Ich bespreche eher ungern SF-Serien, die sowieso jeder kennt und jeder guckt, weil sie auf den großen Sendern laufen und fett beworben werden. Die kleineren Produktionen sind mir lieber, die Außenseiter, die schrägen Nummern. Heute habe ich gleich vier davon im Gepäck. Zwei Comedys, zwei Dramen.

The Last Man on Earth

last man on earthEine postapokalyptische Comedy-Serie auf einem der großen US-Networks, das ist wahrlich eine ungewohnte Erfahrung. Wenn ich mich recht erinnere, wurde das zuletzt mit „Woops!“ 1992 versucht – kurioserweise auch von Fox. Das Ergebnis wurde unter die Top 50 der schlechtesten Serien aller Zeiten gewählt.

In „The Last Man on Earth“ geht es um Phil Miller, der zumindest anfänglich glaubt, der letzte Überlebende einer nicht näher spezifizierten Katastrophe zu sein. Angesicht mangelnder sozialer Kontakte verlottert er sehr schnell und wird zur ultimativen Couchkartoffel – bis er Carol trifft, die er zwar nicht wirklich leiden kann, mangels Alternativen aber doch flach legen würde. Leider hat Carol relative strikte Vorstellungen, was eine Partnerschaft angeht und weitere Überlebende komplizieren die geplante Wiederbevölkerung des Planeten noch weiter.

Ich hätte Geld drauf gesetzt, dass dieses Konzept nicht funktioniert. Als „Last Man on Earth“ tut es das auch nicht. Erst als das titelgebende Konstrukt für andere Figuren aufgeweicht wird, kommt im wahrsten Sinne des Wortes Leben in die Bude. Am Ende der 13 Episoden ist der „Last Man“ schon Teil einer Achtergruppe. Das gibt ausreichend Konflikte und Dynamiken, aus denen die Autoren auch reichlich schöpfen – sei es in Sachen Romantik, Drama, aber auch absurdes Theater und Farce.

Dreh- und Angelpunkt ist Ex-SNL-Dauermitglied Will Forte, dessen Phil hauptsächlich daran krankt, dass er ein rückgratloser, sexgeiler Feigling ist, der mit erstaunlicher Konsequenz jede Situation noch schlimmer macht und für jedes Problem die ungeeignetste Lösung findet. Das ist nicht nur ziemlich lustig, sondern mitunter auch sehr schmerzhaft anzuschauen. Manchmal droht die Sympathie zu kippen und wir sind haarscharf dran, Phil als Protagonisten der Serie zu hassen. Aber es gelingt ihm immer wieder, sich in unser Herz zu schlawinern – vielleicht auch, weil er in seiner Unfähigkeit und Schlunzigkeit uns ähnlicher ist, als wir glauben wollen. Die Apokalypse bringt schließlich nicht zwangsweise nur Helden hervor.

Unterstützt wird Forte von einem erstaunlich respektablen Cast, u.a. der grandiosen Kirsten Schaal, „Mad Men“-Hottie January Jones, Mary Steenburgen und SNL-Mitstreiter Jason Sudekis.

Optisch und erzählerisch scheint „The Last Man“ ein paar Jahre zu spät dran, die eskalierenden Plots, die vielen Außenaufnahmen und die Single Camera-Technik erinnern an „My name is Earl“ und „United States of Tara“.

Mich hat überrascht, dass dieses doch recht eigenwillige Konzept über die ganze Staffel gesehen prima funktioniert – mehr noch, dass ausreichend Zuschauer diese Meinung teilen und dass „The Last Man on Earth“ eine zweite Staffel bekommen wird.

https://www.youtube.com/watch?v=BwnQ-SbtJug

Fazit: Eine erstaunlich oppulente und breit angelegte  „End of the World“-Comedy, der man den Ursprung als Kinofilm-Konzept noch anmerkt und die sich langsam, aber kontinuierlich zum Ende der Staffel hin steigert.

