these final hoursAustralien 2014. Regie: Zak Hilditch. Darsteller: Angourie Rice, Nathan Phillips, Daniel Henshall, David Field, David Partridge, Jessica de Gouw, Kathryn Beck, Korum Ellis, Lynette Curran

Offizielle Synopsis: Einer der zweifelhaften Vorteile des Weltuntergangs durch einen Meteoriteneinschlag ist, dass einem vor dem Aufprall genug Zeit bleibt, um Pläne für die letzten Stunden zu schmieden. James möchte den großen Knall möglichst zugedröhnt beim finalen großen Rave der Menschheit erleben und lässt dafür seine heulende Freundin allein zurück.

Als er auf dem Weg dorthin allerdings ein kleines Mädchen namens Rose vor zwei Widerlingen rettet, hat er plötzlich eine Beifahrerin im Auto, die er vor der Party noch loswerden muss. Gemeinsam fahren die beiden durch die brennende Hitze der australischen Vorstadtwüste, während von der anderen Seite des Planeten bereits die todbringende Feuerwand auf sie zurast. Rose ist auf der Suche nach ihrem Vater und James auf der Suche nach jemandem, der ihn von seiner Verantwortung befreit. Doch mit umso mehr Wahnsinn und Narzissmus das unfreiwillige Paar angesichts des tickenden Countdowns auf ihrem Trip konfrontiert wird, desto mehr wird James klar, dass er sich entscheiden muss, was ihm im Auge des Todes wirklich wichtig ist.

Kritik: Ich mag „kleine“ Apocalypse-Streifen, die den Niedergang der Menschheit bescheiden, aber doch umfassend bebildern. Es gefällt mir, wenn Regisseure mit begrenzten Mitteln die ganz große Leinwand bepinseln. In dieser Hinsicht finde ich „Carriers“ oder „The Last Days“ beeindruckender als Emmerichs „2012“ oder „Deep Impact“. Weil sie zeigen, dass es nur wenige Details braucht, um den Zuschauer glauben zu lassen. Ein ausgebrannter Wagen hier, ein Hitzeflimmern dort, leere Straßen übersät von Zeitungen, Rauschen im Fernseher, den niemand mehr abstellt.

Ich mag auch Filme, denen es nicht mehr darum geht, wie sich die Apocalypse noch aufhalten lässt. Diesen ewige Wettlauf mit der Zeit und der Technik, um dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen, finde ich ungleich unspannender als die simple Erkenntnis, dass Stunde X vor der Tür steht – und wir alle nun unseren Frieden damit machen müssen. Was würdet IHR tun?

Aus diesem Grund hatte „These final hours“ ein leichtes Spiel mit mir, denn er bedient genau diese Narrative. James ist ein Taugenichts, der in seinem Leben nicht viel zustande gebracht hat. Mit der Familie verkracht, gerne auf Drogen, die langjährige Freundin mit einer anderen betrogen, die nun auch noch schwanger ist – zehn Stunden vor dem unaufhaltsamen Untergang. James willl sich nach eigenen Worten nur zuknallen und nix mehr merken – auf der großen letzten, von Sex und Drogen geprägten Party seines Kumpels Freddy. Aber die Fahrt dorthin wird für ihn ein Weg zu sich selbst, eine Rückbesinnung auf den besten Mann, den er sein kann, der er aber nie war. Als nichts mehr zählt, findet er das, was wirklich zählt.

Zak Hilditch erzählt diese charakterliche Wiedergeburt ohne Happy End und doch irgendwie mit Happy End straff, als episodisches Roadmovie in einer zerbrechenden Welt. Wir sehen die vielen, zumeist verzweifelten Versuche, mit den letzten Stunden umzugehen, die Verzweiflung, den Wahnsinn. Und wir sehen das Ende der Welt – umgesetzt in einer erstaunlich potenten CGI-Feuerwalze, die schön und schrecklich zugleich ist.

Getragen wird „These final hours“ zudem von ein paar beendruckenden Performances, insbesondere von der kleinen Angourie Rice und Nathan Phillips, dem ich nach fünf Minuten verziehen habe, dass er ein wenig wie Don Swayze aussieht.

Vielleicht nicht der Film, wegen dem der FFF-Splatterfan zum Festival anreist – aber genau das, was ICH hier gerne sehe. Und wieder ein Film, bei dem ich mich frage, warum so etwas hierzulande nicht möglich ist. In „These final hours“ läuft alles auf einen Kommentar über die „human condition“ hinaus – im vergleichbaren deutschen Pendant „Hell“ beschäftigt man sich zum Ende der Zivilisation nur noch mit Kannibalen-Bauern.

hochFazit: Ein bescheiden produzierter, aber inszenatorisch absolut überzeugender Film vom Ende der Welt und dem Anfang der Hoffnung. Sehr emotional, sehr berührend und allemal auch für die Freundin tauglich, die hinter garantiert fragen wird: „Würdest du für mich auch zurückkommen?“. Antwortet einfach „Ich würde dich gar nicht erst verlassen.“

 



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Trantor
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„und allemal auch für die Freundin tauglich, die hinter garantiert fragen wird: „Würdest du für mich auch zurückkommen?“. Antwortet einfach „Ich würde dich gar nicht erst verlassen.““

Hehe, die Antwort ist gespeichert :). Nur sollte vor diesen Passus nicht ein „Spoiler“-Schild?!

Wortvogel
Wortvogel

@ Trantor: Meine Reviews sind generell nicht spoilerfrei. Ich bemühe mich zwar, aber ich kann in der Eile und in der Notwendigkeit, den Film komplett darzustellen, auf solche Details nicht achten. Zumal in „These final hours“ eigentlich ab Szene 1 klar ist, wie es endet.

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Generell ist es bei mir umgekehrt, ich finde Filme, in denen die Apokalypse unweigerlich kommt, meistens ziemlich langweilig, da die Erkenntnisse (was zählt wirklich, was würdest Du tun usw.) letztendlich immer gleich sind.

Lars
Lars

Das wirkt auf mich etwas, als ob das die Low Budget Variante von „Seeking a friend for the end of the World“ ist. Hast Du da eventuell eine Vergleichsmöglichkeit.

Wortvogel
Wortvogel

@ Lars: Nö. Warum auch?

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[…] end of time ♣ The strange colour of our body’s tears ♣ The Treatment ♥ The Voices ♥ These final hours ♦ Time Lapse ♥ Under the Skin ♥ We gotta get out of this place ♣ Wer ♥ What we do in […]

Marcus
Marcus

Wow. 10/10.