The House at the end of timeVenezuela 2013. Regie: Alejandro Hidalgo. Darsteller: Ruddy Rodriguez, Gonzalo Cubero, Rosmel Bustamante, Guillermo Garcia

Offizielle Synopsis: Seit Dulce, die Mutter zweier Kinder, mit ihrem Mann in das geheimnisumwitterte, alte Kolonialhauses irgendwo in Venezuela gezogen ist, geschehen dort seltsame Dinge. So wie es sich für Spukhäuser gehört. Eines Tages findet sie ihren Mann erstochen auf und als kurz darauf ihr kleiner Sohn Leopoldo von dem finsteren Kellergewölbe regelrecht verschluckt wird, hat sie bei der Polizei ein Glaubwürdigkeitsproblem. Was ihr jahrzehntelange Haft einbringt, die sie unschuldig verbüßt. Und sie schließlich mit der unerschütterlichen Absicht in das Gemäuer zurückkehren lässt, dessen Rätsel endgültig zu lösen. Noch kann sie nicht ahnen, wie sich ihr Schicksal erfüllen wird an diesem rätselhaften Ort – dem Haus, das Anfang und Ende vereint.

Kritik: Ich habe dieses Jahr irgendwie einen Overkill an Spukhausfilmen. Das Thema ist einfach nicht totzukriegen (pun intended). Nach zwei Beiträgen aus den USA und einem aus Neuseeland gibt sich nun Venezuela die Ehre – ein Land, das nicht gerade für seine blühende Filmindustrie bekannt ist (Vellywood?). Aber genau wegen solcher Außenseiter gehe ich (unter anderem) auf das FFF, also Ceylon-Tee auspacken, Leberkäs-Semmel bereit legen und „Film ab!“…

„The House at the End of Time“ lebt von seiner Struktur, der Art, wie er Gegenwart und Vergangenheit über Flashbacks zusammen bringt, bis sie sich ergänzen, schließlich sogar beeinflussen. Dulce war immer da, wird immer da sein – ist damit omnipräsent. Sie ist der Fokus des Geschehens, auch wenn sie als Protagonistin wenig taugt. Sie hat Angst, ist vom Leben ausgelaugt, schweigsam und mürrisch. Für sie Sympathie aufzubauen, sei es in der Gegenwart oder in den Flashbacks, fällt vergleichsweise schwer.

Es tut mir leid, wenn ich sehr vage klinge, aber es ist ausnehmend schwer, den Film zu erklären oder zu bewerten, ohne zuviel zu verraten. Denn das Geheimnis von „The House at the End of Time“ geht weit über die Frage hinaus, was im Haus spukt. Vom Prolog an fragen wir uns, wer hier eigentlich wem etwas will. Jeder ist verdächtig und doch gleichzeitig ein Opfer. Das macht den Reiz aus, vor allem, wenn am Schluss langsam alles zusammen findet.

Ich will mich jetzt nicht weiter in wolkigen Analysen ergehen. Inhaltlich ist „The House at the End of Time“ durchaus potent, präsentiert eine Spukgeschichte, die wir so noch nie gesehen haben – und deren Ende so stimmig wie befriedigend ist. Das Finale ist es auch, dass Dulce als Protagonistin rechtfertigt, wenn auch etwas spät.

Technisch hat „The House at the End of Time“ allerdings so seine Probleme: Trotz der relativ straffen und mehrschichtigen Struktur sind viele Szenen lähmend langsam, verbringen die Figuren anödend viel Zeit damit, in Türen und dunkle Gänge zu starren. Es ist ein freudloser Film, dessen Figuren nicht mit tatsächlichem Antrieb ausgestattet sind, sondern erst aus leerer Verzweiflung in die Gänge kommen. Alle schauen ständig drein wie auf einer Beerdigung und die Hauptemotion, die „The House at the End of Time“ transportiert, ist Depression. Wirkliche Begeisterung kann da auch im Zuschauerraum nicht ausbrechen.

Angesichts der zähen Vorgänge auf der Leinwand ist die Bewunderung, die man für die raffinierte Geschichte aufbringt, denn auch eher intellektueller Natur.

mitteFazit: Ein müder, trister Geisterhausfilm, dem die sympathischen Figuren abgehen – was letztlich schade ist, weil die Grundidee spannend ist und souverän aufgelöst wird. Ein geeigneter Kandidat für ein US-Remake mit etwas mehr Fokus auf dem Entertainment.



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Torsten, mach bitte mal oben das Tag richtig, damit man ihn auch sieht, wenn man das Thema FFF 2014 auswählt.

Marcus
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What he said. 7/10.

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