunde und stößt ihren Bruder vor den Kopf. Von seinen eigenen Angehörigen will Owen schon seit Jahren nichts mehr wissen. Doch da hat der Zyniker die Rechnung ohne die resolute Isabel gemacht! Um ihre Beziehung zu retten, muss eine Familienaussöhnung her. Sie konnte ja nicht ahnen, dass Owen noch der sozial kompatibelste Spross der Sippe ist. Die Eltern sind einst bei einem Hausbrand ums Leben gekommen, die von den Flammen gezeichnete Schwester Pearl ist schwer traumatisiert. Auch nicht gerade als Sonnenschein erweist sich Großmutter Violet, eine im religiösen Wahn gefangene Furie, die die Besucher aus der Großstadt mit dem Schrotgewehr begrüßt.

Kritik: Richard Bates jr. scheint ein Interesse zu haben, ein FFF-Veteran zu werden. Seit vier Jahren liefert er zuverlässig im Zwei Jahres-Takt einen Genrefilm ab. 2012 begeisterte er das Publikum mit dem Teenager-Ekelfilm „Excision„, 2014 fuhr er mit „Suburban Gothic“ deutlich softer. Und nun kommt „Trash Fire“. Hat sich der Mann positiv weiter entwickelt?

Zuerst einmal fällt auf, dass Bates sich wieder ein eigenes Universum gebaut hat, das mit unserem nur oberflächliche Ähnlichkeiten aufweist. Die Menschen sind so überzeichnet und für den gewünschten Konflikt definiert, die Beziehungen so jenseits von Gut und Böse, dass der Vorwurf, die daraus resultierenden Szenen und Dialoge seien unrealistisch, ins Leere läuft. Bates immunisiert damit seine Extreme – kann man machen, finde ich als Autor persönlich aber faul und durchschaubar. Letztlich ist das ein Problem vieler aktueller junger Hollywoodautoren (siehe auch „Happy Birthday“ und „War on everyone“): Ihnen ist entweder das Gespür und das Gehör für echte Menschen abhanden gekommen – oder echte Menschen interessieren sie nicht. Das ist nur leider in dem Augenblick ein Problem, in dem man sich als Zuschauer mit seinem Protagonisten identifizieren will.

trash fire

Ich hatte eigentlich gehofft, Bates würde sich in dieser Beziehung weiterentwickeln, würde eine etwas stimmigere Figurenkonstellation bauen – aber nein. „Trash Fire“ (ein letztlich sinnloser Titel) ist ein deutlicher Rückschritt, weil er zwar die gleichen Exzentrismen reitet wie „Excision“, das aber in einem deutlich begrenzteren Umfeld, mit weniger spannenden Figuren und einer reduzierteren Bildsprache. Er wirkt, als hätte man versehentlich die Reihenfolge umgedreht: „Trash Fire“ wäre als Erstling plausibler gewesen, dem „Excision“ als reiferes Werk nachfolgt.

Es hat bestenfalls voyeuristischen Schauwert, den vier Figuren dabei zu zu schauen, wie sie sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen, statt einfach auseinander zu gehen. Befeuert wird die Narrative von der bigotten Großmutter Violet, der die (erneut) großartige Fionnula Flanagan allerdings auch keine neuen Seiten jenseits von „religiöse Furie“ abgewinnen kann.

Weil die Figuren letztlich keinen plausiblen Klebstoff haben, der sie aneinander bindet, ist es frustrierend konsequent, dass Bates statt eines erzählten Endes die Handlung bei Erreichen der notwendigen Laufzeit an einer willkürlichen Stelle mit einer Schrotflinte beendet.

rotFazit: Ein frustrierend selbstverliebter und zynischer Filme ohne wirklichen Kern, der in wenigen gelungenen Szenen und Dialogen zeigt, dass Bates sich deutlich mehr auf Comedy als auf Psychoterror konzentrieren sollte.

Philipp meint: Solide, aber nichts besonderes – und gegenüber „Excision“ ein eindeutiger Rückschritt. Aber eine grandiose Eröffnungsszene, die als eigener Superkurzfilm funktionieren würde.



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