man-thingMan-Thing

USA 2005. Regie: Brett Leonard. Darsteller: Matthew Le Nevez, Rachael Taylor, Jack Thompson, Rawiri Paratene, Alex O’Loughlin u.a.

Offizielle Synopsis: Es sollte eigentlich ein ruhiger erster Tag in seiner neuen, stressfreien Stelle als Sheriff von Bywater werden. Doch das beschauliche Örtchen wartet mit einem „Begrüßungsgeschenk“ für Kyle Williams auf: Die aufs Grausamste entstellten Überreste eines Jugendlichen wurden im nahe liegenden Sumpfgebiet gefunden – zahllose rissartige Wunden deuten auf einen Krokodilangriff hin. Kyle erfährt, dass dies nicht der erste mysteriöse Todesfall der letzten Zeit ist. Bei seinen Recherchen stößt der Polizist auf unterschiedlichste Theorien der Einheimischen: Ein Teil der Bevölkerung glaubt tatsächlich an große Panzerechsen, andere bringen den radikalen Einsiedler LaRoque mit den Morden in Verbindung. LaRoque will den Öl-Industriellen Frederic Schist aufhalten, im Sumpfgebiet nach Öl zu bohren. Andere wiederum sprechen von einer mystischen, historischen Überlieferung: Der „Wächter der Natur“ erscheine und richte ohne Gnade über die, die sein heiliges Land beschmutzen.

Kritik: „Man-Thing“, obwohl gerade mal zehn Jahre alt, ist ein Relikt aus der Ära, als Marvel noch kein potentes Studio war, lieber Koproduktionen verantwortete, und tatsächlich dachte, sekundäre Charaktere in kleineren Produktionen direkt auf DVD vermarkten zu müssen. Damals hatte man noch nicht die Eier, an das Gold in jeder Figur zu glauben. Und so produzierte man „Man-Thing“ preiswert in Australien statt in den Südstaaten (wo der Film spielt) und ließ „Rasenmähermann“ Brett Leonard ran, einen Regisseur, der seine drei Jahre kurze „golden era“ 2005 schon zehn Jahre hinter sich hatte. Von vielen Produktionsproblemen ist die Rede, von einer halbgaren Kino-Auswertung, von einer schnellen Verklappung auf Scheibe und dem Syfy-Channel.

Von der Original-Vorgeschichte des Man-Thing und den vielen Querverweisen zum restlichen Marvel-Universum ist in diesem Sumpfmonster-Heuler denn auch nicht mehr viel übrig geblieben, eine nur sehr wischiwaschi definierte Kreatur tötet halt die übliche Besetzung aus geilen Teenagern, Hinterwäldlern und skrupellosen Umweltverschmutzern. Vier Minuten bis zum ersten Sex und den ersten Brüsten, fünf Minuten bis zum ersten Kill. Check und check. Das erinnert an die Umwelthorror-Streifen der 70er („Prophecy“, „Piranha“, „Grizzly“) und die neueren Corman-Kracher wie „CorbraGator“ und „SharkTopus“, die sich in Sachen Setting und Figuren bei ihnen bedienen.

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„Man-Thing“ entpuppt sich dabei schnell als Rohrkrepierer, weil für die angeblichen 7,5 Millionen Dollar Budget kaum Mehrwert zu den 750.000 Dollar-Drecksfilmen spürbar ist, die der Syfy-Channel mittlerweile auf Wochenbasis ins Kabelnetz kotzt. Die sind mittlerweile deutlich selbstironischer und besser getaktet.

Na gut, dann und wann ist ein wenig mehr Sorgfalt bei der Inszenierung der Action spürbar, ein wenig mehr Aufwand bei den hausgemachten Splattereffekten, und die Besetzung (darunter Alex O’Loughlin, mittlerweile Serienstar dank „Hawaii 5-0“) müht sich über den Rahmen von C-Trash hinaus. Einige Aufnahmen in den Sumpfsets entwickeln die gewünschte knallbunte Comic-Atmosphäre. Das Monster ist am Ende auch ganz hübsch – wobei das „am Ende“ wörtlich zu nehmen ist, denn zu sehen bekommen wir es nur bedauerlich kurz. So eine Art Mischung aus Cthulhu und Grünkohl.

