Maggie

maggie

USA 2015

REGIE

Henry Hobson

DARSTELLER

Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin, Joely Richardson, Douglas M. Griffin, J.D. Evermore, Rachel Whitman Groves

Offizielle Synopsis: Wade Vogel steht als verzweifelter Vater einer aussichtslosen Situation gegenüber. Die Zombie-Apokalypse ist ausgebrochen und seine Tochter Maggie wurde von einem Untoten gebissen – ihre Transformation zur wandelnden Bestie steht unaufhaltsam bevor. Weil er es nicht übers Herz bringt, sein Kind in Quarantäne zu schicken oder ihr Leben von Ärzten beenden zu lassen, holt er die Infizierte zu sich nach Hause. Gemeinsam durchleben sie dort die schreckliche Metamorphose. Erst beginnt nur Maggies Haut zu faulen, doch bald riechen ihre Mitmenschen für sie zunehmend nach Abendessen.

Kritik: Über den Film wurde im Vorfeld viel gesprochen, da waren die Erwartungen hoch und der Saal (fast) voll. Schwarzenegger in einem Zombiestreifen. Und keine Action – echtes Drama, mit der die steirische Eiche wohl beweisen will, dass sie im Rentneralter auch gereifte Eastwood-Rollen stemmen kann. So eine Art „Gran Torino“ mit Untoten. Hat noch keinen deutschen Verleih. Eigentlich unglaublich. Aber spannend.

Na ja, der Doc und ich waren uns hinterher mit einem alten Sketch von Hape Kerkeling einig: Das war sehr lang und weilig.

Die 95 Minuten von „Maggie“ fühlen sich wie 140 an, weil wir es hier mit einem Film zu tun haben, der keinerlei Substanz besitzt – aber im Gegensatz zu „Stung“ die inhaltliche Leere gar nicht erst durch Tempo wettzumachen versucht.

Das offensichtlichste Problem dieses Problemfilms ist der Mangel an Entwicklung, an Konflikt. Wir wissen von der ersten Minute an, was passieren wird. Maggie wird sich in einen Zombie verwandeln und ihr Vater wird sie dabei begleiten. Und was passiert? Maggie verwandelt sich in einen Zombie und wird von ihrem Vater dabei begleitet. Es gibt null Überraschungen, null Wendungen, null Erkenntnis. Alles passiert exakt so, wie es vorhersehbar und angekündigt ist.

Über Maggies Transformation zur Untoten hinaus machen die Figuren ebenso keine Entwicklung durch. Wade Vogel wiederholt 95 Minuten lang Variationen von „Ich kann doch meine Tochter nicht töten!“ und Maggie selbst ist primär emo. Da wird nichts besprochen, nichts geklärt, nichts unternommen.

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Inszenatorisch wird diese Melasse vom Regisseur noch weiter abgebremst. Ständige Nahaufnahmen, Zeitlupen, elegisches In Die Ferne Starren zu einem Heulsusen-Soundtrack. Rumstehen und deprimiert gucken ist nur leider kein Drama – außer für den Geduldsfaden des Zuschauers.

Als Versuch, den Zombiefilm als Familiendrama um eine weitere Facette zu bereichern, ist „Maggie“ damit spektakulär gescheitert – zumal die Idee so neu wahrlich nicht ist. Als Vehikel, Schwarzenegger ins Charakterfach zu hieven, taugt er auch nicht. Primär wird Arnie über Look und Nahaufnahme inszeniert, seine Darstellung ist Posing, als wäre jeder Shot für das Poster gedacht. Grimmig und müde aussehen macht noch keine Performance. Die wenigen Szenen, in denen er so etwas wie ausformulierte Emotion zeigen muss, fallen so flach wie seit jeher – wenn er z.B. dem Sheriff erklärt, dass er niemals zulassen wird, dass man seine Tochter holt. Da sind die Schwarzeneggerschen Limits sehr präsent und schmerzhaft und wie üblich tut ihm sein schwerer Akzent keinen Gefallen.

