Demon

0004OOY3W4SQBCT5-C122Ich war vor Jahren mal peripher an der Comic-Verfilmung „Bluthochzeit“ beteiligt. Da ging es auch um eine Hochzeit auf dem Land, die völlig aus dem Ruder läuft und in Gewalt endet. Die Ähnlichkeiten mögen oberflächlich scheinen, aber tatsächlich handeln beide Filme davon, wie der Druck und die mannigfaltigen emotionalen Stresspunkte des „schönsten Tages im Leben“ sehr schnell destruktive Ausbrüche zur Folge haben können.

„Demon“ nutzt hierfür einen jüdischen Dämon, einen Dybbuk. Sein Erscheinen ist zwar nur von minimalen okkulten Vorkommnissen begleitet (ein Windstoß triebt die Gäste aus der Scheune, der Bräutigam redet jiddisch), aber er dient als Durchlauferhitzer, um die besoffenen Familienmitglieder und ihre verlogenen Freunde in die Raserei zu treiben. Alte Feindschaften brechen auf, Geheimnisse lassen sich nicht mehr unter den Teppich kehren, autoritäre Strukturen werden in Frage gestellt. Das alte, patriarchalisch-katholische Polen rostet aggressiv unter dem modernen, aufgeschlossenen Lack von Europa und Völkerverständigung.

Als Sozialkritik und Familienfarce fährt „Demon“ damit sehr gut, getragen von punktgenauen Dialogen, schwarzhumorigen Pointen und exzellenten Darstellern. Aber einige der Entscheidungen, die für diese Erzählweise nötig sind, torpedieren die Eignung des Streifens als Horrorfilm. Weil der Dybbuk Hana nur Katalysator ist, geht von ihm/ihr nie wirkliche Gefahr aus. Sie hat ja selbst nur Angst, will in Ruhe gelassen werden. Als komplett passives Zentrum des Films versagt Hana im dritten Akt und wird (wie der Bräutigam auch) aus den Augen verloren. Die zu erwartenden Mechanismen von Besessenheit und Exorzismus werden nicht bedient. Genau so gut könnte sich Pjotr als drogenabhängig oder (wie lange vermutet) als Epileptiker heraus stellen – das Ergebnis für die Dramaturgie wäre kaum anders. Das ist folgerichtig, aber auch unbefriedigend.

So, wie „Babadook“ kein Film über eine Horrorfigur aus einem Märchenbuch ist, ist „Demon“ kein Film über einen jüdischen Dybbuk. Es ist ein Film über den Zerfall sozialer Normen.

Fazit: Der genau beobachtete, authentische Zerfall einer typisch polnischen Hochzeit, in der das Horrorelement nur Katalysator ist und der demnach auch als Sozialstudie und als Kritik an der Weigerung der Polen gelesen werden kann, sich mit der Vergangenheit demütig auseinander zu setzen. 7/10.

Bonus-Information: Der Regisseur hat sich kurz nach der Premiere umgebracht.

Summer Camp

summer-camp-poster01Es wird Leser geben, die mich dafür kritisieren, dass ich einen durchaus kompetent gemachten Horrorfilm zur Gurke des Festivals erkläre, obwohl ich andere Filme mit deutlich weniger Spannung und vergleichbarer Punktwertung davon kommen lasse. Das hat mit der Interaktion zu tun, die ich gestern bereits ansprach, mit der Eignung für das Festival und dem Zusammenspiel der Filme.

„Evolution“ ist triste Kunstkacke, das ist wahr, „Lavalantula“ ist billig produzierter TV/DVD-Trash, auch das stimmt. Wäre das Festival nur mit solchen Filmen bestallt, würde ich es ablehnen. Aber auch wenn sie niemals den Gesamteindruck prägen dürfen, sind sie doch wichtige Bestandteile, Elemente eines Rezepts, Gewürz und Sahnehäubchen. Ohne sie würde etwas fehlen.

Ohne „Summer Camp“ würde gar nichts fehlen.

