Cub-poster1Cub

Belgien 2014. Regie: Jonas Govaerts. Darsteller: Gill Eeckelaert, Maurice Lujiten, Stef Aerts, Titus de Voogdt u.a.

Story: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern – so stellt sich ein Pfadfinder-Ausflug nur in Donald Duck-Comics dar. In der Realität von „Cub“ ist der Mikrokosmos der Ferien-Waldläufer seitens der Kids wie der Aufseher geprägt von Animositäten, Bösartigkeiten und keimender Geilheit. Die zur Gänsehauterzeugung erzählte Wildkind-Lagerfeuerstory macht die Sache nicht besser, zumal das ferale wie brutale Wildkind Kai tatsächlich existiert und sich über diverse Untaten mit dem unsicheren Sam „anfreundet“. Der Bodycount eskaliert und bald sind Zwei- und Vierbeiner auf der Flucht durch einen mit geradezu albern aufwändigen Fallen gespickten nächtlichen Wald. Nicht einer für alle – jeder für sich lautet nun die Devise…

Kritik: „Cub“ ist der ideale Einstieg in die Fantasy Filmfest Nights – nicht, weil er bahnbrechend gut ist, sondern weil er perfekt repräsentiert, wofür das Festival steht: Kleine Filme aus Ländern, die man vielleicht sonst nicht auf dem Schirm hat, untertitelt und manchmal etwas sperrig, aber voller Überraschungen und frischen Gesichtern.

„Automata“, der im Anschluss kam, wird nie das Problem haben, dass man ihn in der DVD-Abteilung des Drogeriemarktes übersieht: Aus Amerika, Science Fiction, mit Killerrobotern UND Antonio Banderas. Aber „Cub“ schafft es vermutlich nicht mal bis in die DVD-Regale und wird bestenfalls mit ein oder zwei Exemplaren ganz unten auf dem Wühltisch liegen. Und genau darum ist es wichtig, dass das Fantasy Filmfest solche Streifen zeigt, die Macher fördert und das Genre jenseits des Mainstream am Leben erhält.

Dass „Cub“ darüber hinaus eine ziemlich sehenswerte Killercomedy ist, kann als erfreulicher Bonus gewertet werden. Die Idee, statt der üblichen geilen Teenager einfach mal einen Trupp Pfadfinder in den Wald zu schicken, ist ziemlich clever, gerade weil die Spiegelung der typischen Charaktere in die Pubertät (der Dicke, der Mitläufer, das Großmaul) entlarvt, wie unreif und eindimensional diese Figuren gewöhnlich sind. Die psychische wie physische Bedrohung Minderjähriger hat zudem deutlich mehr Potenz als das willkürliche Abschlachten von College-Absolventen, die wir sowieso nicht leiden können. So, wie Sam eine Art verkleinerter Held ist, ist Kai sein pubertierender Gegenpart. I was a (barely) teenage leatherface.

Dabei ruht sich „Cub“ nicht auf dem Gimmick aus, Protagonist und Antagonist zehn Jahre jünger als üblich zu präsentieren – Regisseur Govaerts macht auch richtig was aus dieser Prämisse. Immer wieder wird deutlich, dass Kai auch charakterlich das Spiegelbild von Sam ist, seine wütende pubertierende Seite, die es entweder anzunehmen oder zu überwinden gilt. Die schrecklichen Ereignisse sind eine Reifeprüfung, die Sam den Rest seines Lebens prägen wird. Bis zum Schluss ist damit nicht nur unklar, wer überlebt – sondern auch als was…

Hinzu kommen ein paar hübsch absurde Szenen, diverse solide Splattereffekte und eine gefällige Kameraarbeit, die gut damit zurecht kommt, dass „Cub“ fast ausschließlich nachts im stockfinsteren Wald steht. Und im Cast sind es ebenfalls die Darsteller von Sam und Kai, die überzeugen können – nicht zu amateurhaft, aber auch nicht zu hyperprofessionell haftet ihrem Spiel eine Authentizität an, die man sich bei den meisten Splatterfilmen vergeblich wünscht.