Letztlich hat mich nur eine einzelne, sehr kurze Szene berührt – die finale Begegnung von Maggie und Wade. Hier wird für zwei Sekunden ENDLICH eine glaubwürdige Verbindung zwischen Vater und Tochter gebaut. Aber das ist viel zu spät und viel zu wenig.

Fazit: Ein träger, pseudodramatischer Problemfilm ohne Konflikt oder Entwicklung, der abgesehen von einer überschätzten Schwarzenegger-Performance zu wenig Fleisch bietet und schnell langweilt. 3 von 10.



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comicfreak

*autsch*

gerrit
gerrit

Danke für die Warnung ⚠.
Und an dieser Stelle bekunde ich mal meinen Respekt, für die Geschwindigkeit, mit der du fundierte Kritik ins Netz drückst.
Ja, ich weiß, dass du immer schon so gearbeitet hast. Trotzdem befürchte ich, dass du irgendwann den Spass verlierst, da kann ein Lob zwischendurch nicht schaden.

Thies
Thies

„Hat noch keinen deutschen Verleih. Eigentlich unglaublich.“

In meinem Programmheft ist eine doppelseitige Anzeige für den DVD-Start der Ende August erfolgen soll.

Laurenz
Laurenz

Am Anfang hieß es ja, der Film ist eine Adaption von The Last of Us (https://de.wikipedia.org/wiki/The_Last_of_Us).
Schade dass man das doch nicht so ist, ist nämlich eine tolle Story und hätte wohl besser zu Schwarzenegger gepasst.

Marcus
Marcus

Also, ich kann auf eine Hollywood-Verhunzung von THE LAST OF US gut verzichten. Wann war eine Videogame-Adaption jemals gut? (OK, außer Resident Evil, aber die sind ja auch „gut“ auf so eine besondere „special needs“-Art…)

MAGGIE dagegen spar ich mir. Ursprünglich deshalb, weil ich auch schon wusste, dass die Bluray noch im August kommt. Aber nach dem, was ich hier lese, ist das nichts, was ich brauche.

Karsten

„Also, ich kann auf eine Hollywood-Verhunzung von THE LAST OF US gut verzichten. Wann war eine Videogame-Adaption jemals gut? (OK, außer Resident Evil, aber die sind ja auch „gut“ auf so eine besondere „special needs“-Art…)“

Silent Hill ist klasse und fängt die Stimmung aus den Spielen überraschend gut ein.

Peroy
Peroy

„Silent Hill“ ist ein Haufen Scheisse und ich würde gerne mittlerweile jeden totprügeln, der behauptet, der sei gut, weil er „die Atmosphäre der Spiele“ einfängt…

Christian Siegel

Der Film ist seit dem ersten Trailer auf meiner Must-Watch-List (weshalb ich mir erstmal auch nur dein Fazit durchgelesen habe). Habe bis jetzt sehr unterschiedliches über ihn gehört, aber der Beschreibung nach klingt er nach einem Film, der mir wesentlich besser gefallen sollte als dir. Und großer Schwarzenegger-Fan bin ich ja sowieso. 🙂

Aber wegen „kein Verleih“: Gut, ok, jetzt könnte man natürlich fragen, wie lang bei dir „im Vorfeld“ ist, aber… dass der bei uns (leider) direkt auf DVD/Blu-Ray erscheint, ist eigentlich schon seit Wochen bekannt (weiß ich da ich den sofort nach Ankündigung vorbestellt habe). 😉

trackback

[…] ♣ Maggie […]

sergej
sergej

Jetzt ist er also doch Schauspieler geworden

Arnold Schwarzenegger spielt in „Maggie“ besser denn je: Der hilflose Vater und mürrische Farmer Wade Vogel ist die Rolle seines Lebens. Leider kommt der Zombiefilm bei uns nicht ins Kino, sondern nur auf DVD.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/maggie-mit-arnold-schwarzenegger-nur-auf-dvd-13819509.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Peroy
Peroy

Toller Film (wie erwartet).