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Deutschland, Frankreich 1987. Regie: Pierre-William Glenn. Darsteller: Johnny Hallyday, Jürgen Prochnow, Karen Allen, Gabriel Damon, Julie Glenn

Ich bin durchaus bereit, Stunden um Stunden in einen einzigen Review zu investieren. Wenn es der Film verdient. Meine Aufmerksamkeit muss mit Schmerz bezahlt werden, nur beinharter Schrott kommt in meine Presse. Faule, wurmzerfressene Äpfel wie „Ein Kaktus ist kein Lutschbonbon“ wachsen wahrlich nicht an jedem Baum. Schlecht sein ist einfach – zum kotzen sein ist schwierig.

Ich hatte mir „Terminus“ auch gar nicht besorgt, weil ich auf eine Trash-Granate hoffte. Der Film war als aufwändige Euro-SF seinerzeit in der Cinema breit vorgestellt worden und ich wollte lediglich eine lästige Lücke in meiner filmischen Sozialisation füllen.

Ich hatte ja keine Ahnung…

Widmen wir uns also diesem deutsch-französischen Endzeit-Actioner, der sich an „Mad Max“ und „Der Kampfkoloss“ hängen will, beim Plakat (siehe oben) aber zuerst einmal „Rollerball“ kopiert:

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Das kann ja heiter werden…

Den Anfang macht ein Vorspann im Stil von Vectrex-Grafiken, der ahnen lässt, dass die europäischen Effektleute hier eher noch im Sandkasten spielen:

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Dazu ertönt ein Song von Stan Ridgway, der im Vorjahr mit der düsteren Vietnam-Ballade „Camouflage“ einen internationalen Hit gehabt hatte, was ihn wohl genau so sehr für die Titelmusik qualifizierte wie David Knopfler mit seinem „Mercenary Man“ im unfassbaren „Laser Mission“. Er war halt gerade angesagt und konnte sich hier ein paar Mark verdienen, bevor er wieder in der Versenkung verschwand.

Vertane Chance, sage ich, ist doch „Terminus“-Hauptdarsteller Johnny Hallyday in seiner französischen Heimat so eine Art Mischung aus Udo Jürgens und Peter Maffay:

Nun gut, kommen wir aber zum Film selbst. Wir sehen eine Mercedes-Limousine, eine hügelige Landschaft, ein Schloss in der Ferne. Dazu dieser (in weiser Voraussicht) gelangweilte Hosenscheißer:

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Das könnte auch noch der Beginn einer beliebigen Rosamunde Pilcher-Verfilmung sein. Dann aber fährt die Limousine im Schlosshof durch Panzertüren in ein unterirdisches Hauptquartier.

Schaut einfach mal auf das Nummernschild – yes, they go there:

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Ich nehme schon mal vorweg, dass dieses Nummernschild die einzige Begegnung mit tatsächlicher SF ist, die euch in diesem Film erwartet.

Weil man nicht erwarten kann, dass der Film seine Zukunftsvision zeigt oder in die Handlung gebettet, bekommen wir eine Erzählerstimme zu hören, die gar Wunderliches zu berichten weiß:

Ja, das ist in der Tat der krudeste Introtext aller Zeiten. Weil EINE Apocalypse nicht ausreicht, bekommen wir gleich drei auf einmal: Katastrophen, Krankheiten UND atomare Kriegseinsätze. Und wir Kakerlaken sind immer noch nicht hinüber. Was vermutlich auch daran liegt, dass an dieser Welt so ziemlich gar nichts verwüstet oder verödet aussieht. Die Dystopie von „Terminus“ sieht nach Bulgarien aus.

Ich bin auch nicht ganz sicher, wie ich das politische Konstrukt verstehen soll: Was sind „militante Barbaren“? Das klingt ja schwer nach Mad Max. Und die sind echt an der Macht in der Regierung? Und der Rest der Regierung besteht aus geklonten Wissenschaftlern, die irgendwie dagegen sind? Aber wieso sind die dann in der Regierung? Und wer hat die geklonten Wissenschaftler geschaffen? Warum haben die Wissenschaftler einen Menschentypen geschaffen, der sich als „allzu menschlich“ erweist – was ja im Grunde genommen erwartbar sein müsste? Und wessen korrupte Pläne durchkreuzt der „neue Menschentyp“ – die der geklonten Wissenschaftler? Ich dachte, das wären die Guten?

Ich bin verwirrt. Und habe Kopfschmerzen. Der Film läuft noch keine drei Minuten.

Jetzt, wo wir wissen, wann der Film SPIELT, kann er auch ruhig mal zeigen, wann er GEDREHT wurde. Die stummen, vor ihren Bildschirmen sitzenden Techniker (?) sehen  allesamt so aus:

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Warum so emo? Oder geht’s denen irgendwie nicht gut? Ist „heavy eye makeup“ schon ausreichend als Science Fiction?

Egal, machen wir mal ein bisschen auf 80er-Disco:

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Neon. Laser. Trockeneis. Die Zukunft.

Der Junge, den wir nun offiziell Mati nennen dürfen, entsteigt der Limousine und trifft auf einen von drei Prochnows, die den Film bevölkern. Wir nennen ihn an dieser Stelle zur einfacheren Unterscheidung Professor Prochnow. Es kommt zum ersten, aber wahrlich nicht letzten Nonsens-Dialog des Films:

Mati: „Ich bin das Monster des Doktors.“

Professor Prochnow: „Was er meint ist, dass er das Monster programmierte.“

Und wir alle so:

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Wer sind diese Leute? Die geklonten Wissenschaftler? Die militanten Barbaren? Wieso ist Mati ein Monster und/oder hat eines programmiert? Wovon zur Hölle reden die da?!

Ein Assistent erklärt, dass Mati gerade rechtzeitig kommt, weil das Radar jetzt den „Ferro-Gleiter“ auf den Schirm bekommt, der bisher noch auf keine „Grauen“ getroffen sei. Den was? Die was?

Wer genau aufpasst, kann sich nun zusammen reimen, dass der „Ferro-Gleiter“ der gepimpte Truck vom Poster des Films ist. Der gleitet nicht, aber wenn wir schon keine SF zeigen, können wir ja wenigstens mit albernen futuristischen Begriffen um uns schmeißen.

