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Jul 2016

DVD-Kritik: Batman: The Killing Joke

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

kjUSA 2016. Regie: Sam Liu. Sprecher: Kevin Conroy, Tara Strong, Ray Wise, Mark Hamill

Story: Wieder einmal ist der Joker aus Arkham Asylum ausgebrochen – und diesmal ist sein Plan besonders perfide: Er schießt Barbara "Batgirl" Gordon zum Krüppel und entführt ihren Vater, um ihn in den Wahnsinn zu treiben. Damit will er Batman beweisen, dass jeder Mensch eine Sollbruchstelle besitzt – so wie er selbst an dem Tag, an dem aus einem verzweifelten und erfolglosen Bühnenkomiker der tödliche Clown von Gotham City wurde. Für Batman wird die Jagd nach dem Joker auch zu einer Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit…

Kritik: Ich hatte schon mal drüber geschrieben, dass "The Killing Joke" mein liebstes Batman-Comic ist, weil es ein grandioses Thema hat, optisch keine unnötigen Experimente eingeht und die Beziehung von Joker und Batman besser als je zuvor ausleuchtet. Deshalb war ich von der Idee, "The Killing Joke" als Trickfilm umzusetzen, gleichermaßen begeistert wie besorgt. "The Dark Knight returns" hat uns ja vor ein paar Jahren Makel und Möglichkeiten solcher Adaptionen aufgezeigt. Das Ergebnis war ruppig, uneinheitlich, aber letztlich eine überzeugende Ergänzung zur Vorlage.

"Batman: The Killing Joke" ist nur noch uneinheitlich.

Fangen wir mal mit dem "Elefanten im Zimmer" an, den man ja bekanntlich nicht ignorieren kann: Die Macher haben die Story des Comics nicht auf 75 Minuten gestreckt, sondern nur auf 45. Die restlichen 30 Minuten übernimmt ein Prolog, der nicht nur die Laufzeit füllen, sondern auch ein oft (aber nicht von mir) artikuliertes Problem der Vorlage abfedern soll: Die mangelnde Substanz in der Rolle von Barbara Gordon.

Und so schauen wir also 30 Minuten lang zu, wie sich das notgeile Batgirl von einem schmierigen Mafiosi emotional an der Nase herum führen lässt, bis Batman sich endlich erbarmt, sie zur Vernunft zu vögeln – wonach sie tagelang Nägel kauend auf seinen Anruf wartet. Männer!

Klingt eklig, frauenfeindlich und in seinen Rollenmodellen veraltet? Das liegt nicht an meiner Schreibe, das liegt leider am Skript von "Killing Joke". Ich muss gestehen, dass ich den überlangen Prolog vielleicht als ersten Akt für einen kompletten Film über die komplizierte Beziehung von Batgirl und Batman gemocht hätte – als Intro für den "Killing Joke"-Plot ist er sensationell in die Hose gegangen und beschädigt beide Heldenfiguren nachhaltig (Joker kommt erstmal gar nicht vor).

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Hinzu kommt, dass der Prolog und zumindest Teile des Restfilms miserabel gezeichnet und animiert sind. Hier wird nicht mal das Niveau der Batman-TV-Serien der letzten Jahrzehnte erreicht. Ehrlich jetzt, DC? Ihr setzt eine eurer Kronjuwelen für den internationalen Markt um und macht dann nicht mal die Kohle locker, damit die Charaktere sich wenigstens ansatzweise flüssig bewegen? Aber für Joker-Figuren in der Box, dafür hat’s gereicht?

Nun gut, kommen wir zur eigentlichen Umsetzung von "The Killing Joke", also den letzten 45 Minuten dieses "Films" – und zu einem anfänglich sicherlich überraschenden Vergleich mit den "Asterix"-Trickfilmen und der Kino-Umsetzung von Moers' "Das kleine Arschloch". Diese Adaption teilt mit ihnen nämlich ein grundsätzliches Problem: Ein Umsetzung ist wertlos, wenn sie der Vorlage nichts hinzufügt, sondern lediglich die Bilder bewegt und die Texte aus den Sprechblasen auf die Tonspur hebt.

Im Gegensatz zu "The Dark Knight returns" und einigen anderen Umsetzungen von Comic-Vorlagen müht sich "The Killing Joke" derart sklavisch, der Vorlage von Bolland und Moore gerecht zu werden, dass dem Werk nichts hinzugefügt, nichts abgerungen wird. Wer das Comic kennt, kennt den Film. Die meisten Szenen sind direkte Übernahmen aus den Panels und auch bei den Dialogen wird bestenfalls ein wenig gekürzt. Eine Anpassung an das Medium Film findet nicht statt. Das ist fatal.

Dafür fällt auf, dass "The Killing Joke" immer dann die Framerate und die Details hochschraubt, wenn eine als besonders ikonisch identifizierte Szene ansteht. Das ist allerdings mehr störend als beeindruckend, es raubt dem Film, der sowieso völlig zerfahren wirkt, die optische Kohäsion.

Nun könnte man hoffen, dass der Stoff für sich genommen stark genug ist, um auch in einer lustlosen Umsetzung zu überzeugen. Leider nein. Inszenatorisch ist nämlich auch der Wurm drin. Comissioner Gordon wirkt schwach statt kantig, Batman hölzern statt stoisch, der Joker geschwätzig statt raffiniert. So verpuffen auch die Schlüsselszenen des Comics ohne nennenswerten Impact. Und das, obwohl DC wenigstens die bewährten Premium-Sprecher angeheuert hat.

Vielleicht war es doch richtig, dass sich DC so lange gesperrt hat, "The Killing Joke" zu adaptieren. Vielleicht gibt es Werke, die in ihrem Medium perfekt sind und die sich nicht für Umsetzungen eignen. Vielleicht hätte man aber auch bloß Jay Oliva Regie führen lassen müssen und statt des Prologs einen (vielleicht mutig experimentellen) Kurzfilm aus dem Batman-Universum beipacken sollen? Wir werden es nie erfahren.

Fazit: Eine inhaltlich und inszenatorisch erschütternd fehlgeleitete Adaption eines Kult-Comics, die nichts vom Drama und Pathos der Vorlage filmisch adäquat transportieren kann. Nur für absolute Komplettisten.

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Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
26. Juli, 2016 11:20

Der Trailer war schon absolut fürchterlich, dein Review bestätigt leider die Vorahnung. Danke für die Warnung!

Mencken
Mencken
26. Juli, 2016 21:16

Falls es jemanden interessiert: Im Guardian gibt es heute auch ein (meiner Meinung nach eher schwaches)Review von Killing Joke, wobei das Fazit ähnlich ausfällt, wenn auch aus anderen Gründen.

https://www.theguardian.com/film/2016/jul/26/batman-sexism-the-killing-joke-remake-source-material

Wortvogel
Wortvogel
27. Juli, 2016 09:46

@ Mencken: "I’m not much of a fan of the original 1988 Alan Moore/Brian Bolland graphic novel The Killing Joke." – da bin ich schon raus.

trackback

[…] aber ich fand Kevin Conroys Auftritt schwach, auch wenn er seit Jahrzehnten die Stimme des Zeichentrick-BATMAN […]