Zwei Herzen wohnen – ach! – in meiner Brust. So toll war der Comic-Salon – und so grausam. So sehr meine nostalgische Ader mit frischem Blut durchströmend, so sehr meine sarkastische Ader mit Gift aufspritzend. In der Furcht, positive wie negative Gedanken könnten sich womöglich neutralisieren und zu einem ausgewogenen Bild führen, spalte ich meine Berichterstattung deshalb auf. Heute gibt es die watteweiche Sicht, ich erzähle von alten Freunden – gezeichneten wie realen. In zwei Tagen haue ich dann auf die Kacke, mache mich bei den Frauen und bei den Geeks (von den Schnittmengen gar nicht zu reden) gleichermaßen unbeliebt. Danach kann ich meinen Blog vermutlich dichtmachen.

Aber zuerst einmal – easy.

Auf Facebook hat man es schon gesehen – so sah ich aus, als ich das letzte Mal beim Comic-Salon Erlangen war:

cserll

Ich mag den Kommentar eines Lesers dazu:

„Der Badeanzug steht dir. Ist der Typ mit dem Bart irgendein Promi?“

Das muss um 2000 gewesen sein. Mein Ko-Autor arbeitete damals sehr viel für Carlsen und Panini, die Wonder Woman war Promo für die Warner Bros. Movie World in Bottrop. Der Comic-Salon war gut besucht, hauptsächlich traf man Leute aus der Branche, mit denen man sonst nur Email-Kontakt hatte. Es war unspektakulär und für mich auch ein wenig enttäuschend. Das mag einer der Gründe gewesen sein, warum ich auf weitere Besuche verzichtete.

Mein einziger peripherer Kontakt zum Comic-Salon war in den folgenden Jahren Jojo Beetlebum Kretzschmar, der zweimal bei mir unterschlüpfte, als er zum Salon in München anreiste. Das hatte bekanntlich Folgen.

Vor ein paar Wochen machte ich den Fehler, auf Facebook zu erwähnen, dass es nett sein könnte, mal wieder „in echt“ zu networken und einige der Nasen aus den Social Media-Sphären persönlich zu treffen. Diese Idee hatte ich nach ein paar Stunden schon wieder vergessen. Aber vorgestern kamen plötzlich Emails und PMs mit dem Tenor: „Sehen wir uns dann in Erlangen?“. Oops. Aber versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen – ich sattelte unseren EOS und holte in Nürnberg Doc Acula ab, um nicht alleine durch die Hallen zu wandeln.

superbandErste Erkenntnis: Die Location ist nicht gewachsen, der Event schon. Vor allem hat sich der Salon auch auf dem Vorplatz des Rathauses ausgebreitet wie ein Tumor. Dort präsentieren Dutzende Comic-Stände ihre Ware und man findet neben überteuerten Hardcover-Prachtbänden auch viele, viele, viele Lustige Taschenbücher, alte ZACK-Ausgaben und Superbände von Ehapa. Da habe ich viele, viele, viele Heftchen gesehen, in denen ich als Dreikäsehoch in den 70ern begeistert geschmökert habe. Das Herz des Wortvogels wurde ganz warm.

Zweiter Fokus auf dem Vorplatz sind mittlerweile die Cosplayer, deren Professionalität massiv zugenommen hat. Es dominiert natürlich die Liebe zur japanischen Kultur, alles ist furchtbar kawaii und sugoi. Ich selber kann mit Kostümen zu One Punch Man und Gravity Falls jetzt nicht so viel anfangen, aber mich verzückte ein Trio junger Menschen, das Quicksilver, Rogue und Scarlet Witch darstellte – in den klassischen 70er-Kostümen:

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Es fiel allerdings auf, dass viele der Cosplayer am Comic-Salon selber kaum Interesse zeigten. Es geht – wie einst bei den Poppern – um sehen und gesehen werden, rumhängen, sich fotografieren lassen.

Für den Comic-Salon eine Bühne mit launigen Veranstaltungen aufzubauen, fand ich komplett am Thema vorbei und was es dort zu sehen gab, hat mich nicht vom Gegenteil überzeugt.

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Drinnen war es vor allem ein: stickig. Die Besuchermenge, die Enge und die Hitze sorgten für ordentlich durch die Lokalität wabernden Geek-Schweiß und ich beneidete niemanden, der zu Promotion-Zwecken in fetten Kostümen herum laufen musste.