Ach joh, manchmal hapert es ein wenig an der Logik, diverse Nebenfiguren dienen nur der Streckung der Laufzeit und man kann die Verbindung von Aktion und Reaktion mitunter für brüchig halten, aber das stört nur, wenn man den Film mit überkritischem Studienratsblick seziert. Und das sollte man sich bei einem Crowdpleaser wie „Cub“ verkneifen.

Fazit: Fähnlein Fieselschweif meets „The Hills have Eyes“ als kleine, fiese Splattergroteske, die zwar nicht in jeder Szene logisch oder inszenatorisch überzeugt, aber als Beispiel für gelungenen Euro-Horror allemal erneut die Frage aufwirft, warum wir Deutschen so etwas nicht zustande bringen.

Speaking of which…

angstGerman Angst

Deutschland 2015. Regie: Jörg Buttgereit, Michael Kosakowski, Andreas Marschall. Darsteller: Lola Gave, Anderas Pape, Annika Strauss, Axel Holst, Matthan Harris, Daniel Faust, Denis Lyons, Milton Welch, Katja Bienert u.a.

Story: Drei Geschichten aus Berlin. In Buttgereits „Final Girl“ wird die blutige Rache eine Mädchens an einem (vermutlichen) Peiniger mit einem Schulaufsatz über die Kastration von Meerschweinchen begleitet. Michael Kosakowskis „Make a wish“ illustriert die brutale Folter eines taubstummen Pärchens durch Neonazi-Schläger – und widmet sich der Frage, ob Opfer- und Täterrollen jemals austauschbar sein können. Andreas Marschalls Mini-Spielfilm „Alraune“, der den großen Teil der Laufzeit beansprucht, erzählt von einem frustrierten Fotografen, der im nächtlichen Exzesse/Extase-Berlin einen Club findet, der scheinbar totale Erfüllung verspricht.

Kritik: Ich habe Buttgereit zuletzt 1991 oder so gesehen, als er beim „Howl Weekend of Fear“ seinen Streifen „Nekromantik 2“ vorstellte (was dank der Unfähigkeit des Projektors, die Tonspur abzutasten, deutlich daneben ging). Meinen damaligen Eindruck, dass hier ein Szene-Nerd nur deshalb, weil er keinen dumpfen Proll-Splatter dreht, fälschlich in die Kunst/Kult(ur)-Schublade gesteckt wurde, hat sich in den folgenden Jahren bestätigt: Buttgereit schreibt Theaterstücke und Hörspiele, in denen er sein Nerdtum ausleben kann, was aber immer irgendwie meta oder ironisch gemeint ist.

Und so beweist „Final Girl“ dann auch, dass das „Ende“ der „Karriere“ des „Regisseurs“ Jörg Buttgereit vor mehr als 20 Jahren kein Verlust war. Die technischen Mittel haben sich (minimal) verbessert, die erzählerischen Werkzeuge sind immer noch pubertär und grobschlächtig: Ha ha, Pimmel! Kastrationsangst, kennt man ja! Die Frau als Opfer wird zum Täter, der Mann ist schmierig, die Welt gemein. Das soll wohl irgendein Statement sein, nur welches, das bleibt buttgereitesk im Dunkeln. Auch die Gleichsetzung mit den Meerschweinchen ist nur im ersten Moment charmant, letztlich aber inhaltsleer. Die spröde inszenierte und mäßig nachvertonte Episode macht immer wieder den Mund auf, ohne was zu sagen.

Wenigstens ist Buttgereit Buttgereit – augenblicklich identifizierbar und damit für die Zielgruppe der Buttgereit-Kultisten auch empfehlenswert. Was man von Kosakowskis „Make a wish“ allerdings nicht sagen kann. Ein paar Nazi-Hooligans (oder Skins oder Punks, wer weiß das schon?) foltern ein taubstummes polnisches Pärchen. Voll der Kommentar, weißte, weil Weltkrieg Zwo und so. Nur leider sind die gewaltgeilen Schläger ungefähr so realistisch wie die Bewohner von Tromaville und man muss dem Macher unterstellen, dass er weder die Mechanismen von Aggression noch die Chiffren der Szene verstanden hat. Diese unsägliche Suhlerei in Gewalt bei gleichzeitiger Oberlehrerhaftigkeit erinnert an das Projekt einer Film-AG zum Tag gegen Rassismus an einem mittelgroßen Gymnasium.

