Es sind nicht nur Einzelpersonen oder überforderte Jungautoren, die sich die Finger schmutzig machen, um im Amazon-Ranking nach oben zu kommen. Manche „Verlage“ verkaufen gesammelte Wikipedia-Artikel für teuer Geld als Bücher bei Amazon in der Hoffnung, dass der Kunde den Beschiss erst nach Erhalt der Druckware bemerkt. Und das ist rein rechtlich gesehen nicht mal zu beanstanden.

Es ist ja auch erschreckend einfach, sich bei Amazon in den Rankings hoch zu schmuggeln, wie dieser Artikel von The Hustle beweist – wobei hier nur belegt wird, dass man Chartpositionen beeinflussen kann, nicht aber den daraus resultierenden Profit..

Aber es gibt auch andere „Spezialisten“…

Der Fall Teleprogress

Laut eines kritischen Artikels in der Self Publisher-Bibel hatte eine Autorin namens „Sunny Munich“ seit 2012 in nur drei Jahren satte 185 Bücher veröffentlicht. Sie arbeitete viel mit Ko-Autoren und gab manchmal sogar erotische Anthologien mit anderen „Stars“ ihres „Verlages“ heraus, wie dieser Pressetext beweist:

„Zum ersten Mal haben sich vier Erfolgsautoren aus vier verschiedenen Ländern zusammengefunden, und einen sinnlichen Leckerbissen der Sonderklasse geschaffen: Sunny Munich, in München geboren, aufgewachsen und wohnhaft schreibt die Erfolgsautorin bereits seit Jahren sinnliche Leckerbissen der Sonderklasse. Céline Fountain, Autorin aus Paris, verführt sie in die wundervolle Welt der Erotik, Liebe und Romantik Elsi Favre aus Zürich schreibt sinnlich und direkt, ohne Prüderie und falsche Scham, dafür mit Zärtlichkeit und Gefühl erzählt. Cedric von Starkenberg, der erfolgreiche Architekt aus Wien, schreibt in seiner Freizeit erotische Leckerbissen der Sonderklasse. Die Erotikszenen werden nicht verniedlicht, sondern authentisch dargestellt. Seine Geschichten sind deswegen nur für volljährige Leser geeignet.“

Um es mit „Dalli Dalli“ zu sagen: „Leckerbissen der Sonderklasse“ war dreimal, dafür müssen wir leider zwei Punkte abziehen.

Soviel schon mal vorab: Es ist kein Risiko, davon auszugehen, dass keiner der vier „Erfolgsautoren“ tatsächlich existiert. Ihr Leben führten sie nur virtuell, mit Webseiten und Facebook-Konten, die angereichert waren mit Fremd-Content und angeblichen Privatbildern, die eine simple Google-Suche als Stock Fotos entlarvte.

Dass hier jemand versucht hat, ein paar Schein-Existenten aufzubauen, ist auch daran ersichtlich, dass die jeweiligen News auf den einzelnen Facebook-Seiten praktisch immer an den gleichen Tagen, oft sogar in Minuten parallel gepostet wurden, dass die Anzahl der „Freunde“ fast identisch war, etc. Hier wurde nicht dokumentiert, hier wurde nur pflichtschuldig befüllt.

Natürlich kam irgendwann die Frage auf, wie Superschreiberin Sunny Munich pro Jahr Dutzende Romane verfassen könne (zumal sie laut der Fotos auf ihrer Facebook-Seite eigentlich permanent zwischen München, New York und London hin und her jettete).

Sunny arbeitete exklusiv für die Teleprogress AG in der Schweiz. Der „Verlag“ rechtfertigte sich auf Nachfrage mit den Hinweis, es handele sich um ein so genanntes Verlagspseudonym:

„Sunny Munich ist keine natürliche Person, sondern ein rechtlich geschützter und eingetragener Markenname. Unter diesem Pseudonym schreiben und veröffentlichen derzeit acht Autoren…“

Nun ist an Verlagspseudonymen grundsätzlich nichts auszusetzen. Besonders in der Belletristik ist das relativ normal. „John Sinclair“-Autor „Jason Dark“ war lange Zeit auch eins. Man täuscht damit eine Kontinuität vor, die nicht wirklich gegeben ist, gibt dem Leser ein Vorbild, das nicht weniger fiktiv ist als die Helden in den Romanen.