Die Fahrerin den Trucks wird permanent als „der Spieler“ bezeichnet, auch wenn der Film an keiner Stelle etabliert hat, was für ein Spiel denn hier gespielt wird, was Einsatz und Gewinn und Regeln sein sollen. Ich würde euch zu gerne versprechen, dass sich das noch klärt , aber ich möchte nicht lügen.

Mati findet die Idee einer Frau am Steuer aus unerfindlichen Gründen so drollig wie erwähnenswert:

Dann bittet er darum, „es“ (was?) versuchen zu dürfen und verschanzt sich hinter einer PC-Tastatur. Was immer er vorhat, es wird schon Sinn und Zweck haben, denn: „Nach all diesen vorherigen Pleiten ist meine Erfolgsgarantie überdurchschnittlich hoch.“

Hä? Dieser Satz ergibt überhaupt keinen Sinn! Selbst wenn eine „Garantie“ die Eigenschaft „hoch“ besitzen könnte, scheint mir diese Zuversicht angesichts  „all dieser vorheriger Pleiten“ eher unangebracht. Wovon faselt der ausdruckslose Bengel?

Wir schalten nun endlich nach draußen zum Truck. Action! Action?

Okay, ich erkläre es euch, weil der Film es nicht tut: Monster ist der Truck, bzw. seine AI, repräsentiert durch das hier:

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Die AI „Monster“ spricht mit dem Fahrer, also dem Spieler, also Gus. Und ich nehme nichts vorweg, wenn ich verrate, dass an KEINER Stelle des Films klar wird, wie diese Beziehung funktioniert. Steuert Monster des Truck? Dann bräuchte es ja keinen Fahrer? Hat der Fahrer die Kontrolle – wozu muss Monster dann eine hoch entwickelte AI sein, die noch dazu von Mati aus dem Hauptquartier gesteuert wird? Warum erkennen wir keinen Unterschied im Verhalten von Monster, wenn angeblich Mati dahinter steckt oder wenn Monster autonom arbeitet? Was ist Sinn und Zweck eines AI-gesteuerten Trucks, wenn dieser sich für jeden Furz mit dem Fahrer verbal auseinandersetzen muss, was jede Handlung für beide Seiten verzögert?

Ich habe gerade mehr Gehirnzellen an „Terminus“ verschwendet als die gesammelten vier Autoren.

Monster sagt übrigens so hippe Sachen wie:

„Jemand stört mein Programm. Fummelt in meinem Stromkreis rum. Lässt meine Bits flippen, wo sie flappen sollten.“

Fahrerin Gus trägt übrigens im hermetisch versiegelten und klimatisierten Truck eine Fliegerbrille:

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Tja, Karen Allen – acht Jahre nach „Jäger des Verlorenen Schatzes“ kann man wohl nicht mehr anspruchsvoll in der Rollenwahl sein, oder?

Bei einer ausnehmend zahm inszenierten „Verfolgungsjagd“ zwischen Monster und ein paar umgebauten Panzerwagen der „Grauen“ legt man ein halbes Kuhkaff in Schutt und Asche, bzw. durchfährt einige Backstein-Mauern:

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Die Schnarchigkeit dieser „Action“ ist unbeschreiblich und ein düster mit dem Knochenfinger mahnender Vorbote der sonst noch zu erwartenden Attraktionen. Das liegt nicht nur an der drögen Inszenierung, sondern auch an der völligen Einfallslosigkeit: Es kommt nie zu einer wirklichen Konfrontation, bei der sich Monster etwas einfallen lassen muss. Es reicht völlig aus, dass er die Spur wechselt oder mal eben links abbiegt – schon krachen die Fahrzeuge der „Grauen“ ineinander. Und Crash heißt bei „Terminus“ grundsätzlich:

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Hier ist wirklich jede Schubkarre mit Napalm beladen…

Gus und Monster springen nochmal schnell in irgendeine Art Campingplatz, was einen weiteren Panzerwagen der „Grauen“ irgendwo in einen Hühnerzaun fahren lässt, woraufhin im Hauptquartier alle dem kleinen Mati Beifall klatschen.

Fragt mich nicht, ich weiß es doch auch nicht!

Der Truck passiert eine Herde Pferde, die auch nicht so aussehen, als hätten sie „Katastrophen, Krankheiten und atomare Kriegseinsätze“ überstehen müssen. Gus raucht eine Zigarette, als hätte sie gerade irgendetwas Nennenswertes geleistet, während Monster jaulend singt.

Auf dem kleinen Monitor des Lasters erscheinen plötzlich Bilder aus einem Anime – again, I am not making this up:

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Nicht weniger bizarr ist Gus‘ hektische Reaktion darauf:

Gus:
„Gibt’s einen Ausweg?“

Monster:
„Ausweg? Ausgeschlossen. Es gibt keinen Ausweg.“

Stellt euch darauf ein, dass in diesem Film die Dialoge keinerlei Bezug zum Geschehen auf der Leinwand haben!

Plötzlich: Eine Straßensperre.

Gus:
Können wir’s umgehen?

Monster:
Natürlich.

Gus:
Ausgeschlossen! Dazu ist keine Zeit!

WIESO FRAGT SIE IHN DANN???

Spricht’s und fährt durch ein paar Holzplanken. Action!

Als nächstes wird ein Sprung über einen Graben angekündigt, der sich lediglich als die Überquerung einer asphaltierten Straße herausstellt. An diesem Punkt muss ich unterstellen, dass die Dialoge ohne Kenntnis der französischen Sprache von einem Übersetzer bearbeitet wurden, der den Film nicht kannte.

