Backtrack

backtrackAustralien 2015, Regie: Michel Petroni. Darsteller: Adrien Brody, Sam Neill, Bruce Spence, Robin McLeavy, Anna Lise Phillips, Jenni Baird, George Shevtsov, Robin McLeavy, Chloe Bayliss

Story: Psychologe Peter Bower hat auf Vermittlung seines väterlichen Freundes Duncan einen neuen Job angetreten – es ist keine Erfüllung, Peter ist nur zuständig für die Diagnose der Patienten, nicht für die eigentliche Therapie, was aber eine Chance für ihn, sein Leben nach dem Unfalltod seiner Tochter Eve wieder in den Griff zu kriegen, ist. Eines Tages stolpert ein junges Mädchen in sein Büro – Elizabeth Valentine, offensichtlich hochgradig verstört, nicht willig, irgendetwas zu sagen und verschwunden, kaum hat sich Peter mal umgedreht. Duncan hält Elizabeth für eine traumatisch bedingte Halluzination (man lese Lizzies Initialen), aber Peter beginnt zu recherchieren und findet heraus, dass Elizabeth nach den offiziellen Unterlagen seit Jahren tot ist. Wie übrigens auch *alle seiner anderen Patienten *! Als sich dann auch noch Duncan himself als Halluzination entpuppt, kann das den stärksten Seemann umhauen. Peter lässt sein Eheweib im Stich und flüchtet zu seinem Vater (Bruce Spence), einem Ex-Cop in der Provinz. Peter hat die Todesdaten seiner Patienten mittlerweile analysiert und hat festgstellt, dass alle Opfer eines Zugunglücks waren – das *er* und sein Freund Barry verursacht haben! Peter entscheidet sich, reinen Tisch zu machen und macht bei der Polizistin Barbara eine entsprechende Aussage, lässt Barry aber aus Freundschaft raus. Trotzdem hängt der sich wenig später auf – und Peter wird nach wie vor nicht von seinen Visionen in Ruhe gelassen. Ist Peters Erinnerung etwa nicht die ganze Wahrheit?

Kritik: Meine Güte, ich schwafle schon wieder zuviel. Ich wollte diese Reviews doch knapp halten. Also versuchen wir’s – mit „Backtrack“ kommt ein weiterer australischer Film auf uns zu. Die Känguruschubser sind nach den Yankees gemeinsam mit den Briten inzwischen der wohl wichtigste Versorger des FFF. Der Geisterfilm um Schuld und Sühne von Michael Petroni (Drehbuch von „Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte“ und „Die Bücherdiebin“) kommt uns mal wieder mit dem in der Vergangenheit begangenen und verleugneten Unrecht, das in der Gegenwart seine Konsequenzen fordert. Petroni inszeniert den Film recht ruhig und unter weitgehendem Verzicht auf blutige FX als Charkaterstudie. Peter muss sich seiner Vergangenheit stellen, hält die Ereignisse in der Gegenwart (und den Tod seiner Tochter, den er durch Vernachlässigung seiner Aufsichtspflicht – ausgelöst durch eine Erinnerung an den Zugcrash – mitverschuldet hat) für eine Strafe und hofft, durch das Geständnis wieder mit sich selbst ins Reine zu kommen. Nur trügt halt die Erinnerung gerne mal, vor allen Dingen im Zusammenhang mit schwer traumatischen Ereignissen.

Das ist alles ganz routiniert geschrieben und inszeniert, lässt aber den letzten Punch vermissen, zumal dann auch der „Twist“ ziemlich antelegrafiert wird. Das wäre an und für sich noch nicht das ganz große Problem, denn das heißt Adrian Brody. Ja, ich weiß, der Kerl hat für „Der Pianist“ einen verfluchten Oscar bekommen, aber irgendwie hab ich seither nichts gesehen, das auch nur annähernd andeuten würde, Brody wäre ein übermäßig talentierter Schauspieler (case in point: [[Giallo]], wobei der halt auch in allen anderen Belangen kacke war…). In „Backtrack“ läuft Brody permanent mit einem Gesichtsausdruck herum, der weniger an einen traumatisierten Erwachsenen, denn vielmehr an einen bedröppelten Viertklässler, dem ein böser Bully grad das Pausenbrot geklaut hat, erinnert. Da hilft auch der Vollbart nix. Das wäre in manchen Szenen (in denen sich Peter an die Ereignisse der verhängnisvollen Nacht erinnert) gangbar, zieht sich hier aber über die komplette Laufzeit und lässt Peter als einen glaubwürdigen Protagonisten glatt durchfallen – da ist null Bandbreite dahinter. Die Mitwirkung verschiedener verdienter AUS/NZL-Haudegen wie Sam Neill („Todesstille“, „Event Horizon“) oder Bruce Spence („Mad Max“-Trilogie) reißt auch nicht viel raus, auch wenn beide ihr Möglichstes tun, und auch Robin McLeavy („The Loved Ones“, „Abraham Lincoln Vampirjäger“) zieht sich sauber aus der Affäre. Festival-Double-Duty schiebt Anna Lise Phillips („The Pack“) als einer von Peters Geistern…

Toter Hund? Nö. Verdammt.

Fazit: Unspektakulärer, konventioneller und relativ überraschungsarmer Geisterthriller, der durch eine ziemlich katastrophale Hauptrollenperformance versenkt wird. Schenkt euch den bei 4/10.

Doc Acula



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Bruce Spence spielt den Jazzmusiker-Patienten am Anfang und nicht den Vater, Merkwürden…

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