So, Tag 3 ist auch gleichzeitig mein Abgesang, denn der erste Hochzeitstag verpflichtet mich zur Heimreise. Ob es eine Schande ist, die Vorführung des letzten Jess Franco-Films zu verpassen, sei dahin gestellt…

ChampionsOfJusticePosterVeranstalter Doc Acula ist bekanntermaßen ein Fan von massigen Männern, die sich verschwitzt betatschen und umher rollen. Kein Wunder, dass in „Die Engel von St. Pauli“ bereits gerungen wurde und mit „Champions of Justice“ dann sogar ein vollblütiger Vertreter des Luchadores-Kinos auf dem Programm stand. Maskierte Mexikaner im Kampf gegen einen verrückten (wobei – eher korrupten) Wissenschaftler und seine bösen Wichte. Kennt man das Genre etwas genauer, weiß man, was zu erwarten ist – kindertaugliche Rangeleien, unverbrüchliche Freundschaft zwischen den Fleischklopsen und alle fünf Minuten Rangelei für die gute Sache. Das klingt nach verdammt viel Entertainment, ist aber schlussendlich doch sehr lang und weilig. Trash darf vor allem eines nicht – brav sein. Und das Luchadores-Kino ist halt sehr brav. Einen gewissen Genuss kann man aus lokaltypischen Kuriositäten ziehen und dem Soundtrack, der zwischen Lounge-Jazz und hysterischen Drum-Soli oszilliert.

Dieser Ausschnitt ist erschreckend repräsentativ:

oblivionKindertauglich ging es dann auch weiter – mit einer Charles Band-Produktion, was mich befähigte, selber ein paar Worte zur Einleitung zu sprechen. Auch „Oblivion“ (aka „Alien Desperados“) bringt oberflächlich alles mit, was so ein Festival braucht – ein Western auf einem fernen Planeten mit Stop Motion, Aliens, George Takei dauer-besoffen, einer peitschenschwingenden Domina und sackweise Insider-Gags.

Leider scheitert „Oblivion“ (der zeitgleich mit seiner etwas besseren Fortsetzung gedreht wurde) primär daran, dass er nicht scheitert. Er ist genau die Sorte harmloser Genre-Unterhaltung, die in der Video-Ära Anfang der 90er populär war. Keiner der Beteiligten blamiert sich, es war ausreichend Geld da, und ein paar der Gags sind sogar milde witzig. Letztlich ist der einzige wirkliche Fehlgriff die deutsche Chinesen-Synchlo von Geolge Takei, die veldammt lassistisch klingt.

Ein Festival wie dieses braucht Filme, die entweder an ihrem Anspruch spektakulär scheitern oder in ihrer Weltsicht so weit am Publikum vorbei zielen, dass sie erheiterte Fassungslosigkeit auslösen. Das ist bei völlig stimmigen Kommerzfilmen wie „Oblivion“ einfach nicht der Fall.

BMX Bandits QuadUnd beim nächsten Film genau genommen auch nicht. Adleraugen können „BMX Bandits“ immer mal wieder im Vormittagsprogramm der kleineren deutschen TV-Sender finden und die Tatsache, dass hier Genre-Allesfilmer Brian Trenchard-Smith das Megaphon führte, sollte zu keinen Hoffnungen verleiten, es gäbe schrabbelige Schmierigkeiten zu sehen.

„BMX Bandits“ ist ein Jugendkrimi im TKKG-Stil, der sich an den 80er-Boom der BMX-Räder aufhängt, mit viel Augenzwinkern und Action eine banale Geschichte (es geht um geklaute Funkgeräte) flott über die Runden bringt. Das ist bunt, nett, und erstaunlich wenig gealtert. Aber ist es ein Film, der auf das Festival gehört? Schließlich fehlt hier der Wahnwitz von „Turbo Kid“ oder die schiere Blödsinnigkeit von „Voyage of the Rock Aliens„.

Genau genommen hat „BMX Bandits“ cinemahistorisch nur ein Pfund, mit dem er wuchern kann – die weibliche Hauptrolle spielt eine 16jährige Nicole Kidman. Und tatsächlich ist die spätere Hollywood-Diva und Stilikone auch in jungen Jahren sehenswert. Sie mag schlaksig sein und ungeschminkt, die Zähne schief und die Haare wuschelig – aber das Charisma ist unbestreitbar schon vorhanden.