Die Tatsache, dass Gus und Monster mit der diffusen Hilfe von Mati in der Lage sind, mäßig erfolgreich durch die Pampa zu gurken, versetzt Professor Prochnow in Sorge, weshalb er sich mit seinem Chef in Verbindung setzt – ich präsentiere Peggy Prochnow:

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Schwerfällig wird uns erklärt, dass Mati wohl irgendein Experiment des Professors ist, eine Waffe im Kampf gegen „die Grauen“ (wohlgemerkt, nicht „das Grauen“!). Wir können also mittlerweile relativ gesichert annehmen, dass die Prochnows die geklonten Wissenschaftler darstellen und Mati der „neue Menschentyp“ ist. Peggy Prochnow will noch mehr von der Sorte, allerdings deutlich weniger smart:

„Was die Intelligenz angeht, so ist ihr Nebeneffekt nur eine Neutronenverschwendung.“

Warum eine dümmere Variante von Mati besser geeignet sein sollte, die „Grauen“ (ich vermute mittlerweile, damit sind die „militanten Barbaren“ gemeint) zu besiegen, erschließt sich mit nicht. Ich bin aber auch kein geklonter Prochnow.

Zurück zum Monster-Truck (get it?), der von einem Haufen mäßig belederter Muskelspacken aus dem Mad Max-Räumungsverkauf aufgehalten wird. Warum Gus die armselige Sperre nicht umfährt oder durchpflügt? Das sind so Fragen…

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Überraschenderweise wollen die Kerle mit Gus nicht plaudern, sondern sich ihrer körperlich bemächtigen. Aber nicht mit Gus, nicht mit dem Commander!

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Woraufhin sie einen Tritt in die Fresse bekommt und ohnmächtig wird.

Die Auszeit von Gus gibt uns einen Moment, um zu rekapitulieren. Was wollen die Wissenschaftler mit dem Truck? Was soll das „Spiel“? Wozu wurde Mati geschaffen? Wieso fährt Gus den Truck? Wo sind die „militanten Barbaren“? Warum sieht nichts in dieser Welt so aus, als stünde die Menschheit vor der Ausrottung? Fragen über Fragen. Und keine Antworten in Sicht.

Gus wird in eine Siedlung verbracht, in der ein kleines stummes Mädchen in einer Bar bedient. Die müssen wir uns merken – sie tut zwar im Verlauf des gesamten Films wirklich gar nichts, ist aber furchtbar wichtig. Behauptet das Drehbuch.

In der Zelle, in der Gus aufwacht, trifft sie auf den einfallsreich benamsten „Stump“, der sich in Eastwood-Gehabe übt und gleich mit der Truckerin romantisch raspelt:

Gus:
Wer sind Sie?

Stump:
Jemand, der drei Meter weg von dir sitzt.

Gus:
Das kann auch nur mir passieren, dass ich die Zelle mit einem Supertrottel teile.

Das muss Liebe sein, weshalb es auch keine handgestoppten drei Minuten dauert, bis die beiden anfangen zu pimpern.

Wir sehen jetzt auch Stumps metallene Hand, die er folgendermaßen erklärt:

Stump:
Ein Geschenk vom Militär. Weil ich nicht gut fand, was die tun. Ob du’s glaubst oder nicht – ich kann Leute nicht ausstehen, die andere misshandeln. Du bist der bestaussehende Truckfahrer, den ich je sah.

Granaten-Überleitung zum Vorspiel, Johnny!

Gus macht sich die Frisur locker und Stump legt ihr seine metallene Hand (die übrigens keinerlei Handlungsrelevanz besitzt) auf den Rücken. Das muss an Erotik reichen:

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Immerhin: 20 Minuten rum und die Hauptfigur ist im Film!

Brutal dem postkoitalen Schlaf entrissen, wird Gus zum „Major“ gebracht, so einem faschistoiden Muskelmann, der immer noch nicht wie ein „militanter Barbar“ aussieht, aber ich vermute in der Beschreibung der Einleitung mittlerweile einen Kommunikationsfehler.

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Der Major faselt wieder etwas von dem „Spiel“, das nie auf seinem Territorium stattfinden sollte und dass die Regierung „Spiele aller Art“ verboten habe (schlechte Zeiten für Blinde Kuh und Flaschendrehen, wie es scheint). Er macht ein Bohei um eine Kiste aus dem Truck, die aber bloß eine Meldung mit Punktestand enthält (was nie wieder aufgegriffen wird).

Stump nimmt derzeit in einer Kaschemme Wetten zum Armdrücken an – mit der gesunden Hand natürlich. Einen seiner Gegner habe ich in den 70er Jahren auf diesen lustigen Postkarten gesehen:

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Generell gilt, aber hier besonders: WTF???

Ich weiß nicht, ob an dieser Stelle zehn Minuten rausgeschnitten wurden, was auch zu der mageren Laufzeit von gerade mal 75 Minuten führte, aber der Major lässt Gus nach einem unbefriedigend verlaufenen Verhör wegbringen – und in der nächsten Szene liegt sie sterbend auf einem OP-Tisch, nachdem man ihr anscheinend ein paar Innereien entfernt hat.

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Über ein Drittel der Laufzeit durch und die bisherige Hauptdarstellerin wird mal eben nonchalant entsorgt. Mit ihrem letzten Atem bittet sie das kleine stumme Mädchen, Stump die Führerschaft über den Truck zu geben. Sie nippelt bequemerweise ab, bevor jemand sie fragen kann, was zur Hölle ihr Auftrag war, was sie sich davon versprach, und warum es Stump scheren sollte.

Aber klar: Stump schwingt sich zum neuen Fahrer auf. Er hat vermutlich nichts Besseres zu tun, als sich von den gesamten Regierungstruppen jagen zu lassen – für Leute, die er nicht kennt und von denen wir wissen, dass sie selber korrupte Arschlöcher sind. Wahrscheinlich läuft gerade nix im Fernsehen.

Der Ausbruch mit dem Truck wäre nun die ideale Gelegenheit für Stump, seine Fähigkeiten zu beweisen. Aber – wie in allen Actionszenen in „Terminus“ – ist das gar nicht nötig: Zwei Jeeps fahren durch das eiserne Tor und machen dem Truck damit im wahrsten Sinne den Weg frei. Das gibt dem Film außerdem erneut die Gelegenheit, mit fetter CGI zu protzen:

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Des Majors Strategie, den Truck wieder in seinen Besitz zu bringen, könnte man allerdings für etwas unausgereift halten:

Major:
Ich setze eine Belohnung aus für jeden, der mir den Truck zurück bringt!

Soldat:
Was für ’ne Belohnung?

