Gut, wir haben mittlerweile bewiesen, dass Autoren klauen, dass Firmen klauen, dass qualitativ nicht mal Minimalstandards gelten – heute habe ich ein schönes Beispiel dafür gefunden, dass manche Leute mitunter „Bücher“ auf den Markt werfen, die nicht mal für ein Listicle taugen.

Nehmen wir diesen Band:

Bildschirmfoto 2016-03-23 um 15.11.10

Dem geschulten Auge fallen zwei Dinge auf: Die Collage im Hintergrund hat nichts mit Film zu tun, ist eine simple Sammlung lizenzfreier Bilder von Blumen, Tieren, Landschaften. Es hat nicht mal zu einem Mashup von Filmpostern gereicht.

Und dann das: „20 Movie facts“. 20? Ernsthaft? So wie in „20 Euro“ oder „20 rote Rosen“? Sollten das nicht mindestens 1000 oder – trendiger – 1001 sein, um ein ganzes Buch dafür zu rechtfertigen?

Andererseits: Zwar geben weder Autor noch Amazon eine Seitenzahl an, aber die Dateigröße von mehr als 6 Megabyte lässt auf ein durchaus substanzielles Werk schließen.

Allerdings hat der Autor einen Fehler gemacht und die „look inside“-Funktion aktiviert gelassen. Das bedeutet, dass sich jeder Interessierte selbst ein Bild davon machen kann, wie fundiert die Fakten, die man zum Lebensglück braucht, unterfüttert sind:

Bildschirmfoto 2016-03-23 um 15.11.32

Jawohl, das ist EINE Seite. Von ZWANZIG. Ein beliebiges, kostenfreies Stockbild, mit dem ein „Fakt“ hinterlegt wird, der an Banalität nicht zu überbieten ist. Es gibt nicht mal eine Quelle oder eine Erläuterung, ob diese Zahl nur für Hollywood oder weltweit gilt.

Sechs dieser Seiten kann man sich dank der Vorschau-Funktion ansehen. In diesem Fall also fast ein Drittel des gesamten „Buches“.

7,99 Dollar. Ganz schön frech.

Weil man aber nicht nur meckern soll, will ich auch mal ein positives Beispiel dokumentieren. Peter Osteried hat sich statt in den Kinosessel mal wieder an den Schreibtisch gesetzt:

osteried

Wenigstens muss man die nicht kennen, BEVOR MAN STIRBT!

Das Buch kostet mit 9,99 Euro nicht nennenswert mehr als „20 movie facts“, stellt aber ausführlich und launig geschrieben satte 30 TV-Serien vor, über deren Eignung als „Kult“ ich mich mit Peter demnächst in München mal prüg… austauschen muss:

Erben des Fluchs, Invasion von der Wega, Kolchak – Der Nachtjäger, The Amazing Spider-Man, Total Recall 2070, UFO, Alien Nation, Batman, Der Unsichtbare, Buck Rogers, Die Schöne und das Biest, Ein Engel auf Erden, Farscape, Gefrier-Schocker, Geschichten aus der Gruft, Die Abenteuer des jungen Indiana Jones, Josh – Der Kopfgeldjäger, Krieg der Welten, Lexx – The Dark Zone, Planet der Affen, Planet der Giganten, Pretender, Rawhide, Remington Steele, Space Rangers, TekWar, The Flash – Der Rote Blitz, Vegas, Wildes Land – Lonesome Dove, S.R.I. und die unheimlichen Fälle

Finde ich prima, kommt zeitnah auf mein Tablet.



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G

Das Layout des ersten „E-Books“ ist übrigens von dieser Buchreihe „geborgt“ (sprich: geklaut) worden:

http://www.amazon.de/1001-Movies-You-Must-Before/dp/0764167901/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1458770393&sr=8-2&keywords=1001+movies+you+must+see+before+you+die

Hier soll wohl eine Zugehörigkeit suggeriert werden, die es gar nicht gibt. Wäre ich Steven Schneider, würde ich meinen Anwalt anrufen.

Andreas K.
Andreas K.

Auch wenn der Beitrag schon etwas älter ist:
Hier ein anderes Beispiel für – hmmmm, kreatives Geldverdienen:
http://salzwasserverlag.de/books.php?cat=?nautik

Man nehme ein Buch aus archiv.org oder google books und haue dann z.B. 148 Seiten ohne weitere Bearbeitung von 68€ raus („Alle deutschen Schiffsdieselmotoren“) oder den „Atlantic Navigator 1854“ für schlappe 129 €.