Some Kind of Hate

Some-kind-of-hateUSA 2015. Regie: Adam Egypt Mortimer. Darsteller: Ronen Rubinstein, Grace Phipps, Maestro Harrell, Lexi Atkins, Sierra McCormick, Spencer Breslin, Noah Segan

Story: Drei lange Jahre hat Lincoln die täglichen Demütigungen durch den Schulbully klaglos hingenommen. Kaum schlägt er einmal zurück (zugegeben: mit einer Gabel), landet *er* auf einer Farm für straffällige, schwer erziehbare Jugendliche. Die Mind’s Eye Academy, geleitet von Jack Iverson ist allerdings ein eher seltsamer Laden irgendwo zwischen Yogacamp und Sektenhauptquartier. Lincoln freundet sich mit seinem Zimmerkameraden Isaac an, der ob Lincolns Gewalttat auch ordentlich beeindruckt ist – und das auch brühwarm den anderen Kids erzählt. Natürlich ist’s in der Academy auch nicht anders als anderswo: auch hier gibt es einen Bully, Willie, der sich kurioserweise als Schwarzer einen Neonazi-Sidekick hält, und nach allen Regeln der Kunst versucht, Lincoln zu einem neuen Gewaltausbruch hin zu piesacken. Neben Isaac hält nur Kaitlin, Ex-Cheerleaderin, zu Lincoln, der nach einem besonders heftigen Angriff seitens der Bullys in einen Keller flüchtet und die verhängnisvollen Worte „ich wünschte, sie wären alle tot“ brabbelt.

Da fühlt sich jemand berufen – der Geist von Moira, ein Mädchen, das sich vor einigen Jahren heftig gemobbt an Ort und Stelle mit Rasierklingen umgebracht hat und nun daran geht, zunächst Lincolns Quälgeister brutal zu offen. Und als Lincoln ihr zu verstehen gibt, dass er das *so* nun wieder auch nicht gemeint hat, reagiert Moira pissig und beginnt ihre Angriffe auch auf Lincolns Freunde und das Academy-Personal auszuweiten…

Kritik: Adam Egypt Mortimers Debütfilm kam mit dem Versprechen, dem dahin siechenden Slasher-Genre wieder auf die Sprünge zu helfen, ins Programm, aber wie schon bei „All the Boys Love Mandy Lane“, dem seinerzeit der Ruf eines Genre-Erneuerers vorauseilte, sich aber als ganz besonders doofe Gurke entpuppte, kann „Some Kind of Hate“ in keiner Weise überzeugen.

Zwar ist es ehrenvoll, dass sich Mortimer der immer stärker in den Vordergrund tretenden Mobbing-Problematik entgegentritt, aber das tut er leider mit einem Protagonisten, dem man – ich sag’s ungern – nicht wirklich die Daumen drückt. Lincoln ist so ein elender weinerlicher Emo-Hirni, der ständig mit Leichenbittermiene rumläuft, rumnölt, dass ihn doch alle so scheiße behandeln, aber nichts dafür tut, dass er vielleicht *nicht* scheiße behandelt wird. Ich will jetzt nicht mit der victim blaming-Nummer kommen, aber irgendwas „likeables“ hätte man der Figur dann vielleicht doch mitgeben müssen. Kaitlin fährt da schon besser – ihr billigt das Script wenigstens einen character arc zu (zwar mit einer reichlich unlogischen Umleitung, als sie für zehn Minuten zu Moiras Komplizin wird, als schon längst klar ist, dass Moira jetzt nicht unbedingt in absoluter Gerechtigkeitsmission unterwegs ist, sondern ziemlich wahllos tötet).

Der wirkliche Haken an der Nummer ist allerdings, dass das Verhalten von Lincoln und Moira im Nachhinein den Bullys RECHT gibt. Moira *ist* eine durchgeknallte Irre (und war das, so wie’s der Film durchschimmern lässt, auch zu Lebzeiten), Lincoln ist eine bescheuerte Schnarchnase, der sich im Zweifelsfalle auch nur mit Gewalt zu helfen weiß und beide zusammen sind verantwortlich für so ein Dutzend Leichen, von denen mindestens die Hälfte nichts mit Bullying am Hut hatte. Das sind nicht grad meine großen moralischen Helden…

Ronan Rubinstein („Jamie Marks is Dead”; scheinbar ein Spezialist für doofe Emos) murkelt sich mit anderthalb gequälten Gesichtsausdrücken fernab jeden Charismas durch das Prozedere. Optisch ansprechend sind allerdings Grace Phipps („Fright Night“, „Dark Summer“), die höllisch sexy aussieht (und auch passabel spielt) – die nächste Kandidatin für den FFF-Babe-2015-Titel. Wer Mindy Clarke in „Return of the Living Dead 3“ mochte, könnte unter Umständen für die rasiermesserbehängte Sierra McCormick („Die fast vergessene Welt“, „Schwesterherzen – Ramonas wilde welt“) ein Faible entwickeln…

Toter Hund: Nein.

Fazit: Langatmiger Slasher, dessen durchaus brutale Splatter-FX nicht darüber hinwegtäuschen können, dass die Ideenlosigkeit des Genres immer noch nicht überwunden ist. Nur sehenswert wege Phipps, McCormick und einigen anderen nett anzukuckenden Babes, die aber die Klamotten anbehalten (aber es ist natürlich ein Film, auf den sich die Festivalcrowd bei SXSW einen abhobelt…). 3/10.

Doc Acula



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