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USA 2016. Regie: Bryan Singer: Darsteller: Michael Fassbender, James McAvoy, Jennifer Lawrence, Oscar Isaac, Sophie Turner, Olivia Munn, Rose Byrne, Nicholas Hoult, etc.

Offizielle Synopsis: Seit Anbeginn der Menschheit wurde er als Gott verehrt: Apocalypse, der erste und mächtigste Mutant überhaupt, vereint die Kräfte vieler verschiedener Mutanten und ist dadurch unsterblich und unbesiegbar. Nachdem Apocalypse nach tausenden von Jahren erwacht, ist er desillusioniert von der Entwicklung der Welt und rekrutiert ein Team von mächtigen Mutanten – unter ihnen der entmutigte Magneto – um die Menschheit zu reinigen, eine neue Weltordnung zu erschaffen und über alles zu herrschen. Als das Schicksal der Erde in der Schwebe ist, muss Raven/Mystique mit Hilfe von Prof. X ein Team junger Mutanten anführen, um ihren größten Erzfeind aufzuhalten und die Auslöschung der Menschheit zu verhindern…

Kritik: Ich muss das hier jetzt SEHR schnell schreiben, weil ich noch im Hotel hocke und in einer halben Stunde der nächste Film des B-Movie Basterds-Festivals startet. Man sehe mir Rechtschreibfehler und eine generelle Konfusion deshalb nach.

„X-Men: Apocalypse“ ist nach „Batman vs. Superman“ und „Captain America: Civil War“ die dritte Superhelden-Kino-Mega-Franchise des Sommers und damit ganz schön unter Druck. Allerdings hat Fox es geschafft, nach einer soliden Trilogie noch mal den Neustart für eine weitere Trilogie zu schaffen, die sich von der Konkurrenz durch den Fokus auf die Figuren und ihre Beziehungen absetzt. Dem Geist der „graphic novels“ sind „First Class“ und „Days of Futures Past“ seit jeher näher gewesen als die Avengers.

Und tatsächlich: Immer noch geht es weniger um einen sich im Hintergrund entwickelnden Storybogen, sondern um das fast schon soapige Gerangel mittlerweile fast zwei Dutzender Figuren, die eher beiläufig in eine große Gefahr verwickelt werden, die so generisch wie sonstwas ist: Irgendwer will irgendwas, um damit ultimative Macht zu erhalten. Big whoop.

Nach dem starken Start mit „First Class“ und der überlegenen Fortsetzung „Days of Futures Past“ verstolpert sich Bryan Singer diesmal allerdings gehörig. Das verwundert umso mehr, weil er sich bei Sachen verstolpert, die mittlerweile so zur Routine gehören, dass er sie blind beherrschen sollte.

Die Action verlässt sich erheblich zu sehr auf CGI, die noch dazu manchmal erschreckend zweitklassig an die „The Mummy“-Filme erinnert. Die Partikeleffekte fallen unter „geht gerade so“, viele Kämpfe entwickeln keinen Impact, weil wir zu offensichtlich computeranimierten Püppchen zuschauen. Gerade „Captain America“ hat bewiesen, dass Superheldenfilme (noch) massiv von echter Stuntwork profitieren.

Es gibt einfach zu viele Figuren – weil nicht nur ein paar neue (eher mühsam) eingeführt werden müssen, sondern weil fast alle bekannten Mutanten noch einmal in neuen Versionen etabliert werden: Cyclops, Nightcrawler, Jean Grey. Und dann müssen wir auch noch in Sachen Magneto und Xavier up to date gebracht werden. Das frisst erheblich zuviel Laufzeit und führt zu weiteren Problemen.

„X-Men: Apocalypse“ fehlt der Held, die Hauptfigur. Mystique hat ebenso wie Xavier zu wenig Screentime, Magneto steht auf der falschen Seite, Wolverine hat ein erschreckend unnötiges und albernes Cameo, das ich als Studio sofort wieder gestrichen hätte. Es ist ein Team-Film im schlechtesten Sinne, der über weite Strecken wirkt, als hätte man nur Geld für die B-Besetzung gehabt.

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Das Casting ist auch nicht ganz solide, denn der neue Nightcrawler mit der Emo-Frisur nervt nach zehn Minuten und mit Scott Summers bin ich nicht warm geworden. Ich sehe auch einfach optisch nicht, dass aus Sophie Turner mal Famke Janssen werden könnte.

Besonders ärgerlich ist dabei Psylocke, denn Olivia Munn darf nur zwei, drei Szenen lang in einem peinlichen Pinup-Kostüm Bein zeigen, bevor sie wieder folgenlos aus der Handlung verschwindet. Und DIE ist groß auf jedem Plakat zu sehen?!

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Ja, klar war die Showcase-Szene von Quicksilver im letzten Film ein Fan Favorite. Ihr Äquivalent hier ist auch richtig geil und ein Highlight des Films. Aber sie frisst wieder nur Laufzeit, ohne die Story voran zu treiben, wirkt wie ein „das müssen wir jetzt aber“ statt wie ein „das ist notwendig“.

