Was für eine Woche! Nach nur zwei Tagen auf dem FFF in Nürnberg bekam ich einen Anruf aus Speyer: Der geplante Umzug nach Baden Baden konnte doch nicht ohne mich über die Bühne gehen. Ich bestieg einen Zug nach Marburg (die Abläufe sind kompliziert), ließ Hotelzimmer und einen Platz in der Reihe 9 für Dauerkartenbesitzer verwaisen.

In der Tat: Der Umzug wurde zur Herkulesaufgabe für den Wortvogel, der sich so gar nicht als griechische Gottheit sieht. Obwohl wir in den letzten Wochen Kubikmeter Sperrmüll, neun Säcke Textilien, 15 Kisten Bücher und diverse Ladungen Restmüll entsorgt haben, belegt der Besitz von WV und LvA einen 7 Tonner – plus Hänger. Gllücklicherweise hatten wir das „große Paket“ gebucht, also fünf starke Jungs für drei Tage, einpacken und auspacken inklusive. Auch einige Familenmitglieder kamen angereist, um zu helfen. Die Katzen kamen derweil in die Pension ins Sommercamp.

Angesichts der Hitze, der Zeitprobleme und des generellen Stresses kamen wir nicht dazu, die notwendigen „essentials“ vorab beiseite zu schaffen. Als ich mich einmal umdrehte, waren plötzlich Router, Modem und Macbook eingepackt, kurz darauf war auch mein Handy weg. Erstmals seit 20 Jahren war ich ohne Internet, ohne Telefon, ohne Computer. Auf Entzug.

In Baden Baden ging es auch nicht ideal los: Wieder Bullenhitze, beim Umstieg von 85 Quadratmeter Dachboden auf 3,5 Quadratmeter Kellerabteil musste ich Tetris-Fähigkeiten umsetzen, im nietzschen Sinne den Willen über das Volumen siegen lassen. Und dann standen Möbel und über 100 Kisten einfach so in der neuen Wohnung. Noch kein Kühlschrank da, also trotz schwüler Luft keine kühlen Getränke. Am Abend war ich so fertig, dass ich mein Essen vom Inder auf halber Strecke wieder auf den Teller kotzte.

Die Idee, am Donnerstag wieder zum Festival zu fahren, war illusorisch – als Ehemann hat man Pflichten, die das Nerdvergnügen übertrumpfen. Auch die Hoffnung, Donnerstag Abend oder Freitag früh zu fahren, ging zwischen Bauhaus, Webstick anschließen und Bücher einräumen den Bach hinunter. Dann stellte sich der Abfluss in der Küche als verstopft heraus, was den Anschluss von Wasch- und Spülmaschine torpedierte. Und am Nachmittag ging die Türklingel nicht mehr.

Freitag Mittag: Die Geschwister sind abgereist, die Spediteure haben ihre letzten Aufgaben souverän erledigt. Die Wohnung ist nun erkennbar UNSERE Wohnung, auch wenn noch viel Pack- und Wegpackarbeit anliegt. Das eilt zwar, aber ich sehe die Chance, zumindest die Zielgerade des Festivals mitzunehmen. Die LvA willigt ein – sie weiß, was mir diese Aktion bedeutet und wie enttäuscht ich bin, Doc Acula vor Ort sitzen zu lassen. Ich rechne mir aus, dass ich – sofern ich gut durchkomme – „Der Bunker“ um 18.45 Uhr schaffen müsste. Das klappt auch prima, ich umfahre ein paar neuralgische Staustellen bei Karlsruhe und Stuttgart. 45 Kilometer vor Nürnberg dann die Verkehrsdurchsage: „25 Kilometer Stau wegen Bergungsarbeiten“.

Und hier sitze ich nun im Wagen, kann nichts tun außer schreiben und hoffen, dass ich wenigstens den nächsten Film „Deathgasm“ um 20.45 Uhr erwische. Momentan sieht es danach nicht aus. Alle Räder stehen still. Frustrierend, enttäuschend.

Das alles braucht euch nicht wirklich zu interessieren. Ihr seid hier wegen der Filmkritiken, die ich euch dieses Jahr weitgehend schuldig bleiben muss. Aber ich bin entschlossen, euch zumindest ein Ersatzprogramm zu bieten. Und darum habe ich sowohl den Doc als auch Leser Marcus Heine gebeten, die von mir verpassten Filme als Gastreviewer zu betreuen. Ab morgen werde ich ihre kompetenten Urteile hier online stellen. Nicht Wortvogel – aber Wortvogel approved.

Und jetzt warte ich weiter auf das Ende der „Bergungsarbeiten“…



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Steffen
Steffen

Oh mann.. mein Beileid wegen dem Stress 🙁 Zu dem Zeitpunkt, wo ich das hier schreibe, sitzt du hoffentlich mittlerweile im Kino?

Marcus
Marcus

Na, immerhin noch zwei volle Tage. D.h. zehn Reviews und 2 Vlogs. 🙂

John
John

Ich stelle mich gerne bereit, Filmkritiken in Deinem Namen zu schreiben (sozusagen).

Mic

Das klingt nach der Sorte Umzug, die man wirklich nicht braucht. Wieder einmal freue ich mich über mein eigenes Haus, meinen absolut standortsicheren Job und … ach was, eigentlich freue ich mich nicht. Aber DAS was du schilderst noch als Topping obendrauf, das braucht wirklich niemand.

Lülü
Lülü

OT:

Jetzt fühle ich mich doch fast verfolgt… 😉

Nach langer Zeit des lediglich Lesens und wenigen Schreibens (Januar 2013 zum Thema Kervansaray und Fennigfuchser) wollte ich zu dem Post „Die da oben? Korrupt! Die da unten? Faul! Das ganze System? Kaputt! Das Ende? Nah!“ mich auch mal wieder zu Wort melden.

Während der Zeit in der ich mit mir schwanger gehe, wie ich meine Gegenrede zu dem Post mit ausreichender Verve vortragen kann, lese ich jetzt dass die Wortvogels Tour de Deutschland (München – Münster oder Speyer?) jetzt in Baden-Baden gastiert.

Dort wo ich vor knapp einem halben Jahr aus dem Rheinland hingezogen bin…

Naja, wie dem auch sei, jede Verstärkung aus dem Rheinland ist mir hier willkommen.

Eine Ergänzung zu den Nahrungsgewohnheiten hier. Der süße Senf ist mir hier noch nicht verstärkt über dem Weg gelaufen. Ich habe allerdings auch bislang nicht dass Löwenbräu gemieden habe. Das gibt es hier wirklich mitten in der Innenstadt. Was mich allerdings mehr stört ist der Umstand, dass es hier keinen Platz (Für Nichtrheinländer: Brotsorte) gibt.

Die Gegenrede kommt hoffentlich noch.