The Invitation

sxsw2015theinvitationUSA 2015, Regie: Kary Kusama. Darsteller: Logan Marshall-Green, Tammy Blanchard, Michiel Huisman, Emayatzy Corinealdi, Lindsay Burdge, Mike Doyle, Jay Larson, Michelle Krusiec, Karl Yune

Story: Es soll eine längst überfällige Wiedersehensfeier werden – nach zwei Jahren rufen David und Eden ihren gesammelten Freundeskreis wieder zusammen. Edens Ex, Will, mittlerweile mit Kira liiert, hält die Party nicht gerade für eine gute Idee. Dennoch – bis auf den notorischen Zuspätkommer Choi sind alle da, allerdings auch zwei unvertraute Gesichter, Sadie und Pruitt, zwei neue Freunde von David und Eden, die diese bei ihrem therapeutischen Aufenthalt in Mexiko kennengelernt haben. Das kommt Will spanisch vor, und die vorgeblich relaxte, aber durchweg angespannte Stimmung wird nicht besser, als David ein Rekrutierungsvideo des Gurus Dr. Joseph vorführt, das als traurigen Höhepunkt den Krebstod einer jungen Frau zeigt, was von Joseph als freudiges Ereignis dargestellt wird. Dieweil spätestens das der Punkt wäre, an dem jeder vernünftige Mensch „fuck it, I’m outta here“ sagen würde, ist die Laune der Partygäste (soweit sie nicht Sadie und Pruitt, die auch zu Josephs Jüngern gehören, heißen) im Keller. Will ist sich zunehmend sicher, dass etwas nicht stimmt – ist Eden nicht unangebracht fröhlich und demonstrativ happy, obwohl der Grund, dass die Clique einst auseinanderbrach, der Unfalltod von Edens und Wills (!) Sohn war, ein emotionales Trauma, das Will bis heute nicht überwunden hat und auch nicht wirklich überwinden will? Dass Sadie versucht, ihm in die Hose zu steigen, stimmt Will auch nicht langmütiger – und als eine „Truth-or-Dare“-Psychospielvariation, in deren Verlauf Pruitt kundgibt, seinerzeit im Suff seine Frau getötet zu haben, dank Dr. Joseph aber mittlerweile mit sich selbst im Reinen zu sein, einen düsteren Turn nimmt und Will auf seinem Smartphone eine Voicemail von Choi vorfindet, wonach der schon lange vor allen anderen Gästen hier gewesen sein müsste, nimmt seine Paranoia amtliche Ausmaße an…

Kritik: Regisseurin Karyn Kusama („Aeon Flux“, „Jennifer’s Body“) kommt uns mit einem dialoglastigen Ensemble-Thriller, den ich quasi als qualitatives Gegenstück zum letztjährigen FFF-Beitrag „Coherence“ sehen möchte. Während letzterer, wenn auch mit phantastischer(er) Prämisse bewies, dass 90 Minuten, in denen ein halbes Dutzend Menschen hauptsächlich quasselt, mörderisch spannend sein kann, zeigt Kusama, dass man in dem Genre auch glauben kann, cleverer zu sein als man wirklich ist.

Die zentrale Frage, was die eigentliche Motivation der seltsamen Wiedersehensparty ist, und ob hier wirklich finstere Ränkespiele im Busch sind oder einfach nur Wills unbewältigtes Trauer-Trauma aus harmlosen Zufällen eine paranoide Wahnvorstellung entwickelt, ist leider nie so ambivalent, wie Kusama sich das vielleicht vorstellt. Allerspätestens mit der Videovorführung (und die kommt schon im ersten Akt) sollten sich halbwegs intelligente Zuschauer zusammengereimt haben, was die Auflösung sein wird (SUPERDUPEREXTREMSPOILER: think Jonestown) und die mehr oder weniger verzweifelten Versuche, die Möglichkeit offen zu lassen, dass entweder alles nur Wills Paranoia geschuldet ist, wirken verkrampft und wenig schlüssig. Dazu kommt, dass sich die Charaktere (im Gegensatz zum referierten „Coherence“) größtenteils dusslig verhalten (das geht in beide Richtungen: dass niemand die Party nach dem Video oder spätestens nach dem Psychospiel für beendet erklärt, ist genauso deppert wie dass man sich mächtig wundert, dass David und Eden Pruitt und Sadie eingeladen haben, niemand aber Einspruch erhebt, dass Will Kira, die auch nicht zur ursprünglichen Clique gehört, mitgebracht hat).

Gen Ende, wenn der Film dann endlich aufgibt, nur darüber zu reden, was los sein könnte und tatsächlich mal Hand anlegt, kommt tatsächlich Spannung auf, aber das ist dann auch schon zu spät. Formal ist das alles, trotz einmal mehr eher niedrigem Budget, anständig, und die Darsteller mühen sich redlich (allen voran Charakterkopf John Carroll Lynch, bekannt aus „Gothika“, „Zodiac“ oder „American Horror Story: Freak Show“), richtig mitreißend wird’s allerdings dann doch nicht (auch nicht durch den Schluss-„Twist“).

Toter Hund? Nein, aber ein toter Kojote.

Fazit: Geschwätziger, über weite Strecken nicht wirklich von nachvollziehbaren Charakteren bevölkerter Thriller, der wohl glaubt, nebenher noch eine profunde Aussage über Leben, Tod, Trauer und Verlustbewältigung machen zu können, doch letztendlich an seinem eigenen Anspruch scheitert. 5/10.

Doc Acula



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