Creepy

Creepy-posterJapan 2016. Regie: Kiyoshi Kurosawa. Darsteller: Hidetoshi Nishijima, Yûko Takeuchi, Teruyuki Kagawa, Masahiro Higashide, Haruna Kawaguchi, Ryôko Fujino

Offizielle Synopsis: Der lange Kampf gegen Serienkiller hat den Profiler Takakura ausgebrannt. Mit Frau und Hund zieht er sich in eine ruhige Gegend zurück, wo er nun als Dozent der Kriminalpsychologie arbeitet. Während er sich auf Bitten eines Ex-Kollegen nochmal den alten Fall einer verschwundenen Familie vornimmt, versucht seine Frau Yasuko mit ihrem Nachbarn Nishino warm zu werden. Doch mit dem scheint etwas nicht zu stimmen. Yasuko fühlt sich zunehmend irritiert von der zwischen Aggression und Schmeichelei pendelnden Art. Als ihr eines Tages Nishinos Tochter heimlich ins Ohr flüstert, der Mann wäre gar nicht ihr Vater, beginnt eine markerschütternde Horrorfarce ihren Lauf zu nehmen.

Kritik: Oha, über zwei Stunden japanisch mit englischen Untertiteln zum späten Abend. Da braucht es Sitzfleisch. Und Chips. Und Cola.

Fangen wir erstmal mit den erfreulichen Nachrichten an: „Creepy“ fühlt sich nicht an wie 130 Minuten. Obwohl der Film sehr gemächlich erzählt wird, lässt die permanente latente Spannung die Laufzeit kürzer wirken als bei so manchem 80 Minuten-Schlockfilm. Das wird auch dadurch erreicht, dass Kurosawa zwei Plots parallel baut und erst im letzten Drittel zusammenführt.

Darsteller und Konstrukt können ebenfalls überzeugen. Die Handlung ist durchaus westlich orientiert, die Figuren könnte man sich genau so in einem amerikanischen oder skandinavischen Setting vorstellen. Die These der Festival-Veranstalter, der Film thematisiere eine genuin japanische Isolierung und Politik der sozialen Nichteinmischung innerhalb der Nachbarschaft, teile ich nicht.

Und ja: Nishino ist wirklich „creepy“, als Psychopath mit „mixed characteristics“ völlig unberechenbar und damit schwer erträglich. In einem Moment herrisch, im anderen hündisch. Und perfekt gespielt dazu.

creepy

Was „Creepy“ allerdings zunehmend ein Bein stellt und gegen Ende zu Fall bringt, sind die vielen Logiklöcher und unbegründeten Charakterschwenks, die nötig sind, um die Story auf Spur zu halten. Figuren enthüllen Seiten, die wir nicht kommen sehen konnten und die auch keinen Sinn ergeben. Die Polizei zeigt komplettes Desinteresse an der Expertise eines hochgelobten Kriminalpsychologen. Selbst nach diversen Morden gibt es nicht mal eine Hausdurchsuchung. All das durchlöchert die Plausibilität von „Creepy“ und unterminiert die Spannung, die immer dann am stärksten ist, wenn ich als Zuschauer an die Unausweichlichkeit des Geschehens glauben kann. Das ist gegen Ende des Films einfach nicht mehr der Fall.

Die nur zur Aufrechterhaltung des Plots hinbehaupteten Twists sind umso ärgerlicher, da „Creepy“ ja wirklich spannend, unheimlich und unbequem ist. Mit ein wenig mehr erzählerischer Sorgfalt hätte das einer der ganz großen Psychothriller der Gegenwart werden müssen, auf einem Level mit „Schweigen der Lämmer“. Aber das wurde dann doch vergeigt.

gelbFazit: Exzellent inszenierter und Gänsehaut erzeugender Vorstadt-Serienkillerfilm, der sich leider mehr und mehr verheddert und am Ende für viele seiner Entwicklungen keine logischen Erklärungen parat hält. Man möchte eine grüne Ampel geben, kann es aber nicht guten Gewissens.

Philipp meint: Spannend und gut gespielt. Aber die Superdrogenkräfte sind zu schlecht erklärt. Dafür hätte ich durchaus noch etwas mehr Laufzeit in Kauf genommen, denn die Zeit geht erstaunlich schnell rum. Zudem eine interessante Perspektive für einen Krimi, aus deren Besonderheiten aber zu wenig gemacht wird. Irgendwie klingt das jetzt schlechter, als der Film ist…



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Kiyoshi Kurosawa ist der japanische Ti West.

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