Another Evil

another evil posterUSA 2016. Regie: Carson D. Mell. Darsteller: Steve Zissis, Mark Proksch, Jennifer Irwin, Dax Flame, Steve Little, Dan Bakkedahl

Offizielle Synopsis: Maler Dan, der mit simplen schwarzen Kreisen Erfolg hat, entdeckt Geister in seinem Ferienhaus. Er engagiert ein Medium, das wie Al Bundy im Muscle Shirt aussieht und beim Dosenbier verkündet: Ja, die Hütte wird heimgesucht. Aber nur von freundlichen Geistern, im Prinzip ganz harmlose Seelen – lernt damit zu leben! Da holen sich Dan und Familie dann doch lieber eine zweite Meinung. Der ebenfalls schräge Os diagnostiziert ETD – evil totally determined – und rät dazu, die gemeingefährlichen Dämonen zu vernichten. Und zwar möglichst brutal. Das Problem: Os hat mehr Probleme mit der Realität und den Menschen als alle Geister, die sich in Dans Haus herum treiben – und er ist potenziell auch gefährlicher…

Kritik: Ihr habt es bei mir schon öfters gelesen – die meisten richtig guten Filme lassen verschiedene Lesarten zu, sind mehr als nur eine Abfolge von eskalierenden Gruselereignissen. Da kann ein Zombie für das Ende einer Ehe stehen, ein Poltergeist für die Abnabelung des Teenagers von der Familie. Manche Filme lassen das als Subtext mitlaufen, andere stellen es in den Vordergrund.

Auch „Another Evil“ erzählte letztlich zwei Geschichten in einer. Ja, das Haus von Dan ist definitiv von Geistern verseucht und ja – Os ist durchaus in der Lage, etwas dagegen zu tun. Auf dieser Ebene wird ein klassischer Poltergeist-Plot erzählt mit allen üblichen Klischees: Die erste Sichtung, die erste Attacken, die ersten Erfolge, die verfrühte Freude, der Gegenangriff, das Finale.

Aber viel wichtiger und wuchtiger ist die Geschichte von Os und Dan, denn hier liegt der emotionale Kern: Dan will eigentlich nur seine Ruhe, leistet Os aus Skepsis und Pflichtbewusstsein Gesellschaft. Der Geisterjäger – durch Alkoholismus und Ehekrise am Anschlag – will mehr: er will Ansprache, Sympathie, Freundschaft, Liebe sogar. Er projiziert seine Wunschvorstellung eines „best buddy“ in den damit völlig überforderten Dan – und als sich nach anfänglich erfolgreich erbettelten Sympathiebekundungen nicht die gewünschte Gegenseitigkeit einstellt, wird er zunehmend aggressiv, wirr, realitätsfremd. Seine Entschlossenheit, die Geister zu stellen, ist in Wirklichkeit ein Kampf um Dan, den er nicht gewinnen kann.

another evil

Diese Geschichte erzählt Regisseur Mell preiswert, ohne große Schaueffekte oder einen mühsam herbei gefilmten „Look“. „Another Evil“ ist Low Budget-Kino, bei dem das Konzept trägt, was das Budget nicht leisten kann. Und das gelingt auch ganz hervorragend. Der zunehmend eskalierende Konflikt zwischen Dan und Os ist nicht nur folgerichtig, sondern auch gut beobachtet. Hier lohnt es sich wirklich, auf die Details in den Performances zu achten. Sie verraten sehr viel über das Innenleben der Figuren.

So ist der Film trotz tatsächlicher okkulter Präsenz mehr Psychothriller als Geisterheuler, mehr „Mann gegen Mann“ als „Mann gegen Spuk“. Und das macht ihn außergewöhnlich und spannend, auch wenn man dafür in der ersten Stunde durchaus Sitzfleisch mitbringen muss.

gruenFazit: Was als preiswerter Geisterfilm anfängt und dann in schräge Komödie umschlägt, endet in einem Zweikampf ungleicher Protagonisten, der auch etwas über die Einsamkeit der Männlichkeit im 21. Jahrhundert aussagt. Nicht schnell, nicht schick, aber mit vielen interessanten Ideen gepolstert.

Philipp meint: Schöne Idee. Man hätte den Film ein kleines bisschen straffen können. Aber auch so durchaus gelungen.



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