Major:
Für dich Arschloch nur ’ne ganz geringe!

Endlich gibt es ein bisschen Exposition, so von Monster zu Stump:

Monster:
Mich hat dieser sogenannte Matti programmiert, dieser Matti wurde von einem Wissenschaftler, dem sogenannten Doktor geschaffen, der für einen Kerl, den sogenannten Sir, arbeitet. Kapiert?

Dass diese ganzen Namen und Zusammenhänge Stump nichts sagen dürften, blenden wir mal elegant aus.

Im Hauptquartier hat man den Fahrerwechsel mittlerweile auch bemerkt und Professor Prochnow liest mit sichtlichem Ekel vom Blatt ab:

Der neue Fahrer ist ein Immigrant, ein Knastbruder, ein echter Unruhestifter. Fängt überall Streit an.

Wenn das mal nicht die perfekte Gelegenheit ist, um in einem Flashback zu zeigen, wie Stump bei einem Streit mit der Obrigkeit seine Hand lassen musste – in rasanten Fehlfarben:

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Das könnte auch ich sein, wie ich mir den Film anschaue.

Monster erläutert Stump derweil das „Spiel“ – nicht:

Monster:
Ein Spieler startet mit mir irgendwo im Nirgendwo und muss einen Weg zum Ziel finden.

Bevor wir nachdenken können, was das eigentlich heißen soll, kommt es zur nächsten großen Konfrontation – diesmal mit den Schergen des Majors:

Monster:
Militärfahrzeuge in meinem Radarbereich. Die fürchten sich weder vor Mensch noch Teufel. Kein hübscher Anblick.

Stump:
Wie viele sind es?

Monster:
Aus meiner Sicht sieht es aus wie ein riesiger pulsierender Kotzbrocken aus der Hölle.

Ich gebe zu: ich habe gelacht.

Stump präpariert eine Holzbrücke mit einer Winde, während Monster den Countdown bis zur Ankunft der feindlichen Jeeps herunter zählt. Nun kennen wir aus filmischen Countdowns, dass die meist erheblich länger dauern als behauptet. Nicht hier: Der Countdown von „5 Minuten, 20 Sekunden“ rasselt in handgestoppten 1 Minute und 50 Sekunden durch. Und TROTZDEM ist die Sequenz gewohnt lahmarschig.

Und weil das in „Terminus“ immer so abläuft, fallen die Jeeps nicht einfach bloß in den Abgrund:

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Nun wurde ja weiter oben relativ klar gemacht, dass der Major dem Monster-Truck lediglich seine Leute hinterher geschickt hat. Stump weiß es nun aber augenscheinlich besser, als er vor den brennenden Jeeps steht:

Gus:
Auf Wiedersehen, Major – Gus lässt Sie grüßen.

Na, sicher. Das auch. Warum jetzt mit Logik anfangen?

Widerwillig und nur auf Monsters‘ Drängen nimmt Stump nun noch das stumme Mädchen namens „Prinzessin“ an Bord. Sie ist, wie Monster hilfreich erklärt, „ein Abfallprodukt aus einem Forschungsprojekt“. Im Rahmen dieses Flashbacks wiederum bekommen wir den dritten Jürgen zu sehen, den ich einfach mal Psycho Prochnow nenne, weil er wohl nicht alle Latten am Zaun hat (wird auch nicht erklärt):

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Derweil fürchten Peggy Prochnow und Professor Prochnow, dass Mati hinter ihr Geheimnis gekommen ist – Prinzessin ist so eine Art Vorgängermodell von Mati, quasi die Schwester. All das impliziert, dass sie die ganze Zeit mitbekommen, was im Truck vor sich geht. Das wiederum ergibt keinen Sinn, weil sie den Truck ja dann auch jederzeit abfangen lassen könnten.

Nicht mehr lang und ich geb’s auf.

Professor Prochnow lässt sich von Peggy Prochnow drängen, Psycho Prochnow auf den Truck anzusetzen. Der freut sich drüber. Und damit kommt ein zweiter gepanzerter LKW ins Spiel. Potenzial für knackige „truck on truck action“? Wenn ihr das glaubt, hätte ich euch eine prima Brücke zu verkaufen…

Im Monster-Truck essen die Beteiligten erstmal Popcorn mit Himbeergeschmack und preisen Mati, der bisher nichts für uns Erkennbares geleitet hat. Immerhin kann Monster aber eine der Lebensweisheiten von Mati an seine Reisebegleiter durchreichen:

Monster:
Mati sagt, Wissen zerstört die Spontanität.

Ich vermute mal, dass hiermit auch das Herrschaftswissen „Wie schreibt man ein Drehbuch“ gemeint ist.

Am nächsten Tag gondeln Stump und Prinzessin mit Monster wieder eher gemächlich durch die Pampa, als ein Hindernis perfekt illustriert, warum die verbale Zusammenarbeit von AI und Fahrer im Notfall totaler Kappes ist:

Monster:
Achtung! Notfall! Achtung! Voll auf die Bremse! Ich wiederhole: Voll auf die Bremse!

Stump:
Warum?

In einer echten Krisensituation hätte es längst BOOM! gemacht…

Nun müssen unsere „Helden“ (und nie habe ich den Begriff widerwilliger benutzt) irgendein weiteres Lager umfahren. Stump beginnt an den Nägeln seiner gesunden Hand zu kauen, was Monster zu dem Laufzeitfüller veranlasst:

Monster:
Eine interessante Variante – ein Mann mit nur einer Hand kaut Nägel, um nachzudenken.

Was das mit irgendwas zu tun hat? Schhhh… nicht fragen…

Derweil hat Monster wieder Visionen von Anime-Filmen und Gus, kurioserweise. Das lässt Professor Prochnow und Mati diskutieren, ob es noch Sinn macht, mit dem „unzuverlässigen“ Truck weiter das „Spiel“ zu spielen.

