15
Okt 2014

Kritik: "Space Station 76"

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

space_station_sevensixUSA 2014. Regie: Jack Plotnick. Darsteller: Patrick Wilson, Liv Tyler, Marisa Coughlan, Matt Bomer, Jerry O’Connell u.a.

Story: Jessica hat sich zur Raumstation 76 versetzen lassen, um dort ihren Dienst als Co-Commanderin zu versehen. Vor Ort steht es nicht zum Besten, denn die Besatzung kümmert sich ausschließlich um die eigenen kleinen Dramen und Problemchen: Commander Glenn trauert seinem Ex-Lover nach, Misty betrügt ihren Gatten mit dem Stations-Stecher, Ted kämpft mit dem Trauma seiner mehr schlecht als recht funktionierenden elektrischen Ersatzhand. Alle Versuche, Ordnung in das Chaos zu bringen, scheitern – und ein riesiger Asteroid torkelt unbemerkt auf die Station zu.

Kritik: Wieder so ein SF-Film, den niemand auf dem Schirm hatte, bis der entzückend gestaltete Trailer samt Filmplakat auftauchte. Zuckerschnute Liv Tyler in einer "Mondbasis Alpha"-Comedy? Retro-Space für Hipster-Nerds? Independent-SF als Hommage an "2001" und "Dark Star"?

shutup

Leider trügt der Schein, wie so oft – was sich konzeptionell bezaubernd liest und nach einem schrägen Vergnügen klingt, entpuppt sich als konzeptloses Abspielen dröger Zwischenmenschlichkeiten, als freudloses Wiederkäuen von Swinger-Suburbia-Klischees der 70er – nur eben auf einer Raumstation. Man schluckt Pillen, betrügt sich, missgönnt dem Nachbarn die Beförderung, etc. Der luftleere Raum ist hier die Dramaturgie, nicht das Weltall.

Es gibt keine Handlung, nur lose Szenen, die wie willkürlich aus einer Seifenoper der 70er geschnitten scheinen. Keine Charakterentwicklung, keine Bögen, keine Steigerung, keine Spannung – konsequenterweise hat "Space Station 76" auch keine Ende im cineastischen Sinne. Er hört nur einfach irgendwann auf.

Schwer zu beschreiben, wie stickig und leblos der Film wirkt, wie starr die Figuren, wie hölzern die Dialoge. Das braun/beige/grau des Production Designs durchdringt als Stimmung die Atmosphäre, infiziert die Darsteller. Sprach- und Antriebslosigkeit regieren.

Die Schuld an dem Debakel muss man eindeutig Schauspieler Jack Plotnick geben, der hier als Autor und Regisseur versucht, seinem früheren Brötchengeber Quentin Dupieux auf dem Gebiet der Avantgarde-Comedy nachzueifern, deren Avantgarde primär darin besteht, alles auszulassen, was für Comedy gehalten werden könnte. Die zwei, drei gelungenen Szenen ersaufen in einer Abfolge von peinlichen, jedes Timings befreiten Blackouts.

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Das alles ist eine Schande, denn der Film hat das Geld, den Look und die Darsteller für eine wirklich überzeugende Independent-Komödie. Ich würde mich über "Reno 911! – in SPACE!" ebenso freuen wie über "Party down – in SPACE!" oder "It’s always sunny – in SPACE!" oder "The Office – in SPACE!". Aber das hier ist "Diese Drombuschs – in SPACE!". Zur Hölle noch mal, "Jupiter Moon" hatte mehr Tempo als diese Schnarchnummer! In SPACE!

Fazit: Wer Quentin Dupieux' Filme "Wrong" und "Wrong Cops" für großes Kino hält und "Dark Star" zu nervenaufreibend findet, dürfte sich bei diesem handlungsfreien Valium-Vakuum wohl fühlen. Filmfans, die ihre Murmeln beieinander haben, sollten sich vom schicken Retro-Look nicht täuschen lassen. Gelebte Lethargie.



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Marco
Marco
16. Oktober, 2014 04:03

Ja, muss dir leider zustimmen. So eine lahme Gurke. Viel Schein, wenig sein. Mein Uteil war klar, als ich feststellte, dass es mich ueberhaupt nicht stoerte dass es einfach aufhoerte. Ich war froh, dass es vorbei war. Mal wieder eine vergebene Chance. 🙁

Megaherz
Megaherz
19. Oktober, 2014 20:54

Hallo, vergiss die billigen Schinken. Twin Peaks kehrt zurück – nach 25 Jahren! Die Nachricht des Monats! Zeit für ein Resümee, in deinen TV Guides gab es ja kein Kapitel dazu. Verdient gehabt hätte es die Serie allemal!

Aceman
Aceman
23. Oktober, 2014 14:36

Der einzige relevante – In SPACE Film ist:
Machete kills again… in Space
http://www.filmjunkies.de/video/trailer-machete-kills-again-in-space_-4226.html

Ludowika
10. Dezember, 2014 00:23

Die Kritik spricht mir aus der Seele. Selten hat mich ein Film so enttäuscht, wie der hier besprochene. Die Figuren sind m.E. banal und uninteressant. Schade um die vielen Ressourcen, die die Produktion verbraucht hat.

trackback

[…] knarzig-effektiven Regie im Stile von Eastwood und John Ford. Patrick Wilson, der oft zu glatt und ausdruckslos wirkt, hat hier ebenso die richtige Rolle gefunden wie Pretty Boy Matthew Fox als Dandy-Arschloch […]