An einem riesigen Tisch mit kostenlosem Papierkram deckte ich mich erstmal mit Bierdeckeln ein. Brauche ich Bierdeckel? Nein. Brauche ich Bierdeckel mit „Spion & Spion“ drauf? Natürlich.

Während ich subjektiv den Eindruck hatte, die Veranstaltung wäre förmlich explodiert (so weit, dass ich mir eine weitläufigere Location wünschen würde), versicherte mir Zeichner Sebastian Kempke, den ich am Cross Cult-Stand traf, dass es heuer eher mau war, was sowohl Besucherzahlen als auch Business anginge. Der Grund dafür liege vermutlich in der Aufsplitterung des Marktes durch diverse relativ neue Comic Cons nach amerikanischen Vorbild.

So drehte ich mit Doc Acula zwei, drei Runden durch die Hallen, streifte aber nur kurz die Ausstellung, weil da – unvermeidlich und wie immer – der Begriff „Comic-Kunst“ mal wieder ausschließlich im politisch-kritschen Kontext gesehen wurde und es mal wieder um Mord und Vertreibung ging, als könne nur die Message den Kunstbegriff füllen und nicht die Methodik. Leute, die solche Ausstellungen bestücken, scheinen das Medium nicht über „Maus“ und „Persepolis“ hinaus zu begreifen.

An einem der Stände saß Jörg Buttgereit und promotete fleißig seinen „Captain Berlin“, über den ich mich in meinem Fanzine in den 80ern schon lustig gemacht hatte. Aber es drängte mich, ihm in Person mitzuteilen, dass der Krach um „German Angst“ mir leid tat und nichts mit seiner Arbeit zu tun hatte, die ich zwar nicht schätze, aber zumindest respektiere. Er nahm es sportlich. Ich kaufte nichts, weil ich a) kein Freund von Autogrammen bin und b) mit der LvA ja seit geraumer Zeit an der Entmistung der Bestände arbeite.

Allerdings bin ich auch ein Freund von Originalen, weshalb ich mich nun das erste und einzigste Mal für eine persönliche Signatur anstellte. Wenn man schon Zeichnungen von Flix, Beetlebum und Joscha Sauer hat, ist es nur eine logische Ergänzung, Ralf Ruthe um eine solche anzugehen. Es dauert eine lockere Dreiviertelstunde, bis wir dran kamen, aber die Wartezeit verging im Flug, weil ich Leser S-Man traf, mit dem ich auch gerne beim FFF in Berlin auf ein Bier gehe. Zusammen mit einem weiteren Besucher diskutierten wir angeregt den aktuellen Stand der Branche, den Mangel an Comicläden im Osten und die Verwerflichkeit der geradezu sozialistischen Verweigerung kommerzieller Ausbeutung des beetlebums’schen Oeuvres. A good time was had by all (I hope).

Da ich „resident artists“ nicht gerne mit „ja hallo, ich bin ein großer Fan“ anspreche, eröffnete ich das Gespräch mit Ralf Ruthe dergestalt:

„Wenn ich mit 16 geahnt hätte, dass man mit so einer Krickelei Geld verdienen kann, hätte ich auch damit angefangen.“

Der Cartoonist nahm es im Sinne der Heldenverehrung, in dem es gemeint war. Wir einigten uns darauf, dass Zeichner faules Pack sind, das sein Handwerk auch besoffen auf dem Sofa ausüben kann, während es „Game of Thrones“ schaut. Ich kann nicht ausschließen, dass sein Cartoon für mich davon beeinflusst wurde:

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S-Man (alias Mark) teilte mir mit, dass sich Beetlebum übrigens gleich auf der anderen Seite der Stellwand befände, was ich mir dann doch nicht entgehen lassen wollte. Es war eine Freude, Jojo wiederzusehen, es wurde ein wenig geplauscht – und am Ende versprach ich ihm, mich endlich mal in Jena sehen zu lassen. Und wenn man schon mal da ist:

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Ich bleibe übrigens bei der Meinung, dass es mehr als Zeit ist, einen fetten Band „Best of Beetlebum“ in Druck zu geben. Wenn ich Jojo nur davon überzeugen könnte, dass die kommerzielle Vermarktung seiner bezaubernden Zeichnungen keinen Seelenverkauf darstellt… hrmpf.