Aber wo die Produktion entschlossen ist, statt C-Rotz wenigstens solide B-Ware zu liefern, wird sie vom Skript komplett im Stich gelassen. Die Charaktere haben keinerlei Profil, vorgestellt werden sie nur, um dem Kanonenfutter Gesichter zu geben. Viel kleinstädtische Brusttrommelei der männlichen Figuren muss den Film über die Zeit retten, bis endlich mal das titelgebende Monster seinen Gastauftritt absolviert. Das schert so gar nicht und niemanden, das ist so tief aus der Klischeekiste gebuddelt. Mittlerweile ist der Syfy-Channel in der Beziehung schlauer und verlangt spätestens zur ersten Werbepause eine ordentliche Präsentation der Kreatur. „Man-Thing“ ist da einfach zu verschämt.

Und so sieht die Flasche teuer aus, aber drin ist nur billiger Fusel. „Man-Thing“ endete als minimale, weitgehend vergessene Fußnote des Marvel-Universums und irgendwann wird man die Figur sicher mit mehr Mühe und mehr Aufwand noch einmal aus der Versenkung holen.

Zum Abschluss noch der unvermeidliche Vergleich mit der DC-Konkurrenz, dem „Swamp Thing“: Mag der erste Teil (immerhin von Wes Craven!) auch ein ziemlicher Ausfall gewesen sein – „Return of the Swamp Thing“ von Jim Wynorski war witziger, trashbewusster und in seiner Schäbigkeit ehrlicher als Brett Leonards Film, der vermutlich das Zehnfache gekostet hat. Selbst die immerhin 72teilige Jugendserie, mit der man das Letzte aus dem gelungenen Swampy-Kostüm zu pressen trachtete, bot mehr Unterhaltung als dieser Blindgänger von Marvel.

Fazit: Technisch und dramaturgisch in einigen Momenten kompetenter, aber vom Skript völlig allein gelassener Comic-Monsterfilm, in dem sich Marvel (auf dem Weg nach oben) und Brett Leonard (auf dem Weg nach unten) erst- und letztmalig begegnen.

S8man1S&man

USA 2006. Regie: J.T. Petty. Darsteller: Erik Marcisak, Bill Zebub, Fred Vogel, Carol J. Clover, Debbie D u.a.

Story: Ein Dokumentarfilmer steht unter Druck, weil die Doku, für die er Geld gesammelt hat, nicht zustande kommt. Alternativ beschließt er, einen Schnellschuss über Underground-Filmer zu drehen, die er bei einer Horror-Convention trifft. Obwohl deren Sujet oberflächlich Horror ist, geht es meistens wie bei Pornos um die Befriedigung von Trieben und Fetischen. Einige von ihnen drehen sogar auf Kundenwunsch bizarre Szenen zum rein privaten Gebrauch. Als außerordentlich mysteriös stellt sich ein junger Mann heraus, der in der „S&man“-Serie jungen Frauen nachstellt. Die Frage, was hier real und was Fiktion ist, wird schnell zum Kern des Doku-Projekts…

Kritik: Ich weiß nicht, wieso ich mir diesen Streifen anschauen wollte. Irgendwie war ich wohl wegen des Titels dem Missverständnis aufgesessen, „S&man“ sei eine Art ultrabilliger Superheldenfilm. Ich fand mich getäuscht. Aber wenn die Scheibe sich schon mal im Player dreht, gibt es kein Zurück.

„S&man“ gibt vor, eine billige Doku zu sein, die in den „seedy underbelly“ des Low Budget Films abtaucht und in der Welt von Snuff und Fetisch ein entsetzliches Geheimnis aufdeckt. Von Regisseur Petty, der eigentlich aus dem Bereich Videospiele kommt, hatte ich vor Jahren mal den visuell interessanten, aber dramaturgisch fußlahmen Horrorwestern „The Burrowers“ besprochen. „S&man“ teilt viele seiner Probleme. Petty hat einfach kein Händchen für Spannung. Selbst wenn alle Elemente stimmen und sich die Suspense eigentlich natürlich einstellen sollte, kommt keine Freude auf.

