FFF, Tag 4. Diesmal mit 100% mehr Verrissen als am Vortag. Und dem vermutlichen Höhepunkt dieses Festival-Jahrgangs.

KUNG FU KILLER

kung-fu-jungle-posterWorum geht’s? Durchgeknallter Serienkiller fordert die Meister diverser Kung Fu-Techniken zum tödlichen Duell, um selbst Nr. 1 zu werden. Die Polizei holt Kung Fu-Gott Donnie Yen aus dem Knast, damit er bei der Fahndung hilft – nicht ahnend, dass der irre Killer Donnie von Anfang an als seinen persönlichen „Endgegner“ sieht.

Wie ist er? Man nehme einen kompetent gemachten, durchaus spannenden, aber auch nicht herausragenden Serienkillerjagd-Thriller, und packe dann da ganz viel Kung Fu rein. Das ist das hier, nicht mehr und nicht weniger. Die Action ist, wie man das vom Hongkong-Kino gewohnt ist, amtlich, vor allem der Schlusskampf im fließenden Verkehr.

Gucken? Wenn man Kung Fu mag, ja. Wenn man Serienkillerjagden mag, kann man auch. Aber im Wesentlichen, wenn man Kung Fu mag. 8/10.

BACKTRACK

backtrackWorum geht’s? Der Psychiater Peter hätte wohl selber professionelle Hilfe nötig – er und seine Frau sind über den Tod ihrer Tochter bei einem Verkehrsunfall noch immer nicht hinweg. Als er immer wieder von einem geheimnisvollen Mädchen „heimgesucht“ wird und sich auch sonst die seltsamen Geschehnisse häufen, tritt der mittlerweile selbst an seinem Verstand zweifelnde Peter die Reise in die Kleinstadt an, in der er aufgewachsen ist, um einem dunklen, lange verdrängten Geheimnis seiner Vergangenheit auf den Grund zu gehen.

Wie ist er? Geisterhorrorfilme gibt es ja jedes Jahr auf dem FFF. Dieser hier hat einen edlen Look, einen gewohnt guten Adrien Brody und leidliche Spannung. Nur originell ist er leider überhaupt nicht, und die Neigung zu billigen, mit übertriebener Geister-CGI gewürzten Jumpscares nervt schon etwas.

Gucken? Komplettisten des „Eine Tür knarrt“-Genres kommen hier durchaus auf ihre Kosten, der Rest ist entschuldigt. 6/10.

SHREW’S NEST

ShrewsNestPoster-thumb-630xauto-47594Worum geht’s? Spanien irgendwann in den 50ern – das gerade erst 18 gewordene „Mädchen“ (ihren Namen erfahren wir nie) lebt mit ihrer Schwester zusammen, die sie auch alleine aufgezogen hat. Besagte Schwester traut sich sein über zehn Jahren nicht mehr aus dem Haus und ist auch sonst mit „neurotisch“ noch wohlwollend umschrieben. Als sie eines Tages einem verletzten Nachbarn in ihre Wohnung hilft und für diesen Gefühle entwickelt, ist das nur der Auftakt zu einem Strudel tödlicher Ereignisse, der bald Vergangenheit und Gegenwart des Schwesternpaares auf schicksalhafte Weise verkettet…

Wie ist er? Ich halte mich mit weiteren Details lieber mal zurück, denn je weniger man vorher weiß, desto besser. Denn dieser Film aus dem Dunstkreis von Spaniens Kultfilmer Alex de la Iglesia ist nicht gut. Er ist großartig. Ein finsteres Horrordrama, gegen das sich MISERY (mit dem er oberflächliche Ähnlichkeit aufweist) wie ein Kindergeburtstag ausnimmt – hier wird langsam, genüsslich und in erlesene (und sehr blutige) Bilder verpackt eine Familiengeschichte aufgeblättert, in der sich Verlust, Trauer, Religion und Wahnsinn zu einem perfekten Sturm verbinden und eine Hölle auf Erden erschaffen, die sprachlos zurücklässt. Und mitten drin in einem unfassbar guten Ensemble thront Macarena Gomez, die FFF-Veteranen ja bestens bekannt sein dürfte und die hier vermutlich die Performance ihres Lebens abliefert, als verhärmtes, von Ängsten und Gottesfurcht beherrschtes Monstrum, so verstörend und furchteinflößend wie bemitleidenswert, sobald man versteht, warum sie so geworden ist, wie sie in dieser Umgebung wohl werden musste.

Gucken? Scheißt ein Bär in den Wald? 10/10.

INFINI

infinionesheetWorum geht’s? Die Zukunft. Militärische Spezialeinheit wird an den Arsch der Galaxis gebeamt, um auf einem Bergbauaußenposten eine Katastrophe mit potentiell fatalen Folgen für die ganze Menschheit abzuwenden. Was sie dort finden, übertrifft all ihre (wenn auch nicht meine, aber ich greife vor) Erwartungen.

Wie ist er? AAAAAAAAAARGH!

Ähempt. Der Film ist wirklich nicht gut, wollte ich sagen.

Wo fange ich an? Der Film macht einen jämmerlich schlechten Job, wenn es darum geht, dem Zuschauer die Regeln dieser „Zukunftsvision“ zu erklären. Man könnte Seiten damit füllen, was hier nicht erklärt wird, keinen Sinn ergibt oder aufgebracht und dann vergessen wird. Mach ich aber nicht – auch schlechte Filme genießen Spoilerschutz.