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Dann knöpfte ich mir die Jungs von Jazam vor. Mit denen hatte ich nämlich noch eine Rechnung offen – ich finde es ziemlich arm, dass man als Zeichner und Texter kostenlos für sie arbeiten darf, aber nicht mal ein einziges kostenloses Belegexemplar für das heimische Regal dabei heraus springt. Ich zahle ungern für meine eigene Arbeit und bis heute fehlt in meiner Sammlung die Ausgabe von Jazam, in der Jojo meine Golem-Story adaptiert hat. Es kam zu einem recht meinungsstarken Gespräch darüber, ob eine selbstzerfleischende Kalkulation „auf null“ anständig sein kann, die den Künstler völlig außen vor lässt. Am Ende hatte ich mehr Einsicht in das altruistische Geschäftsmodell von Jazam, aber immer noch kein Belegexemplar. Man muss sich nicht immer einigen können.

Ein paar Meter weiter stolperten wir über Wortvogel-Veteran DMJ, der voll ausgeschrieben als Dirk Jürgens zusammen mit Gregor Schenker für die Buddelfische da war.

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Er war dann auch am verlagseigenen Tisch zu finden, wo er sich zu folgender Karikatur in einem „Strichmann“-Hardcover hinreißen ließ, das darauf Bezug nimmt, dass an diesem Tag mangels Barmitteln der gute Doc Acula mehrfach die Geldbörse für mich zücken musste:

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Da ich eine kommunikative Persönlichkeit besitze, kam ich immer wieder auch mit Vertretern von Kleinverlagen und semi-professionellen Zeichnern ins Gespräch. Das war wirklich spannend, teilweise aber auch sehr ernüchternd: Obwohl durch moderne Druckmethoden die Erzeugnisse immer edler werden (Farbdruck, Hardcover, etc.), ist es immer noch so unmöglich wie in den 70ern, aus Comics ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu machen, wenn man nicht zu den Großverlagen gehört oder zufällig einen Trend erwischt. Da tut es auch weh, an den vielen kleinen Tischen mit hoffnungsvollen Gesichtern ohne nennenswertes Interesse vorbei zu laufen.

Spannend wurde es, als wir kurz aus dem Gebäude traten, um Luft zu schnappen – dort stand jemand mit einem „Zombies from Outer Space“-T-Shirt. Diesen launigen Heimat-SF-Film hatten wir ja auf dem B-Film-Basterds-Festival wohlwollend aufgenommen. Und siehe da, der Träger des T-Shirts entpuppte sich als Martin Hager, der Produzent des Films, der selber Zeichner ist. Es wurde ein nettes Gespräch und ich nutze die prima Gelegenheit, das Team mit diesem Video vorzustellen:

Der Salon besteht übrigens schon lange nicht mehr nur aus dem Salon. Hätte ich mich vorab informiert, ich hätte auch an vielen spannenden Events und Aktionen rund um die Veranstaltung teilnehmen können, von denen mir nun lediglich begeistert erzählt wurde. Nächstes Mal werde ich den Fehler nicht machen, ad hoc hinzufahren.

But what about the loot?! Außer den genannten Bierdeckeln und den Büchern, die ich mir habe signieren lassen, blieb die Ausbeute geplant gering. Lediglich ein paar Flyer und Visitenkarten von interessanten Zeichnern habe ich eingesteckt.

campDie einzige Sache, die ich ohne Signatur und Hintergedanken für Geld gekauft habe, ist die zweite Ausgabe des Comic-Kulturmagazins Camp aus der Edition Alfons. Die guten Menschen dieses Verlages bringen daneben noch die Magazine Reddition und Alfons heraus. Hier stimmt alles, sogar das Preis-Leistungsverhältnis: Camp ist dick wie ein Buch, vierfarbig, exzellent recherchiert, und vergnügt viele Stunden mit hervorragenden Artikeln zum Thema Comic-Kultur. Eine Art Cicero für Geeks, nur in besser. Kann ich so ziemlich allen Leuten empfehlen, die eben nicht knietief in der Szene stecken, sondern sich unterhaltsam und faktenstark darüber informieren wollen. Daumen hoch!

Beim Buddelfisch seiner Tombola habe ich obendrein noch ein Set Buntstifte und eine Postkarte zum Selberausmalen gewonnen.

Unter dem Strich – ein Plus.