An einer Grenze (von was zu was? Es wurde nie über verschiedene Staaten gesprochen!) muss sich Stump mit dem Truck den Weg durch wartende Kraftwagen pflügen. Und wie immer, wenn in diesem Film was mit Rädern auf was anderes trifft:

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Noch nicht relevanter, aber immer mal wieder gezeigt werden Psycho Prochnow und sein Truck, der drolligerweise eine Art Tarnvorrichtung besitzt, die sicher auch Monster gut zu Gesicht gestanden hätte. Erstaunlich in ihrer Hirnrissigkeit ist die Lügengeschichte, die Professor Prochnow Mati hierzu auftischt:

Professor Prochnow:
Das ist wahrscheinlich ein Echo. Etwa so wie eine Fata Morgana. Der Diffraktionseffekt eines Laserstrahls in den höheren Schichten der oberen Atmosphäre.

Nicht vergessen: Jemand hat für diese Texte Geld bekommen!

Weil der Plot selber den Film nicht über 75 Minuten bringt, legen alle Beteiligten noch eine Zwischenstation ein, in der sich die Macher von „Terminus“ blamieren, in dem sie wieder auf erheblich populärere, anspruchsvollere Science Fiction verweisen:

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Wobei ich zumindest die Filme von Comic-Ikone Enki Bilal unsäglich finde.

Der Rest der Ortschaft sieht aus wie ein Musikvideo von Sigue Sigue Sputnik oder Frankie goes to Hollywood – Haarspray und Bronzer haben in der Apokalypse augenscheinlich nicht gelitten:

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Was Stump hier will? Er möchte Monster an die digitalen Eingeweide, um den Grund für seltsame Fehlfunktionen zu finden (von denen wir ahnen, dass es sich um die Einmischungen von Mati zu Gunsten seiner „Schwester“ handelt). Das „Gehirn“ der AI erinnert fatal an eine Glitzerkugel in einer Dorfdisco:

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Professor Prochnow und Peggy Prochnow beraten derweil, Stump und Monster an die Regierung zu verraten – mittlerweile muss ich wohl nicht mehr erklären, wie unfassbar dämlich diese Idee ist. Trotzdem möchte ich einen Screenshot mit sympathischem 70er Jahre-Touch dazu zeigen:

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In einem weiteren Block sinnentleerter Exposition erfahren wir, dass Mati das „Spiel“ entwickelt hat, um dem Professor seine Skrupellosigkeit zu beweisen – in Wirklichkeit wollte er damit seine „Schwester“ finden. Whatever.

Stump wird von den Grauen aufgespürt und festgenommen – das müssen wir uns allerdings zusammen reimen, weil die Filmemacher offensichtlich nicht den Drang verspürten, diese Wendung tatsächlich zu inszenieren. Er ist frei, dann ist er gefangen. So einfach kann Kino sein, wenn’s eh scheißegal ist.

Es kommt zu einer weiteren Dialogperle:

Prinzessin:
Die Stadt ist zu groß, wir finden Stump nie!

Monster:
Keine Angst, ich habe ein perfektes Gedächtnis.

Prinzessin:
Deswegen mache ich mir ja Sorgen.

Stump wird einem Schergen aus dem mittleren Management des Systems vorgeführt, der ihn recht heiter begrüßt:

Hallo, guten Tag – ich bin der Staatsinspektor der Abteilung der Grauen.

Die Obrigkeit sieht sich im Oberwasser, denn man hat nicht nur Stump, sondern auch den Truck – der zeitgleich allerdings mit Prinzessin ausbricht:

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Seht ihr den Harmonikaspieler im Vordergrund? Monster sieht ihn auch:

Monster:
Hey, Prinzessin, da spielt ein Typ Harmonika – ich kann Harmonikaspieler nicht ausstehen.

In einer weiteren atemberaubend miserabel inszenierten „Actionszene“ fährt die Prinzessin den Truck direkt in den Vernehmungsraum und rettet Stump – glaubt mir einfach, dass sich das viel spannender anhört, als es ist.

Okay, kleines Quiz. Unsere Helden sind auf der Flucht sowohl vor den Schergen der Grauen als auch den Handlangern der geklonten Wissenschaftler. Obwohl sie nicht wissen, wo das Ziel überhaupt sein soll, ist es angeblich ganz in der Nähe. Mit qualmenden Reifen jagen sie eine Autobahn entlang.

Preisfrage: Was macht Stump in diesem Moment?

Antwort: Er rasiert sich. Nass.

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Das wäre jetzt in meiner Liste „Top 500 Dinge, die man in so einer Situation tun sollte“, nicht aufgetaucht.

Ich vermute übrigens, dass die nun folgende „Verfolgungsjagd“ (die nur aus ein paar wirr zusammen geschnittenen Autostunts besteht) quasi als das „Actionhighlight“ des Films geplant war. Dafür sprechen die Platzierung und der betriebene Aufwand, nicht jedoch die Wirkung auf den Zuschauer, die immer im lauwarmen Bereich bleibt. Zumindest gönnt sich „Terminus“ hier einen grandiosen Meta-Moment, der ihn legendär machen müsste.

Wir sehen einen ziemlich fetten Crash:

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Triumphierend verkündet Monster:

Monster:
Wie wär’s mit einer sofortigen Wiederholung?

Wir sehen einen weiteren fetten Crash:

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Erst wenn man die Szene zwei, dreimal anschaut, wird einem klar, dass Monster es wörtlich meint – der zweite Crash ist schlicht eine Wiederholung des ersten aus einer anderen Kameraperspektive.

Das muss man sich erstmal trauen!

Und wenn man schon so geile CGI hat, muss man sie auch nutzen:

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Die Verfolgungsjagd ist dann auch so willkürlich vorbei, wie sie begonnen hat. Verstärkung oder Überwachung aus der Luft kennt diese Diktatur offensichtlich nicht.

Bei der Weiterfahrt scannt Monster die TV-Frequenzen, wobei erstaunlicherweise ein Radio NRJ-Jingle aus den 80ern abgespielt wird und diese absolut sensationelle Nachricht:

„Beim Aufmarsch auf dem Roten Platz wurde ein Katzen-Elektroenzephalogramm gesehen. Daraus ersehen wir, dass die tödliche Gefahr eine Rekordhöhe erreicht hat.“

Ernsthaft jetzt – das müssen doch irgendwelche Platzhalter-Dialoge gewesen sein, die irgendwer durch „richtige“ Texte zu ersetzen vergessen hat! Wer schreibt denn einen solchen Scheiß?!