Rausreißen muss es Andreas Marschall, der einst Buttgereits Filmplakate pinselte und seit „Masks“ als deutsche Giallo-Hoffnung gilt (wenn man so etwas für möglich und/oder erstrebenswert hält). Konsequenterweise macht sich Marschall frei von den Restriktionen des Episodenfilms und liefert einen Mini-Spielfilm ab, der als Einzelstück auf Scheibe sicher eine größere Chance auf Anerkennung hätte als auf dem Dreirad mit den zwei erzählerisch gehandicappten Miniaturen der Herren Buttgereit und Kosakowski.

„Alraune“ ist ein Fiebertraum zwischen Wave-Film und Giallo, spielt mit den Obsessionen von Jess Franco und dem Urbösen Lovecrafts. Ein Blick in die Seele wird zum Abstieg in die Hölle. Nichts ist neu, aber es ist verwegen erzählt und mit großer Souveränität inszeniert. Auch darstellerisch wird ausnahmsweise mal keine Wassersuppe gereicht. Im Gegensatz zu den anderen Episoden brüllt nicht jede Szene das Klagelied des nicht vorhandenen Budgets, sondern schwelgt in Farben, Bewegung, malerisch zerfallenden Locations und schwitzenden Körpern.

Wenn ich Kosakowski (der den Film auch produziert und finanziert hat) einen Rat geben dürfte, würde er lauten: „Alraune“ als singulären Film vermarkten (lang genug ist er) und „Final Girl“ und „Make a wish“ als Boni auf die DVD packen. Es macht einfach keinen Sinn, den Zuschauern zuerst mit zwei hilflosen Amateurfilmchen die Laune zu verderben, bevor sie zum Filet kommen. Das hat Marschalls intensives Erzählstück nicht verdient.

Fazit: Kann man sich die Episode von Buttgereit als „typisch Buttgereit“ noch schönreden, ist Michael Kosakowskis hanebüchenes Gewaltcomic von allen guten Geistern verlassen. Highlight ist Andreas Marschalls fiebriger Giallo-Traum, der ihn nach „Masks“ erneut als großes deutsches Talent empfiehlt, das für höhere Budgets entdeckt gehört.

A-girl-walks-home-posterA Girl walks home alone at Night

USA 2014. Regie: Ana Lily Amirpour. Darsteller: Sheila Vand, Arash Marandi, Mozhan Marnò, Dominic Rains, Marshall Manesh u.a.

Story: Arash ist jung, ehrlich und bemüht, aber im Teheran des Jahres 2014 hat er wenig Chancen auf eine menschenwürdige Existenz – das Mädchen seiner Träume spielt außerhalb seiner Liga, sein Vater ist heroinabhängig und ein Zuhälter nimmt ihm den geliebten Wagen. Doch in der Nacht taucht das Mädchen auf, ein melancholischer Vampir wie aus einem Traum von Coco Chanel. Sie wird die reinigende Kraft in der bösen Stadt, Arashs Anker und Ausweg, auch wenn das einige Opfer fordern wird…

Kritik: „A girl“ (ich kürze den so ab) zeigt exemplarisch, wie interessant es sein kann, wenn man (wie ich) ohne jegliche Vorkenntnisse ins Kino geht und den Film komplett „at face value“ nehmen muss. Es zahlt sich aus, weil es ein Erlebnis ohne Altlasten ist, ein faire Chance auch für Filmemacher oder Genres, die man vielleicht ablehnt.

Aus der Sicht des „Unwissenden“ ist „A girl“ ein bezaubernd poetischer Film in kontraststarkem Schwarzweiß, auf der Suche nach Schönheit in einer hässlichen Welt, zugleich dem italienischen Neorealismus verwandt und der harschen Nachtgier eines Coffin Joe. Der Junge, dessen Unschuld an der gemeinen Wirklichkeit aufgerieben wird, findet ausgerechnet in der Blutsaugerin seine Madonna, seine Erlösung aus dem Mikrokosmos von vier, vielleicht fünf Figuren, die einander das Leben unerträglich machen.