Beherrscht Petty schon als Regisseur die notwendigen Taschenspielertricks nicht, fehlt es ihm als Autor völlig an der notwendigen Fähigkeit zum Bluff, den man am Pokertisch Drehbuch braucht. Was er für eine langsame Enthüllung seines großen Twists hält, ist für jeden Zuschauer nach zehn Minuten schmerzhaft offensichtlich – der Rest der Laufzeit ist nur das Warten auf die Bestätigung.

S&man2

 

Im ersten Augenblick scheint die Verwendung authentischer Figuren in „S&man“ ein geschickter Schachzug, erhöht sie doch den Eindruck, es hier mit einer „echten“ Doku zu tun zu haben. Aber letztlich leistet das einen Bärendienst, weil man viel mehr über die Arbeit dieser nur zur Ablenkung eingestreuten Nebenfiguren wissen möchte als über den zu offensichtlich fiktionalen Antagonisten. Die Deklarierung als Spielfilm stellt außerdem viele der hier getätigten Aussagen ins Zwielicht – man kann „S&man“ nichts glauben und  möchte am Ende statt der Fake-Doku lieber eine echte Doku über die Underground-Szene. Das narrative Element ist letztlich verzichtbar und uninteressant.

So bleibt die Frage – wer ist hier die Zielgruppe? „Softe“ Horrorfans dürften kein Interesse an der präsentierten „Szene“ haben, Hardcore-Freaks kennen sie zu gut, um sich von Petty ins Bockshorn jagen zu lassen. So verhungert „S&man“ als erzählerisches Experiment auf niedrigem Niveau über ein Thema, das eine genauere Betrachtung verdient hätte.

Fazit: Fake-Underground-Doku über Underground-Horror/Fetisch-Filmer, deren fiktionale Elemente zu uninteressant sind und auch zu offensichtlich.

MadFoxes1Mad Foxes

Schweiz/Spanien 1981. Regie: Paul Grau. Darsteller: José Gras, Laura Premica, Andrea Albani u.a.

Story: Ein junger spanischer Playboy namens Hal Walters gerät wegen seines extravaganten Wagens in Streit mit einer Clique von Nazi-Bikern. Schlägereien und Vergewaltigungen wechseln sich ab, irgendwann holt Hal seine Kumpel aus der Karateschule zu Hilfe, um es den Rockern zu zeigen. Diese wehren sich mit Maschinengewehren. Das folgende Massaker ist aber noch nicht das Ende der Zwistigkeiten – zum blutigen Showdown kommt es in der Villa von Hals Eltern.

Kritik: Es geht das Gerücht, „Mad Foxes“ sei ein Abschreibungsprojekt des umtriebigen Trash-Königs Erwin C. Dietrich gewesen – ein Projekt, über das man Gelder aus fragwürdigen Quellen waschen konnte. Somit kein wirklicher Film, sondern eine Art Stellvertreter, ein Platzhalter, etwas, dass man depperten Bankern glaubwürdig als Film verkaufen konnte, ohne es je ernsthaft in den Markt zu schieben. Etwas, das nichts taugen musste, sondern nur existieren.

Und genau so sieht „Mad Foxes“ auch aus. Ich kann mich an keinen international vertriebenen Film erinnern, der so sehr nach „mit ein paar Kumpeln vor Ort improvisiert“ aussieht. Im Drama gibt es keinerlei Regie, in der Action keinerlei Choreographie. Die Beteiligten stehen rum, sagen IRGENDWAS, und bei den Kämpfen schlenkern sie gerade mal ausreichend die Extremitäten, um sich das Catering zu verdienen. „Mad Foxes“ hat keine Geschichte zu erzählen, er passiert einfach. Die Biker finden Hal scheiße, also massakriert man sich gegenseitig, bis keiner mehr übrig ist. So einfach geht Kino.

