So habe ich nach 10 Tagen FFF 2016 ausgesehen:

Motel

Im Vergleich zu einigen Vorjahren ist das noch erstaunlich sozial kompatibel.

Ich sammle hier einfach noch mal ein paar lose Gedanken zum Thema…

Zuerst einmal bedanke ich mich bei Leser und Kommentator Flippah, der quasi spontan für Doc Acula eingesprungen ist. Er hat ebenfalls alle 51 Filme durchgehalten, das verdient meinen Respekt. Ich danke auch allen anderen netten Besuchern, die den Fehler gemacht haben, sich mit mir auf Diskussionen einzulassen.

Danke auch an die Veranstalter, besonders an Matthias und Friederike. Friederike nahm meinen Vorschlag an, nicht jeden Film mit einer generischen Variante von „Also mir hat er sehr gefallen“ einzuleiten und hat „Greasy Strangler“ fair und offen als „Nicht mein Ding“ angekündigt. Matthias hat mich zum Screening von „Don’t kill it“ auf die Bühne geholt, damit ich ein paar Worte zu Mendez und Lundgren sage. Im Gegenzug habe ich zweimal den Popcorn-Eimer gehalten und nach den Screenings die Stimmkarten für den „Fresh Blood Award“ eingesammelt. Ich musste dem Reiz widerstehen, jeder Frau, die „We are the Flesh“ eine 1 oder 2 gab, faux-empört „pfuiiii!!!!“ hinterher zu zischen.

Ach ja, der „Fresh Blood Award“. Ich bin mit dem Abstimmungsergebnis in Nürnberg etwas unzufrieden, weil „Priests“ und „Under the Shadow“ nur sehr beschränkt in meine persönliche Top Ten gehören, aber der Sieg von „They call me Jeeg Robot“ hat mich damit versöhnt. Ich bin mal gespannt, wie die anderen Städte abstimmen.

Meine persönlichen Top 5 dieses mal, ohne Ranking:

Swiss Army Man
We are the Flesh
They call me Jeeg Robot
Toro
Train to Busan

Wer fünf mehr Tipps für die Heimsichtung braucht:

The Girl with all the Gifts
My Big Night
Don’t kill it
Desierto
Deep in the Wood

Meine persönlichen Flop 5:

Shelley
Cell
Follow 
Greasy Strangler 
I had a bloody good time at House Harker

Es gibt einen seltsamen Disconnect: Obwohl die Ampelwertungen etwas anderes sagen, habe ich dieses Jahr als vergleichsweise schwach empfunden. Eine genauere Analyse verrät den Grund: Es gab zwar wieder richtig viele grüne Ampeln, nämlich 25 – aber das Mittelfeld war mit gerade mal 11 Filmen unterbesetzt und satte 15 rote Ampeln haben die Laune versaut. Damit gab es nicht weniger gute Filme als in deutlich besseren Jahrgängen – nur viel mehr schlechte.

graph

Top-Jahrgang bleibt 2010 mit nur zwei roten Ampeln. Das ist allerdings nicht vergleichbar, weil damals noch Filme parallel liefen und die sorgfältige Vorauswahl vermutlich schon viele Gurken aus der Bilanz genommen hat.

Sämtliche Kritiken sind auch diesmal mit Wertungen und Statistik bei der großen FFF-Masterliste verlinkt.

Dass nicht ein einziger deutscher Film irgendwie qualitativ oder thematisch in Programm passte, spricht Bände über das aktuelle Genrekino hierzulande. Kurz zusammen gefasst: Es gibt keins.

Ich habe übrigens meine Meinung zur Filmauswahl der Festivalveranstalter teilweise revidiert. Ja, es ist immer noch schön, dass das FFF nicht mit Direct2DVD-Sequels und TV-Filmen zugemüllt wird. Aber die Tatsache, dass hier fast ausschließlich Filme aus dem internationalen Festival-Wanderzirkus durchgeschleust werden, führt zu einer gewissen verzerrten Wahrnehmung – was auf dem FFF läuft, gibt (anders als früher, habe ich das Gefühl) keine repräsentatives Bild des/der Genres ab. Zu viele Filme wurden offensichtlich mit vielen Steuergeldern und Fördertöpfen speziell für den Zweck gedreht, vor ausgesuchtem Publikum zu laufen und nicht in regulären Kinoauswertungen ihr Budget wieder einspielen zu müssen. Das ist teilweise schon sehr mühsame Nabelschau (Shelley, Follow, Here alone) und die Freiheit von kommerziellen Zwängen führt eben oft nicht zu kreativen Höchstleistungen, sondern auch zu erzählerischer Faulheit und Prätention.

