Zuerst die guten Nachrichten: Trotz der bulligen Hitze und des Gepäcks, das ich zwischen den Bahnhöfen hin und her schleppen musste, war die Anfahrt völlig in Ordnung. 15.02 Uhr ab in Speyer, 18.35 an in Nürnberg. Der Fernbus wie immer klimatisiert und gerade mal ein Drittel besetzt.

Das Hotel ebenfalls erfreulich: Zimmer im sechsten Stock nach hinten raus. Mit Klimaanlage. Ein ideales Basiscamp mit ALDI, Bäckerei, Burger King und Joey’s Pizza gleich um die Ecke – und gerade mal 300 Meter vom Kinocenter entfernt.

Das Kinocenter: Kaum vorstellbar für Leute, die in Berlin oder gar in München auf das FFF gehen – alle Filme werden im gleichen Kino gezeigt. Man darf zwar nicht sitzen bleiben (ich versuche aktuell, an dieser Regel zu schrauben), aber hektisches Hin- und Hergelatsche bleibt einem heuer erspart. Gut so.

Ehrlich gesagt: Ich bin ganz froh, diesmal nicht in einer der großen Premierenstädte zu sein. Stargäste finde ich immer vergleichsweise langweilig, zähe Q & A auch. Im Idealfall: rein ins Kino, Trailer gucken, Maul halten, Film gucken, raus aus dem Kino, quatschen.

Der Vertreter der Festivalleitung hat uns ein paar kleinere Ablaufänderungen mitgeteilt, die ich durchaus nützlich finde: Es gibt kein halbes Dutzend Sektionen mehr (Fresh blood, Midnight Madness, Focus Asia), sondern Icons zu den Filmen, die eine erste Einschätzung erlauben. Dieses Jahr zeigen die Macher deutlich weniger Mainstream, deutlich weniger Asia-Kostümkrempel, dafür mehr „back to the roots“ Hardcore-Horror aus teilweise ungewöhnlichen Regionen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Filme noch keinen Verleih in Deutschland hat.

Deutschland ist übrigens gleich mit ein paar Produktionen vertreten – soll mir recht sein, auch wenn meine Erwartungshaltung nach solchen, solchen und solchen Beiträgen gemäßigt ist.

Ich verstehe die Kritik, dass durch die Abschaffung von Parallel-Ausstrahlungen in zwei Kinos die Laufzeit des Festivals unnötig gestreckt wurde, was vielen Leuten die Urlaubsplanung versaut. Für jemanden wie mich, der das FFF als festen Termin ohne jegliche andere Ablenkungen sieht, ist es aber ideal, weil man keine schweren Entscheidungen treffen muss. Früher war das immer ein akademisches Gepuzzel, die hoffentlich besten Filmkombis zu finden.

An den Spielzeiten hat man geschraubt: Kein Film fängt nach 23.00 Uhr an, selbst um 23.oo Uhr läuft nur noch dreimal der Projektor an. Solide Rücksichtnahme auf Leute, die am nächsten Tag arbeiten müssen – wie Doc Acula, der nach 2008 mal wieder meinen Sidekick gibt. Da freue ich mich drüber. Man sieht sich zu selten.

Nach geschätzten 20 Jahren ist übrigens nicht mehr 13th Street der TV-Sponsor des Festivals, sondern Tele 5 – der Münchner Sender, der schon mit Schlefaz begeistert, veranstaltet denn auch prompt für die Daheimgebliebenen ein eigenes kleines Fantasy Filmfest im September:

Giveaways für Dauerkartenbesitzer dieses Jahr: Wieder eine hübsche Tasche aus Recyclingmaterial und ein launiges T-Shirt.

Und nun die schlechten Nachrichten: Das Festival widmen wir sowohl Pucki, dem Badmovie-Kater, der dieses Jahr von uns gegangen ist, als auch dem kleinen Wauwau Dawa, der ausgerechnet gestern seinen letzten Atemzug nahm. RIP.



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flippah
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Dann viel Spaß in meinem Lieblingskino.

Kevin
Kevin

Ich bin dann mal gespannt, wie viel Empfehlenswertes von den 50 Filmen übrig bleiben. Gibt es da diesbezüglich – aus deinen Erfahrungen – einen prozentualen Durchschnittswert, der über die Jahre konstant bleibt, oder ist das komplett verschieden (da es gute und schlechte Jahre gibt)?

Kevin
Kevin

Ah ok, schau ich mir an. Dann wünsch ich dir viel Spaß und freue mich auf die Reviews.

Goran
Goran

In Berlin ist dieses Jahr auch Ein-Saal-Programm.

Pogopuschel

In Berlin gibt es jetzt auch nur noch das Cinestar als Festivalkino.

bullion

Bei mir schaut es zeitlich die nächsten Wochen zwar schlecht aus, doch vielleicht schaffe ich es ja doch mal für einen Film ins Kino. Wenn ich dich sehe, spreche ich dich ganz dreist an 😀

Schade nur, dass deine Besprechungen erst kommen wenn der Film in Nürnberg schon gelaufen ist… 😉

heino
heino

„Stargäste finde ich immer vergleichsweise langweilig, zähe Q & A auch. Im Idealfall: rein ins Kino, Trailer gucken, Maul halten, Film gucken, raus aus dem Kino, quatschen.“

Dem schließe ich mich an, ich brauche diesen Kram auch nicht. Auch die Reden der FFF-Macher, die eh nur Lobhudelei meist eher fragwürdiger Filme sind, könnten sie weglassen.

„Ich verstehe die Kritik, dass durch die Abschaffung von Parallel-Ausstrahlungen in zwei Kinos die Laufzeit des Festivals unnötig gestreckt wurde, was vielen Leuten die Urlaubsplanung versaut. Für jemanden wie mich, der das FFF als festen Termin ohne jegliche andere Ablenkungen sieht, ist es aber ideal, weil man keine schweren Entscheidungen treffen muss. Früher war das immer ein akademisches Gepuzzel, die hoffentlich besten Filmkombis zu finden.“

Viel schlimmer wiegt heuer zumindest in Köln die Tatsache, dass es nur noch Platzkarten gibt und man deswegen kaum noch mit den üblichen Verdächtigen zusammen sitzen kann. Und es geht mir wie Pogopuschel:ich habe keine Dauerkarte, daher entstehen zwangsläufig immer wieder 2stündige Pausen, die irgendwie gefüllt werden müssen.

SahneHorst
SahneHorst

Oh nein! Pucki!
Das tut mir wirklich leid. Wer von dem zarten Katerchen vor Jahren als Sprungkissen missbraucht und auf diese Art und Weise wachgeküst wurde, baut wohl eine innige Beziehung zu dem Tier auf.

Mein Beileid an Markus.

Mic

Oh, das mit Pucki hatte ich noch gar nicht mitbekommen. Ich hatte nie das Glück, ihn kennen zu lernen, aber „Pucki’s Choice“ war immer ein Qualitätsmerkmal.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Narf, und in Frankfurt hält man weiter am versifftesten Kino der Stadt als Austragungsort fest: Dem Cinestar Metropolis *börks* Naja, mal schauen, was trotz Mäusebefall und klebrigem Saal auf der Anschauliste landet…