War also ingesamt eine runde Sache – auch dank dem Dicken:

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DocAcula

Jaja, der Herr futtert eine Mohnschnecke und ein Erdbeer-Plunderstück und ich begnügte mich mit einer einfach Salzstange ohne alles 🙂

Kastanie
Kastanie

Schöner Bericht. Und der Doc war immer noch nicht beim Coif­feur. Der züchtet sich doch da was an.

comicfreak
comicfreak

..der ist doch nicht dick, der steht da nur krumm 😀

DocAcula

Ich bewerbe mich ja nur für das nächste Wolfman-Remake…

heino
heino

Ein wenig Nitpicking muss sein:-)

Rogue gab es in den 60ern noch gar nicht, die kam erst im Claremont-Run Ende der 70er dazu.

Genug Klugscheißerei. Nach Erlangen habe ich es leider nie geschafft. Ich war nur mal 1999 bei der Comic Action in Essen, wo ich immerhin mal Bela B. (damals Inhaber seines eigenen Verlages) aus der Nähe erleben durfte. Netter Kerl mit furchtbarem Englisch. Mir war es damals zu voll und ähnlich wie bei der IAA oder der Musikmesse in Frankfurt konnte man quasi nichts sehen, ohne eig lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen.

S-Man
S-Man

Ich habe gerade das Drumherum genossen: Die lokalen Kinos hatten Sonderprogramme, es gab zahlreiche Ausstellungen für alle Interessen und ebenso viele Abendveranstaltungen in Kneipen und Theatern. Ich liebe den Salon, weil die ganze Stadt involviert ist. Überall in den Cafes sitzen Comicfans und -macher beieinander und lachen und trinken. Es wirkt trotz seiner Größe familiär.

Es ist genau dieser Festivalcharakter, der Erlangen von der Comic Action Essen oder dem Festival in München abhebt, wo es oft ausschließlich um die Messe geht und der Rest im Rauschen der Großstadt untergeht.

Die Messe als solche ist nur entweder für Signierungs-Suchende oder für Leute, die Kleinode suchen interessant, denke ich. Ich vertrete in gewisser Weise beide Gruppen: Ich freue mich über eine kleine Zeichnung in selbstgetackerten Heftchen von Leuten, von denen man jahrelang alle Ergüsse verfolgt und mit denen man mehr oder weniger regelmäßigen Digitalkontakt hat. Andererseits kaufe ich dort gern mal absurdes Zeug, das ich im Normalfall keines Blickes würdige und werde auf die Weise oft überrascht.
Der ganze Mainstream-Paninikram ist eher uninteressant, da im gut sortierten Comicladen problemlos genauso begutachtbar.

Ich hatte 4 tolle und sehr unterhaltsame Tage und weitere Papierstapel rumzustehen 🙂