Doch ein paar (wenig-spoilernde) Beispiele gefällig? Gerne. Wieso sagt uns der Film in der Eröffnungstexttafel, dass die Technik des „Slipstreaming“ (also das Beamen durchs halbe Weltall, gell) wegen der hohen Sterblichkeitsrate und der Gefahr der „data corruption“ (letzteres sogar im Text hervorgehoben) umstritten sei, ohne darauf je wieder einzugehen? Haben wir nicht in INTERSTELLAR gelernt, dass für eine Person subjektiv gesehen weniger Zeit vergeht, je näher die Person einem Schwarzen Loch kommt (hier ist das umgekehrt), und welchen dramaturgischen Sinn hat es, dass der Außenposten in der Nähe eines Schwarzen Lochs liegt und die Rettungsmission aus Erdsicht nur ein paar Minuten dauert (ich wünschte, ich könnte dasselbe über den Film sagen, aber ich greife vor)? Wieso überlebt unser Held einen Sturz in einen Schacht, der ihn von der Fallhöhe her hätte verkrüppeln oder töten müssen? Wieso schneidet der Film ständig auf die schwangere Frau des Helden, die für die Filmhandlung völlig überflüssig ist (von einer tödlichen Mission lebend zurückkommen zu wollen, wäre mir Motivation genug, auch ohne dass Weib und Kind auf mich warten)? Was sollen die ständigen chaotischen Ultrakurz-Flash-Forwards (oder-Flashbacks, was weiß ich)? Warum kann keiner in diesem Film deutlich reden?

Dass die Story Kappes ist, wäre zu verschmerzen, wenn der Rest was taugen würde. Aber was uns hier aufgetischt wird, besteht halt zu 90% aus „Idioten rennen durch Raumstationsgänge und brüllen sich an“. Die restlichen 10% sind Technobabble, Gekloppe, Geballer und Kameramätzchen. Und das Ganze auf unfassbare zwei Stunden gestreckt – hier dauert jede Szene gefühlt doppelt so lang, wie sie müsste. Tiefpunkt ist eine bestimmt über fünfminütige Sequenz, in der sich zwei der letzten Überlebenden (durch Jumpcuts getrennt) entweder anschreien oder –kichern, obwohl es doch eigentlich nur darum geht, ob man nun den Mediziner des Teams suchen gehen soll oder nicht.

Technisch ist der Film kompetent, aber billig und ohne nennenswerte Schauwerte.

Ein besonderes Leckerli ist das Ende. Man kann es auf, soweit ich das im Moment sehe, zwei Arten interpretieren. Die kann ich hier aus Spoilergründen wirklich nicht erklären, aber sie unterscheiden sich eh nur darin, dass der Film entweder nur einfallslos oder komplett debil endet.

Gucken? DOOM für Low Budget-SciFi-Hipster. Wir raten ab. 3/10.

SCHERZO DIABOLICO

Scherzo-Diabolico-PosterWorum geht’s? Aram ist ein Loser mit nörgelnder Frau, der im Büro nie das Maul aufreißt und daher immer die Arbeit macht, ohne je was davon zu haben. Sein Plan, endlich mal zu Geld zu kommen, hat was mit Entführung zu tun, ist nicht wirklich plausibel und funktioniert, insgesamt betrachtet, eher bescheiden.

Wie ist er? Das musste ja so kommen – ein Film, bei dem ich beim besten Willen nicht weiß, was ich damit anfangen soll. Nähere Erklärungen entfallen abermals zum Spoilerschutz, aber insgesamt ist diese mexikanische Low-Budget-Nummer hier entweder ein weitgehend unspannender Thriller oder eine weitgehend unlustige Komödie, hat nur unsympathische Figuren und braucht ellenlang, um auf ein nicht besonders glaubwürdiges oder interessantes Twistende hinauszulaufen.

Gucken? Hat nicht der Doc dazu ein Review geschrieben? Ja? Gut, dann lest das. Ich hab nix zum Film zu sagen, außer, dass ich persönlich ihn doof fand. 4/10.

Und nu eine kurze Pause – mein FFF geht erst am Donnerstag weiter…

Marcus Heine



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heino
heino

Da hatte ich ja den richtigen Riecher, dass ich außer dem großartigen „Shrew`s Nest“ gestern alles ausgelassen habe….

flippah
flippah

ich frage mich ja, ob Macarena Gomez das selbe Problem hat wie Kinski: sie spielt nicht die Wahnsinnige, sie ist einfach wahnsinnig.
Auf jeden Fall ist Shrew’s Nest einer der besten Filme, die ich je gesehen habe.

comicfreak
comicfreak

*vormerk*

Peroy
Peroy

Ich werde mir diesen „Shrew’s Nest“-Krempel auf DVD vormerken. Sollte er allen Lobeshymnen zum Trotz doch scheisse sein (wie „The Descent“ oder „The Wild Hunt“ oder „Moon“ oder…), dann gibt’s aufs Maul.

Peroy
Peroy

„Shrew’s Nest“ ist tatsächlich sehr, sehr gut. Um großartig zu sein, hätte zumindest eine Wendung drin sein müssen, die man nicht schon in den ersten fünfzehn Minuten vorausahnen kann (z.B., dass die Beep in Wahrheit die Beep von der Beep ist). Trotzdem eine ansehnliche „Misery“-Variante.