Mager und preiswert konstruiert, hat der Film genau genommen nicht mal eine Handlung, sondern nur eine Reihe von Ereignissen zu bieten: Vier unfassbar unglaubwürdige Sommercamp-Betreuer werden durch verseuchtes Wasser abwechselnd zu Rage Zombies, es wird viel geschrien, gerannt und sich hinter Türen versteckt. Weder gelingt es dem Regisseur (ein Produzent der „rec“-Reihe), Sympathie für die Figuren aufzubauen, noch kann er aus dem kargen Konzept nennenswerte Pointen generieren. Alles kommt genau so, wie man es dutzendfach gesehen hat.

Ja, „Summer Camp“ hat einen „Twist“, bzw. eine Variation des Infektions/Zombie-Themas zu bieten: Die Verwandlungen halten nur 20 Minuten an, danach werden die Beteiligten wieder normal. Das führt zu Misstrauen und wechselnden Loyalitäten, was dem Film zumindest etwas zusätzlichen Schub für die zweite Hälfte verleiht. Aber darüber hinaus kaut Regisseur Marini nur die üblichen Klischees durch.

Es ist erschreckend, wie schnell dem noch vor ein paar Jahren als vielversprechend gefeierten jungen spanischen Horrorfilm die Puste auszugehen scheint.

Fazit: Ein dünner, mit Klischee-Scares und Klischee-Figuren vollgestopfter Renn & Schrei-Streifen, dessen einzige neue Idee ihn nur mühsam über die Laufzeit bringt. Gesehenen, gelangweilt, vergessen. 3/10.

Baskin

Baskin-2015-movie-posterEs besteht also die Gefahr, dass der spanische Horrorfilm das Euro-Terrorkino doch nicht retten kann? Dann machen wir doch gleich mal Platz für den nächsten Kandidaten, die Türkei. Nach Jahrzehnten billig produzierten Schmands für den Binnenmarkt versucht das Land mit „Baskin“ auf dem internationalen Markt zu reüssieren – auch wenn das Ergebnis mehr intellektuellen Respekt als enthusiastische Begeisterung hervor ruft.

Wie im modernen Horrorfilm scheinbar unvermeidlich, geht es um eine Gruppe von Arschlöchern. Es wird mir auf ewig ein Rätsel sein, woher diese Neigung kommt, sexistische und gewaltbesoffene Zeitgenossen zu Protagonisten zu erklären, weil es wohl als Gegenentwurf zu „braven, langweiligen“ Hauptfiguren gilt. Kurz für’s Stammbuch: „Gute“ Figuren sind nur dann langweilig, wenn man sie langweilig schreibt. Weil positiv besetzte Protagonisten schwerer spannend zu schreiben sind, erweist man sich noch lange keinen Gefallen, wenn man auf bunte und potente Drecksäcke ausweicht – mit denen mag sich nämlich niemand identifizieren. Case in point (und damit zurück zum Thema): Die Handvoll Polizisten in „Baskin“, die ich nicht schnell genug sterben sehen kann.

Was „Baskin“ an Handlung mitbringt, ist schnell erzählt, auch wenn der Film versucht, seinen Mangel an Plot mit ein paar Visionen und Rückblenden aufzupeppen, was eher bremsig wirkt: Die Polizisten werden in finsterer Nacht in eine finstere Gegend gerufen, wo sie in einem verfallenen Herrenhaus auf einen Kult stoßen, der irgendwo zwischen Barker-Bodyhorror und Michele Soavis Fleischaltar aus „The Church“ siedelt. Und weil sie alle miese Säcke sind, werden die Polizisten auf brutalste Weise und sehr langsam gemeuchelt.

Man kann „Baskin“ sicher nicht wegen des ausgefeilten Drehbuchs loben oder der konsequent durchdachten Mythologie. Aber dem Streifen gelingt etwas, was auf dem Fantasy Filmfest wahrlich nicht mehr Tagesgeschäft ist: Er macht Angst, stellt die Nackenhaare auf, lässt zusammen zucken. Selbst in seinen langsamsten Szenen kriecht er einem durchs Mark und man rutscht im Kinosessel herum, als wolle man selber so schnell wie möglich Fersengeld geben.

Die Grundlagen für diesen funktionierenden Oldschool-Horror im Stil der 80er legen die Sets, das Production Design und die Entscheidung, die Mitglieder des Kults nur als verwachsene Masse, als bizarre Ansammlung von verdrehten Körpern zu zeigen. So sehr sich „Baskin“ im Splatter suhlt, so sehr weiß er doch, dass er seine Dämonen im Dunkeln halten muss.