Other Space

other-spaceAuf „Other Space“ bin ich eigentlich nur zufällig gestoßen, was ja schon mal kein gutes Zeichen ist. Ich war auf der Suche nach der sechsten Staffel „Community“, die als Yahoo Original von der gleichnamigen Suchmaschine produziert wird. Heutzutage scheint wirklich jeder und sein Onkel bemüht, in den Serienmarkt einzusteigen. Na ja, und dabei stieß ich auf „Other Space“, eine Weltraum-Sitcom irgendwo zwischen „Red Dwarf“ und „Mystery Science Theater 3000“, die ebenfalls von Yahoo produziert wird und das Brainchild von Paul Feig ist, einem der aktuell gefragtesten Kino-Comedy-Autoren.

Kurz zum Inhalt: Die junge und unerfahrene Besatzung des Raumschiffs „Cruiser“ wird durch einen Unglücksfall ans Ende des Universums geschleudert. Gegen Anfeindungen aus den Tiefen des Alls durch außerirdische Kräfte muss man sich ebenso wappnen wie gegen die Animositäten, die unter den Crewmitgliedern herrschen. Besonders der sehr unsichere Captain Lipinski hat Mühe, Autorität zu beweisen und sich von seiner ehrgeizigen und aggressiven Schwester Karen nicht unterbuttern zu lassen.

Auch wenn beide Serien das gleiche Subgenre der SF-Comedy bedienen, könnten „The Last Man on Earth“ und „Other Space“ unterschiedlicher nicht sein. „Other Space“ ist eine Multi-Kamera-Sitcom klassischen Zuschnitts, komplett in ein paar Raumschiff-Sets gedreht und dabei die Dynamiken der klassischen SF-Dramen wie „Star Trek“ parodierend.

Bei der Zeichnung der Charaktere hat man sich nicht viel Mühe gegeben – es gibt die üblichen Klischeefiguren, die samt und sonders lustig sein sollen, einfach weil sie doof, bzw. inkompetent sind. Das macht sie weder besonders sympathisch noch vielschichtig und die ewig gleichen Abläufe innerhalb der Gags nerven dann doch schnell.

Geradezu bizarr ist die nie homogen wirkende Einbeziehung des ständig zugedröhnten Technikers Zalien und seines Roboters ART. Natürlich sind das letztlich Joel und Crow aus der legendären SF-Film-Kommentier-Show „Mystery Science Theater 3000“. Und es mag Fans geben, denen das Höschen feucht wird, dass diese beiden Legenden nach 15 Jahren wieder eine Art Auferstehung feiern. Aber sie passen hier nicht rein, wirken immer wie genau das, was sie sind: Fan-Anbiederei. Das kann einem schon fast leid tun.

Auch technisch werden keine Bäume ausgerissen, das minimale Budget scheint an allen Ecken und Enden durch: Billige Sets, billige Kostüme, wenig Effekte und praktisch nicht vorhandenes Sound Design lassen „Other Space“ teilweise wie eine Aufführung des Regionaltheaters wirken.

In den besten Momenten ist „Other Space“ ganz launig und gerade noch unterhaltsam genug, um die nächste Episode zu rechtfertigen. Die Qualität de Vorbilder „Red Dwarf“ und „Mystery Science Theater“ wird allerdings nie erreicht und damit bleibt „Other Space“ eher auf dem Niveau der kurzlebigen, aber technisch überlegenen Weltraum-Farce „Hyperspace“.

https://www.youtube.com/watch?v=2pfjZuWe7x8

Fazit: Eine unter billiger Produktion und banalen Skripts leidende SF-Sitcom, die man eher mangels Alternativen schaut als aus wirklicher Begeisterung.

Dark Matter

Dark_MatterDer Syfy Channel hat’s versprochen: Nach Jahren immer breiterer und immer softerer Programme, die kaum noch das Label Science Fiction rechtfertigen, möchte man wieder „back to the roots“, zurück zur Zielgruppe, die den Sender einst wegen der restaurierten „Star Trek“-Wiederholungen eingeschaltet hatte und dann miterleben durfte, wie Syfy das Zuhause der modernen Space Opera wurde: „Stargate: Atlantis“, „Farscape“, „Battlestar Galactica“, etc. pp.

„Dark Matter“ und „Killjoy“ sollen richten, was „Flash Gordon“ und „Painkiller Jane“ kaputt gemacht haben.

Leider nein.

