The Eyes of my Mother

eyes of my mother posterUSA 2016. Regie: Nicolas Pesce. Darsteller: Kika Magalhaes, Will Brill, Olivia Bond, Paul Nazak, Clara Wong, Flora Diaz, Diana Agostini

Story: Francesca lebt abgelegen mit ihren Eltern im amerikanischen Hinterland. Als ein Psychopath ins Haus eindringt und die Mutter ermordet, kettet der Vater ihn in der Scheune an. Über die Jahre nutzt Francesca den erblindeten Gewalttäter als sozialen Katalysator, nach dem Tod ihres Vaters versucht sie sogar, ihn ins Haus zu holen. Als das scheitert, greift Francesca zu zunehmend radikalen Mitteln, ihre Einsamkeit durch eine „geborgte Familie“ zu ersetzen…

Kritik:  Was wurde hierfür im Vorfeld nicht alles getrommelt – SPIEGEL online verstieg sich in ein fehlgeleitetes Lob, die Veranstalter versprachen Kunst, der Regisseur trug zum eigenen Mythos bei, indem er Pressebilder oder Trailer konsequent verweigerte, um das Publikum mit seinem Film so kalt wie möglich zu erwischen. Ein schwarzweißes, existenzialistisches Familiendrama? Ein neuer „Eraserhead“ vielleicht?

Nein. Viel Lärm um nichts. „The Eyes of my Mother“ erzählt eine erschreckend banale Geschichte – und er tut es so gerade heraus, dass das Ergebnis keinen Raum für Interpretationen lässt, keine kunstvollen Leerstellen. Die kleine Francesca braucht Liebe, versucht sie zu erzwingen, mordet und foltert sich eine Familie zusammen. Die Reste ihrer immer wieder scheiternden Bemühungen werden zerlegt und ihm Kühlschrank gelagert, manchmal auch verbrannt oder verscharrt.

Das alles sind Erzählklischees des „backwood slashers“, die zurückgehen bis „Psycho“ und „Texas Chainsaw Massacre“, in dem provinzhausende, wahnsinnige Einsiedler glauben, Fremde in die eigene soziale Sphäre zwingen zu können. Und außer der Entscheidung, diese Gruselmär extrem gemächlich und in kontrastreichem Schwarzweiß zu drehen, hat Regisseur Pesce den Konventionen nicht hinzu zu fügen. Alles, was an „The Eyes of my Mother“ anspruchsvoll sein möchte, ist Oberfläche. Und selbst die ist nur hausbacken und an keiner Stelle innovativ.

eyes of my mother

Kann man so einem steifen und vom Glauben an die eigene Relevanz strangulierten Schauermärchen etwas abgewinnen? Och jo. Können kann man viel. Die 77 Minuten gehen rum, die Hauptdarstellerin macht sich mal nackig, es werde Glasscherben aus Wunden gepult. Aber das kann man auch über jeden Torture Porn-Streifen sagen.

Ich hab nix gegen Kunst – aber dann möchte ich sie bitteschön auch nicht verstehen und aus ganzem Herzen verachten können.

rotFazit: Keine Kunst – eher ein sich selbst maßlos überschätzender Filmhochschul-Abschlussfilm, der glaubt, sattsam bekannte „backwood slasher“-Motive würden durch Schwarzweißaufnahmen und eine extrem langsame Erzählweise irgendwie gewichtiger. Durchschaubar und selbst mit 77 Minuten sehr zäh.

Philipp meint: Will Kunst sein, ist aber Wunst und bleibt völlig farblos (sorry, aber an dem Wortspiel konnte ich nicht vorbei gehen).



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