Bis auf Baba.

Mehmet Cerrahoglu spielt den Anführer der Kultisten und seine verwachsene drahtige Gnom-Gestalt verleiht dem Film eine furchtbare Präsenz, einen entsetzlichen Mittelpunkt. Leise, fast liebevoll, aber doch brutal und unbarmherzig dominiert er die zum Stillstand gekommene zweite Hälfte des Films. Wir sehen augenblicklich, dass Cerrahoglu keine Kreation von Effektkünstlern ist, sondern tatsächlich ein „Freak“ im Sinne von Tod Brownings „Freaks“ und Rondo Hatton, von Michael Berryman und Richard Kiel. Ein Fleisch gewordener Dämon, ein Pinhead ohne Latex und Plastiknadeln.

Ich halte es für keinen Zufall, dass es online praktisch keine Fotos von Cerrahoglu als Baba gibt – diese Figur MUSS im Kontext des Films entdeckt werden. Und sie ist es auch, die den leer laufenden „Baskin“ mit betörender Grausamkeit über die Zielgerade bringt. Die Arschlöcher? Sind uns ja sowieso von Anfang an egal gewesen.

Fazit: Hardcore-Horror mit Anleihen von Barker, Lovecraft und Soavis „The Church“, bildmächtig und mutig inszeniert, aber letztlich auch etwas wirr und statisch. 7/10, ein Punkt davon für hehren Absichten und für Baba.

February

february

Für diesen Film gebe ich mal eine Spoilerwarnung aus, weil ich einen Punkt anspreche, der zwar den Genuss des Films nicht schmälert, aber als Verrat am Twist gelten könnte.

Wie „Evolution“ ist „February“ ein trister Film, der nicht bereit ist, dem Zuschauer entgegen zu arbeiten. Minutenlanges Schweigen, endlose Korridore, kalte Fliesen, grauer Himmel. Ein Mädchenpensionat, verlassen für die Winterferien. Wer noch da ist, ist der verstoßene Ausschuss: Die verschlossene Kat, die rebellische Rose. Irgendwo da draußen auf den Highways vor der Stadt ist noch Joan unterwegs, die irgendwas mit der Schule zu tun zu haben scheint. Langsame Entwicklungen: Mit der Periode fällt von Rose die Sorge ab, ungewollt schwanger zu sein. Kat hat Geheimnisse, wird zunehmend aggressiv. Und die Eltern? Stimmen am anderen Ende der Telefonleitung, die wir nie hören. Keine Hilfe. Keine Hoffnung.

Ja, das ist mitunter stimmungsvoll, lebt von einer bedrückenden Atmosphäre und guten darstellerischen Leistungen (in einem aufwändigeren Remake könnten Rose und Kat sehr passgenau von Neve Campbell und Emma Watson gespielt werden). Aber es ist auch lähmend langsam und erzählt in 90 Minuten eine Handlung, die keine 30 hätte dauern dürfen. Es gibt keine „Heldin“, keinen Fokus, letztlich auch kein Ziel. Die Ereignislosigkeit der Schule überträgt sich auf die Dramaturgie, die Einsprengsel an tatsächlichem Plot sind wie Wassertropfen, die schnell wieder im Sand versickern.

So endet „February“ denn auch mit einem eher hilflosen Schulterzucken statt mit einem anständigen Finale.

Doc Acula fand den Film besser als ich, betrachtet ihn als gelungenen „slow burner“, das will ich nicht verschweigen. Mag sein, dass ich auch nur die Schnauze voll habe von diesen immer wiederkehrenden kanadischen Depri-Dramen wie „Rufus“ und dem hier. Ein verhangener Himmel macht für mich noch keine unheilvolle Stimmung und knarzende Heizungsrohre noch keine Spannung. Da bin ich vernarbt.

Vor allem aber, und da kommt der Spoiler ins Spiel – die gesamte Handlung inklusive der Pointe hängt am Casting. Vorsicht, jetzt kommt’s: Joan IST Kat, ihr Handlungsstrang spielt nicht parallel, sondern acht Jahre später. Sie ist nach den damaligen Ereignissen vermutlich aus der Irrenanstalt entkommen und will nun zum Pensionat zurück.

