The Similars

similars posterMexiko 2015. Regie: Isaac Ezban. Darsteller: Gustavo Sánchez Parra, Cassandra Ciangherotti, Humberto Busto, Fernando Becerril, Carmen Beato, Santiago Torres

Offizielle Synopsis: Der Wartesaal des Grauens! Tagelanger Dauerregen hat den Verkehr lahm gelegt. Minenarbeiter Ulisses und eine hochschwangere Frau sitzen in einem gottverlassenen Busbahnhof am Arsch von Mexiko fest. Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein Radio, durch das beunruhigende Berichte über ein brutales Studentenmassaker (!) und das für Experten unerklärliche Wetterphänomen dringen. Da tauchen weitere Reisende auf: eine vor sich hin brabbelnde Schamanin, ein höchst aggressiver Medizinstudent und eine Frau mit einem kranken Kind. Alle wollen nur endlich weg von hier. Als urplötzlich verstörende Gesichtsmutationen ausbrechen, wächst die Panik unter den Eingeschlossenen. Ist es ein Virus? Stecken Außerirdische dahinter? Oder sind die Wartenden womöglich Testobjekte eines geheimen Regierungsprogramms?

Kritik: Oberflächlich ist „The Similars“ genau die Sorte Film, wegen derer ich (auch) zum Fantasy Filmfest fahre. Aus einem Land mit aktuell begrenztem Horror-Output, schön schräg, sich den billigen Klischees des Genres verweigernd – und damit die perfekte Ergänzung zu sympathischen, aber sehr kommerziellen Krachern wie „Don’t kill it“.

Leider war mir nach fünf Minuten klar, dass praktisch alles, was „The Similars“ interessant macht, dreist geklaut ist: Der irreal wirkende Schauplatz, die schwarzweiße Kamera, die sonore Erzählerstimme, die seltsam artifiziell wirkenden Figuren. Das ist nicht dem kreativen Geist von Isaac Ezban entsprungen, sondern dem von Rod Serling.

„The Similars“ ist letztlich ein mexikanisches, spielfilmlanges „Twilight Zone„-Remake, ästhetisch, visuell und erzählerisch an die ursprüngliche Serie aus den 60ern angelehnt. Und es gibt keinen Hinweis darauf, dass Ezban sich hier an einer Homage versucht.

similars

Nun gibt es Schlimmeres, als eine der besten und genreprägendsten Serien zu kopieren, zumal Ezban durchaus die Mittel und das Talent hat, sich dabei nicht zu verstolpern. Aber es gibt einen Grund, warum die „Twilight Zone“ meistens eine halbe Stunde, manchmal eine Stunde lang waren: Es sind keine auserzählten Geschichten, sondern Schnappschüsse von Kurzgeschichten, erzählte Snacks mit Pointe. Sie sind weder gedacht noch geeignet, auf Spielfilmlänge gestreckt zu werden, weil weder ihre Charaktere noch ihre Handlungsbögen darauf ausgelegt sind. Aus dem Grund enthielt ja auch das Spielfilm-Remake 1983 von Spielberg (u.a.) seinerzeit vier kürzere Geschichten.

Und genau deshalb ist „The Similars“ sehr zäh – das anfängliche Interesse an den Geschehnissen im Busbahnhof nimmt mit der Erkenntnis ab, dass es vermutlich keine klare Erklärung geben wird. Und ohne einen klaren Protagonisten hält sich auch die Empathie mit den Figuren in Grenzen.

Eine Bewertung ist deshalb schwierig: Wer nicht – wie ich – ein großer Fan der „Twilight Zone“ ist und sich über den dreisten Abklatsch ärgert, der mag „The Similars“ deutlich frischer finden und frecher. Aber Filme existieren eben nicht im luftleeren Raum.

gelbFazit: Ein surreales Gruselstück mit viel Auge für Optik, das primär damit hadert, dass es als dreiste, aber unausgesprochene Kopie klassischer Twilight Zone-Motive (besonders der Episoden „It’s a good life„Five characters in search of an exit“) nicht ausreichend Saft und Story für die Laufzeit mitbringt.

Philipp meint: Zu The Similars kann ich irgendwie nichts mehr schreiben, nachdem ich weiß, dass es so stark inspiriert wurde, ohne die Originale gesehen zu haben.



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What he said. Viel zu lang (und viel zu viel Geschrei, für meinen Geschmack) um eine letztlich viel zu banale Grundidee. Mit gutem Willen: 5/10.

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