Nichts, wirklich gar nichts ergibt hier irgendeinen Sinn. Das armselige Häufchen Nazi-Biker fährt Enduros, die Karatemeister tragen Gelbgurt, die Szene in einem Nachtclub scheint willkürlich Tanzszenen aus drei Filmen und drei Jahrzehnten zu verwursten. Alle zwanzig Minuten wird schmierig gepimpert, der Rest ist rüde Rauferei.

MadFoxes2

Nun klingt es vielleicht so, als würde ich all das dem Film vorhalten. Mitnichten! „Mad Foxes“ (in Deutschland auch mit den Zusätzen „Feuer auf Räder“ oder „Räder auf Feuer“ erhältlich) ist der Stoff, aus dem Trashologen-Träume sind! Wo nichts muss, geht alles! Eine Zelluloid gewordene Leckmich-Mentalität, dödelschwingend und alle niederen Triebe auslebend. Jungfrauen werden vergewaltigt, Nazis entmannt, Rollstuhlfahrerinnen weggeblasen. Hakenkreuze auf Armbinden kommen und gehen (je nachdem, ob an einem Ort gedreht wurde, an dem Ärger zu befürchten war), kleinere Unfälle und Pannen in der Action werden einfach in den Plot gebaut. Und das alles noch garniert mit der schauderhaften Musik der schweizer Heavy-Rocker von Krokus.

Zum völligen Meta-Erlebnis artet „Mad Foxes“ dann beim Showdown in einem ranzigen Filmstudio aus, wo auch die einzige Chance zur Brillanz vertan wird: Hätten in diesem Studio die vorher gesehenen Locations als Sets gestanden, DAS wäre echtes Kino über das Kino gewesen. Aber es sollte nicht sein.

Es gibt zu wenige Filme wie „Mad Foxes“. In dieser Liga spielen allenfalls „Macho Man“ mit René Weller und vielleicht noch „Brut des Bösen“ mit Christian Anders. „Mission Firegame“ kann knapp mithalten, „Liebesgrüße aus Fernost“ ist fast schon wieder zu professionell. Aber genau so muss das sein. Das macht Entdeckungen wie „Mad Foxes“ zu Perlen, zu Pretiosen. Kaviar futtert man ja auch nicht täglich und kiloweise.

Gäbe es das B-Film Basterds Festival nicht schon – für „Mad Foxes“ müsste es erfunden werden! Und wo wir gerade beim Thema sind:

b-film

Kein Trashfan kann sich erlauben, den Film nicht gesehen zu haben. Und dank einer liebevoll restaurierten und ungeschnittenen deutschen DVD gibt es auch keine Entschuldigung.

https://www.youtube.com/watch?v=jX2m128iXGs

Fazit: Ein wahnwitziges Trash-Potpourri, einsteigertauglich und auf allen Ebenen von sympathisch-hysterischer Inkompetenz durchdrungen.



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Peroy
Peroy

„Man-Thing“ ist bestimmt nicht schlechter als die kotige „Swamp Thing“-TV-Serie…

heino
heino

„Man-Thing“ hat wirklich wehgetan. Und „S&man“ erinnert auf unangenehme Weise von der Inhaltsangabe her an den furchtbar dummen und erzreaktionären „8 mm“

Baumi
Baumi

Auch schön, dass bei der deutschen Verleihtitelfindung für „Mad Foxes“ anscheinend die gleiche Schlunzigkeit an den Tag gelegt wurde wie bei der Produktion des Films. (Stichwort: Rettet dem Dativ.)

G

Man-Thing habe ich mir auch mal gegeben: http://trugbilder.blogspot.co.at/2014/07/man-thing-von-brett-leonard.html?m=1 Ein Satz mit X: Der war wohl nix.

Peroy
Peroy

Ich mag „8mm“. Der ist sehr, sehr gut und wird oft verkannt.

Dietmar

und bei den Kämpfen schlenkern sie gerade mal ausreichend die Extremitäten, um sich das Catering zu verdienen.

Zu schön! 😀

Reini

Von „Mad Foxes“ (absoluter Kult übrigens) gibt es mittlerweile auch eine hervorragende Blu-Ray…