Darum würde es mir durchaus gefallen, wenn die Veranstalter künftig wieder etwas mehr mit den etablierten Verleihern arbeiten würden, um das Programm einen Tacken aufzuhübschen. Es gab 2016 Tage, da kam ich nach fünf Depri-Filmen wirklich entmutigt aus dem Saal. Ist es zuviel verlangt, dass wenigstens zwei von fünf Filmen am Tag krachendes, buntes Entertainment bieten sollten? Die Mischung macht’s.

Und von der Mischung kommen wir gleich auch mal zu den Genres. Ich habe ja nix gegen Außenseiter und positive Überraschungen, aber angesichts solcher Filme wie „To steal from a thief“ und „My big night“ kann man das „Fantasy“ im Titel des Festivals auch gleich streichen. Früher wurden die Eckpfeiler Fantasy, Horror und Science Fiction noch durch Action und Asia ergänzt – mittlerweile scheint es keinerlei Maßstäbe mehr zu geben außer die Verfügbarkeit. Auch hier meine Bitte: Etwas mehr an das Publikum denken, das Karten für ein FANTASY Filmfest gekauft hat.

Nichts destotrotz war es wieder eine gelungene und prima organisierte Veranstaltung, zu der dich auch 2017 gerne wieder anreisen möchte.

Zum Abschluss gab es auch noch eine gute Nachricht: Im Winter gibt es aller Voraussicht nach erneut ein White Nights-Wochenende. In bin dafür – und dabei. Vielleicht mal wieder in Berlin.



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kuhbaert
kuhbaert

Als meist stiller Mitleser wollte ich mich einfach mal dafür bedanken das du die Berichte für mit uns teilst.

Nach dem FFF-Marathon und mit deiner angekündigten Blogpause wirds wahrscheinlich erst mal wieder ziemlich ruhig hier und es wird vermutlich schwierig werden einen adäquaten Ersatzstoff zu finden.

Also nochmal danke für die vielen Stunden guter Unterhaltung auch wenn ich nicht in jedem Fall deine Meinung teile, aber auch das macht es hier so interessant.

Grüße

Jake
Jake

Auch von mir ein dickes Dankeschön für die viele Arbeit, die Du Dir für Deine Leser trotz Festivalstress aufgehalst hast. 51 Kritiken in weniger als 2 Wochen – Hut ab! Philipps „Einlassungen“ zu den Filmen waren das Sahnehäubchen oben drauf.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Komm doch mal nach Frankfurt 🙂 Und vielen Dank für die Reviews, wieder viel Geld gespart 😀

Peroy
Peroy

Gutes Derp-Foto… joa…

stiller leser
stiller leser

Hallo,
hab heute morgen im Radio gehört, dass in der Stuttgarter Zeitung ein Interview ist mit jemandem vom Max Planck, der eine Studie zu Trash-Filmen gemacht hat – da bist du mir gleich eingefallen. Hier der Link, vielleicht freust du dich über das Interview, die Studie oder eventuell darüber, dass dich über was aufregen kannst 🙂

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.interview-studie-ueber-trashfilm-fans-die-lust-am-billigen.c2def3eb-f8b6-4d45-aafe-380f059c3ade.html

Die Studie (kostet 40$):
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0304422X16300821

Ich persönlich bin weder Horror- noch Trash-Fan, bedanke mich aber trotzdem für die ausführliche Besprechung der Festival-Filme. War interessant zu lesen und ich hab mir auch ein, zwei Tipps geholt!

Du hast außerdem ne tolle Schreibe und ich lese deinen Blog sehr gern. Bin natürlich auch etwas traurig über die angekündigte Pause.

Der Grün Linke
Der Grün Linke

Alt bist du geworden….

Bluescreen
Bluescreen

Nö… ist er nicht.