Auch heute mache ich es aus Zeitmangel knapp und knackig, denn der Magen rumort, die Dusche wartet und der nächste Film ist keine zwei Stunden entfernt. Nach Wanderungen in Südtirol und Salzburg, mehreren tausend Kilometern auf dem Tacho und zu vielen Unwägbarkeiten geht nicht nur die Woche, sondern langsam auch meine Energie zu Ende…

Ich bin also wieder bei B-Film Basterds-Festival, das ich bisher nur 2015 wegen Heirat ausfallen lassen musste. Eine erfreuliche Menge an Veteranen, auch vom Fantasy Filmfest, ist heuer wieder dabei. Ich fläze mich wie üblich in der Mitte der ersten Reihe neben dem Moderator, der sich meinen Spott ebenso gefallen lassen muss wie das Geschehen auf der Leinwand. Generell sind die ersten zwei Reihen ziemlich maulaktiv, was angesichts des gebotenen Zelluloids zur allgemeinen Erheiterung beiträgt. A good time is had by all.

Zu den Filmen der ersten zwei Tage.

puma man

Den Einstieg macht der italienische „Klassiker“ „Puma-Man“ von Alberto De Martino, der eigentlich immer in einem Atemzug mit „Supersonic Man“ von J.P. Simon genannt wird und den Donald Pleasence für den schlechtesten Film seiner an schlechten Filmen wahrlich nicht mangelnden Karriere hielt.

In der Tat ist „Puma Man“ (was echte Geeks „Pjuma Man“ aussprechen) objektiv gesehen ein cineastischer Verkehrsunfall mit vielen Verletzten. Die Story um Aliens, eine Hypno-Maske und den Gürtel des Puma-Gottes ist mit abstrus noch milde beschrieben, die Spezialeffekte hinken locker 20 Jahre hinterher und die Hauptfigur ist eine so unsäglich feige Pussy, dass man ihm ständig was aufs Maul geben möchte. Besonders viel Tempo hat der Streifen auch nicht, dafür aber eine ausgesucht schrottige Synchro. Man hält sich optisch an Sydne Rome fest, die um der Kindertauglichkeit willen allerdings zu viel anbehält.

Ihr ahnt es: Genau so sehen perfekte Festival-Filme aus. Das Vergnügen wurde mir nur dadurch geschmälert, dass ich „Puma Man“ in meinem Leben ungefähr 10 mal gesehen habe – inklusive der amüsanten Mystery Science Theater 3000-Fassung:

fantasy mission forceDanach ging es nahtlos mit „Fantasy Mission Force“ weiter, einem Action-Comedy-Spektakel asiatischer Provenienz, über das selbst in Trash-Kreisen nur ehrfürchtig geflüstert wird. Splatter, Nazis, Slapstick, Karate – die volle Packung ausgelassenen Blödsinns, angereichert mit jeder Menge Pyrotechnik und einem Schnitt aus der Moulinex.

Ich gebe zu, die völlige Absenz eines Plots und das wirre Agieren der asiatischen Knallchargen verhindert mein völliges Abtauchen in den Wahnsinn, aber es lässt sich mit Fug und Recht sagen, dass „Fantasy Mission Force“ eine Feuertaufe für echte Trash-Fans ist. Da muss man dann halt durch.

Wie sehr der Film international verhackstückt wurde, sieht man auch daran, dass diverse Szenen aus dem internationalen Trailer in unserer Version nicht zu finden waren:

Pirate_MovieTag 2 begann mit einem kinderfreundlichen Nachmittagsprogramm – dachten wir. „The Pirate Movie“ ist oberflächlich eine als Kostümmusical verkleidete Teenager-Romanze der frühen 80er, die in Cast und Tonalität auf das Publikum von „Die blaue Lagune“, „Grease“ und „Kleine Biester“ schielt.

Tatsächlich ist „Pirate Movie“ gelebter Irrsinn, die schwulste Hetero-Komödie aller Zeiten, eine Gratwanderung zwischen Benny Hill und John Waters, ständig die Mauer zwischen Akteuren und Publikum brechend. Hier ist Massenvergewaltigung eine rasend komische Sache, die Heldin tritt ihrem Geliebten in die Eier und fragt ihn, ob er eigentlich schwul sei – und dann tauchen Inspector Clouseau und Indiana Jones auf, während zu den Laserschwerter gegriffen wird. Und das alles auf dem Niveau eines schwachbrüstigen TV-Films.

Denkt man am Anfang noch, der Film sei ein völlig missratenes Stück Sommerkino auf Kindergarten-Niveau, dämmert es dem versierteren Zuschauer in der zweiten Hälfte, dass es sich vielmehr um eine Parodie auf missratene Stücke Sommerkino auf Kindergarten-Niveau handelt. Der Film ist auf eine irritierende Weise selbstbewusst scheiße – auch wenn die Meta-Ebene ihn noch lange nicht erträglich macht.

Einziger ECHTER Pluspunkt ist Kristy McNichol, in die wir in den frühen 80ern alle verknallt waren, die sich wirklich rein hängt und deren Infragestellung der sexuellen Normen in „Pirate Movie“ angesichts ihrer eigenen geschlechtlichen Präferenzen heute geradezu hellsichtig wirkt.

