H.

short_skin_icon_poster_wb02USA, Argentinien 2014. Regie: Rania Attieh, Daniel Garcia

Darsteller: Robin Bartlett, Rebecca Dayan, Will Janowitz, Julian Gamble, Roger Robinson

Offizielle Synopsis:
Wenn im Mystery-Drama H. der Kopf einer riesigen Statue den Fluss entlang treibt, ist das so dermaßen spannend und einnehmend gefilmt, dass der logische Gedanke erst mit Verspätung anklopft: Warum geht dieser Steinkopf eigentlich nicht unter?

H. betört seine Zuschauer und jubelt ihnen die Geheimnisse und Gefahren der US-Stadt Troy geschickt unter. Das Resultat sind Neugier auf Antworten und ein bewegendes Finale. Aber bis dahin geschieht so einiges: Mal läuft ein schwarzes Pferd durchs Bild, dann leiden die Männer der Stadt unter einer unerklärlichen Krankheit, zwischendurch werden die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt.

In vier Kapiteln wird die Geschichte von zwei Frauen erzählt, die beide Helen heißen. Der älteren Helen, die ihre Zeit am liebsten mit ihrer seltsamen Babypuppe verbringt, kommt urplötzlich der Gatte abhanden. Die jüngere Helen erwartet ein Baby und erhält im Krankenhaus eine Diagnose, die ihre Psyche noch mehr belastet  als die mysteriösen Dinge, die überall in der Stadt passieren.

Kritik: Dass in der offiziellen Synopsis der Statuen-Kopf so gelobt wird, hat seinen Grund: er liefert die beste darstellerische Leistung ab! Seltsamkeiten werden einfach nur um der Seltsamkeit willen gebracht. Ok, alte Leute haben komische Hobbies. Aber sie werden dadurch nicht interessant. Erst recht nicht, wenn man diese bis ins unendliche auswalzt.

h-review

Ein so ruhiger Film lebt davon, dass man die Charaktere kennen und lieben lernt. Nichts davon geschieht hier. Sie bleiben fremd und – was viel schlimmer ist – gleichgültig. Der einzige, der ein bisschen Charakter entwickelt, ist der Mann der alten Helen, der irgendwann zu seinem Kumpel sagt, dass er es nicht schlimm fände, wenn seine Frau verschwände. Da will man ihm von Herzen recht geben!

Die junge Helen hätte eigentlich aufgrund ihrer Diagnose eine Menge Chancen, darstellerisch etwas zu reißen. Aber es passiert nichts. Sie guckt ein bisschen sparsam aus der Wäsche, das war’s. Der Mann dazu bleibt noch blasser – was per se schon fast eine Leistung ist.

Die ganzen Geheimnisse und Besonderheiten des Ortes sind alberne kleine Effekte. Und spätestens beim dritten Auftritt ist sogar der Styroporkopf langweilig – denn mal ernsthaft, wenn ich einen Statuenkopf im Fluss schwimmen sehe ist nicht mein erster Gedanke „wie kann das sein?“ sondern „der ist aus Styropor“.

Alles das wäre zu verkraften, wenn wir eine richtige coole Auflösung für die paar Seltsamkeiten bekämen. Aber hier verweigert sich der Film komplett. Nicht mal die Protagonisten spekulieren herum, sie nehmen es einfach hin.

Ganz offensichtlich zielt dieser Film nicht aufs Publikum, sondern auf die Sorte Kritiker, die sagen: ich habe den Film nicht verstanden, also muss er toll sein.

Fazit: Selten habe ich das Ende eines Filmes so herbeigesehnt wie bei H. Wenn es der letzte Film am Tag gewesen wäre, wäre ich bestimmt vorzeitig gegangen. So hingegen bleibt mir nur, ausdrücklich zu warnen. Es gibt deutlich sinnvollere Dinge zu tun, als diesen Film anzuschauen. Z.B. Tannennadeln nach Größe und Gewicht sortieren. 0/10.

Philipp Seeger



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Marcus
Marcus

So schlimm? Selten genug, dass ich einen Schnarcher dieses Kalibers bei meiner Auswahl vefehle…

AlphaOrange
AlphaOrange

H. war wirklich so übel wie Philipp schreibt. Eigentlich schlug mein Arthouse-Radar schon vorab Alarm, aber der Trailer erinnerte mich sehr an The Leftovers (die Serie), das ich regelrecht brillant finde.

Hätte auf meinen Instinkt hören sollen.

Prätentiöses Arthouse-Geschwurbel der Extraklasse vollgepackt mit undechiffrierbare Symbolik (im Saal hat niemand den Film verstanden), aber ohne Nachhall. Und der Genre-Bezug war auch nur behauptet, weil jegliche mysteriösen Ereignisse keinerlei Sinn oder Zusammenhang innerhalb der Handlung ergeben, geschweige denn irgendwie erklärt werden.