Das kann man machen, auch wenn die Verschiebung der Zeitebenen ein paar Taschenspielertricks verlangt. Aber es funktioniert nur deshalb, weil der Zuschauer betrogen wird: Hätte man Kat und „Joan“ – die gleiche erwachsene Person mit gerade mal acht Jahren Altersunterschied – nicht mit zwei unterschiedlich aussehenden Schauspielerinnen besetzt, würde der ganze Plot zusammen brechen. Und das ist Beschiss.

Das Poster verrät übrigens schon diese Pointe, die keine ist.

Fazit: Extrem plätschernd und depressiv inszenierter Hexenhorror, der eine Stunde braucht, bis der Plot überhaupt anfängt und dessen gesamter Gimmick auf einer Casting-Entscheidung beruht. Kann man elegisch und melancholisch finden, ich fand’s schnarchig und dröge. 3/10.

Southbound

Southbound-832782099-largeZum Abschluss noch mal eine wirklich positive Überraschung, ein kleiner Thriller im Stil von „Let us prey„, „Race with the Devil“ und „Hush„, noch dazu ein Episodenfilm, der seine Geschichten allerdings nicht voneinander abriegelt, sondern ineinander verzahnt, so dass der Anfang zum Ende hin einen Bogen schlagen kann.

Ich werde die einzelnen Stories hier nicht wiedergeben, weil das den Rahmen sprengt und auch kontraproduktiv wäre. Auf diese Reise solltet ihr selber gehen.

Nur soviel: Es geht um endlose Highways, um Straßen ohne Tankstelle, ohne Handyempfang, ohne ADAC. Einsame Häuser in der Steppe, bewohnt von Menschen, die nur äußerlich den sozialen Normen entsprechen. Um Rituale und Kulte, die sich weit abseits der vernetzten urbanen Zentren entwickeln. Um die Angst, in dunkelster Nacht mit dem Auto liegen zu bleiben oder etwas zu überfahren, dass man nicht genau gesehen hast. Es geht um Dämonen, die psychischen wie die physischen.

„Southbound“ gelingt es hervorragend, die verkrampfte Atmosphäre der nächtlichen Reise einzufangen, die Furcht vor den Fremden und dem Fremden. Die Figuren werden schnell unter Druck ge- und in Panik versetzt, und im Gegensatz zu vielen anderen Thrillern versteht man hier, warum es keinen Ausweg gibt, keine einfachen Lösungen. Wie wusste schon die Erste Allgemeine Verunsicherung? Das Böse ist immer und überall.

Abgesehen von der rasanten Inszenierung und der sorgfältigen Kameraarbeit punktet „Southbound“ mit einer neumodischen, in diesem Fall aber angemessenen Begeisterung für Hardcore-Horror: Wer bei Episode 3 nicht die Finger in die Armlehnen des Kinosessels krallt, ist für die Zivilisation verloren und wird vermutlich als Serienkiller enden.

Kein Trailer, aber eine Podiumsdiskussion vom Toronto Film Festival:

Fazit: Überraschend effektive Anthologie von US-Highway-Horror, die viel Suspense aus endlosen Weiten und endlosen Nächten in staubigen Gegenden zieht. Ein exzellenter Gegenentwurf zu den vielen eierlosen Episodenfilmen, die immer auf die gleichen Pointen hinaus laufen. 9/10. Fortsetzung bitte!

Nach(t)gedanken

Auch wenn der zweite Tag etwas weniger perfekt ausbalanciert war als der erste, wurde doch viel geboten: Filme aus Spanien, Kanada, Polen, Amerika und der Türkei. Saftiger Splatter und sanfte Suspense, Schmutz & Schund. Es zeigt sich, dass so ein intensives Kurzfestival nicht nur seine Berechtigung hat, sondern eine ganz eigene Atmosphäre. Mit hat’s gefallen und mit der Verschiebung der Fantasy Filmfest Nights auf den April 2016 kann man sich also generell so alle vier Monate auf ein Fantasy Filmfest freuen. I approve.

Kein einziger deutscher Beitrag – was sagt uns das?

