ONE & TWO

one-two-posterUSA 2015

REGIE

Andrew Droz Palermo

DARSTELLER

Kiernan Shipka, Timothée Chalamet, Grant Bowler, Elizabeth Reaser

Offizielle Synopsis: Zac und Eva haben eine besondere Fähigkeit. Sie können sich mit unglaublicher Geschwindigkeit von einem Ort zum Nächsten befördern – den realen Raum mit ihren Kräften durchbrechen. Wenn sie einen ihrer Sprünge machen, tauchen sie meterweit entfernt wieder auf und lassen nichts zurück als ein kleines Wölkchen Staub. Vielleicht umringt ja deshalb eine meterhohe Holzwand die Farm, auf der sie mit ihren Eltern leben – abgeschottet vom Rest der Welt. Der Vater besteht darauf, dass die Barriere dazu dient, Fremde fernzuhalten. Doch die Angst und das Misstrauen in die Fähigkeiten seiner Kinder kann er kaum verbergen. In diesem Zuhause müssen Zac und Eva sich ducken und dürfen nicht akzeptieren, was zu ihnen gehört. Als die seltsamen Anfälle ihrer Mutter schlimmer werden, wächst der kleinen Familie die Situation über den Kopf. Besonders Eva fühlt sich immer mehr wie eine Gefangene und ist nicht bereit, länger zu verleugnen wer sie ist.

Kritik: Ein Langreview, ein Langreview! Von meiner Mutter aus Mass… sorry, got carried away. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass Torsten und Doc Acula den hier verpasst haben. Macht nichts, wofür bezahlen sie schließlich mich nicht?

ONE & TWO also. Ein Film, den ich eigentlich mögen wollte, und deshalb von Anfang an fest auf dem Zettel hatte. Inhaltsangabe und Trailer klangen nach X-Men Origins als Coming of Age-Drama im Fundichristen-Land, und das könnte ja durchaus funktionieren, oder?

Tja, was soll ich sagen: meine Herren, wir haben es hier mit einem schweren Fall von KUNST!!! zu tun. ONE & TWO ist ein Film, der nicht nur kein Interesse an Schauwerten und Action hat (was ja nicht per se schlimm ist und was wir schon aus den Vorabinfos wussten), sondern leider auch kein gesteigertes Interesse daran, eine spannende Geschichte zu erzählen. Die Lebenssituation auf der abgelegenen Farm wird sorgfältig und stimmig geschildert, die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander (im Wesentlichen ist das hier ein Vierpersonenstück – Mama, Papa und die beiden Geschwister) detailliert vorgestellt – und dann weiß Regisseur und Drehbuchautor Palermo nicht, was er nun damit anfangen will.

Wieso leben sie hier so zurückgezogen? Wieso gab es die Holzwand offenbar schon bevor die beiden Kinder geboren wurden? Wie war das, wenn sich bei kleinen Kindern schon solche Fähigkeiten manifestieren? Und haben die epileptischen Anfälle der Mutter nun etwas mit den Fähigkeiten ihrer Kinder zu tun? Alles, was den Zuschauer eventuell interessiert hätte, wird hier entweder nur mit ein paar kurzen Nebensätzen angerissen oder schlicht gar nicht auserzählt. Der Zuschauer findet so nie wirklich in die Geschichte rein, weil der Film beispielsweise sehr gut darstellt, DASS der Vater Angst vor den Fähigkeiten seiner Kinder hat, aber nicht, WARUM. Nur „er ist halt gläubig und das ist wider Gottes Natur“ ist etwas dürftig.

Dieselbe Erzählfaulheit durchzieht den ganzen Plot. Wenn ich euch etwa verrate, dass Eva im Laufe der Filmhandlung auch einmal Zeit in der Welt außerhalb der Farm verbringen wird, so ist das kaum ein Spoiler, denn das würde ja implizieren, dass das, was sie dort erlebt, für die Handlung irgendwie relevant wäre. Ist es aber nicht. Es ist streng genommen nicht mal besonders interessant. Was macht das mit ihr, wenn sie endlich die Welt sieht, von der sie immer geträumt hat? Der Film sagt es uns nicht.

Erschwerend kommt hinzu, dass alle Figuren im Film auf Prozac zu sein scheinen. Selbst Entwicklungen, die sich auf dem Papier durchaus dramatisch lesen, entlocken ihnen nur selten wirkliche emotionale Ausbrüche, alles wird hier mit stiller Verzweiflung hingenommen. Jedwedes Drama wird hier so zurückhaltend präsentiert, als wäre Intensität nicht im Budget gewesen. Das macht es auch schwer, die darstellerischen Leistungen zu bewerten. Sie sind schon glaubwürdig, aber sie haben offenbar die Regieanweisung bekommen, so wenig wie möglich zu spielen. Die Schauspieler zu loben wäre daher irgendwie so, als würde man Richard Clayderman einen begabten Pianisten nennen, obwohl man ihn nur einmal „Alle meine Entchen“ hat spielen hören.

Fazit: Leider, leider verwechselt dieser Film die sperrige Verweigerung von Spannung und Drama mit Anspruch. Schade um ein eigentlich interessantes Setup, und allen außer den geduldigsten Arthouse-Liebhabern kann man den Kinobesuch nicht empfehlen. 5/10.

Marcus Heine



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DocAcula

Da schläferte mich schon der Trailer ein…

Manu
Manu

Das war auch der Grund für mich, den zu skippen…

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