Im Fall von Teleprogress machten Verlagspseudonyme doppelt Sinn, weil man damit nicht nur „Marken“ aufbauen konnte, sondern auch Schutzwälle für die Autoren, die für den pornographischen Schweinkram des „Verlages“ nicht mit ihrem echten Namen stehen wollten.

Und nein, ich bin nicht prüde, aber mit „Erotik“ haben die meisten Veröffentlichungen des „Verlages“ so viel zu tun wie Arnold Schwarzenegger mit der Schauspielerei. Alles Posing, schwiemeliger Schweinkram zur Triebabfuhr, eine Schande für Menschen, die auf tatsächliche Erotika stehen.

Aber sollen sie doch. Gegen das grundsätzliche Konzept, von anonymen Schmierfinken verfasste Schmuddelheftchen digital über Amazon zu vertreiben, ist weder rechtlich noch moralisch was einzuwenden – auch wenn ich mich wieder mal wundern muss, wie wenig unsere Jugendschutzgesetze da zu greifen scheinen.

sexyHakelig wurde es erst, als heraus kam, dass die meisten der Bücher gar nicht originär waren, sondern lediglich von früheren Belletristik-Werken kopiert und mit neuen Personen- und Ortsnamen versehen wurden. Bei der Auswahl war man kreativer als bei der Schreibarbeit: Online verfügbare Sex-Romane wurden ebenso freizügig verwurstet wie ältere John Sinclair-Hefte.

Ein besonders kurioses Detail ist übrigens, dass die Titel der Teleprogress fast ausschließlich mit einem Ausrufezeichen enden, wie unsinnig das im Einzelfall auch sein mag.

Kurzum: Das gesamte „Verlagsprogramm“ der Teleprogress bestand nach aktuellem Kenntnisstand aus halbgar unkenntlich gemachten Kopien – wobei der Austausch der Figuren und Orte klaren Vorsatz erkennen lässt. Das hier war kein „Versehen“, das war kein „Fehler“ – das war Geschäftsmodell.

Mit den Erkenntnissen konfrontiert, warf sich Teleprogress (ihr ahnt es) erst mal in die Opferpose, schrieb dem Autor des Enthüllungsartikels in einer Mail:

„Sämtliche Autoren, die in den letzten Jahren unter dem Pseudonym „Sunny Munich“ ein Buch veröffentlicht haben, wurden von uns heute angeschrieben. Wir haben diese aufgefordert, uns das Urheberrecht/Veröffentlichungsrecht nachzuweisen. Bis zu diesem erfolgten Nachweis haben wir alle entsprechenden Bücher vorläufig gesperrt, bis uns die geforderten Nachweise vorliegen. Urheberrechte sind uns wichtig – wir wollen sicherstellen, dass keine Bücher über unseren Verlag unerlaubterweise verkauft werden. Durch die vorläufige Sperrung der Bücher mussten wir unserer Sorgfaltspflicht als Unternehmen nachkommen.“

Liest sich wie Realsatire. Ein Verlag, dem angeblich ALLE seine Autoren AUSSCHLIESSLICH Plagiate angeboten haben und der davon rein gar nichts gemerkt haben will. Ein Veröffentlichungsrecht kann man auch nicht nachweisen – das wäre ein „proving a negative“. Andersrum wird ein Schuh draus: Jeder rechtlich haltbare Verlagsvertrag enthält die Versicherung des Autors, alleiniger Verfasser des Manuskripts zu sein. Wenn die Teleprogress da nicht unfassbar schlampig gearbeitet hat, müsste sie die aus dem Aktenordner ziehen und sämtliche Autoren verklagen können.

Nach der Veröffentlichung des kritischen Artikels wurde es sehr schnell sehr still. Schlagartig wurden die Webseiten und Facebook-Accounts der Autoren nicht mehr gepflegt, bei den Online-Plattformen flogen die Bücher aus dem Programm, Sunny Munich, Cedric von Starkenberg und Kollegen verstummten. Die Webpräsenz sunny-munich.de leitet mittlerweile zu einer allgemeinen Site für Erotik-Romane von der Teleprogress weiter, die allerdings komplett verwaist ist.

Die Teleprogress ist zumindest im Netz nur noch eine leere Hülle.

Aber wer war/ist dieser „Verlag“? Wer war/sind diese „Autoren“? Ich dachte mir, das checke ich mal ein wenig genauer.

