Howl

howl-hyett-posterGroßbritannien 2015. Regie: Paul Hyett. Darsteller: Ed Speleers, Holly Weston, Elliot Cowan, Amit Shah, Rosie Day, Sam Gittins, Sean Pertwee, Shauna Macdonald

Story: Zugbegleiter Joe hat heut echt nicht seinen besten Tag – bei der Beförderung wurde er glatt übergegangen, sein neuer Vorgesetzter haut ihn in die Pfanne, weil er seit Wochen keine Schwarzfahrer mehr erwischt hat und setzt ihn zur Strafe auch noch in einen „red-eye“-Zug in die tiefste Provinz, bevölkert vom üblichen Assortment aus nervigen Teenie-Party-Girls, vollgesoffenen Fußballfans, zickigen Weibern und anderen subversiven Elementen. Einziger Lichtblick für Joe ist, dass seine heimliche Flamme Ellen die gleiche Schicht aufgedrückt bekommen hat. Just als Joe der Ansicht ist, der Abend könnte endlich vorbei sein, überfährt der Zug einen toten Hirsch. Der Zugführer steigt aus, um sich den Schaden mal genauer anzusehen und kommt nicht wieder…

Die Fahrgäste werden verständlicherweise etwas unruhig und als Joe den Verbleib des Zugführers nicht klären kann und ein Ersatzzug erst in vier Stunden eintreffen wird, wird er basisdemokratisch überstimmt, die letzten paar Meilen zum Bahnhof sollen zu Fuß in Angriff genommen werden. Aber nur wenige Meter vom Zug entfernt stößt Joe auf die übel zugerichtete Leiche des Lokführers – irgendein wildes Tier scheint ihn halb gefressen zu haben. Panisch flüchtet die Meute zurück in den Zug, Rentnerin Jenny wird vom attackierenden Wesen am Bein verletzt. Angesichts des Augenzeugenberichts Jennys, dem hoch am Himmel stehenden Vollmond und den weiteren Angriffen des Untiers muss sich die Zugbelegschaft wohl oder übel mit dem Gedanken vertraut machen, es hier mit einem Werwolf zu tun zu haben. Die einzige Lösung scheint zu sein, sich bis zum Morgen im Zug zu verbarrikadieren…

Kritik: Ganz ohne Werwölfe geht’s auch nicht auf einem FantasyFilmFest. Paul Hyett, der zuletzt mit dem Rachedrama „The Seasoning House“ auffällig wurde, und ansonsten hauptsächlich als Special-FX-Make-up-Designer arbeitet (und in dieser Position u.a. an „Eden Lake“, „w Delta z“, „Mutant Chronicles“, „Centurion“ und „Gallowwalkers“ tätig war), versucht das Thema mit einem Twist des klassischen Belagerungsmotiv aufzufrischen. Andererseits – ob der böse Zottelwuff nun ein Haus im Wald belagert oder einen im Wald rumstehenden Zug, macht streng genommen keinen gravierenden Unterschied, allerdings holt Hyett aus dem set-up doch überraschend viel mileage raus – was auch daran liegen kann, dass das durch-die-Pampa-tuckern-im-letzten-Zug etwas ist, was die meisten Zuschauer auch schon mal erlebt haben dürften, und so’n bisschen unheimlich ist es ja doch immer, allein schon, wenn man sich die Gestalten ansieht, die mit im gleichen Wagen hocken.

howl

Tatsächlich ist der letzte Gedanke ein Punkt, den Hyett aufgreift und Charaktere über sich hinaus wachsen lässt, von denen man es nicht erwartet und andere wiederum, von denen man meint, sie würden gerade in einer solchen Situation ihre Stärken finden, einen dunklen Turn nehmen lässt. Überwiegend verhalten sich die Figuren nicht sonderlich dämlich (für einen Horrorfilm), wenn Hyett die Gelegenheit für einen guten Gag wittert, lässt er sie nicht verstreichen, und wenn dann der Werwolf angreift, wird auch gut gesuppt – nicht extrem, aber doch ruppig.