Ich lobe ja oft die eklektische Auswahl der Veranstalter, aber man kann kaum übersehen, dass die Überschneidungen z.B. mit dem britischen Fright Fest mittlerweile bei fast 100 Prozent liegen. Die Events schieben sich letztlich immer die gleichen Pakete an Filmen zu, die aufgrund ihrer Förderungen und Steuererleichterungen darauf angewiesen, sich auf dem internationalen Parkett zu präsentieren. Das ist sicher auch einer der Gründe, warum auf dem FFF kaum billiger Syfy-Rotz oder das sechste Sequel einer erfolgreichen D2DVD-Reihe läuft – solche Filme brauchen das FFF nicht und das FFF braucht sie nicht. Während das eigentlich meiner kritischen Einstellung zur Förderung kommerziell begrenzt lebensfähiger Filme widerspricht, genieße ich dennoch die Mischung, die ich als herausfordernd und lehrreich betrachte. Nur manchmal frage ich mich: Was mag wohl aus all den Filmemachern geworden sein, die hier ihre horriblen Erstlinge vorgestellt haben, ohne danach weiter im Kommerzkino den Lebensunterhalt verdienen zu wollen/können? Nähren wir vielleicht eine Subkultur von Förderfilmen, die auf dem FFF nicht nur starten, sondern auch enden?

Genug der Introspektion. Es hat Spaß gemacht, auch und natürlich wieder wegen Doc Acula als Begleitung. Nächstes Jahr wieder! Oder angesichts der Adventszeit vielleicht besser: Alle Jahre wieder!



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Goran
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Demon: Der frisch verheiratete Regisseur.

Marcus
Marcus

DEMON: genau. Auch wenn ich bei einigen Szenen das Gefühl nicht los wurde, dass das ohne Dybbuk auch nicht viel anders geendet hätte (Stichwort „Hochzeitsgäste laufen ziellos über die Wiesen“ – benebelt, besessen oder einfach nur hackedicht?). Ein Downer, aber ein guter. 7/10.

SUMMER CAMP: Einspruch. Das Rad wird hier nicht neu erfunden, aber für kurzweilig-schwarzhumorige Horrorunterhaltung reicht es allemal. Und das Ende ist famos. 7/10.

BASKIN: „mehr intellektuellen Respekt als enthusiastische Begeisterung“ trifft es. Die ersten zwei Drittel des Films sind großartig, ein mega-atmosphärischer Abstieg in die Hölle in bester Barker/Lovecraft-Tradition. Aber leider, leider ahnt man da bereits, dass das ganze Flashback/Visions-Gedöns nicht zu zählbaren narrativen Ergebnissen führen wird, und so ist es dann auch. Fast alle Fragen bleiben offen, der Film fällt erzählerisch vollkommen auseinander, und es bleibt etwas Extremsplatter und eine wirklich ausgesucht dämliche, vollkommen unmotiviert drangetackerte Schlusspointe. Aber der Regisseur (der hier in Köln zum Q&A da war) ist ein sympathisches und ohne Frage hochtalentiertes Kerlchen, der mit einem besseren Drehbuch noch Großes liefern könnte – es verwundert mich nicht im Geringsten, dass man ihm, wie er erzählte, vor einiger Zeit kurzzeitig mal das schon lange in der Development Hell schmorende Hellraiser-Remake anbieten wollte. Für den ersten Wurf ein „Hut ab“ und 6/10.

FEBRUARY: Ha!!!! Ich wusste es!!! Noch während der Abspann flimmerte, hab ich exakt diese Reaktion von Torsten vorhergesagt. Und er hat natürlich Unrecht. Das hier ist ein toll gespielter kleiner Chiller, der, wenn man sich darauf einlässt, einiges an Sogwirkung entfalten kann. 7/10.

SOUTHBOUND: Episoden-Horror geht ja immer, es sei denn, er heißt VHS oder ABCs of Death (oder „..of Superheroes“, aber das war Horror der ganz anderen Art 🙂 ). Gewisse Billig-CGI-Viecher fand ich doof, aber im Großen und Ganzen ist der genehmigt. Dafür die heuer schon arg abgenutzte Wertung von 7/10.

Marcus
Marcus

„Kein einziger deutscher Beitrag – was sagt uns das?“

Wenn ich LAVALANTULA mit STUNG vergleiche: dass wir großes Glück gehabt haben.