Und schließlich: Knackige Comic-Dialoge kann Autor Simon Kinberg leider gar nicht. Das sind alles nur Klischee-Phrasen, hohles Pathos ohne Humor und Eleganz. Da hätte es noch mal dringend eines Rewrites bedurft.

So schleppt sich „X-Men: Apocalypse“ trotz aller Action und den breitwandigen Effekten eher mühsam durch die ersten zwei Drittel, um dann in einem der generischsten Showdowns zu enden, die ich seit langem gesehen habe.

Worüber auf jeden Fall allerdings noch zu reden sein wird, ist die Frage der Zivilopfer im aktuellen Superheldenfilm, die besonders durch „Batman vs. Superman“ und „Captain America: Civil War“ aufgekommen ist. „X-Men: Apocalypse“ gibt sich größte Mühe, genau diese kontroversen Kollateralschäden zu vermeiden – und wirkt dadurch seltsam autistisch. Die Mutanten drehen sich nur um sich selbst, eine Art Zivilbevölkerung scheint in ihrem Universum nicht zu existieren und damit auch nicht in Massen zu sterben. Der gesamte Showdown spielt in einem seltsam unwirklich Trümmer-Kairo, das (auch wegen der angesprochen mauen CGI) wie ein aufwändiges Beat ‚Em Up-Level aussieht und an keiner Stelle eine Verbindung zu realen Welt suggeriert. Es könnte auch ein anderer Planet sein. Für meinen Teil kann ich nur sagen, dass mir die Avengers-Zerstörungsorgien mit all ihren moralischen Fragwürdigkeiten lieber sind.

Und so enttäuschend das alles klingt – gute Unterhaltung ist der Film dennoch. Er liefert viel fürs Geld, schleppt die Franchise in ein neues Jahrzehnt, entwickelt die Charaktere weiter, hat immer mal wieder anrührende Momente, lebt auch vom Charisma u.a. von McAvoy und Fassbender. Ich bevorzuge auch die vielfältigen Mutantenkräfte gegenüber den primär prügelsüchtigen Avengers.

Das Problem ist weniger, dass „X-Men: Apocalypse“ nicht gut ist – er hätte nur als achter Film der Franchise deutlich besser und selbstsicherer sein müssen. Das hier wirkt wie ein Erstling, der seine Spur noch nicht gefunden hat.

Fazit: Ein für den achten Film der Mutanten-Franchise mit erstaunliches Nachlässigkeiten und Kinderkrankheiten angefüllter, fahriger Hybrid aus Graphic Novel und Blockbuster-Abenteuer, der weder den X-Men noch der Messlatte von „Captain America: Civil War“ wirklich gerecht wird. Nicht schlecht, aber angesichts des betriebenen Aufwands seltsam unbefriedigend.

P.S.: „Ost-Berlin 1983“ ist mal wieder ein Totalausfall und ich habe mittlerweile das Gefühl, dass die aktuelle Autorengeneration keine Ahnung vom Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland hat.

P.P.S.: Es gibt eine relativ maue Post Credits-Sequenz, also sitzen bleiben.



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Rudi RatlosheinoPeroyWortvogelDer Sperling Recent comment authors
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Andreas
Andreas

Ich hätte da mal eine allgemeine Frage. Lange sind die Comicverfilmungen der Neuzeit größtenteils an mir vorbeigegangen, bis auf Iron Man und Cap habe ich eigentlich, mangels Interesse, nichts in der Richtung verfolgt. Ich wollte allerdings in der nächsten Zeit dem X-Man Franchise eine Chance geben, da ich eigentlich ein Fan von in sich verwobenen Geschichten bin. Da ja sowohl die Avengers Truppe, als auch die X-Men beide aus dem Hause Marvel stammen würde mich mal interessieren, ob diese beiden denn sozusagen im selben Universum handeln. Eigentlich ging ich davon aus, dass beide Franchises nix miteinander zu tun haben. Bin da neulich drüber gestolpert, weil ich mal gelesen hatte, dass sogar die Guardians of the Galaxy theorethisch im gleichen Universum handeln wie die Avengers…

Vorkenntnisse in Form der Comic-Vorlage besitze ich keine. Man möge mir dies nachsehen.

Beste Grüße

Andreas

robert
robert

Die beiden Franchises spielen in den Comics im selben Universum. Allerdings liegen die Filmrechte für die X-Men nicht mehr bei Marvel, so dass die aktuellen Filme nicht in einem gemeinsamen Universum spielen.

Aber wenn du nicht ein massiver Fan von entweder Patrick Steward oder Ian McKellen bist, dann würd ich einen großen Bogen um die ersten drei X-Men Filme machen.

PS: dafür gehört „Deadpool“ auch ins X-Men Universum. aber vielleicht nicht der einsteigerfilm.

Peroy
Peroy

„Wichs-Men: Arschpokalypse“

perseus
perseus
Teleprompter
Teleprompter

Liegt nicht in Deadpool einer der Heli-Carrier aus den Avengers-Filmen herum ? O.K., relativ schwache Verbindung, aber immerhin.

