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Mrz 2015

Wortvogels Video-Archäologie: Die 5. Braunschweiger Aktionstage der Science Fiction (1998)

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

In den 90ern wurde ich immer mal wieder zu kleineren SF-Cons eingeladen. Dortmund, Garching, Frankfurt – und Braunschweig. Das hing mit meinem Job bei ProSieben zusammen, meinen SF-TV-Guides und sicher auch der Tatsache, dass ich auf jeder Bühne ein Knaller bin. Rampensau, deine Name sei Wortvogel.

An Braunschweig habe ich nur gute Erinnerungen. Eine kleine, völlig unkommerzielle Con, ohne Stars, aber dafür mit Leuten, die in der Szene als echtes Urgestein durchgehen. 1998 waren das (außer mir, dunkles Hemd) noch Peter Terrid (grünes Polo) und Rolf Giesen (nicht im Bild):

SF-Tage Braunschweig 13

Ich habe damals ein Q & A zu aktuellen SF-Produktionen geleitet, ein Mini-Seminar zum Thema Drehbücher gegeben und mich an einer Podiumsdiskussion mit Terrid und Giesen beteiligt.

Rolf Giesen. Tja. Von dem hatte ich ein halbes Dutzend Bücher zu Hause im Schrank. Ich traf ihn in der kleinen Cafeteria des Veranstaltungsortes vorab, wir unterhielten uns eigentlich ganz nett – auch wenn mir sehr bewusst war, dass Giesen als langjähriger Mitarbeiter der Stiftung Deutsche Kinemathek nicht nur ein ganz anderes Standing hatte als ich, sondern dass trotz gerade mal 15 Jahren Altersunterschied hier zwei völlig verschiedene Generationen Filmfan aufeinander trafen: "Orion" vs. "Babylon 5", Ray Harryhausen vs. Stan Winston, Robbie der Roboter vs. Terminator.

Und so war es kein Wunder, dass wir uns bei der Podiumsdiskussion recht schnell in die Haar bekamen – Giesen vertrat z.B. die These, dass keine CGI dem Realismus von Stop Motion gerecht werden könne, was ich mit einem höferesken "Das ist doch grotesk!" quittierte. Wenn ich mich recht erinnere. Es blieb angespannt, aber respektvoll.

Peter Terrid war eine andere Nummer. Ein typisch schluffiger Groschenroman-Autor, mit dem ich mich heute über viel mehr Themen unterhalten könnte als damals. Genau genommen bin ich mittlerweile ja auch ein Groschenroman-Autor der neuen Generation. Terrid war ein unprätentiöser Typ, ein in Ehren gealterter Fan, der seine Liebe zur klassischen SF und zum Kriminalroman nie höheren Zielen geopfert hatte. Einer, mit dem man prima auf ein Bier gehen kann – und nach zehn oder zwölf zufrieden aus der Kneipe wankt.

Den einzig wirklich bizarren Moment gab es beim Q & A, wo sich ein Extrem-Fan massiv über die Synchro und die Ausstrahlungspolitik zum Thema "Akte X" ereiferte, weil die "Verzerrungen" klare politische Motive hätten. Dann stellte er tatsächlich in den Raum, er werde ja auch schon überwacht. Da hatte jemand seine Medikamente nicht genommen.

Nichtsdestotrotz: Gute Tage, spannende Gespräche, nette Leute.

Und weil ich mich vor ein paar Wochen daran erinnerte, dass überall Jungs mit Videokameras rumgelaufen waren, nahm ich über Olaf Funke Kontakt mit Stefan Schaper und Alexander Braccu aus, um mich auf die Suche nach dem Material zu machen. Und siehe da: Stefan hatte das offizielle Con-Video noch und war auch bereit, mir eine digitale Version zur Verfügung zu stellen. Den Jungs gebührt mein Dank.

Schade natürlich, dass bei diesem 71minütigen Zusammenschnitt viele der "leckeren" Momente rausfallen mussten – so ist von meinem Streit mit Giesen nichts mehr zu sehen. Und das Drehbuch-Seminar ist auch nicht dabei. Aber dafür bekommt ihr einen sehr knackigen und (wie ich finde) unterhaltsamen Blick in die Independent-Con-Szene Ende der 90er Jahre.

Ich war jung, ich war schlank, ich hatte Haare:

Ich widme dieses Video übrigens Peter Terrid, der in einer Szene fast hellsichtig erwähnt, wie schnell man tot umfallen kann – und gerade mal vier Monate später "mit gutem Beispiel" voran ging…



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G
G
11. März, 2015 01:12

Sag mal, der Elmar (oder Ekmar) Brand(t), den du in dem Video erwähnst, der ist doch Jahre später als Kammermeiers Knappe bei der Astro-Saga-Diskussion hier auf dem Blog aufgetaucht, oder?

Marcel Anacker
Marcel Anacker
11. März, 2015 02:25

Da oben sollte wohl 1998 stehen. Ganz so alt bist du dann doch nicht.
Auch bemerkenswert der Satz: "Jetzt gerade läuft die Planung für 12 Monkeys – Die Fernsehserie"

LordRawdon
LordRawdon
11. März, 2015 08:58

Ich bin übrigens der ganz hinten links… Ach, das waren noch Zeiten, als wir junge Fans waren…;-)) Danke für diese Erinnerung.

Und vielleicht noch zum Namen – eigentlich hieß das mal "Braunschweiger Allgemeine Survival Fete", kurz "BASF". Dann sollte ein "richtiger" Con gemacht werden, und ich meinte bei der Namensdiskussion einfach, man könne doch aus "BASF" auch "Braunschweiger Aktionstage Science Fiction" machen… Und so kam es denn auch.

Meines Wissens machen ein paar der alten Truppe immer noch in Braunschweig Cons (http://www.sciencefiction.de, glaube ich).

sven
sven
11. März, 2015 19:57

War das im Jugendzentrum Mühle? Die wenigen Aufnahmen die mehr Raum zeigen sehen arg danach aus. Die Mühle gibts auch immer noch und wird weiterhin gerne für Low-Budget-Veranstaltungen benutzt.

Wie viele Besucher waren überhaupt da? Die Gesprächsrunden sehen alle sehr… familiär aus 😉

Wortvogel
Wortvogel
11. März, 2015 20:58

@ sven: Das waren nie mehr als ein paar Dutzend Leute, oft auch weniger. Und das machte den Reiz aus. Mir hat’s gefallen.

Marco
Marco
11. März, 2015 23:25

Ha Klasse, vielen dank fuers Teilen. Man kann richtig sehen, wie du dich bei manchen Themen doch sehr zurueckhaellst und noch deutlicher werden moechtest. 🙂 Hast du dann ja seitdem im Blog gemacht …
Ja, die Nennung von 12 monkeys fand ich auch unterhaltsam. Die 17 Jahre Vorbereitung scheinen sich gelohnt zu haben, ist ja recht unterhaltsam geworden.

LordRawdon
LordRawdon
12. März, 2015 10:55

@ Sven – ja, das war in der Mühle. Gab dann auch den einzigen echten Perry-Rhodan-Con Braunschweigs dort, mit allen Autoren. Das ganze hieß dann "Thorecon"…