Reality

R-alit-2014-Quentin-Dupieux-v2-poster-450Frankreich, Belgien, USA 2014

REGIE
Quentin Dupieux

DARSTELLER

Alain Chabat, Jonathan Lambert, Élodie Bouchez, Kyla Kenedy, Eric Wareheim, John Glover, Lola Delon, Matt Battaglia

Offizielle Synopsis: Ein bärtiger Mann sucht wie besessen nach dem ultimativen Todesschrei. Ein anderer Mann in Frauenkleidern bringt Rentnern keine Blumen. Ein Kochshow-Moderator im Biberfell-Kostüm leidet unter chronischem Juckreiz. Telekinetische Röhrenfernseher töten. Und ein kleines Mädchen namens Reality findet eine Videokassette in den Gedärmen eines Wildschweins …

Kritik: Das wird eine Premiere – ich werde einen Gastreview zulassen, nicht weil er meine Meinung repräsentiert, sonder weil er mir widerspricht. In den nächsten Tagen bekommt ihr noch die Kritik von Doc Acula serviert, der „Reality“ ganz dufte fand.

Machen wir uns nichts vor: Ich und Dupieux, da wird keine große Liebe mehr draus. Von vielen Filmfans kultig verehrt, laufen die Streifen des Avantgarde-Regisseurs immer wieder beim FFF – und komplett an mir vorbei. „Rubber“, „Wrong“, „Wrong Cops“, das sind für mich keine Filme, sondern dramaturgische Fingerübungen, akademisch-kalte Konzeptpuzzle, die mit Erzählebenen spielen, ohne etwas erzählen zu wollen. Erzähltalent ohne Erzähldrang. Cola light und koffeinfrei.

Ich kann „Reality“ zumindest zugestehen, dass er für mich der beste Dupieux-Film ist, auch wenn das in diesem Fall ein sehr begrenztes Lob ist. Der Film ist hervorragend darin, seine Figuren und Plots nicht nur parallel zu erzählen, sondern auch innerhalb der Wirklichkeitsebenen zu verschachteln. Figuren aus einem Film treffen Figuren einer empfundenen Realität, die aber auch ein Traum sein könnte, der wiederum Zeitschleifen zulässt.

Weil sich das schwer erklären lässt, schildere ich einfach mal eine exemplarische Szene: Da sieht ein Möchtegern-Regisseur im Kino genau den Film, an dem er gerade arbeitet und der noch gar nicht gedreht wurde. Er ruft entgeistert bei seinem Produzenten am, der ihm versichert, das sei gar kein Problem – weil der Regisseur gerade bei ihm im Büro sitze und ihn versichere, dass das alles nur ein Traum sei.

real

So geht das 95 Minuten lang. Figuren folgen einander in die eigentlich verschlossenen Territorien, führen jeden Continuity und damit die Realität selbst ad absurdum. Alles sind Schleifen, Loops ohne Anfang und Ende, die keine Selbsterkenntnis und keinen Ausbruch erlauben.

Das ist natürlich auch wieder ohne Sinn, aber mit Verstand, wie bei Dupieux üblich. Weder gibt es übergreifende Themen, noch eine Message oder gar eine nachvollziehbare Charakterentwicklung. Es passiert, was passiert, und irgendwann ist dann Nachspann. Aber im Gegensatz zu z.B. „Wrong Cops“, der sich in halbgarem Slapstick erging, ist „Reality“ deutlich stimmiger und über die gesamte Laufzeit unterhaltsam.

Dass Dupieux niemals den Versuch unternehmen wird, seine vergeistigten Projekte auch optisch ansprechend umzusetzen, damit habe ich mich mittlerweile abgefunden. Auch „Reality“ sieht mal wieder aus, als handle es sich um den unterbudgetierten TV-Film eines regionalen kanadischen Senders.

Fazit: Wer Dupieux mag, für den ist „Reality“ sicher ein neues Highlight im Oeuvre des Regisseur. Wer – wie ich – das alles für hippen und selbstverliebten Budenzauber hält, wird von diesem Film auch nicht bekehrt, aber zumindest solide unterhalten. Gnädige 6/10.



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sergej
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Peroy
Peroy

Kenne von den genannten nur „Rubber“, aber der ist ganz großes Kino…

kuhbaert
kuhbaert

Ich bin mal gespannt auf Doc Aculas Review.

Ich lese Torstens Ergüsse zwar gerne aber bin bin nicht immer auf seiner Wellenlänge.

Was ich bisher gelesen habe und der Trailer, schaut auf alle Fälle mal danach aus als könnte der Film was für mich sein.

heino
heino

Ich bin da ganz bei dir, im Kino fand ich „Rubber“ noch seltsam genug, um ihn zumindest interessant zu finden. Aber insgesamt ist Surrealismus nicht meine Baustelle, weshalb ich weder „Wrong Cops“ gesehen habe noch diesen hier schauen werde.

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