Die große „truck on truck“-Actionszene folgt. Psycho Prochnows LKW rammt Monster und wirft ihn damit auf die Seite. Spek-ta-ku-lär! Psycho Prochnow und Stump hauen sich 20 Sekunden, bis Psycho Prochnow platt ist. DAS nenne ich mal ein Hammer-Finale.

Schnell noch das, was die Beteiligten für den Plot halten, aufwischen – Psycho Prochnow hat in seinem Truck die künstlich wachsenden Leiber der weiteren „Matis“, was wenigstens angemessen eklig aussieht:

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Stump löst das (auch moralische) Dilemma auf bewährte Weise:

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Danach geht’s weiter zur Burg mit dem Hauptquartier, in dem sich Mati aufhält. Doch HALT! Wie haben unsere Helden den Truck wieder auf seine Räder gestellt und fahrbereit gemacht?

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Im Hauptquartier werden Mati und seine Schwester wieder vereint – ein seltsam freudloses Ereignis angesichts Dutzender Toter, die aufs Konto dieser Aktion gehen. Und Peggy Prochnow und Professor Prochnow haben schon längst die Biege gemacht – vermutlich werden wir sie in der Fortsetzung „Terminus 2: Terminusser“ wiedersehen.

Und was hatte Stump nun von der ganzen Scheiße? Seine Freundin ist tot, seine Hand ist ab, der Psycho Prochnow hat ihm eine schwere Stichwunde verpasst und das „Spiel“ hat sich als Fake entpuppt.

Monster:
Wir hätten’s dann doch sagen sollen, dass er sein eigenes Gewicht in Gold gewinnt.

Wait – what?

Nachspann. Gottseidank. Da muss man durch. Samt der kruden Wire-Grafik und dem Song von Stan Ridgway. Den gibt es übrigens auch im Netz mit Szenen aus dem Film unterlegt:


Die Cinema

Nun ist kein Geheimnis, dass „Europas größte Filmzeitschrift“ in den 80ern wirklich jeden Schrott in den Himmel gelobt hat, wenn dafür entweder Tittenbilder oder Werbeanzeigen bei raussprangen. Möpse hat „Terminus“ nicht zu bieten, aber der zweiseitige Artikel zum Videostart wurde nur vier Seiten vorher von einer ganzseitigen Anzeige des Verleihs flankiert – ein Schelm, der Gegengeschäft dabei denkt…

Cinema 1

Cinema 2

Es lohnt sich, hier mal genauer reinzulesen. Generische Begeisterung bringt die Cinema schon mal ausreichend mit:

„Jetzt exklusiv auf Video“

„Endlich ist es soweit“

„Das so lange und groß angekündigte Action-Spektakel“

„Spannendes Endzeit-Spektakel“

„Ein ehrgeiziges deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt“

„Ein internationales Staraufgebot“

„Jetzt exklusiv auf Video“ ist natürlich Cinema-Sprech für „war für’s Kino dann doch zu scheiße“.

Auch die Unsitte, bis zum Exzess zu spoilern, ist präsent – der Plot wird bis Minute 40 durcherzählt. Ich vermute mal, der zuständige Redakteur hätte auch das Ende verraten, wenn es denn ein zu verratendes Ende gegeben hätte.

Am interessantesten scheint mir allerdings die Lobeshymne auf die Spezialeffekte, die schon damals bestenfalls hinnehmbar, an vielen Stellen aber schlicht erbärmlich waren:

„Bei diesem Vorstoß sparten die Produzenten nicht mit aufwendigen Tricks und Spezialeffekten; ihr besonderer Stolz sind die ausgefeilten Holographien und neuartigen Videotechniken, die, so verspricht es die Verleihwerbung, „in dieser Machart noch nie verwendet wurden“.“

Ich bin kein Linguist, aber rein gefühlsmäßig würde ich zuerst einmal kritisieren, dass es „sparten nicht an“ oder „geizten nicht mit“ heißen sollte, aber nicht „sparten nicht mit“. Und das Wort Holographien ist… korrekt, zu meiner Überraschung, auch wenn Hologramm üblicher ist (Holographien kennt nicht mal meine Rechtschreibprüfung).

Vor allem aber glaube ich sofort, dass die Tricks in dieser Machart nie verwendet wurden – was keine Aussage über die Qualität ist. Es ist nämlich leider Fakt, dass die Hologramme und Projektionen in „Terminus“ ungefähr auf dem Niveau von SF-TV-Produktionen der 70er stehen geblieben sind und weder Kinofilmen der gleichen Ära noch aufwändigeren SF-Serien wie „Star Trek: The Next Generation“ das Wasser reichen können.

Was bleibt, ist ein weiterer Cinema-Artikel, der mit lauem Werbesprech versucht, dem Leser einen Film aufzuschwatzen, statt ihn angemessen redaktionell zu besprechen.


Fazit

Okay, durch. Geschafft. 80 Minuten, in die ich mehr als sechs Stunden investiert habe. Verschwendete, freudlose Lebenszeit mit einer filmischen Abrissbirne, die die Hoffnungen meiner Jugend, Europa hätte in den 80ern vielleicht doch ein paar brauchbare Kommerz-SF-Reißer gestemmt, pulverisiert hat.

Oberflächlich betrachtet ist „Terminus“ schlicht Brei. Zerkochte, undefinierbare Elemente, inkompetent zusammen gerührt, weder Fisch noch Fleisch, aber schon gammelig riechend. Ein Film, dessen Genesis eher von einem Finanzierungskonstrukt herrührt als vom Willen, gutes Kino zu produzieren. Darin erinnert er mich an andere Co-Produktions-Eintöpfe dieser Ära wie „Slipstream“ und „Millennium“. Geld ist da, Cast ist da – nur das Konzept glänzt durch Abwesenheit.

Steigt man etwas tiefer in die Materie ein, kann man so ziemlich jedes Element des Films auseinander nehmen. Der viel beschäftige Kameramann Pierre-William Glenn ist als Regisseur ein Totalausfall, seine Kamera schaut den Figuren eher lustlos zu, die Action ist anämisch und keiner der dramatischen Momente „sitzt“. Dinge werden gezeigt, aber Ereignisse nicht erzählt, trotz der permanenten Vorwärtsbewegung der Handlung ist der Erzählfluss eine brackige Pfütze.