Für eine spannende Weltraum-Oper reicht es nicht aus, eine Crew in ein Raumschiff zu setzen und dann ein paar Actionszenen unterzumischen. Eine gute SF-Saga lebt primär von der unterliegenden Philosophie, von den Eigenschaften des Universums und seiner Bewohner. Es geht um UNSEREN Traum vom All, um aufrechte Helden und um DIE MISSION. Das eint Star Trek und Perry Rhodan, Red Dwarf und Raumpatrouille.

Nehmen wir „Dark Matter“, eine Serie, die schon vor einigen Jahren entwickelt wurde. Als das Network nicht anbiss, wurde sie zu einer Comic-Reihe umgestrickt, die nun wiederum erfolgreich genug war, die Produktion einer Serie zu rechtfertigen. Das Konzept ist denkbar simpel: Sechs Menschen wachen an Bord eines Raumschiffs auf. Sie sind auf dem Weg zu einer Kolonie, haben haufenweise Waffen geladen – können sich aber an nichts erinnern. Sollen sie die Kolonisten beseitigen? Sollen sie ihnen Waffen für den Widerstand liefern?

Das ist schon eine sehr freudlose Angelegenheit. Ein paar vereinzelte CGI-Shots des Raumschiffs, viele düstere Gänge wie in den Alien-Ripoffs der 80er, austauschbare kanadische Seriengesichter, vorhersehbare Dialoge und eine Technik, die wie der Look der Produktion ungefähr 20 Jahre hinter der Zeit her hinkt. Viel Geld war „Dark Matter“ dem Sender augenscheinlich nicht wert, die Opulenz und Spielfreudigkeit von „Farscape“ oder „Battlestar Galactica“ wird an keiner Stelle erreicht.

Schlimmer wird es, wenn die Crew auf einem Planeten landet – alte Lagerhäuser, Industriebrachen: Kanadische Resteverwertung dominiert, hier wurde im wahrsten Sinn „mal eben im Hinterhof“ gedreht. Wie zur Hölle soll da irgendein „sense of wonder“ aufkommen?

Eine Folge reicht.

Fazit: Identitätslose kanadische Lückenfüller-SF ohne jegliche Eleganz, die sich mangels Möglichkeiten nicht müht, eine glaubwürdige Utopie zu bauen.

Killjoys

Killjoys

„Killjoys“ ist quasi der zweite Teil des neuen Syfy-Space-Action-Doppelpacks und bringt viele der gleichen Fehler mit: Austauschbare Besetzung, überschaubare CGI, viele kanadische Industrieruinen als Settings, Pengpeng und Prügeleien statt Storytelling.

Wie völlig egal die eigene Duftmarke ist, kann man schon daran sehen, dass der kanadische Dauer-Darsteller Rob Stewart sowohl in „Dark Matter“ als auch in „Killjoy“ eine größere Rolle spielt. Das ist alles Baukasten.

Unsere Protagonisten sind diesmal Kopfgeldjäger, fliegen mit einem kleinen Raumschiff durch die Gegend, starren in dunklen Gängen auf flackernde Displays und halten sich ständig Smartphones und Pads unter die Nase, die diese Show bereits in fünf Jahren erbärmlich gealtert aussehen lassen werden. Wie üblich, wenn man sich gar keine Gedanken machen will, ist das Universum sehr überschaubar: Es gibt ein „quad“ aus vier Planeten, eine alles beherrschende „Corporation“ (die nicht mal einen Namen braucht) und die Kopfgeld-Agentur RAC, die jeden Flüchtling nach fünf Leveln einstuft (Level 5 bedeutet „bei Festnahme töten“).

Auch wenn das nebenstehende Poster an „Guardians of the Galaxy“ erinnern möchte und das ganze Setting auf „Blade Runner“ schielt – bei „Killjoys“ stand eher die nicht minder überflüssige und dröge Kopfgeldjäger-SF „Starhunter“ Pate.

Wer für eine groß angelegte SF-Serie nur Ideen aus den Cop-Shows der 80er und 90er Jahre hat, darf sich nicht wundern, wenn sich die Begeisterung in Grenzen hält. In Star Trek ging es nie darum, profane Verbrecher zu jagen oder Waffen zu schmuggeln.

Ist „Killjoys“ besser als „Dark Matter“? Ja. Es ist mehr los, es gibt mehr Action und man müht sich wenigstens, das mangelnde Budget mit CGI-Overlays zu kaschieren. Aber letztlich reicht das auch nur für eine Galgenfrist bis zur zweiten Folge. Wenn’s dann nicht massiv anzieht…

Fazit: Etwas komplexer und sympathischer als „Dark Matter“, aber letztlich auch nur charmefreie SF für Dosenbier-Trinker.