Langsam, schleichend, betörend, ein Film wie eine blutige Feder.

Das. Ist. Kunst.

Und wenn es keine Kunst ist, dann ist es zumindest verdammt kunstvolles Avantgarde-Kino, wie man es auf dem Fantasy Filmfest sucht und zu wenig findet. Das iranische Genrekino als aufregend neue Stimme im „world cinema“, wer hätte es gedacht?

Doch diese Sicht hält nur so lange, bis man den Wikipedia-Eintrag zum Film liest und feststellt, dass er u.a. von Elijah Wood produziert wurde, die Regisseurin in Los Angeles lebt, der Film in Kalifornien gedreht wurde und der heroinsüchtige Vater vom Limousinenfahrer aus „How I met your Mother“ gespielt wird.

Die Authentizität von „A girl“ ist komplett behauptet, die Bildsprache und Erzählweise nicht der iranischen Filmkultur entsprungen, sondern als Substitut für eine solche erfunden. Der Film hat kein Fundament, stellt kein Erbe und keine Weiterentwicklung dar. Es handelt sich um einen am Reissbrett entwickelten Versuch, gerade die Eigenständigkeit des „world cinema“ zum Bestandteil der Hollywood-Maschine zu machen. Das alles inkludierende System erzählt sogar seine Exklusion. Wie eine Diktatur, die ihre eigene Revolution anzettelt, weil sie das nicht dem Pack überlassen mag.

Ich möchte wieder zur Unwissenheit zurück. Ich will nicht wissen, dass der Frodo Beutlin aus „Open Windows“ dahinter steckt, dass „Death“ von den White Lies gar kein übersehenes Pop-Kleinod der 80er ist, dass die Ölfelder nicht südlich von Teheran, sondern nördlich von Santa Barbara stehen oder dass Hauptdarsteller Arash Marandi mal im „Großstadtrevier“ mitgespielt hat. Ich will, dass „A girl“ wieder die Ausnahme ist und nicht nur die clever verpackte Regel.

Fazit: Ein Film, dessen Bewertung nur anhand der Einstellung des Zuschauers getroffen werden kann: Akzeptiert man den Ursprung des Films in Hollywoods Hipster Horrorcommunity, ist er ein wunderschönes, elegisches, neorealistisches Vampirmärchen. Erwartet man vom „world cinema“ kulturelle Authentizität, muss man den Streifen zwangsläufig als „fake wie Sau“ einstufen.

Andererseits…

the-lazarus-effect_1424378817The Lazarus Effect

USA 2015. Regie: David Gelb. Darsteller: Mark Duplass, Olivia Wilde, Donald Glover, Jennifer Floys, Ray Wise u.a.

Story: Ein Team von Wissenschaftlern arbeitet an einem Serum, dass die Gehirntätigkeit im Falle des Todes strecken soll, um Wiederbelegung zu ermöglichen. Die Testergebnisse sind spektakulär: Ein längst verstorbener Hund ist auf einmal wieder lebendig und sein Grauer Star is vollständig geheilt. Als ein Pharmakonzern sich die Formeln unter den Nagel reißt, kommt es zu einer folgenschweren Verkettung unglücklicher Umstände, an deren Ende ein Menschenversucht steht…

Kritik: Viele Zuschauer waren der Meinung, „Lazarus Effect“ sei zwar nicht der große Bringer gewesen, zu vorhersehbar und in Klischees suhlend, aber die gelackte Produktion, die guten Darsteller und die flotte Inszenierung höben den Streifen dennoch gerade so über das Mittelmaß.

I beg to differ.

„Lazarus Effect“ ist Hollywood at its worst, gerade nach dem fordernden und belohnenden „A girl“ ein Schlag mit dem nassen Handtuch ins Gesicht. Hier ist wirklich gar nichts frisch, die Charaktere so abgenudelt wie die Dialoge, jede Szene lässt sich auf bekannte und bessere Vorbilder zurück führen. Es ist ein Fließbandfilm, der zynisch darauf setzt, dass sein bisschen CGI-Splatter, das Casting von Olivia Wilde und die solide Poster-Artwork schon reichen werden, Publikum zu ködern.

