ExtraterrestrialUSA 2014. Regie: Colin Minihan. Darsteller: Brittany Allen, Freddie Stroma, Melanie Papalia, Gil Bellows, Michael Ironside

Offizielle Synopsis: Eigentlich ist Kleinstadtpolizist ein ganz entspannter Job. Der Sheriff des beschaulichen Echo Lake muss sich in letzter Zeit allerdings mit einigen ungewöhnlichen Vorkommnissen herumschlagen. Nachts fliegt plötzlich eine Telefonzelle samt panischer Anruferin in die Luft und kommt Augenblicke später nur in Einzelteilen zurück. Die Farmer der Umgebung beschweren sich über seltsam sauber abgetrennte Teile ihrer Zuchttiere und eine schwer verletzte Frau warnt vor außerirdischen Entführern. Was der Sheriff zunächst nicht wahr haben will, prophezeit der örtliche Tankwart schon im Opener: „That shit was out of this world!“

Ausgerechnet in besagtem Echo Lake richtet sich eine fröhliche Clique auf ein partyfreudiges Wochenende in einer Hütte im örtlichen Wald ein. Doch ungebetener und garantiert nicht wohlgesinnter Besuch aus dem All schickt sich an, den Freunden ihren Ausflug gehörig zu vermiesen …

Kritik: Ich gestehe, dass mir Zynismus mittlerweile ziemlich auf den Sack geht. Speziell der Zynismus, der Filmemacher dazu bringt, die immer gleichen Filme zu drehen, weil sich immer wieder Idioten finden, die die immer gleichen Filme gucken wollen. Wenn ich morgen einen Streifen mit dem Titel „Die Waldhütte“ und dem Untertitel „Es sollte die Party des Jahres werden – es wurde ein Trip IN DIE HÖLLE!“ bei Müller ins DVD-Regal stelle und Leuten kaufen den dann – wer ist dann der größere Arsch? Produzent oder Käufer? Henne oder Ei?

„Extraterrestrial“ ist ein perfektes Beispiel für den eierlosen, hippen, zynischen und postmodernen Horrorfilm, der so lange den gleichen Plot durchkaut, bis er ihn wieder als Kult rebooten oder „reimaginen“ kann. Die Nachfrage der Zielgruppe wird als Legitimität des intellektuell bankrotten Angebots gesehen – nach dem Motto: „Wenn die das kaufen, werden wir es schon richtig gemacht haben“. Und was das Schlimmste ist: Das stimmt vermutlich.

Ich hatte zum Erstling der Vicious Brothers, „Grave Encounters“, seinerzeit geschrieben:

 „Es ist nichts neu, alles sehr billig, und mit einem so leidenschaftslosen Blick auf die Vermarktbarkeit produziert, dass keine wirkliche Freude (oder gar Spannung) aufkommen kann.

Muss man sich darüber freuen, dass die „Vicious Brothers“ sich treu geblieben sind?

Man sollte nicht immer vom Äußeren auf den Charakter schließen, aber schaut euch diese beiden mal an:

(Bild entfernt)

Die hätte ich mir auch ohne das Bild genau so vorgestellt. Es ist nur folgerichtig, dass einer der Geldgeber dieser „Vicious Brothers“ der Ex-Verlobte von Paris Hilton ist.

Und so fahren also wieder eine Handvoll Freunde in den Wald zur Hütte der Eltern. Einer ist voll die Nervensäge, der immer Scheiße baut und alles mit dem Handy aufzeichnet. Die Blondine ist strunzdumm und trägt Shorts. Der grumpige Sheriff mahnt die „damn kids“, in seinem Revier keinen Unfug zu veranstalten. Joints überall. Der Strom fällt aus, ein Baum blockiert die einzige Straße. Und dann…

Ja, und dann ist es scheißegal, ob der Killer mit der Machete kommt, der Werwolf oder (wie in diesem Fall) ein Haufen Aliens, die so langweilig den Grey-Klischees entsprechen, als hätte man sie aus einem alten Buch von Erich von Däniken rauskopiert. Der Rest ist Geschrei, Geballer, Gesplatter, Gerenne und „shit!“, „fuck!“, „I don’t fucking believe this!“, „we gotta get out of here!“, „Fuck that, man!“, „OMG!“ und „Jesus!“.

runterFazit: „Close Encounters of the Cabin in the Woods Kind“ – ein einfallsloser, mit dummen Menschen und dummen Dialogen angefüllter D-Film, der sich wohl für irgendwie ironisch oder witzig hält, in Wirklichkeit aber nur zynisch auf die Nische schielt und lange nach dem Ende nicht weiß, wann er aufhören sollte.



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Dietmar

Oh ja, sehen herzig aus, die Buben.

Peroy
Peroy

„“Die Waldhütte” und dem Untertitel “Es sollte die Party des Jahres werden – es wurde ein Trip IN DIE HÖLLE!”“

You’re up to something…?

sergej
sergej

Auch nicht schlechter als „Sin Reaper – Stirb für deine Sünden“

Peroy
Peroy

Das‘ auch nicht schwer…

John
John

Puh…
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Thies
Thies

Leider kam des Wortvogels Warnung zu spät, da ich zu dem Zeitpunkt die Karte schon gekauft hatte. Heute am Tag der Wahrheit war ich durch die vorher gesichteten Filme milde gestimmt und dachte mir: „wie schlimm kann es schon werden?“ 100 Minuten später war ich schlauer! Das war alles derart dumm und langweilig, dass man nicht mal mit einer „Bier auf – Hirn aus“-Haltung weiterkam und das endlos langgezogene Finale setzte dem ganzen dann noch die Krone auf. What a stinking pile of shit!

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[…] (Fessenden) ♥ Blue Ruin ♣ Cannibal ♦ Coherence ♥ Cold in July ♥ Dark House ♣ Extraterrestrial ♦ Faults ♦ Go Goa Gone ♥ Honeymoon ♥ Housebound ♦ In Darkness we fall ♥ iNumber […]

Marcus
Marcus

Es ist schon fast wieder beeindruckend, wie man dem abgenudeltsten Horrorfilmsetup („Die Waldhütte“ uswsf.) noch einen relativ frischen Twist (Aliens!!!) aufsetzen und das ganze dann trotzdem so lieblos, klischeetriefend und nach Schema F runterkurbeln kann. Mit viel gutem Willen noch 4/10.

Und zur Analsondenszene: die Wachowskis haben angerufen und wollen gerne ihre Roboterkrake aus dem ersten MATRIX zurück.

G

„wer ist dann der größere Arsch? Produzent oder Käufer? Henne oder Ei?“

Der Käufer. Solange solche Filme Geld abwerfen, werden sie produziert, um etwas Anderes geht es denen ja nicht.

trackback

[…] Weil er von den Vicious Brothers ist, die ich menschlich für so unsäglich halte wie ihre Filme. So wie man bei gewissen […]