Priests

Priests_posterSüdkorea/Italien 2015. Regie: Jang Jae-Hyun. Darsteller: Kim Yun-Seok, Gang Dong-Won, Park So-Dam, Kim Eui-Sung, Son Jong-Hak, Nam Il-Woo, Lee Ho-Jae

Offizielle Synopsis: Sechs Monate ist es her, dass sich die kleine Young-shin aus dem Fenster und ins Koma gestürzt hat. Vater Kim, ihr Priester, ist der felsenfesten Überzeugung, dass ein Dämon von seinem Schützling Besitz ergriffen hat. Der Seouler Erzdiözese ist der unorthodoxe Kim nicht erst seit diesem Vorfall ein Dorn im Auge. Sie stellt ihm den jungen Diakon Choi zur Seite – auch zum Spitzeln. Choi ist begeistert, bis er erfährt, dass alle früheren Assistenten Kims dem Wahnsinn anheim gefallen sind. Schon bald macht auch Choi die Begegnung mit den Herrschern der finsteren Welt. Sie führen ihn tief an den Rand des Verstandes und zu einem nie überwältigten Kindheitstrauma zurück.

Kritik: Manche Leser könnten mir nach der geballten Lektüre der Reviews Heuchelei vorwerfen, weil ich teils widersprüchliche Thesen inbrünstig vertrete. Ist es besser, wenn ein Film an seinen Ambitionen scheitert, als wenn er keine hat? Reicht es, sattsam bekannte Erzählmuster lediglich kompetent aneinander zu reihen? Ist es der Mainstream oder ist es der Außenseiterfilm, der das Genre voran bringt? Das scheint je nach Kritik zu wechseln. Und das stimmt auch. Weil letzten Endes einzig das Bauchgefühl zählt – und das kann mein Urteil auch bei sehr gleich gelagerten Filmen verschieden ausfallen lassen.

„Priests“ ist ein Streifen, den ich – rein objektiv betrachtet – gut finden müsste. Er versetzt die klassische Exorzisten-Mär in ein frisches Umfeld, bringt neue Details ein, überzeugt mit guten Darstellern, effektiv inszenierten Schockszenen und einem überraschenden Actionanteil. Außerdem kommt ein süßes Ferkel drin vor.

Aber es reicht nicht. Ich kam unzufrieden (und übermüdet, aber daran lag es nicht) aus dem Kino. Und es dauerte eine Weile, bis ich den Finger drauf legen konnte, wieso.

priests

Zuerst einmal baut „Priests“ einen größeren Film, als er letztlich zu liefern bereit ist. Die erste Stunde wird an Verwicklungen im Vatikan verschwendet, an frühere Exorzisten, an eine Geisterglocke, an politisches Gerangel im katholischen Bistum von Seoul – doch all‘ diese Dan Brown’schen Elemente haben mit dem eigentlich Plot nichts zu tun, der wirklich nur einen banalen Exorzismus im Stile von „the power of Christ compels you!“ darstellt.

Was hingegen nicht ordentlich gebaut wird, ist die Figur des besessenen Mädchens, das erst ins Spiel kommt, als es bereits in den Klauen des Dämons steckt. Zu ihr, deren Schicksal das Leben vieler Menschen kosten wird, haben wir praktisch keinerlei Beziehung, sie ist uns schnurz. Genau diese Fokusänderung zu Friedkins „Exorzist“ schadet dem emotionalen Mehrwert.

Angesichts dieser Tatsachen kann sich der Film zu Ende hin nicht steigern, weil die Vorarbeit sich nicht auszahlt und die Figuren den kümmerlichen Rest nicht tragen. Es wird nur schneller und lauter, nicht spannender.

Respekt allerdings für die finale Fahrt durch die Stadt, die wirklich klasse ausgedacht und umgesetzt ist. Die allein zieht den Film in die gelbe Ampel.

gelbFazit: Eine durchaus schicke und actionreiche Variante von „Der Exorzist“ mit einem dynamischen Finale, die aber dem Subgenre nicht Neues hinzufügt und die bekannten Klischees mit zu viel unnötiger und unbediener Backstory auffüllt, statt zeitig in die Puschen zu kommen.

Philipp meint: Bietet ein bisschen nettes Lokalkolorit, vergisst aber leider die früh angedeuteten innerkirchlichen Intrigen. Mit etwas Abstand merklich schlechter als im Ersteindruck.



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Der Hausherr liegt falsch.

Großartiger Exorzisten-Fetzer und in Köln verdienter Fresh Blood-Gewinner. 9/10.

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