Sehr drollig, dass die Kidman im Trailer gar nicht zu sehen ist – man wusste ja nicht, was man sich da angeheuert hatte:

Riffs_IIDas Abendprogramm eröffnete „Riffs II – Flucht aus der Bronx“, die Fortsetzung der durchaus respektablen „Warriors“/“Klapperschlange“-Variation „The Riffs“. Wieder muss der stumpfgesichtige Zottelkopf Trash mit seinen wenig sympathischen Kumpanen die paar Ruinen verteidigen, die von der Bronx übrig sind. Mächtig politisch aufgeladen, kann die „The Riffs“-Reihe (deren dritter Teil nur dem Namen nach dazu gehört) mit ein paar eigenen Ideen und solidem Location-Shooting in New York überzeugen. Bei Teil 2 ist das Budget allerdings schon sehr mager, die Ordnungsmacht besteht aus den immer gleichen sechs Knallchargen in silbernen Overalls und Motorradhelmen und genau EINEM entsprechend hergerichteten Lieferwagen. Die Besetzung ist ein Best of des italienischen Epigonen-Kinos, nur Henry Silva dürfte auch den weniger bewanderten Zuschauern Interesse abverlangen.

So ist „The Riffs 2“ auch nur eine schwache Cover-Version des Originals, verplempert die Laufzeit mit den immer gleichen Shootouts und Stunts und kann am Ende auch nicht sagen, ob die Sieger nun irgendwas gewonnen haben. Im Vergleich zu anderen Trittbrettproduktionen der Ära ist er – wie „The last Jaws“ – damit allerdings immer noch im oberen Mittelfeld.

Auto-Nummer_(1972)

Bestimmte Genres gehören bei den B-Film Basterds einfach zum guten Ton. Der Italo-Ripoff, der deutsche Kolportage-Reißer und das schmierige Bumskino der Übergangsphase der 60er auf die 70er zum Beispiel. Letzteres übernahm diesmal „Die Auto-Nummer – Sex auf Rädern“, eine lose Sammlung Rammelgeschichten rund um 2-, 4- und Mehrräder. Man trifft sich, man begattet sich, man schifft sich im Hafen der Ehe ein.

Es gibt vieles zu entdecken – Alt-Playboy Rolf Eden spielt einen radikal linken Biker-Priester, die Damen sind sehr hübsch anzusehen, der Regisseur bekam 16 Jahre später einen Oscar für „Babette’s Fest“, Episödchen spielen in München, Paris und London.

Wer allerdings auf scharfes Gehopse aus ist, wird gleich auf zwei Ebenen enttäuscht. „Die Auto-Nummer“ ist auch für ihre Zeit rechtschaffen züchtig, der Matratzensport verhalten. Vor allem aber: Der Film ist durch und durch gutmütig, ja sympathisch. Hier ist Sex nicht gieriges Gegrabbel geiler Geschlechtsgenossen, sondern fröhliches Zusammenkommen herzensguter Frühlingserwachter. Keine junge Dame wird bedrängt, Kopulation ist gesund, um an Ende wird geheiratet. Die Schmierigkeit des deutschen Bahnhofs-Kinos geht dieser Produktion vollkommen ab, was natürlich erwähnens- und lobenswert ist, in der Retrospektive aber wenig Fleisch für ein Trash-Festival-Publikum hergibt.

Von dem gibt es leider keinen Trailer.

So, nun noch schnell zum traditionellen Frühstück mit der Truppe und dann wieder ab gen Heimat.

Nächstes Jahr wieder!



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Rudi RatlosReiniDJ DoenaComicfreak Recent comment authors
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..dein Beitrag hat übrigens bewiesen, dass du entgegen böswilliger Gerüchte bei Vorträgen nicht komplett auf Hautatmung umstellt 😉
Schönen Hochzeitstag.

DJ Doena

BMX Bandits habe ich immer auf DDR2 geguckt, das kam im Sommer immer im Ferienprogramm.

Den musste ich mir einfach auf DVD holen, als ich Sammler wurde.

Und das Abschlusslied ist auch immer noch hörenswert.

https://www.youtube.com/watch?v=oZU3-xXIcIo

Reini
Reini

…beim Kommental zul Chinesen-Synchlo musste ich jetzt doch lachen. 😀

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

BMX-Bandits lief doch hierzlande als „Die BMX-Bande“, oder?! Den fand ich als Kind immer sehr geil 😀