Wo ein Regisseur nicht zur Arbeit antritt, können auch die Darsteller wenig machen. Prochnow scheint verwirrt, wie er seine drei Rollen anlegen soll, Karen Allen ist als „Action-Truckerin“ fehlbesetzt und Johnny Hallyday hat zwar den richtigen Look, verwechselt aber die gewünschte Lakonie mit zur Schau getragener Langeweile. Die Kinderdarsteller sind erbärmlich.

Selbst relativ handwerkliche Ebenen wie das Production Design werden vergeigt – dass die postapokalyptische Welt nicht ansatzweise visualisiert wird, hatte ich ja schon angemerkt. Aber auch in Sachen Fahrzeuge, Kleidung, Requisiten und Technik passt rein gar nichts zusammen, hat man sich eher beim Sperrmüll als beim Theaterfundus bedient. Dafür, dass „Terminus“ angeblich ein Multimillionen-Projekt war, sieht er erschütternd billig aus und kann nicht mal mit den Cyborg-B-Movies der frühe 90er mithalten.

Aber letztlich ist das alles irrelevant. Weil das Problem von „Terminus“ nicht die Regie ist, weil die Darsteller keine Schuld trifft, weil auch schlechtes Production Design einen guten Film nicht kaputt gemacht hätte.

„Terminus“ scheitert an – ihr werdet’s ahnen – seinem Drehbuch. Vorausgesetzt man unterstellt, dass es ein Drehbuch gab. Was ich nicht mal als gesichert annehmen kann.

Ein 1000er-Puzzle, bei dem keine zwei Teile zusammen passen, ein Wühltisch von Klischees ohne Rechtfertigung, blindes Stochern in den Versatzstücken von Genres, die man nicht verstanden hat. Vor allem aber: Ein Totalversagen in Sachen Worldbuilding.

Ich habe euch hier mal einen schönen Artikel zum Thema „7 Todsünden beim Bau einer Fantasy-Welt“ rausgesucht. „Terminus“ begeht sie alle. Und ein paar mehr. Weder legt er sich fest, wie diese Welt entstanden ist, noch, wie sie funktioniert. Unsere Helden haben keine nachvollziehbare Aufgabe, am Ende steht weder der Sieg über das Böse noch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die kleinen Brocken, die wir als Exposition bekommen, ergeben kein kohärentes Bild, im Gegenteil: Ständig widerspricht der Film seiner eigenen Prämisse, vergisst die aufgestellten Regeln, biegt willkürlich links ab.

Es passt zu der Hybris der Produzenten, dass sie nicht nur einen als Regisseur total unbeleckten Kameramann angeheuerten, sondern auch drei Autoren, die keinerlei Erfahrung im Bereich Drehbuch vorweisen konnten. Wallace Potts, der für „additional dialog“ kreditiert wird, hat in der IMDB als Beruf „Archivar der Rudolf Nurejew-Stiftung“ eingetragen!

Regisseur ohne Ahnung, Autoren ohne Erfahrung – was kann da schon schief gehen? Todsichere Sache! Expertentum ist was für Pussys, oder wie Mati sagt: „Wissen zerstört die Spontanität!“

Nachträglich fällt dann auch auf, dass der Intro-Text gar nicht die Backstory dieser Welt erzählt, sondern tatsächlich die Handlung des Film vorweg nimmt! Der letzte Satz ist de facto der Plot von „Terminus“!

Selbst wenn man sich im Nachhinein diverse Plot-Elemente mühsam zusammen reimen kann, ist der Film eine Ansammlung von Leerstellen. Ich könnte noch ein paar Stunden investieren, um die vielen Fragen zu stellen, die „Terminus“ nicht zu beantworten gedenkt, aber dazu bin ich zu müde. Hier nur eine kurze, rasch dahin gekritzelte Liste:

  • In welchem Land, auf welchem Kontinent spielt der Film?
  • Was ist Sinn und Zweck des Trucks? Wie soll er dem Umsturz dienen?
  • Warum ist der Truck nicht bewaffnet?
  • Was befindet sich im Laderaum des Trucks, den wir nie zu sehen bekommen?
  • Wie wurde Gus die Fahrerin für das Spiel und was verspricht sie sich davon?
  • Wie ist das Land, durch das der Truck fährt, aufgeteilt, welche Fraktionen gibt es?
  • Da der Truck für jeden sichtbar ist und Dörfer und Städte durchfährt, warum hält ihn das Regime nicht auf?
  • Warum braucht eine hoch entwickelte AI wie Monster eine Fernsteuerung durch ein genetisches Experiment wie Mati?
  • Warum hat Mati eine Mercedes-Limousine samt Chauffeur?
  • Woher weiß Mati von seiner „Schwester“ und was verspricht er sich von der Zusammenführung?
  • Was versprechen sich Professor Prochnow und Peggy Prochnow vom „Spiel“?
  • Selbst wenn es Professor Prochnow gelingt, zehn Matis und zehn Trucks zu erschaffen – was wäre damit gewonnen?
  • Wer hat die geklonten Wissenschaftler erschaffen und zu welchem Zweck?
  • An welcher Krankheit leidet Peggy Prochnow?
  • Welche Rang bekleidet Peggy Prochnow?
  • Sind die „Grauen“ die „militanten Barbaren“? Wer sind dann die muskulösen Faschisten?
  • Warum lässt der Major Gus durch Operation beseitigen?
  • Aus welchem Grund übernimmt Stump den Truck von Gus?
  • Warum lässt Gus sich von den Grauen festnehmen?
  • Was ist die Grenze, von der der deutsche Titel „Terminus – Die Grenze“ faselt?
  • Was zur Hölle ist der/die/das „Terminus“?