Es hat auch gereicht. Der Film hatte in den USA einen Kinostart und hat am ersten Wochenende das Dreifache seines (geringen) Budgets eingespielt. Ein Erfolg.

Soll ich gratulieren? Nein. Weil ich genau diese Sorte von blind durchgekliniertem Genrestandard nicht mehr ertragen kann. Wer sich die erzählerischen Eier abschneidet, um ja nichts falsch zu machen, macht eben auch nichts richtig. Ein bisschen „Flatliners“, ein bisschen „Lucy“, ein bisschen „Carrie“, angereichert mit den Schocks aus der J-Horror-Kiste und preiswert runtergekurbelt in einem gesichtslosen Laborkomplex. Das kann man als „ausreichend“ benoten, ist aber eine Mathe-Arbeit, wo ein Aufsatz stehen sollte.

Fazit: DVD-B-Ware, die sich bei Dutzenden anderer Science Thriller bedient, in der zweiten Hälfte in okkulten Hokuspokus abdriftet und ohne den deutlich unterforderten Cast als Genre-Fastfood schnell gesehen und schnell verdaut wäre. Von Allesdrehern für Allesseher.



14 “ Fantasy Filmfest Nights 2015: Die Reviews (1) ”

  1. 1

    Sehr interessant und schön geschrieben. „pubertär und grobschlächtig: Ha ha, Pimmel!“ ist hochpoetische Satzzeichennutzung.

    White Lies habe ich mal interviewt, bzw den Bassisten erstmal aus dem Tief des vorher-Interviews rausholen müssen („Die Interviewer wollen immer alle, dass ich zugebe, Joy Division nachzumachen!! Grummelgrummel.“), insofern sei’s verziehen.
    Den echten iranischen Genrefilm gibt es übrigens sehr wohl (wenn auch durch die Linse der Nouvelle Vague – also doch mehr Kunst als Fantasy): ATOM HEART MOTHER hat mir auf der Berlinale den Kopf gesprengt. Auf die endlose Liste, bitte.

  2. 2

    „…Regisseur XY macht auch richtig was aus dieser Prämisse.“
    Vorname: Aktenzeichen.

    „…vom arabischen Limousinenfahrer aus “How I met your Mother” gespielt wird.“
    Ranjit kommt meines Wissens nach aus Bangladesch.

  3. 4

    „Die psychische wie physische Bedrohung Minderjähriger hat zudem deutlich mehr Potenz als das willkürliche Abschlachten von College-Absolventen, die wir sowieso nicht leiden können.“
    – Ja, das macht eine Menge aus; man denke auch an den ersten „Sleepaway Camp“. Besonders, wenn es um Teenager geht, die von erkennbaren Mittzwanzigern gespielt werden (die dann zuweilen noch Frühdreißiger als Eltern haben), ist ein Film gleich schon etwas mehr von der Realität entfernt, als dem Horror gut tut.

    „Meinen damaligen Eindruck, dass hier ein Szene-Nerd nur deshalb, weil er keinen dumpfen Proll-Splatter dreht, fälschlich in die Kunst/Kult(ur)-Schublade gesteckt wurde, hat sich in den folgenden Jahren bestätigt“
    Scheint mir auch so. Dass er im juristischen Kampf „Nekromantik“ dezidiert als Kunst und nicht Horror verteidigte (also unterstrich, dass es da keine Überschneidung gibt), hat mich etwas persönlich gegen ihn eingenommen. Gerade das Vorgaukeln von Tiefe hat mich früher schon gestört, da überrascht es nicht zu sehen, dass er dabei geblieben ist.
    – Wobei mir seine Hörspiele, die ich bislang kenne, tatsächlich ganz gut gefallen haben.

    Auf „Alraune“ hingegen habe ich jetzt Lust bekommen.