Marcus
Marcus

@Torsten: Soo unterschiedlich aussehend fand ich die gar nicht. Case in point: ich hab den besagten Twist schon ein gutes Stück bevor der Film es mir gesagt hat kapiert.

Peroy
Peroy

„Nur manchmal frage ich mich: Was mag wohl aus all den Filmemachern geworden sein, die hier ihre horriblen Erstlinge vorgestellt haben, ohne danach weiter im Kommerzkino den Lebensunterhalt verdienen zu wollen/können? Nähren wir vielleicht eine Subkultur von Förderfilmen, die auf dem FFF nicht nur starten, sondern auch enden?“

Nachvollziehbar. Da war der Atem nicht labg genug. Meiner (beschränkten) Erfahrung nach ist es eh absolut illusorisch, im Film-Bereich seinen Lebensunterhalt zu verdienen…

Will Tippin
Will Tippin

Also bei February hatte ich überhaupt keine Probleme mit dem Casting. Dass „Joan“ die erwachsene Kat ist, hatte ich schon bei deren ersten Auftreten vermutet (Augen, Haare, Habitus haben gereicht) und dann gespannt auf die Bestätigung gewartet. Insgesamt ganz netter Film.

Bei Demon bin ich mit etwas Abstand der Ansicht, dass der Dybbuk eine Metapher für die Aufarbeitung des Holocaust in Polen ist. Die Hochzeitsgesellschaft unterbricht den Lehrer, als der gerade auf die „traurigen Zeiten“ eingehen will, man hat keine Lust auf Geschichte sondern will saufen und feiern. Und auch mit Hanna (dem Holocaust) will man sich nicht beschäftigen, sondern weiterfeiern und die ganze Sache vielmehr totschweigen. Dabei geht von der Auseinandersetzung mit Hanna und ihr selbst ja gar keine Gefahr aus. Aber außer dem Lehrer will niemand mit ihr reden. Auch niemand mit ihm, als er auf der Autofahrt traurig von Früher erzählt. Außer Peter/Piotr/Piotrek interessiert sich auch niemand so richtig für die Aufklärung ihres Todes. Und der ist ein Außenstehender (soll ja Brite sein), der die Sache wortwörtlich ausgegraben hat, während die anderen das wieder begraben und verschweigen wollen. Mehr noch, am Ende wird das komplette Haus abgerissen. Wobei ich wie schon bei Shining nicht so richtig schlau daraus werde, warum er auf dem alten Foto zu sehen ist.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Hab nur Baskin und February gesehen und stimme dem Hausherrn 100% zu. Während erster Film zwar nicht bis ins letzte Detail funktioniert, war er doch eine atmosphärische Überraschung (und die englischen UT überraschend schnodderig :D), was man vom tristen Februar nicht sagen kann. Was für eine Schlaftablette…

trackback

[…] ♥ Baskin ♥ Bone Tomahawk ♥ Demon ♣ Evolution ♣ February ♥ Lavalantula ♣ Road Games ♥ Southbound ♣ Summer Camp ♥ Tag […]

Jake
Jake

Habe gestern „Baskin“ gesehen und gehe mit den hier bereits dargelegten Pro und Contras konform. Auch für mich ein 6/10-Kandidat.

„Man kann „Baskin“ sicher nicht wegen des ausgefeilten Drehbuchs loben oder der konsequent durchdachten Mythologie.“

„Baskin“ basiert auf dem gleichnamigen, 11-minütigen Kurzfilm aus dem Jahr 2013 (selber Regisseur). Die Handlung des Kurzfilms ist, nachdem was ich gelesen habe, deckungsgleich mit der Langfassung – inkl. dem „Twist“ am Ende. Und exakt so wirkt auf mich die Langfassung: Wie ein auf Spielfilmlänge aufgeblähter Kurzfilm. Man war offenbar nicht gewillt oder hatte nicht die Zeit, das magere Storygerüst solide zu unterfüttern bzw. aufzumörteln.

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[…] dessen schleichende Banalisierung durch das Schielen auf die internationalen Märkte (siehe auch „Summer Camp“). Es werden nur die üblichen Klischees des Genres bedient (selbst die blinde Nonne ist ja wahrlich […]