Carnage Park

Carnage-Park-Poster-2USA 2016. Regie: Mickey Keating. Darsteller: Ashley Bell, Pat Healy, Darby Stanchfield, Larry Fessenden, James Landry Hébert, Michael Villar, Alan Ruck

Offizielle Synopsis: Haben Sie gerade eine Bank ausgeraubt, eine wehrhafte Geisel im Kofferraum – Ihr Komplize hat einen Bauchschuss erlitten und die Bullen sind Ihnen auf den Fersen? Dann flüchten Sie doch in den Carnage Park, das Vergnügungsareal voller Attraktionen. Wir garantieren Ihnen den Nervenkitzel Ihres Lebens – oder besser gesagt: Ihres Todes. Hier nimmt Sie unser bestens ausgebildeter Maniac noch persönlich ins Fadenkreuz seines zertifizierten Scharfschützengewehrs. Ladehemmung ausgeschlossen!

Kritik: Okay, mit diesem Nachzügler-Review beenden wir die Leistungsschau des Genrekinos bekannt als Fantasy Filmfest. Ich werde sicher noch ein paar generelle Nach(t)gedanken zusammen fassen, aber was die Kritiken angeht, ist hier das Ende der Fahnenstange.  51 Filme, 51 Reviews. Perfect score.

Ich gebe zu, dass ich mich von dem guten Trailer habe verleiten lassen, auf meiner Masterliste vorab schon die grüne Ampel zu vergeben und meine abschließende Statistik dergestalt zu berechnen. Leider habe ich nicht damit gerechnet, dass „Carnage Park“ eben doch nicht der hochoktane Thrillride ist, den ich angesichts des involvierten Talents erwartet hatte.

Das primäre Problem ist sicherlich, dass hier angeblich eine wahre Geschichte nacherzählt wird – auch wenn eine grobe Googelsuche das nicht verifizieren konnte. Wahre Geschichten und wahre Charaktere haben die Angewohnheit, sich selten an kinotaugliche 3 Akt-Strukturen zu halten und lassen sich auch nicht beliebig zu Gunsten der gewünschten dramaturgischen Entwicklung hinbiegen. So ist Viviane Fontaine nicht mehr als irgendeine Frau, die durch eine Verkettung unglücklicher Umstände auf dem Gelände eines durchgeknallten Waffenfetischisten landet, der sie daraufhin zum Freiwild erklärt. Es gibt keine Beziehung zwischen beiden, keine Backstory. Sie repräsentieren auch keine kontrastierenden Weltbilder, aus denen man einen Subtext lesen könnte – in „Desierto“ standen die beiden Hauptfiguren ja sehr klar für ihre beiden Heimatländer, verkörperten einen Klassen- und Verteilungskampf.

carnage park

Viviane hat auch – außer zu überleben – kein Ziel vor Augen. Sie flüchtet ziemlich planlos, die einzelnen Spannungsszenen sind eher episodisch eingestreut und von wechselnder Effizienz. Das steigert sich nicht ausreichen, im Gegenteil – diverse Flashbacks nehmen immer wieder das Tempo raus.

Vor allem aber hat mich der technische Schnickschnack geärgert. Auch hier ist es wieder angebracht, den Vergleich zu „Desierto“ zu ziehen, der extrem straight inszeniert ist und auf Schaueffekte komplett verzichtet. Er vertraut seiner Story, seinen Figuren und seiner Regie. „Carnage Park“ vertraut primär auf die Editing-Software und die Bibliothek mit den Soundeffekten. Was hier an Filtern, Schnitten und Audio-Nachbearbeitung aufgefahren wird, ist aufdringlich und reißerisch, der tatsächlichen Spannung und dem Stil der 70er-Thriller massiv abträglich. Ich verstehe, dass man den Look trocken und ausgebleicht halten wollte – aber muss deswegen alles nach Sepia-Pampe aussehen?

So hangelt man sich an den Performances von Healy, Bell und Ruck durch einen inhaltlich grobschlächtigen, unnötig aufpolierten Exploiter, der nie seine Qualitäten ausspielt oder sein Potenzial ausschöpft. Das geht gerade noch als „Midnight Movie“ durch, für den Solokonsum daheim wäre das eine rote Ampel.

gelbFazit: Eine Low Budget-Hommage an die schwitzigen Drive In-Roadmovies der 70er, die ihre sehr dünne Story und die mangelnd definierten Charakter trotz der Mühen aller Beteiligten nur mühsam mit tonnenweise Schnitt- und Soundgimmicks über die Laufzeit bringt.

Philipp meint: Getragen von einer ausnehmend starken Hauptperson scheint hier das „based on a true story“ die Geschichte nicht behindert zu haben.



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Fantasy Filmfest 2017: Psychopaths - Wortvogel - 100% Torsten DewiPeroyJake Recent comment authors
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Jake
Jake

Auf dem diesjährigen HARD:LINE Festival in Regensburg wurden neben „Carnage Park“ noch zwei weitere Streifen von Mickey Keating gezeigt („POD“ und „Darling“). Schnitt, Sound und Score sind in allen seinen Filmen tragende Elemente und aufwendig gestaltet, wobei er es in „Carnage Park“ etwas übertrieben hat. Der sagte mir von den dreien auch am wenigsten zu (den deutlich bodenständigeren „POD“ fand ich hingegen richtig klasse) und bekommt auch von mir eine gelbe Ampel.

Peroy
Peroy
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[…] hätte es wissen können: Regisseur Keating habe ich angesichts seines letztjährigen „Carnage Park“ dergestalt […]