  4. 5

    – Aber „Cubs“ schafft es vermutlich nicht mal bis in die DVD-Regale und wird bestenfalls mit ein oder zwei Exemplaren ganz unten auf dem Wühltisch liegen. –

    In die DVD-Regale schafft er es schon mal: ab 24.4. gibt es den Film unter dem Namen „Camp Evil“ als VOD, DVD und Blu-ray.

  5. 9
    Sir Bolognez

    @wortvogel

    als Buttgereit-Kultist frag ich mich jetzt ob du wirklich so rein gar nichts
    für ihn übrig hast…Der Satz über das “Ende“ seiner „Karriere“ liest sich
    doch sehr…vernichtend – oder kommt mir das nur so vor?

  6. 10

    CUB: so isses. 7/10.

    GERMAN ANGST: Buttgereit (von dem ich vorher nix kannte) erntet ein wohlwollendes Schulterzucken (wenn man sich sowas vorstellen kann), Kossakowski katapultiert sich mühelos in die Scheißigkeits-Liga von MORITURIS und Konsorten (als Einzelwerk wäre das eine 0/10 gewesen), Marschall reißt es aus oben genannten Gründen raus. Für das Gesamtpackage keine Wertung.

    A GIRL…: Ich kann mit der Forderung nach „Authentizität“ im Film grundsätzlich nichts anfangen und reklamiere daher, mit besonderem Verweis auf die großartige Kameraarbeit und den ebensolchen Soundtrack, den oben geschilderten Blick des „Unwissenden“ für mich. 9/10.

    THE LAZARUS EFFECT: „Viele Zuschauer waren der Meinung, “Lazarus Effect” sei zwar nicht der große Bringer gewesen, zu vorhersehbar und in Klischees suhlend, aber die gelackte Produktion, die guten Darsteller und die flotte Inszenierung höben den Streifen dennoch gerade so über das Mittelmaß.“ Viele Zuschauer haben Recht. 😉 Ich kann nicht abstreiten, dass der Film gänzlich bar jeder eigenen Idee ist. Aber halt auch nicht, dass er mich zumindest nicht gelangweilt hat. 6/10.

  7. 11

    „German Angst“ hat sich gestaltet wie erwartet: die Buttgereit-Episode ist ein zerdehntes Nichts mit Pimmel ab und ohne erkennbare Aussage, die zweite Geschichte eine plakative Brutalo-Orgie, die inhaltlich wirklich nicht über Amateur-Splatter-Niveau rauskommt (und zudem von den nervigen Darstellern mit Geschrei und Gebrüll kaputt-geoveracted wird). Da hilft’s dann auch nichts, dass der Pape mal zwei Minuten direkt in die Kamera monologisieren darf, um dem Publikum den Sinn zu vermitteln, wenn sonst schon nichts rumkommt. „Morituris“-Niveau…? Na ja…

    Marschalls dritte Episode ist dann ein echtes Highlight, die ist auf einmal inszenatorisch hochwertig und im Gegensatz zu dem Filmchen davor gut gespielt („Final Girl“ war ja quasi gar nicht gespielt… aber da gab’s ja auch nicht wirklich was, was man hätte spielen können). Erstaunlicherweise taucht in „Alraune“ tatsächlich eine Darstellerin aus „Morituris“ auf, aber die ist hier auf einmal auch gut. Man wünscht sich, Marschall hätte damals wie bei „Tears of Kali“ alle drei Episoden gemacht, dann hätte „German Angst“ echt was werden können…

  8. 13

    Ich bin vor allem ein Hater seiner Filme, gegen ihn selbst hab‘ ich eigentlich nichts (wirksames)…

    Nach nochmaligem Überdenken möchte ich anmerken, dass es noch besser gewesen wäre, wenn Marschall statt alle drei Episoden zu drehen „Alraune“ zum Feature ausgeweitet hätte… der hätte eine zusätzliche halbe Stunde abgekonnt und mir wären 80 Minuten „Alraune“ lieber gewesen als die 110 von „German Angst“… wie bei „Three Extremes“ und „Dumplins“, der hatte als Langfilm gegenüber der Kurz-Variante auch gewonnen…



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