Wer mein Blog lange genug liest, der kennt auch ein paar der Filmblogs, die ich mag und uneingeschränkt empfehle. Badmovies, den Original Video Junkie und so Zeug. Aber manche dieser Blogs werden irgendwann eingestellt, andere nehmen eine Richtung, die mir nicht passt. Vor allem aber: Es kommen immer wieder neue dazu, die in meine permanente Linkliste wandern. Und von denen wollte ich euch heute ein paar empfehlen. Für lange Winterabende.

1000 Misspent Hours And Counting ist ein Klassiker, die Webseite gibt es schon seit über 10 Jahren. Das Design ist mit spartanisch freundlich umschrieben, dafür kann man die Reviews alphabetisch oder chronologisch sortieren – ein Feature, das längst zum Standard gehören sollte. Die Auswahl der Filme ist sehr eklektisch und deckt die letzten 110 Jahre ab. Was Scott Ashlins Seite auszeichnet, ist die Expertise ihres Betreibers: Der Mann hat nicht nur massiv viel Ahnung von Filmgeschichte, er kann auch außerordentlich tiefgehend analysieren. Er bespricht Trash, ohne sich auf dessen Niveau zu begeben – und ohne von oben darauf hinab zu schauen.

Good Efficient Butchery ist eine Neuentdeckung, die ich William vom Video Junkie und Facebook verdanke. Mark Tinta hat ein einfaches, aber sehr lesefreundliches Blog-Template am Start und bespricht so ziemlich alles (von Steven Seagal bis Roger Moore) gleichermaßen kompetent wie lesenswert. Es wäre mir eine Freude, eines Tages seine Präzision und Trennschärfe zu erreichen.

Checkpoint Telstar von Tim Lehnerer ist wie eine Steigerung der vorangegangenen beiden Angebote. Das Layout wieder simpel, die Spalte etwas zu breit – dafür Reviews, denen der Begriff  „ausführlich“ nicht gerecht wird. Anders als bei Badmovies, wo meist die elaboraten Inhaltsbeschreibungen den meisten Platz einnehmen, konzentriert sich Lehnerer auf Kontext und Analyse. Das ist allemal lehrreich und hoch kompetent, aber auch so fordernd, dass ich mir die Reviews manchmal als papiernes Buch wünschen würde, um sie in Ruhe auf dem Klo zu lesen. Am Bildschirm ist das etwas ermüdend.

Made for TV Mayhem geht in eine ganz andere Richtung. Die Seite ist so hässlich wie die meisten Produktionen der primär 70er Jahre, die hier besprochen werden. Aber das ist alles gut und richtig, denn wie der Titel andeutet, geht es um TV-Filme. Obskure, billige, oft genug niemals auf Kassette oder Scheibe veröffentlichte TV-Filme. Das mag nicht jedermanns Teetasse sein, aber ich steh drauf. Und ähnlich wie die Filme sind die Reviews straff und nicht allzu komplex.

https://www.youtube.com/watch?v=y6825WAD_H0

Johnny LaRue’s Crane Show ist eigenwillig benamst und auch nicht von einem Johnny LaRue betrieben, sondern von Marty McKee. Ihn zeichnet eine sehr knackige, lesefreundliche Schreibe aus, die auch gut in Printmagazine passt. Außerdem bespricht er kommerzielle, aber gerne kleinere Produktionen wie „Thunder Run“, „US Seals“ und Hunderte von TV-Produktionen. Da macht die Mischung den Unterhaltungswert.

By John Charles sammelt, erwartungsgemäß, Texte von John Charles. Meistens Reviews, die früher z.B. in „Video Watchdog“ veröffentlicht wurden. Das erklärt auch die knappe, präzise Schreibe, die gut zu seinem aufgeräumten Blog-Template passt. Als Bonus ergänzt Charles seine Reviews, wenn es mittlerweile neue Releases der Filme gibt.

The Digital Bits stellt weniger Reviews in den Vordergrund, sondern die Release-Daten neuer Filme auf DVD und BluRay. Dabei wird besonderer Augenmerk darauf gelegt, welche Perlen die Studios aus ihren Archiven kramen, welche Filme restauriert werden, etc.