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„The Pirate Movie“ war zwar bunt, lustig und ließ das Publikum angemessen verdattert zurück, aber nun brauchte es wieder Exotik und vor allem Gewalt der hausgemachten Handkanten-Sorte. Da musst das „Samtpfötchen“ ran, ein bizarr plotfreier Haudrauf-Film aus der untersten Schublade, in der ein selten tumber Held mit seiner Freundin irgendwann im zweiten Drittel mit Gangstern über Kreuz liegt, die Diamanten in einer Bonbon-Dose suchen.

Es wird eigentlich permanent geprügelt, ernst nimmt das keiner, der Bösewicht hat ein tennisballgroßes Geschwür am Hals und die deutsche Synchro holt mehr raus, als drin ist. Die vorliegende Kopie war in Monocolor, nach Jahren auf dem Bahnhofsklo herrschte grelles Pink vor.

Anderthalb Stunden lang so:

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Skandalös genug, dass mit „Die Engel von St. Pauli“ erst jetzt der deutsche Kolportage-Reißer dran war, der auf dem Festival gewöhnlich fester Bestandteil ist. Action-Garant Jürgen Roland hetzt die Luden in seinem Stamm-Kiez erst aufeinander, dann auf einen Nuttenkiller. Großartig besetzt u.a. mit einem souveränen Horst Frank und vielen bekannten Gesichtern in Nebenrollen, von erstaunlich geschmeidiger Kameraarbeit und einem exzellenten Blick für das Milieu getragen, erreicht „Die Engel von St. Pauli“ zwar nie den Trash-Wert von „Mädchen mit Gewalt“ oder die bunte Bandbreite von „Perrak„, aber er ist nichtsdestodoch ein beeindruckender Beweis dafür, dass es hierzulande einst hochkarätige Sleaze-Thriller gab, auf denen man hätte aufbauen können, wenn die Sackratten des Neuen Deutschen Films das gesamte Genre nicht hochnäsig zur Unkultur erklärt und ausgetrocknet hätten.

Wie bezaubernd – ein englischsprachiger Trailer:

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Danach war Kessler-Time – der allseits beliebte Chronist des abseitigen Kinos unterhielt den Saal zum dritten Mal mit launigen Anekdoten und ausgesucht beschämenden Filmausschnitten von italienischen Sex-Utopien und indonesischen Terminator-Trittbrettfahrern. Nichts, was die wirklich harten Geeks nicht schon kennen würden, aber man muss ja auch mal den Nachwuchs heran ziehen und auch wenn man nichts lernt, verbringt man doch einen Abend im Kreise guter Freunde und schlechter Filme. Ein herzhaften „bravo!“ von mir dafür.

Kessler hatte natürlich Exemplare seines neuen Buches „Der Schmelzmann in der Leichenmühle“ dabei, die er freundlich und umfangreich signierte. Bestellen kann man das Werk hier, auch wenn echte Fans das Werk mit Widmung und aus der Hand des Meisters wollen.

sharkDamit neigte sich der zweite Tag dem Ende entgegen und Veranstalter Doc Acula hatte erfolgreich dicht gehalten, was es als Überraschungsfilm zu sehen gab: „The last Jaws“, einen uninspirierten, aber sehr kompetenten Italo-Ripoff von Spielbergs Hai-Saga, der vor allem deswegen berühmt-berüchtigt wurde, weil Universal gegen seinen Release erfolgreich klagte und der Film zumindest auf dem englischsprachigen Markt über 20 Jahre lang kaum zu bekommen war. Bei den Basterds gab es die deutsche Variante in einer Uncut-Version zu sehen, was einige Untertitel später wieder eingefügter Szene bedingte.

Betrachtet man „The last Jaws“ unbelastet von den rechtlichen Problemen, ist es ein für italienische Verhältnisse erstaunlich solides Produkt mit starken Schauspielern (Vic Morrow, James Franciscus), viel Aufwand und weitgehend überzeugender Stunt-Arbeit. Die Hai-Szenen sind mit viel Stock Footage aufgefüllt, aber ja – die Italiener haben auch Modell-Haie gebaut, die teilweise mit Spielbergs „Bruce“ mithalten können. Die Spannungskurve sitzt, der Soundtrack ist klasse – da blamiert sich niemand. Fast schon zu gut, um in Nürnberg zu laufen.

Ich übergebe mal an den geschätzten Brandon für eine Video-Kritik:

So wurde es 2 Uhr morgens und das Publikum müde, der Doc schickte uns für die Nacht heim und hampelte noch ein wenig rum:

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Darum bin ich gerne hier.



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Marcus
Marcus

“ Bei den Basterds gab es die deutsche Variante in einer Uncut-Version zu sehen, was einige Untertitel später wieder eingefügter Szene bedingte.“

Was du wollen in das zweite Halbsatz?

Fake
Fake

Das heißt: Da die deutsche Variante ursprünglich cut war, haben die wieder eingefügten Szenen keine Syncro und wurden daher untertitelt.

Lidahet
Lidahet

Den Tony Franciosa in Last Jaws spielt übrigens James Franciscus. 🙂

Reini
Reini

Dieses Bild vom Doc… *grusel*

Steffen
Steffen

Danke für deine Berichte; ich muss mir echt mal die Zeit freischaufeln, um auch mal dabeisein zu können! 🙂

comicfreak
comicfreak

..nächstes Jahr wieder 😀
Und wenn der Doc die Termine ja mal frühzeitig mitteilt, klappt’s auch mit dem Urlaub 🙂