Für mich ein Schwachpunkt des Films ist das Creature Design, obwohl man es doch eigentlich für seinen realistischen Anspruch loben möchte. Simon Webbers Kreaturen sind eindeutig mehr Tier als Mensch und sehen daher sehr „hündisch“ aus – leider eben „hündisch“ und nicht „wölfisch“, weil die Kreaturen kein richtiges Fell haben (vermutlich, weil das halt immer noch sehr knifflig per CGI zu animieren ist). Ich bin in der Hinsicht aber konservativ – ich mag meine Werwölfe pelzig… die hiesigen Viecher sehen nicht so sehr aus wie „Werwölfe“ als wie „gewöhnliche“ „Descent“-Mutanten o.ä. Auch die CGI für den fahrenden Zug wirkt leider recht amateurhaft.

Die Schauspieler sind in Ordnung – Ed Speelers („A Lonely Place To Die“, „Love Bite“) und Holly Weston („Splintered“) geben ein sympathisches Pärchen ab, Elliot Cowan („Der goldene Kompass“, „Hammer of the Gods“) erledigt den Job als designiertes Arschloch patent, Shauna MacDonald kämpfte schon in zwei Filmen gegen die erwähnten „Descent“-Viecher, Sean Pertwee verschwendet sich unter Wert in der streng genommen bedeutungslosen Lokführerrolle.

Fazit: Annehmbarer kleiner Werwolf-Reißer mit einem guten Schuss Humor und passablen Darstellern – nichts besonderes, aber kuckbar, ohne dass einem die Zähne ausfallen. 6/10.

Doc Acula

https://www.youtube.com/watch?v=spYarBpr_38



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„Ich bin in der Hinsicht aber konservativ – ich mag meine Werwölfe pelzig“

..das erklärt einiges..

Mic

Nach Werwolf sieht das wirklich nicht aus. Da war ja Lon Chaney jr. überzeugender in seiner Maskerade ;-).

Thies
Thies

Vielleicht lag es daran dass der Film in Hamburg so früh programmiert wurde und ich den Wechsel vom gleissenden Sonnenschein draussen und tiefster Mondnacht drinnen nicht vertrug. Vielleicht war es auch einfach nicht mein Film. Auf jeden Fall habe ich mich königlich gelangweilt.

Bei der Einführung der Figuren im Zug hatte ich das Gefühl in „Fahrscheinkontrolle – Der Film“ zu sitzen. Die Belagerungssituation konnte für mich auch keine Spannung aufbauen, da es keinen einzigen Sympathieträger gab. Trotzdem wurde zwischen den Angriffen versucht jedem Fahrgast einen Charaktermoment zu geben. Das geschah aber derart wahllos, dass man merkte wie der Autor das Szenario zu strecken versuchte um auf Spielfilmlänge zu kommen.

Über die „Werwölfe“ würde ich dagegen lieber den Mantel des Schweigens legen. Derren Darstellung, ihre Kräfte und ihr Verhalten schien sich von Szene zu Szene zu verändern. Bei einer Transformation eines gebissenen Fahrgasts fühlte ich mich dann auch eher an „Evil Dead“ erinnert als an „American Werewolf“.

Für mich sollte „Howl“ daher in „Yawn“ umbetitelt werden. 2/10

heino
heino

Wie der Doc schon sagte, der Streifen ist okay, aber nicht weiter erinnerungswürdig. Und die Werwölfe sehen eher nach Monstern aus „Buffy“ aus, was dem Film beim ersten richtigen Blick auf sie auch gleich einen guten Teil der bis dahin aufgebauten Spannung nimmt (wie weiland bei Jeepers Creepers). Typisches Festivalfutter, der Wertung von 6/10 kann ich nur zustimmen.

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