Ich habe mir fest vorgenommen, auch mal positivere Sachen zu erzählen – so ich sie denn erlebe. Nun ist heute etwas passiert, das für sich genommen keinen Blogbeitrag wert wäre, aber gekoppelt mit einem anderen Ereignis vor einem Jahr schon.

Vor einem Jahr, also vor zwei Wohnungen und in Speyer, hatte ich das Glück, dass sich direkt vor unserem Haus ein Zweirad-Parkplatz befand, der ideal für meinen Roller war – abgesehen davon, dass sich immer wieder mal besoffenes Pack daran verging.

Während wir im Urlaub waren, wurde der Zweirad-Parkplatz abgeschafft und durch einen massiven Ständer mit einem halben Dutzend kostenpflichtiger Leih-Fahrräder ersetzt. Als wir mit den Koffern in der Hand nach Hause kamen, steckten schon zwei Knöllchen am Lenkrad.

Erstaunlich. Ich hatte den Roller legal abgestellt, es hatte keine Vorankündigung gegeben und man hatte mir kurzerhand den Stellplatz unter dem Fahrzeug entfernt. Und nun sollte ich dafür zahlen. Am nächsten Morgen steckte gleich ein dritter Strafzettel am Roller und ich in einem doppelten Dilemma: Knöllchen bezahlen ist eine Sache – aber wohin mit dem Roller? Der Zweirad-Parkplatz war der einzige mir bekannte legale Stellplatz. Einen Hinterhof hatten wir ebenso wenig wie eine Garage, auf der Straße konnte ich mein Gefährt auch nicht abstellen, weil es sich um eine Anwohner-Parkzone handelte – und den Anwohner-Parkausweis gab es nicht für Zweiräder.

Nein, da fühlte ich mich doch ziemlich unfair behandelt, genau genommen sogar gegängelt. Ich besorgte mir die Email-Adresse des zuständigen Beamten und schrieb ihm ein freundliches, aber bestimmtes Protestschreiben mit dem Anliegen, die Knöllchen erlassen und Parkmöglichkeiten für meinen Roller aufgezeigt zu bekommen.

Es funktionierte halb. Tatsächlich antwortete der Beamte ausführlich und freundlich, entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten und stornierte die Strafzettel. Bei den Parkmöglichkeiten konnte er aber auch nicht helfen – es gäbe nun schlicht keine mehr in unserer Gegend. Aber das sei sicher was, über das man sich bei der Stadt beizeiten mal Gedanken machen müsse…

Man kommt sich vor wie in Schilda.

Egal: 60 Euro gespart.

Zum aktuellen Fall: Wir sind in die Innenstadt von Baden-Baden gezogen. Es gibt hier zwar nicht üppig Parkplätze, aber es ist eigentlich immer was in Rufweite frei. Warum das so ist, merkten wir erst, als wir in den ersten zwei Tagen mit unseren beiden Autos gleich vier Knöllchen kassierten. Denn auch hier ist eine Anwohner-Parkzone mit Anwohner-Parkausweispflicht.

Nun kennen wir das Prinzip des Anwohner-Parkausweises. Das gab es in München auch. Allerdings ist in München jede Straße entsprechend gekennzeichnet. Wer dagegen verstößt, hat keine Ausrede. In Baden-Baden stehen die Kennzeichnungen der Parkzone nur am Anfang des Viertels – wenn man nicht vierhundert Meter vorher drauf geachtet hat, lassen sich die Anwohner-Parkplätze durch nichts von freien Parkplätzen unterscheiden. Das ärgerte mich in diesem Fall doppelt, da wir ja tatsächlich Anwohner sind. Wir wussten aber nichts von der Ausweis-Pflicht – und ohne Ummeldung waren die Ausweise auch nicht zu bekommen.

Heute also zum Amt, ummelden und auch endlich mal den rosa Lappen gegen die moderne Scheckkarte eintauschen. Dabei nach der Bußgeldstelle gefragt und dort freundlich angeklopft: Es könne doch nicht sein, dass man als legitimer Bewohner der Gegend noch vor der Ummeldung schon die Windschutzscheibe mit Knöllchen zugepflastert bekomme. Ob da nicht auch ein wenig Kulanz…?

Zu meiner Überraschung und Freude: Ja, die Behörde KANN flexibel sein. Die Knöllchen wurden im System storniert.

120 Euro gespart.

Die Moral von der Geschichte: Man ist dem System nicht hilflos ausgeliefert, die Menschen an der Tastatur haben durchaus Stellschrauben – sie müssen nur wollen. Und sie wollen am ehesten dann, wenn man ein legitimes Anliegen hat und SEHR freundlich zu ihnen ist.



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LaurenzWortvogelMartin SchradercomicfreakJojo Recent comment authors
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Daniel Spiegelberg
Daniel Spiegelberg

Ich erinnere mich da gerne an den Streifenbeamten, der mir ein Ticket für Falschparken fertigte, während ich in meiner Bankfiliale war, um die Überweisung für mein allererstes Knöllchen wegen Falschparkens zu tätigen. Er hat mir die Geschichte geglaubt, und da ich auch ansonsten eher unverdächtig und nicht nach Dopehead aussehe, Ticket Nr. 2 verworfen und mir gute Fahrt gewünscht. Gegen das Versprechen, dass das nicht noch mal vorkommt. Ich war dermaßen verblüfft, dass ich mich bis heute dran gehalten habe. Die können, wenn sie wollen, und man ihnen Anlass zum Wollen verschafft.

Moss the TeXie
Moss the TeXie

Hach ja, Parkplätze in Baden-Baden. Als wir vorletztes Jahr (zum Baden 😉 da waren, war die angeblich (Vermieter) billigste Möglichkeit in Laufweite der Innenstadt das sauteure Parkhaus, wo der „preiswerte Konferenztarif“ für vier Tage fast dreistellig war, iirc. Ist das immer noch so?

Jojo
Jojo

Und wenn nächstes Jahr das G-20-Treffen in Baden-Baden stattfindet, kannst du zum Anwohnerparkausweis noch ein polizeiliches Führungszeugnis und die Unbedenklichkeitsbescheinigung vom BND hinter die Windschutzscheibe legen.

comicfreak
comicfreak

@ Jojo
..und für den DNA-Abgleich auf die Windschutzscheibe spucken?

Martin Schrader
Martin Schrader

Und nach dem Ummelden wurde auch das Impressum angepasst. Innenstadt hätte ich jetzt anders definiert, die Gegend nennt sich Weststadt…

Laurenz
Laurenz

Vor einiger Zeit. Meine damalige Freundin verursacht ein Strafmandant, dass erst kommt als sie schon meine Ex ist. Um eine Begegnung zu vermeiden, entschließe ich mich es selbst einzuzahlen, übersehe die Frist aber um 2 Tage, aber erst als das Geld schon unterwegs ist. Was tun? Ich überlege lange was zu tun, ein rechtskundiger Kollege rät dringend davon ab bei der Behörde anzurufen. Sondern warten und dann beeinspruchen. Ich rufe doch an, schildere der Dame die Situation mi der Ex und mit den Wort „Da sind sie ja eh schon gestraft genug.“ Sache erledigt. Auch ich nehme seit dem immer mit der Behörde Kontakt auf, mit 95% der Leute dort kann man alles ausreden.