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Hm, so schlecht fand ich OTHER SPACE gar nicht, aber was vielleicht auch daran liegt, dass ich sonst kaum SF-Comedy kenne. Nach etwas Eingewöhnungszeit musste ich schon regelmäßig schmunzeln, auch wenn – wenn ich recht drüber nachdenke – der Techniker und sein Roboter tatsächlich ziemlich überflüssig/isoliert sind.

Und da ich nach Science Fiction im TV dürste, mag ich auch nachsichtiger mit DARK MATTER und KILLJOYS sein. Es gibt ja sonst quasi nix! Bei DARK MATTER ist die Doppelpilotfolge leider insgesamt sehr schwach, gerade weil man sich unverständlicherweise wieder Kiesgruben und Lagerhallen bedient. Ich denke aber eine richtige Einschätzung der Serie kann man erst in den nächste Episoden treffen, wenn man sieht, wie die Zeit gefüllt wird. Das Figurenensemble fand ich sogar ganz sympathisch und launig.

Im Gegensatz zu den drei Hanseln aus KILLJOYS! Die Frau soll so schmerzend klischeehaft „sexy cool badass“ sein und der Bruder ist eine idenditätslose Brache! Ja, die Pilotfolge hat deutlich mehr Tempo und Science Fiction als D.M., erkauft wird das aber durch schwächere Effekte und kaum ausgeleuchtete Sets, sodass man nix erkennt. Auffällig übrigens die beiden ziemlich ähnlich wirkenden Universen…

Ich werde erstmal mit eher geringen Hoffnungen dranbleiben. Aber vielleicht sollte ich endlich mal FARSCAPE nachholen, denn dass ich hatte ich damals immer nur vereinzelt gesehen.

Kaio
Kaio

Welche SF Serien die eh jeder kennt und auf großen Sendern laufen gibts denn aktuell? Mir fällt da nur Bockmist ein wie Falling Skies oder Under the Dome wogegen der Syfy Krempel ganz großes Kino ist. Aber nicht jeder hat den US Sendeplan im Kopf, evtl hab ich da was übersehen oder nicht dran gedacht. Oder ich fasse SciFi als Genre zu eng (bin ich der einzige der sich nach ner guten Raumschiff Serie sehnt?)

Ansonsten geh ich mal dazu zurück auf neue Folgen Doctor Who zu warten…

Sokra
Sokra

Space operas gibt es wirklich keine mehr. Die letzten großen die mir einfallen waren Battlestar Galactica und Stargate: Universe, Wobei SG:U ein schlechter möchte-gern BSG Klon war. Völlig unverständlich, warum man wegen dem Schrott Stargate Atlantis eingestellt hat.

Oibert
Oibert

Ich muss sagen dass ich Other Space durchaus unterhaltsam fand, aber ich hab mir auch die komplette Staffel an einem Samstag Nachmittag angeschaut.
Bei den beiden SyFy Serien hat mir Dark Matter besser gefallen als Killjoys – letzteres fand ich einfach nur öde

Mencken
Mencken

„Identitätslose kanadische Lückenfüller-SF ohne jegliche Eleganz, die sich mangels Möglichkeiten nicht müht, eine glaubwürdige Utopie zu bauen.“

Klingt für mich durchaus so, als ob man wieder „back to the roots“ gekehrt wäre.

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[…] Sci Fi TV-Quartett: „The Last Man on Earth“, „Other Space“, „Dark Matter“ & „Killj… – Der Wortvogel hat vier aktuelle SF-Serien besprochen. Den Piloten von Dark Matter habe ich letzte Woche gesehen und kann mich dem Urteil des Vogels nur anschließen. Auf eine anständige Weltraum-SF müssen wir weiterhin warten. Ob Expanse das liefern kann? Läuft ja auch auf dem Gurkengarant Syfy. […]

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[…] genau da, wo Magie anfängt: Bei Kreativität und Phantasie. Kanadisch produzierte Billigware wie "Dark Matter" und "Killjoys", die primär Sendeplätze zwischen den Prestige-Produktionen füllen […]