The Girl with all the Gifts

girl with gifts posterEngland/USA 2016. Regie: Colm McCarthy. Darsteller: Paddy Considine, Glenn Close, Gemma Arterton, Sennia Nanua

Offizielle Synopsis: Nach dem Ausbruch einer tödlichen Spore, die aus den Befallenen willenlose „Hungries“ mit akuter Gier auf Menschenfleisch macht, haben sich die Überlebenden in Militärbasen organisiert, wo Wissenschaftler an unfreiwilligen Testobjekten forschen. Besonders eine Gruppe von infizierten Kindern verspricht Hoffnung auf ein Heilmittel: Die können ihren Fressimpuls noch kontrollieren, weil ihr Verstand noch nicht dem Wahnsinn anheim gefallen ist. Unter ihnen ist die kleine Melanie, ein hochintelligentes und dennoch brandgefährliches Wunderkind. Gerade als sie im Namen der Forschung seziert werden soll, wird die Basis überfallen und die schon Todgeweihte befindet sich plötzlich mit ihren Peinigern und einer Lehrerin auf der Flucht. In ständiger Gefahr, bedroht von Infizierten und Marodeuren, ist Melanie nun die letzte Chance auf die Rettung der Menschheit. Aber ob sie dies aber überhaupt sein will, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Kritik: Schaut man sich die Themen und die erzählerischen Strukturen von „Cell“ und „The Girl with all the Gifts“ an, sind die beiden Filme fast Zwillinge. Beides sind Roman-Adaptionen, beide erzählen von einer Viruszombie-Epidemie ungewöhnlichen Ursprungs (Handysignal hier, Pilzsporen dort). Jeder Film müht sich, den „Zombies“ eine Backstory und eine Mythologie zu geben, die über die Menschenfresserei hinausgeht. Die Infizierten sind in beiden Filmen Herdentiere, die sich sammeln, auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Unsere kleine Gruppe muss sich mühen, dieses Ziel zu verstehen – und gegebenenfalls gewaltsam zu verhindern. Denn es droht das Ende der Menschheit.

Der primäre Unterschied: „The Girl with all the Gifts“ taugt was. Er ist nicht der Ausstoß irgendeiner Koproduktionsmaschine ohne Seele, sondern ein Qualitätsprodukt auf allen Ebenen. Die Mythologie der Zombies ist sehr spannend, die Bedeutung der Kinder lange genug ein Geheimnis, die Figur der kleinen Melanie faszinierend ambivalent. Starpower ist hier nicht bloß eingekauft – besonders Glenn Close hängt sich richtig rein, gibt Doctor Calloway eine gnadenlose und doch immer verständliche Bärbeißigkeit.

girl with gifts

Hinzu kommt, dass „The Girl“ seine Welt deutlich kompetenter visualisiert. Das entvölkerte und von der Natur langsam zurückeroberte London, der überwuchte British Telecom-Tower, die Heerschaaren vor sich hin schimmelnder Zombies – das sitzt.

Und am Ende wird auch nicht gekniffen: Wie „I am legend“ hat „The Girl“ tatsächlich etwas über das Lebensrecht der neuen Spezies zu sagen, sucht sein befriedigendes Finale nicht in einer actionreichen Vernichtung von Zombiehorden. Denn letztlich geht es nicht um die Frage, ob die „Hungrys“ zu besiegen sind, wie der Satz von Melanie perfekt illustriert: „If we are alive – why do WE have to die for YOU?“. Mit diesem philosophischen Unterbau ist „The Girl“ eher „I am legend“ seelenverwandt als z.B. den Romero-Filmen oder „World War Z“.

gruenFazit: Eine clevere Variation des Zombie/Outbreak-Dramas, getragen von sorgsam gebauten Figuren und Beziehungen sowie ein paar außerordentlich guten Performances. Macht alles richtg, was „Cell“ falsch macht. Mainstream-Empfehlung.

Philipp meint: Einerseits zwar ein ganz normaler Zombiefilm. Andererseits aber passt hier einfach alles. Und andere Filme zeigen sehr deutlich, was man alles falsch machen kann, und was hier eben perfekt passt.



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Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Klingt ein wenig wie „The Last of us“ (PS3/PS4)

Marcel
Marcel

@Rudi Ratlos: Die Ähnlichkeit der Motive (Pilz-Infektion, Mädchen, dass die Heilung in sich trägt) sind mir auch direkt aufgefallen. Und auch die verfallene und zugewachsene Welt haben mich stark an das Art-Design des Spiels erinnert.

heino
heino

Der war überraschend gut. Erfindet das Genre nicht neu, beleidigt aber nicht die Intelligenz des Zuschauers, weiß zu unterhalten und ist dabei doch immer noch ziemlich hart und ab und an eklig.

Marcus
Marcus

Großartig. 9/10.

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