Happy Birthday

happy birthdy posterUSA 2016. Regie: Casey Tebo. Darsteller: Matt Bush, Matthew Willig, Steven Tyler, Riley Litman, Tristin Mays, Vanessa Lengies

Offizielle Synopsis: Feliz cumpleaños, Brady! Tommy entführt seinen besten Kumpel über die Grenze nach Mexiko. Schließlich muss ihr letzter Ausflug in den Sündenpfuhl Las Vegas ja irgendwie getoppt werden. Eine wilde Zeit mit Alkohol, Stoff und willigen Chicas hat das Geburtstagskind aktuell auch dringend nötig – gerade erst hat er seine Freundin beim Fremdgehen erwischt. Die Einheimischen Mexican Cowboy und El Caballo weisen den beiden für mucho dinero den Weg ins illegale Nachtleben. Hahnenkämpfe, ordentliche Prügeleien, nackte Frauenbrüste und ganz viel Tequila – das ist ein Geburtstag nach ihrem Geschmack. Doch Mexican Cowboy warnt: „Nehmt euch in Acht vor El Gato! Der Kartellboss verschleppt am liebsten reiche American Boys auf Partytour“…

Kritik: Mal angenommen, Film wäre so etwas wie eine Wundertüte. Man greift rein und bekommt viele interessante Sachen zu greifen. Was zum Spielen, was zum Lachen, was zum Basteln. Toll, oder? Was aber, wenn man zum Kaugummi eine suppige Gurke bekommt, wenn man neben der Indianerfigur in eine Rasierklinge greift? Nicht so toll, oder?

Das klingt alles sehr krumm und wirr, macht aber (zumindest in meinem Kopf) durchaus Sinn: „Happy Birthday“ ist eine Wundertüte, die sich nicht entscheiden kann, was sie anbieten möchte, die Elemente zusammenwirft, die nicht zusammengehören, die sich sogar gegenseitig neutralisieren. Es gibt einen Grund, warum es Genres gibt, warum man bestimmte erzählerische Elemente nicht willkürlich kombinieren sollte.

Regisseur und Autor des Films ist der langjährige Konzertfilmer von Aerosmith (daher auch die Beteiligung von Steven Tyler) – und der ist offensichtlich ein echtes Kind der LA / Hollywood-Szene, die nur sich selbst erlebt, die Welt außerhalb Kaliforniens nach Klischees definiert und ihre eigene Oberflächlichkeit mit Authentizität verwechselt. Hier reden Leute nicht wie im Film, weil sie sich in einem Film befinden – sondern weil man in Santa Monica tatsächlich so redet. Man hat keinen Freund, man hat einen „bro“, ein Tag ist verloren, wenn er nicht „epic“ ist. Drogen und Huren? Letztlich wie Popcorn und Micky Maus – nur für Erwachsene. Und über allem die Erkenntnis: USA! USA! USA!

happy birthdayNur aus so einer Sphäre kann ein Film wie „Happy Birthday“ geboren werden, in dem zwei ausnehmend unsympathische Mittzwanziger aus dem Showbusiness meinen, die verarmten, verdreckten und hoch gefährlichen Städte südlich der Grenze seien ihr persönlicher Spielplatz. Und nur ein Autor, der genau das auch glaubt, kann dieses Szenario letztlich als großen Witz inszenieren. Ist doch alles nur Spaß! Es würde doch niemals jemand den „all american boys“ wirklich etwas Böses wollen!

„Happy Birthday“ tut so, als kritisiere er die kulturelle und soziale Ignoranz seiner Protagonisten – dabei feiert er sie. In dem er Humor und nackte Gewalt vermischt und als folgenlos durchwinkt. In dem er sich den Blickwinkel der Figuren zu eigen macht, nachdem Mexiko sowieso ein heruntergekommenes Drecksloch ist, in dem man sich bestenfalls Durchfall, im schlechtesten Fall Syphilis holt.

Und wisst ihr was? All das würde ich klaglos hinnehmen, wenn „Happy Birthday“ spannend, witzig oder wenigstens temporeich wäre. Aber er hängt in der Mitte durch, kann sich nicht für eine Tonart entscheiden und wird mit zunehmender Laufzeit immer unglaubwürdiger. Er möchte ein Trip sein, parallel zum Trip seiner Hauptfiguren – aber die Pilze, die er uns anbietet, sind lediglich Stinkmorcheln.

rotFazit: Selbstreferenzieller Post-Tarantino-Pulptrash, der nie so komisch oder so schockierend ist, wie er sein möchte – und dessen „Pointe“ man hübsch finden kann, auch wenn sie nach 30 Sekunden Nachdenken zerbröselt wie ein zu trockener Keks.

Philipp meint: Langweiliger Klamauk, bei dem kein Gag sitzt. Einzig der – wenig überzeugende – Doppeltwist lässt mal die Braue hochzucken.



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