Sinn und Zweck der Teleprogress AG laut Schweizer Handelsregister:

„Die Gesellschaft bezweckt die Entwicklung, den Vertrieb und den Handel mit Informatik- sowie Datenverarbeitungslösungen.“

Klingt nicht gerade nach einem altehrwürdigen Verlagskonzept. Tatsächlich findet sich keine direkte Firmenwebseite, aber noch ein Google+-Eintrag, mit dem man Autoren ködern möchte…

„Sie haben ein Buch geschrieben und suchen nun einen Weg, dieses zu veröffentlichen? Hier sind Sie richtig !“

…in dem man andere Verlage schlecht redet:

„Die heutigen Buchverlage haben sich zum Teil zu großen Konzernen zusammengeschlossen und verlegen vorwiegend »Hausautoren« oder Lizenzausgaben von Titeln, die schon im Ausland Erfolg hatten. Man sagt in der Branche, dass die bekannten Verlage von 2.000 unverlangt eingereichten Manuskripten nur ein einziges annehmen, d.h. auf eine Zusage kämen 1.999 Absagen.“

„Besonders beliebt ist die zweite Phase der Abzocke. Nach wenigen Monaten teilt der Verlag dem enttäuschten Autor mit, dass sich sein hoch gelobtes Werk wider Erwarten nicht am Markt durchsetzen konnte. Aber er könne zu einem Sonderpreis die Restauflage von 1996 Büchern aufkaufen und sie mit hohem Gewinn selbst verkaufen – jeder weitere Kommentar dazu erübrigt sich.“

Die Lösung laut Teleprogress? Bei Teleprogress veröffentlichen, denn hier wird noch mit Herz und Verstand gearbeitet! Die haben wirklich ein Top-Team, wie die Webseite verspricht:

Profitieren Sie als Autor von unserem Service, unser Erfahrung und der Stärke der Gemeinschaft!

Wir sind:
Sechs erfahrene Autoren
Zwei TOP Grafiker
Zwei highend Programmierer
Zwei Experten für SEO- Facebook und Google
Zwei der TOP Verkaufs und Marketingtrainer in Deutschland

Man garantiert nicht nur Veröffentlichung, sondern auch anständige Vermarktung von Werk und Autor – u.a. über die von der Teleprogress betriebene Webseite namens (nicht lachen!) www.besondere-autoren.de:

teleprogress

Ja, die vermarkten ihr geklautes belletristisches Geschwurbel allen Ernstes als „Literatur für anspruchsvolle Leser“. Vor allem mangelt es mir aber bei diesem billigen Template an der Kompetenz der TOP-Grafiker und highend Programmierer. Das sieht schwer nach kastriertem WordPress aus. Bei der Webseite des „Verlages“ für die Erotik-Storys von Sunny Munich hat man nicht mal den Hinweis entfernt, dass das Template von einem Discounter stammt.

Geschäftssitz der Teleprogress AG ist Alpnach Dorf südlich von Luzern. Ein kleines, gesichtsloses Gewerbegebiet. Gegründet wurde die Firma laut Handelsregister von zwei Investoren, die sie bald einem Lukas Hering überließen. Der scheint mit den beiden Gründern auch noch über andere geschäftliche Aktivitäten verbandelt zu sein – und ist anscheinend auch noch der Leiter der Jugendmusikschule Winterthur.

Ebenfalls involviert: Die Probsts. Content-Marketer und Coach Siegfried Probst aus Sandhausen ist bei Denic als zuständig für die Webseite besondere-autoren.de eingetragen. Interessanterweise wurde die Eintragung aber im Dezember 2015 zuletzt geändert – nachdem die Plagiate von Teleprogress aufgeflogen waren. Ist er einer der „TOP Verkaufs und Marketingtrainer in Deutschland“, mit denen Teleprogress warb/wirbt?

Und dann ist da noch Werner Probst (verwandt?), Geschäftsführer einer Firma für Plakate, Beschriftungen und Schilder in Friedberg. Denn es ist tatsächlich seine Email-Adresse w.probst@probst-werbung.de, die erscheint, wenn bei den besonderen Autoren auf die Kontaktadresse teleprogress@gmx.ch geklickt wird. Er soll demnach Ansprechpartner für die Webseiten sein.

Erwartungsgemäß haben weder Herr Hering noch einer der Probsts meine Emails mit der Bitte um Klärung des Sachverhalts beantwortet.

