Bed of the Dead

bed of the dead-posterKanada 2016. Regie: Jeff Maher. Darsteller: Colin Price, Alysa King, Gwenlyn Cumyn, Dennis Andres, George Krissa, Hamza Fouad

Offizielle Synopsis: Vier Freunde erhoffen sich eine heiße Nacht im kinky Burlesque Club, als sie dort ein Zimmer für ihre Orgie buchen. Nur entwickelt das antike Bett, auf dem die Party steigen soll, ein höllisches Eigenleben. So sitzen Ren, Fred, Sandy und Nancy entsetzt auf zwei mal zwei Metern Matratze fest – dahinter, davor, daneben und darunter lauert der Tod.

Kritik: Es sollte mittlerweile bekannt sein, dass ich sehr unbeleckt in die Filme gehe. Die Reviews stelle ich vorab blind zusammen, kopiere die Inhalts- und Stabangaben, ohne sie zu lesen. Zum Start des Films weiß ich selten mehr als den Titel und das Herkunftsland, manchmal (dank des Szenenfotos) einen Darsteller oder zwei. Das sorgt für Unvoreingenommenheit und verhindert überzogene Erwartungen.

Es gibt natürlich eine Kehrseite: Manchmal freue ich mich auf einen Film und ahne beim Vorspann schon: „DER hat den gemacht? Uh oh, das verheißt nichts Gutes“. So sieht „Bed of the Dead“ dem Konzept und dem Poster nach wie ein solider B-Horrorfilm aus, der eigentlich als „Death Bed“ besser fahren würde, wenn dieser Titel nicht schon an zwei andere Filme vergeben gewesen wäre. Aber die Erkenntnis, dass hier ein paar Crewmitglieder des verunglückten Cronenberg-Ripoffs „Bite“ am Werk sind, lässt das Herz in die Hose rutschen.

Und tatsächlich: „Bed of the Dead“ ist das, wofür man früher den Begriff „schlock cinema“ verwendet hat. Eine dubiose Grundidee, die mehr den finanziellen Beschränkungen (ein Zimmer, ein Bett) der Macher folgt als der kreativen Potenz, ein paar mäßig begabte Knallchargen, ein paar Eimer Kunstblut. Was es an Story, Charakteren und Dialogen braucht, wird eigentlich nur zwischen den begrenzten Möglichkeiten aufgefüllt wie Sand zwischen Pflastersteinen.

Hier stimmt wirklich gar nichts: Weder glauben wir, dass diese vier Menschen zwei Paare sein können, so offensichtlich ist ihre Abneigung. Noch weniger glauben wir, dass die zynische und emanzipierte Sandy allen Ernstes mit ihrem speckigen Boyfriend in einen Bumsclub gehen würde – den ich als Konzept lachhaft finde. Entweder haben die Macher des Films in ihrem Leben keinen Club gesehen oder sie haben sich gedacht: „Wir haben nun mal nur dieses Set, das aussieht wie aus einem viktorianischen Dracula-Film – dann ist das eben jetzt ein Bumsclub!“

bed of the dead

Bevor sich einige Herren der Schöpfung nun begeistert die Hände warm reiben – wie üblich bei dieser Sorte Film ist Gewalt kein Problem, Sex aber schon. Und darum darf in diesem Bumsclub gerade mal eine Statistin für eine Sekunde topless an der Kamera vorbei laufen. Das muss reichen. Sorry.

Ist schon das Setup komplett Banane, wird es fortschreitend nicht besser: Wie in „Bite“ verhalten sich alle Personen in jedem Augenblick komplett irrational, weil das zusammen gefaselte Drehbuch sonst mit der Geschichte nicht voran käme. Nach dem ersten Todesfall trauen sich die Überlebenden nicht mehr vom Bett – auch wenn an keiner Stelle etabliert wurde, dass genau darin die Gefahr liegen könnte. Warum das Bett, das seine Opfer blutig meucheln möchte, dieses nicht kann, wenn die Opfer GENAU DARAUF SITZEN, ist ebenso einfach mal der dramaturgischen Notwendigkeit geschuldet. Und obwohl sämtliche Charaktere wissen, dass das Bett sie mit Visionen foppen will, fallen sie noch williger drauf rein als die Besatzung der „Quest“ (Bonusverweis für die echten Geeks).

Weil der Plot bestenfalls für 20 Minuten Laufzeit reichen würde, wird eine Parallelhandlung aufgebaut – zwei Stunden später versucht ein verlotterter Cop, die Ereignisse im herunter gebrannten Zimmer zu rekonstruieren. Was im ersten Moment redundant und zeitschindend wirkt, führt letztlich zur einzigen guten Idee von „Bed of the Dead“ – die komplett bei „Frequency“ geklaut ist und so schlecht umgesetzt wird, dass man unterstellen darf, dass die Macher sich nur vage an die Vorlage erinnern konnten.

Ich war eine Weile lang unsicher, ob ich hier einen B-Schundfilm ungerecht abqualifziere, weil ich mehr verlange, als die Macher beabsichtigt haben. Oder ob ich nicht stärker werten sollte, dass es wenigstens nicht um Zombies oder Serienkiller geht. Schließlich habe ich auch Gruselstücken wie „Hybrid“ und „Ghostmaker“ Gnade walten lassen, weil sie im begrenzten Rahmen ihr Ziel erreichen.

Aber „Bed of the Dead“ erreicht das Ziel eben nicht, er reißt die niedrig gelegte Messlatte. Man ärgert sich permanent über die strunzdummen Figuren, die willkürlichen Wendungen und die extrem blassen Darsteller mit ihren zu offensichtlich auswendig gelernten Monologen.

rotFazit: Ein schon konzeptionell sehr dünner Film versucht sich mit allerlei Flashbacks, Visionen und Zeitverschiebungen irgendwie über 85 Minuten zu retten, kann aber trotz tapferen Splattereinsatzes die völlige Beliebigkeit von Szenen, Figuren und Dialogen nicht auffangen. Billiges Schockerkino auf einer rappeligen Achterbahn.

Philipp meint: Macht aus seiner Zeitverknüpfungsidee zu wenig, um über die allgemeinen Schwächen hinwegzutrösten.



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