X.Hibitor
X.Hibitor

Schöner Bericht. Ich stehe selbst seit Jahren als Aussteller auf dem Comicsalon und kann die Eindrücke von Stefan Kempke nur bestätigen. Zu den US-fokussierten Comic-Cons, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen – in Dortmund, Hannover, Berlin, Stuttgart, Klein-Klickersdorf etc. – haben sich mittlerweile drei große Anime-Conventions etabliert, die jeweils eine fünfstellige Besucherzahl aufweisen können. Dieses Jahr hat Erlangen angesichts dieser Entwicklung ganz klar an Boden verloren. Offiziell sollen zwar heuer so viele Besucher da gewesen sein wie noch nie; nur, wenn man unter Händlern und Stammbesuchern spricht, fragen sich durch die Bank alle, wo die denn bitte gewesen sein sollen. Aber bei so vielen hochkarätig moralin- und political correctness-trunkenen Ausstellungen muss man wohl solche Besucherzahlen vorweisen – alles andere wäre ja zu peinlich. Wohltuende Ausnahme in der Halle selbst war die Ausstellung zu Jiro Taniguchi; in der Stadt reizten Lucky Luke und die Bösen Clowns, vielleicht noch die jungen deutschen Manga-Künstler (wenn man sich für diesen Stil interessiert). Sowohl Taniguchi als auch Lucky Luke bestanden jedoch überwiegend aus Faksimiles, es waren kaum Originale zu sehen. Beim Rest der Ausstellungen wurde die Auswahl eindeutig nach Erfordernissen der Political Correctness getroffen, hinter denen Zeichenstil und -kunst massiv zurück stehen mussten. Auch das kann man natürlich machen. Wenn die Mischung stimmt, ist es eine schöne und sinnvolle Ergänzung des Ausstellungsangebots. In der geballten Form wie in diesem Jahr, die sich auch bei vielen der Vorträge und anderen Programmpunkte fortsetzte, war es jedoch unangenehm aufdringlich. Da wurde nicht nur mit dem moralischen Zeigefinger gewunken, der wurde einem eher nach Art des Kölner Silvester-Taharrusch in diverse Körperstellen gebohrt. Hinzu kam, dass dieses Jahr kaum große Namen unter den anwesenden Zeichnern waren, keine internationalen „Top-Stars“, um es mal so zu sagen (was keine Aussage zum Können der anwesenden Künstler sein soll). Die deutschsprachigen Zeichner, so gut sie sind, haben für sich allein relativ wenig Zugkraft, da sie auf vielen – manche auf fast allen – deutschen Veranstaltungen zugegen sind. Ob man nun US-Comics, frankobelgische BDs oder japanische Manga sammelt: vom Comicsalon erhoffen sich doch viele eher namhafte Gäste aus dem Ausland, Leute, die man sonst eben nicht zu sehen, geschweige denn zum Signieren bekommt. In den vergangenen Jahren waren Legenden wie Jacques Tardi, Milo Manara, Juan Gimenez mit von der Partie. Dieses Jahr – niemand Vergleichbares. Die Ausbreitung von Händlerständen auf dem Vorplatz allerdings ist dem Comic-Flohmarkt geschuldet, der jedes Mal am Samstag stattfindet und sich traditionell auf die Neue Passage konzentriert hat. Dort aber sind durch Gastronomie in den letzten Jahren Stellplätze weggefallen, so dass man nun eben mehr Händler als zuvor auf dem Vorplatz findet. Im Vergleich zu den Vorjahren, wo man einmal für den Flohmarkt sogar eigens ein zusätzliches Zelt auf dem Birlikte-Platz aufgestellt hatte, waren es jedoch deutlich weniger Aussteller. Auch die Cosplayer sind vor allem am Samstag präsent, da hier der vom animexx e.V. ausgerichtete Cosplay-Wettbewerb auf der Bühne auf dem Vorplatz stattfindet. An den anderen Tagen waren wenig Kostümierte zu sehen und die Händlerstände beschränkten sich auf die Heinrich-Lades-Halle.

Medienjunkie

Ich glaube nicht, dass die Ausstellungsmacher so große Scheuklappen haben. Es ist doch gerade die Mischung, die ein solches Festival ausmacht: Dazu gehören Ausstellungen zu politischen oder avantgardistischen Comics (der Salon wird immerhin vom Kulturamt ausgerichtet) eben genauso wie kostümierte Superhelden oder Manga-Fans und Mainstreamangebote.

Ich war dieses Jahr zum ersten Mal da und fand eigentlich die Altsammler, die sich nur für Superman-Superbände oder fehlende Silberpfeil-Hefte interessieren, wesentlich unsympathischer als die kostümierten Manga-Anhänger (obwohl ich keine Mangas lese). Dachte auch zwischendurch, solange Männer über 50 auf solchen Veranstaltungen in Altpapier-Kisten nach Schätzchen wühlen, wird der Comic von der breiten Öffentlichkeit wohl nie als ernsthafte Kunstform bzw. Medium angesehen werden. Aber das kommt dann wahrscheinlich in deinem zweiten Teil ;).

@X-Hibitor:
Immerhin war Andreas da – zum ersten Mal auf einem deutschen Festival – und der kann international schon mit Leuten wie Gimenez mithalten, denke ich. Künstlerisch sowieso, aber auch von der Bekanntheit.

sergej
sergej

Und beim nächsten Mal hast du deinen eigenen Chewbacca mit dabei.

DMJ

Am Sonntag habe ich es übrigens auch mal geschafft, bei Jörg Buttgereit vorbei zu schauen. Ich wollte endlich mal wissen, wieso sich Hörspiel und Film „Captain Berlin vs. Dracula/Hitler“ trotz gleichen Inhalts im Titel unterscheiden. Und genau, wie ich vermutet hatte, war es so, dass die Herren und Damen vom Radio Angst vor dem berühmten Bartträger hatten, weshalb er gegen den rumänischen Einwanderer ersetzt wurde. 😉