Ich würde die ersten drei X-Men ganz sicher nicht auslassen, die haben den aktuellen Superhelden-Strom mitbegründet und gefallen mir jedenfalls immer noch besser als die (sicher nicht ganz schlechten) Folgefilme. An denen hat mich vor allem der Versuch von Singer gestört, den von ihm (und sicher auch ein paar Fans, zugegeben) ungeliebten dritten Teil ungeschehen zu machen. Also ehrlich, wenn ihm der nicht passt, wieso hat er damals die Megagurke S.R. gemacht statt „seine“ Trilogie abzuschließen ?

Manu
Manu

Die Post-Credit-Szene ist zwar sehr unspektakulär, teasert aber einen großen/beliebten Bösewicht.
Mit der Kritik gehe ich konform. Der Film ist nicht schlecht, aber Singer hat alles schon mal besser gemacht. Die Konflikte sind alt, die Figuren kennen wir auch schon (fast) alle und die Action muss sich jedem anderen Comic-Film der jüngsten Vergangenheit geschlagen geben.

Marcus
Marcus

Ich möchte anmerken, dass dieEffekte der Mummy-Filme für ihre Zeit gar nicht zweitklassig waren, und dass Sophie Turner hier als Jean Grey sehr gut ist (nur leider kriegt sie zu wenig zu tun) – eine Neuauflage der Dark Phoenix-Saga mit ihr würde ich gerne nehmen. Und Nightcrawler ist auch ok.

Sonst – what he said.

invincible warrior
invincible warrior

Schließe mich hier größtentteils dem Hausherren an, der Film hätte mehr sein können, aber wurde es nicht. Grade der Mittelteil wo Apocalypse seine Leute einsammelt zieht sich unsäglich hin. Angel und Psylockes Beweggründe (außer vielleicht mehr Macht) sind doch nicht vorhanden, trotzdem haben die dann ne viel zu lange Einleitung, besonders die von Angel war ja langweilig, da die nichtmal ne ordentliche Billy Idol Parodie hinbekommen haben.
Das Ende fand ich allerdings ordentlich gemacht, ja generisch auf computererweiterten Soundstage gedreht, aber grade der Kampf Apocalypse vs Xavier war imo interessant. Auch waren die Spezialeffekte nicht so schlecht, wie du sie machst. Einzig die Hafenszene wirkte richtig schlecht (und sowieso unnötig wie ein Kropf). Und wie Marcus sagte, zumindest Mummy 1 hatte für seine Zeit ausgezeichnete Effekte, beim 2. hatte dann Sommers alles Geld in die bescheuerte Zeppelinszene (die schlecht gealtert ist) gebuttert, so das kein Geld übrig war für den Endkampf und man dann wohl auf Prerenders zurückgegriffen hat (The Rock sieht nun wahrlich so mies aus, dass das erst VIEL zu spät in der Postproduction aufgefallen sein muss).

Mal gespannt, ob in Teil 4 dann nun die Phoenixsaga (MIT Weltall) UND 90er chic (or cheese) kommt.

Der Sperling
Der Sperling

Das Thema Zivilopfer hat mir extrem sauer aufgestoßen. Mehrmals wird gezeigt, wie eine Großstadt (wahrscheinlich New York, hab nicht so genau drauf geachtet – generische US-Stadt für generische „Alles ist voll am Ar***“-Zerstörungsszene) durch Magnetos Kräfte auseinander genommen wird. Das MUSS zu einer massiven Zahl an Todesopfern geführt haben und ich gehe mal davon aus, dass das nicht die einzige Stadt war, die getroffen wurde.
Und am Ende alle so: Oops. Naja, schwamm drüber.
Xavier (sinngemäß): „Schade, dass du nicht hier bleibst, Eric. Zehntausende Todesopfer? Ach – vergeben und vergessen. Kann ja mal passieren.“

Peroy
Peroy
Peroy
Peroy

Dann stützt es eben meine Behauptung, dass Frauen weder Filme gucken noch darüber schreiben sollten… Win/Win für mich. 🙂

Abgesehen davon sind alle „X-Men“-Filme beschissen. Der Japan-“ Wolverine“ war okay.

heino
heino

Joah, der war nicht so gut wie die letzten beiden, aber immerhin noch besser als BvS. Psylocke war unnötig wie ein Kropf, Angel auch, Storm bekommt wieder zu wenig Screentime (die kann Singer wohl nicht leiden, sie hat in jedem seiner Filme die A****karte), Wolvies Auftritt wirkt seltsam unpassend und zerstört die Continuity vollends.

Aber:Sophie Turner sieht mehr nach Jean Gray aus als Famke Janssen (dafür hat Famke mehr Sex Appeal), Cyclops ist wie auch schon in den Vorgängern so nervig wie in den Comics und Nightcrawler fand ich bis auf die Frisur gut. Quicksilver wird auch außerhalb seiner speziellen Szenen so langsam zum interessantesten Neuzugang mit den besten Dialogen.

Insgesamt ein solider Beitrag zum Franchise. Damit kann ich gut leben.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Fand den besser als Cap 3 *duckundweg*