Und was ist mit den Autoren, beziehungsweise den „Autoren“?

Schauen wir uns stellvertretend mal „Andreas Parsberg“ an. Er scheint zumindest teilweise etwas anderes angelegt zu sein als Sunny Munich & Co. Das Pseudonym existierte schon vor den Machenschaften des Teleprogress-„Verlags“, den ersten Roman „Das Spiel der Dämonen“ hat „Parsberg“ auch nicht bei der Teleprogress veröffentlicht, sondern schon 2012 im Eigenverlag als Ebook, dann als Taschenbuch beim Wagner-Verlag aus Gelnhausen, einem dieser typischen Abzocker mit „Druckkostenzuschuss“. 2015 ist Wagner in die Insolvenz gegangen.

Nach „Das Spiel der Dämonen“ samt Fortsetzung kam Parsberg zur Teleprogress, wo er schnell die Outputgeschwindigkeit von Sunny Munich erreichte. Fast schon im Wochentakt verkündete er auf Facebook neue Releases: Erotik, Horror, Action, Western. Das ging so bis November 2015.

cover-zeit-der-werwolfe-neu_1Seit den Enthüllungen der Self Publishing-Bibel ist auch „Andreas Parsbergs“ Webseite praktisch verwaist. Aber selbst der kümmerliche Rest birgt noch Sprengstoff, wie ein einfacher Google-Textvergleich belegt.

Da ist z.B. „Andreas Parsbergs“ Roman aus der Reihe „Dämonen-Krimi“. Lassen wir mal außen vor, wie lustlos die Cover-Gestaltung daher kommt und dass man sich im Bereich Horror sicher mehr Mühe geben sollte, um Leser zu überzeugen – all das fällt nur unter Inkompetenz. Aber gibt man den Anreißertext bei Google ein, findet man ihn noch ganz woanders – als Inhaltsangabe von dem hier:

js0045

„Andreas Parsberg“ hat aus John Sinclair lediglich David Buchmann gemacht. So schnell kann man einen Roman „schreiben“. Der tatsächliche Autor dieses Romans war übrigens auch nicht „Jason Dark“ Helmut Rellergerd, sondern „A.F. Morland“ Fritz Tenkrat. Verlagspseudonym, ihr erinnert euch.

Tenkrat selbst war auf meine Nachfrage über diese „Zweitverwertung“ nicht glücklich, wie man sich vorstellen kann:

„Natürlich wusste ich nichts davon. Plagiieren ist eine Riesensauerei. Dass man auch mich beklaut hat, ärgert mich.“

Es geht aber noch weiter: Band 5, „Das Nürnberger Geisterhaus!“, hat eine identische Inhaltsangabe zu „Die Folterkammer“ des 2008 verstorbenen Ernst Vlcek:
vlcek

Sabrina wird Johanna, Velchen wird Mögeldorf. Das muss reichen.

Band 7, „Die Kinder im Dunkeln!“? Ist der hier:

cameron

Aus Luther Waterman wird fix Marcel Hohenfels. In diesem Fall hat man sich augenscheinlich sogar getraut, die lizensierte Übersetzung eines US-Werkes zu „übernehmen“. Autor Lou Cameron kann sich nicht mehr wehren – er ist 2010 verstorben. Und um die Rechte der Übersetzerin hat sich auch niemand geschert.

Alles Romane aus den 70ern, die heute nicht mehr erhältlich sind. Auch das lässt auf Vorsatz schließen.

Drei Beispiele sollen reichen. Ich vermute, dass auch Texte aus „Die Frau aus dem Jenseits!“, „Die Hexen-Sekte!“ etc. ihren Ursprung nicht in der Textverarbeitung von „Andreas Parsberg“ genommen haben. Wobei „Textverarbeitung“ in diesem Fall ja hübsch doppeldeutig ist.

Bei Parsberg sind nicht mal die Lobhudeltexte auf der eigenen Webseite echt. So schreibt er in der „über mich“-Sektion (kurioserweise in der dritten Person) zu „Das Spiel der Dämonen“:

„Ein nervenaufreibender Thriller mit Spannungsgarantie!“

DAS ist (zufällig?) die Werbezeile von Paul Rheinfels‘ Roman „Wer Kinder vernichtet wird hingerichtet“…

Es dürfte niemanden überraschen, dass man im Münchner Telefonbuch keinen „Andreas Parsberg“ findet. Oder dass es sich bei dem Autorenfoto um ein beliebiges Stock Image handelt. „Andreas Parsberg“ ist nicht echt. Jemand versteckt sich dahinter.