Zu den Webseiten, die man lesen sollte, obwohl sie kein neues Material mehr bereit stellen, gehören Beyond Hollywood und Pause.Rewind.Obsess. von „Video Watchdog“-Chef Tim Lucas. Bei den Recherchen habe ich gerade übrigens festgestellt, dass es 2013 auch ein Pause.Rewind.Obsess.2 gab. Hurra, neuer Lesestoff! Jeremy Milks Webseite Cult Trailers ist wohl auch nicht mehr aktiv, aber es gibt dort immer noch tonnenweise seltene Plakate und – genau – Trailer zu finden. Freunde gepflegter Schlägereien lesen noch bei Fist of the B-List nach, bevor der Content offline genommen wird. Gleiches gilt für das Lost Video Archive, das primär von VHS-Obskuritäten berichtete.

Es lohnt sich übrigens, bei den meisten dieser Webseiten in den Linklisten nach weiteren Perlen zu suchen.

So, das waren meine Empfehlungen. Habe ihr noch welche?



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heino
heino

Klasse, da bin ich ja erstmal beschäftigt:-)

Kuang
Kuang

Mir gefällt ja Todd Alcott. http://www.toddalcott.com/
Seine Abhandlungen zu einzelnen Filmen sind unglaublich lang, aber mMn jede Minute wert.
Auch kürzere Artikel, in denen er von seinen Erfahrungen als Screenwriter erzählt (wie dieser hier http://www.toddalcott.com/some-thoughts-on-maleficent.html ) sind sehr interessant.

Kaio
Kaio

Ich muss zu meiner Schande gestehen das ich eigentlich nur noch Videopodcasts zum Thema schaue – und diese Seite hier lese. RedLetterMedia, NostalgiaCritic und Kino+ wären da meine go to Video Podcasts was Filme angeht.

Früher hab ich auch noch Fünf Filmfreunde gerne gelesen, aber da kommt schon seit längerem nur noch alle paar Wochen mal ein review, und die strotzen auch nur noch vor „Diese Filme sind alle zu blöd für mich“ und haben mit Begeisterung für das Medium Film nix mehr zu tun.

Nico
Nico

+1 für RedLetterMedia. Best of the worst und Half in the bag.

G
Thies
Thies

Eins meiner Lieblingsblogs ist das von Ken Levine – als Drehbuchautor tätig u.a. bei „M.A.S.H.“, „Cheers“ und „Frasier“ – der jeden Freitag Fragen zur Arbeit bei Fernsehserien im Allgemeinen und Sitcoms im Besonderen beantwortet. Ansonsten verblogt er (fast) täglich seine Gedanken zu aktuellen Themen aus Film und Fernsehen was (fast) immer sehr unterhaltsam ist.
http://kenlevine.blogspot.de/

Früher ein fester Anlaufpunkt war für mich „The Agony Booth“ wegen ihren seitenlangen Recaps schlechter Filme. In ihrer Struktur waren diese den Reviews von Badmovies nicht unähnlich, aber der Humor war trotzdem eine Nummer für sich. Der Recap von „Manos – the hands of fate“ war trotz seiner Länge wesentlich kurzweiliger als der Film an sich. Inzwischen wurde das Konzept der Seite zu einer Plattform für Reviews und Videoblogs überarbeitet, derren Qualität doch starken Schwankungen unterliegt. Aber im Archiv sind noch alle Recaps zu finden.
http://www.agonybooth.com/

Und dann wären da noch zwei Rubriken vom AV-Club. In „My year of flops“ bespricht Nathan Rabin eine Auswahl von Filmen die beim Publikum durchfielen und prüft ob es sich um einen verdienten Flop, einen Geheimtip oder ein totales Fiasko handelt.
http://www.avclub.com/features/my-year-of-flops/

Und in „Random Roles“ werden Darsteller nach verschiedenen Rollen aus ihrer Karriere befragt. Meistens handelt es sich um verdiente Nebendarsteller, die auf eine reichhaltige Filmographie zurückblicken können, wobei die gewählten Filme wie der Titel schon sagt, zufällig und nicht chronologisch erfolgen.
http://www.avclub.com/features/random-roles/