Ich kann schwer beurteilen, welchen Anteil an dem Debakel die deutsche Synchronisation hat, die zwischen seltsamen Vergangenheitsformen, widersprüchlichen Aussagen und bizarr irrelevanten Throwaway-Zeilen oszilliert. Ich erwähnte es schon: Ich glaube nicht nur, dass die Person, die den Film übersetzt hat, die Originalsprache nur rudimentär beherrschte – ich bezweifle mittlerweile, dass die Person den Film überhaupt gesehen hat. Mir ist bisher noch niemals ein derartiger Disconnect zwischen den Dialogen und dem Geschehen auf der Leinwand aufgefallen.

„Terminus“ schafft den Dreisprung „schlecht – zum kotzen – unanguckbar“ mit erschreckender Leichtigkeit und dürfte eigentlich nur noch zu akademischen Studienzwecken freigegeben werden. Sein Verkauf an Privatleute verstößt mit Sicherheit gegen die Genfer Konventionen.

Die entscheidende Frage für viele Leser bleibt natürlich: Macht „Terminus“ Spaß, ist er dem Trashfan willig Opfer und Gefährte? Die Antwort ist ein entschiedenes jein. „Terminus“ macht keinen Spaß, über die geballte Inkompetenz lässt sich nicht lästern, weder à la „Ein Kaktus ist kein Lutschbonbon“ noch „The Room„.

Andererseits eignet sich „Terminus“ durchaus zum Gruppenscreening mit beinharten Allesguckern, um sich zu empören, um Popcorn gegen die Leinwand zu werfen und leicht angesoffen „Fick den Scheiß!“ zu brüllen. Er versetzt in Wallung, und zumindest DAS erwarten wir doch alle von echtem Kino, oder?

Dennoch warne ich: Das hier ist Selbstkasteiung für Fortgeschrittene. Pussys müssen leider draußen bleiben.


Und hier noch der Trailer – ich wollte ihn nicht oben hin stellen, um dem Review nichts vorweg zu nehmen:

P.S.: Kleines Bonus-Bonbon für alle, die bis hierher durchgehalten haben: Es gab 1987 einen zweiten Film namens „Terminus“, der aber in den meisten Territorien unter dem Titel „End of the Line“ vermarktet wurde  – was wiederum der Titelsong DIESES „Terminus“ ist! Und dieser andere Kandidat übernimmt denn auch die „seven degrees of Kevin Bacon“…



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DefTom
DefTom

Ist der kleine Junge am Anfang deiner Besprechung nicht derselbe wie aus Robocop 2?

Jake
Jake

Wahnsinns Review! Vielen Dank dafür, ich feiere das gerade total. „Terminus“ hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen, da das der erste VHS-Film ist, den ich mir damals Ende der 80er mit meinem sauer „verdienten“ Taschengeld gekauft habe. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, da ich gerade das 12. Lebensjahr vollendet hatte und unheimlich stolz darauf war, nun ganz offiziell Filme mit einer 12er-Freigabe erwerben (und im Kino gucken) zu können.

Warum meine Wahl gerade auf „Terminus“ fiel, weiß ich auch noch: Es war der Schriftzug Der große Science-Fiction-Action-Film!“ auf dem Cover. Science Fiction UND Action! Der MUSSTE gut sein! Und wahrhaftig – das war er auch. Zumindest aus Sicht eines unbedarften 12-Jährigen. Ich habe damals alle meine Freunde einzeln zu mir eingeladen und jedem mit Begeisterung den Film vorgeführt. Immer mit dem Hinweis, es würde sich um einen Science-Fiction-Action-Film (!!!) handeln. Habe den Streifen damals quasi wochenlang in Dauerschleife gesehen und bin während des Lesens Deiner Ausführungen direkt erschrocken, an wie wenig Details ich mich noch erinnern kann. Ist aber auch schon schlappe 25 Jahre her.

Danke für diese Zeitreise in meine Kindheit!

Kaio
Kaio

„Beim Aufmarsch auf dem Roten Platz wurde ein Katzen-Elektroenzephalogramm gesehen. Daraus ersehen wir, dass die tödliche Gefahr eine Rekordhöhe erreicht hat.“

Ich bin raus!

sergej
sergej

das ist doch nicht nicht mit dem Commander, das ist nicht mit Commander:
https://www.youtube.com/watch?v=4QrCEqkQQXM

greenkeeper
greenkeeper

Huiuiui, das scheint ja mal eine richtige Perle zu sein. Täusch ich mich oder ist der Off-Sprecher tatsächlich der Brennicke? Wahnsinnsreview, tausend Dank dafür.

Moss
Moss

Ich neige mein Haupt, sowohl vor Wortvogels lustvoller Leidensbereitschaft, als auch vor den Machern des rezensierten Werks. Allerdings fiele mir schon ein noch ein ganz klein bißchen kruderer Introtext als

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ein.

Ernsthaft, Torsten: Flash, srsly!?

Peroy
Peroy

Von dem Film hab‘ ich noch nie gehört. Jetzt hab‘ ich Komplexe.

trackback

[…] […]

Exverlobter
Exverlobter

„Ist der kleine Junge am Anfang deiner Besprechung nicht derselbe wie aus Robocop 2?“

Den kenne ich aus der TNG Episode „The Bonding“

Dirk
Dirk

Wow. Ich hatte damals das „Buch zum Film“ davon (war in den ’80 sehr weit verbreitet) und ich glaube da hat das alles mehr Sinn ergeben… aber schwören kann ich’s nicht, ist etwas her.
Danke für die Erinnerung!

Thomas+Hortian

Scheiße, jetzt will ich den auch sehen.

dyson

Ha! Der kommt wahrscheinlich im nächsten Jahr aus dem Habichtswald (vielleicht sogar in HD).

Jake
Jake

Meine romantischen Kindheitserinnerungen an dieses Machwerk (siehe meinen Beitrag oben) wurden leider rüde in den Staub getreten, als der Film irgendwann im letzten Jahr zeitweise auf Amazon Prime Video abrufbar war. Das ist wirklich, wie Torsten treffend schreibt, Selbstkasteiung für Fortgeschrittene und nichts für Pussys. Ich hab’s leider nicht gepackt und musste nach knapp der Hälfte abbrechen. Schlimm, ganz schlimm. Aus heutiger Sicht unvorstellbar, dass ich den Streifen damals quasi in Dauerschleife und mit Begeisterung geguckt habe.