Der Parsberg ist übrigens eine bewaldete Erhöhung bei Germering.

Schauen wir doch mal bei Denic nach. Aha, ein „Andreas Riedel“ hat sich die Domain im Dezember 2012 registrieren lassen.

Er wohnt in Germering.

Und er hat auch eine Facebook-Seite, auf der er fleißig die Romane von „Andreas Parsberg“ vorstellt – bingo:

beweis2

Das war schon fast zu einfach.

Auf der Facebook-Seite präsentiert er in der Folge auch die von der Teleprogress aus dem Verkehr gezogenen Werke. Auffällig dabei: „Seinen“ letzten neuen Roman hat Riedel stolz am 10. November angekündigt. Am 16. November erschien der Enthüllungsartikel über die Teleprogress AG in der Self Publisher-Bibel.

Seitdem: Funkstille. Keine Postings mehr, alle Links zu Amazon tot.

Natürlich habe ich nachgehakt. Ihr ahnt es: Alle hartnäckigen Versuche, Herrn Riedel/Parsberg etc. zu kontaktieren, blieben unbeantwortet.

Was bleibt? Die Teleprogress AG hat dem Anschein nach ein fast zur Gänze geklautes Programm aufgebaut, mit anonymisierten Autoren, die es zu einer beträchtlichen Bibliographie gebracht haben, augenscheinlich ohne auch nur eine einzige Seite geschrieben zu haben. Wer immer der Drahtzieher hinter dem Konzept ist – er hat ausreichend kriminelle Energie.

Ohne genauere Kenntnisse der Hintergründe zu haben, tut Riedel/Parsberg mir ein wenig leid. Aus den Indizien lässt sich ableiten, dass er ein ambitionierter Amateur-Fantasyautor war/ist, der sich in die Fänge von fragwürdigen Unternehmungen begeben hat, um endlich seine Geschichten als Druckwerk in der Hand halten zu können. Im Gegensatz zu Sunny Munich ist er ein Mensch, keine Fiktion – und als solcher hat er vermutlich in den letzten Wochen einiges durchgemacht. Hier, anders als bei den plagiierenden Jungautorinnen des ersten Teils, vermischen sich Opfer- und Täter-Perspektive tatsächlich.

Ich habe „Monster-Mike“ Michael Schönenbröcher, der bei Bastei für die Heftserien zuständig ist, zu seiner Meinung befragt – und danach, was man gegen solche dreisten Diebstähle geistigen Eigentums unternehmen kann:

„Froh bin ich darüber nicht, aber verhindern kann man es ja leider auch nicht. Und Standorte im Ausland kann man nicht mal belangen. Das ist schon frustrierend. Wir von der Redaktion übergeben das der Rechtsabteilung.“

Vielleicht ist der Standort Schweiz gar kein Zufall, vielleicht ist das Netzwerk, aus dem die Teleprogress hervorgegangen ist, noch deutlich größer und geplanter gewesen, als ich mit meinen limitierten Möglichkeiten nachzeichnen kann. Denn mag die ganze Sache mittlerweile auch aufgeflogen sein – belangt wurde nach meinem Kenntnisstand niemand, entschädigt auch nicht, und drei Jahre konnte die Teleprogress mit ihren Fake-Romanen den Markt fluten, bevor die Tricksereien aufgeflogen sind.

Man kann nur hoffen, dass einige der größeren Verlage für ihre eigenen Belange und für die Rechte ihrer Autoren eintreten und selbst so vermeintlich absonderliche Fälle von Content-Klau konsequent verfolgen. Es muss sich rumsprechen, dass diese Methoden keine Aussicht auf Erfolg haben.

Ich will nicht – wie mir fälschlicherweise unterstellt wurde – dem klassischen Verlagssystem das Wort reden und/oder Selfpublishing schlecht machen. Aber wenn man ein (zugegeben verknöchertes) Konstrukt mit klaren Verantwortlichkeiten und Prüfmechanismen aufgibt, um die schöne neue Buchwelt in totaler Freiheit zu gestalten, darf man sich nicht wundern, wenn manche Leute nicht nur Literatur schaffen und Gehör suchen, sondern vor allem nach Profit und Ruhm schielen.

It’s now a jungle out there – beware of snakes.



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