The Crew

crew posterFrankreich 2015. Regie: Julien Leclercq. Darsteller: Sami Bouajila, Guillaume Gouix, Youssef Hajdi, Redouane Behache, Kahina Carina, David Saracino

Offizielle Synopsis: „Vergesst Kohle und Weiber! Bewaffnete Schwertransporter auszurauben, das macht mir einen Steifen“, tönt Gangleader Yanis, der sich im weiteren Verlauf als wesentlich smarter entpupt, als es die rotzige Bad-Ass-Attitüde vermuten ließe. Seine Crew besteht aus 100%igen Profis, richtig stabilen Jungs. Die Coups: perfekt geplant und sauber durchgeführt. Danach verschwindet jeder sang- und klanglos, bis zum Wiedersehen beim nächsten Deal. Der nun anstehende soll aber der Letzte sein, denn Sprengstoffexperte Eric erträgt es nicht länger, seine Familie der ständigen Gefahr auszusetzen. Und Yanis selbst hat zugunsten der Verbrecherkarriere bisher seiner einzigen Liebe entsagt. Dumm nur, dass sein kleiner Bruder ausgerechnet bei diesem Überfall seine Waffe nicht protokollgemäß entsorgt, sondern an eine rivalisierende Bande verhökert. Als die Stress kriegt, weil sich die Pistole mit dem Raub in Verbindung bringen lässt, erpressen sie Yanis’ Leute auf Wiedergutmachung. Doch die sind nicht gerade Typen, die kuschen. Bald beginnt ein Unterweltkrieg mit fatalen Fehlentscheidungen und herben Verlusten auf beiden Seiten.

Kritik:  Harte Kerle, große Autos, dicke Knarren – damit können die Franzosen umgehen. Humorlose, hochgestylte Action ist mittlerweile eine Expertise unserer Nachbarn, gerne besetzt mit kantigen Muskelmännern latent arabischer Abstammung. Am Ende sind dann immer viele Leute tot, viele Autos kaputt und viele Magazine leer.

The Crew ist die reine Lehre dieser Sorte Brachial-Actionfilm – und geht doch darüber hinaus. Es ist schon eine Leistung, die Geschichte eines zerfallenden Gangster-Clans derart fettfrei und fix zu erzählen. Der Überfall auf einen Transporter, der als Prolog dient, braucht nur einen minimalen Fehler, um die gesamte Existenz der Beteiligten wie einen gestrickten Pulli aufzuribbeln. Es kommt zu einem Domino-Effekt: Jeder Versuch, den Geist wieder in die Flasche zu bekommen, führt zur nächsten Eskalation. Weil es kein perfektes Verbrechen geben kann, solange die Verbrecher nicht perfekt sind. Und wer ist schon perfekt?

crew

Über diese exzellent bedienten Mechanismen des Genrefilms hinaus hat „The Crew“ durchaus etwas zu sagen, bedient beinahe im Vorbeigehen durchaus gewichtige Themen. Die Welt der Gangster ist eine Männerwelt – sie glauben, durch ihre Verbrechen ihre Freunde und Familien zu schützen und zu fördern. Dafür müssen sie nicht nur die vielen Leben, die sie zerstören, komplett ausblenden – sie werden auch für genau dieses Missverständnis sterben müssen. Alle. Die Freunde. Die Familie. Die von den Alphamännchen proklamierte Ehre der „Crew“, der Respekt unter Gangstern – all das sind Märchen, inhaltsleere Phrasen und Mythen von Verbrechern, die sich für Krieger und Soldaten halten. Ihr Scheitern ist ein Scheitern ihres Konzepts von Männlichkeit.

Die Frauen sind dabei nicht besser, sind „enabler“, die zwar immer wieder verlangen, dass ihre Männer die Verbrecherkarrieren an den Nagel hängen sollen – aber genauso willig deren geraubtes Geld nehmen. Ihre Heuchelei macht sie mitschuldig und wird auch sie das Leben kosten.

gruenFazit: Knallharter französischer Gangsterthriller, folgerichtig konstruiert, mit vielen gut entwickelten Erkenntnissen zum Thema Alphamännchen-Kultur und die Fragilität der kriminellen Gegengesellschaft. Hat mehr Gewicht, als die dauernden Schießereien vermuten lassen.

Philipp meint: Typisch französischer harter Thriller, der eine schonungslose Innenansicht der Verbrecherwelt bietet.



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Thies
Thies

Der ist inzwischen als DVD erschienen mit dem etwas willkürlich ausgewählten deutschen Titel „Im Auge des Wolfes“. Für Fans dieser Sparte auf jeden Fall empfehlenswert, auch wenn erzählerisch kein Neuland erschlossen wird.