open windowsFrankreich/Spanien/USA 2014. Regie: Nacho Vigalondo. Darsteller: Elijah Wood, Sasha Grey, Neil Maskell, Adam Quintero

Offizielle Synopsis: Nick hat sich auf ein Date mit der launischen Schauspielerin Jill gefreut, das er bei einer Online-Verlosung gewonnen hatte. Doch die Diva sagt kurzerhand grundlos ab. Da hackt sich der mysteriöse Chord – angeblich ihr Manager – in Nicks Rechner ein und macht dem Fan ein seltsames Angebot: „Wenn du tust, was ich dir sage, wirst du Jill auch gegen ihren Willen sehen können – über ihre Webcam.“ Dem kann der gekränkte Nick nicht widerstehen, und lässt sich auf das undurchdringliche Spiel ein, bei dem er schnell schmerzlich zu verlieren droht.

Kritik: Ich lese ja bekanntlich die Programmtexte nicht und schaue mir auch keine Trailer an, damit ich die Filme vom FFF „frisch“ zu sehen bekomme. Darum hatte ich auch keine Ahnung, was mich bei „Open Windows“ erwartet. Elijah Wood? Punkt Abzug, den kann ich nicht leiden. Ex-Pornostar Sasha Grey? Zwei Pluspunkte. Gekauft.

„Open Windows“ ist zuerst einmal ein Konzeptfilm, der vollständig über das Geschehen auf einem Laptop-Bildschirm erzählt wird. Wir sehen nur, was sich in den diversen Fenstern abspielt – da allerdings einige Webcams zugeschaltet sind, ist das durchaus ausreichend. Oft genug ist die eigenwillige Perspektive sogar irrelevant – was die Webcams zeigen, könnte auch eine normale Kameraeinstellung sein.

Am Anfang haben wir noch das Gefühl, die mysteriöse Stimme, die Nick nach und nach die Kontrolle über Jills Hardware und dann über ihr Leben gibt, könnte uns in einen sleazigen Torture Porn führen. Nick bekommt Macht über die Frau, die er aus der Ferne bewundert – und beginnt langsam, sie sadistisch auszuleben.

Aber das ist nicht der Weg, den „Open Windows“ geht. Sehr schnell zeigt sich, dass Nick nur Handlanger von Chord ist, dessen Ziele im Dunkeln bleiben. Es gelingt dem jungen Mann, sich eine zweite Kommunikationsebene mit einer französischen Hackergruppe aufzubauen, die ihn für einen der besten Cybersoldaten der Welt hält. Langsam beginnt Nick, die totale Überwachung gegen den mysteriösen Erpresser einzusetzen.

Das könnte ein bierernster, böser Thriller über die 1000 Augen der modernen Mediengesellschaft sein, in der wirklich alles kontrolliert werden kann: Überwachungskameras, Handys, Verkehrsampeln, Polizeifunk. Aber Pustekuchen: „Open Windows“ ist schon nach zehn Minuten so abgedreht, dass jede Glaubwürdigkeit aus dem Fenster fliegt. Die Fähigkeit Chords, wirklich alles zu überwachen und alles vorherzusehen, kennt keine Grenzen und überschreitet fast augenblicklich die Grenze zum Absurden. Jedes noch so komplizierte System ist mit zwei, drei Tastenkombinationen weltweit auszuhebeln, auf Nicks Laptop stapeln sich irgendwann Echtzeit-Informationen, dass die NSA feuchte Augen vor Begeisterung bekäme.

Das Verständnis, das die Macher für moderne Überwachungstechnik haben, entspricht ungefähr dem von Daniel Düsentrieb. Die Software hat was von Yps (mit Gimmick!) und ihre Möglichkeiten machen den „CSI“-Serien alle Ehre. Wenn man den Computer nicht versteht, kann man ihm umso schamloser huldigen.

„Open Windows“ wird im Laufe des zweiten Akts immer lauter, schneller, abstruser und unlogischer. Aber dahinter steckt keine Inkompetenz, sondern Konzept – der Film rast förmlich von einem Twist in den nächsten und nimmt bewusst in Kauf, dass der Zuschauer den Quatsch zwar erkennt, vor lauter Entertainment aber nicht dazu kommt, sich darüber an den Kopf zu fassen. Das Finale ist mit „an den Haaren herbei gezogen“ nicht ansatzweise adäquat beschrieben – aber man hat zuviel Spaß, um sich davon in die Suppe spucken zu lassen.

Elijah Wood ist dabei erwartungsgemäß solide, und Sasha Grey ist schlicht sensationell. Sie ist nicht nur eine sehr gute Schauspielerin – auch ihre Vergangenheit als Pornostar schimmert immer noch durch. Sie ist es gewohnt, Macht über Männer zu haben, was selbst in den Szenen, in denen sie das Opfer ist, subtil durchscheint.

Ähnlichkeiten mit „The Voices“ sind übrigens nicht zu übersehen – „Open Windows“ spielt in Austin/Texas, wurde aber praktisch komplett mit spanischer Crew in und um Madrid gedreht.

hochFazit: Alberner Cyberthriller trifft „Saw“ – plus Sasha Greys Brüste. Wem das nicht reicht, der kann sich von einer flotten Inszenierung, vielen Wendungen und einer hanebüchenen Darstellung von High Tech begeistern lassen, die den Kopf platzen lässt.

 

P.S.: Wer den Prolog gesehen hat, wird mir zustimmen – ich will „Dark Skies“ sehen!



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Peroy
Peroy

Ich glaub‘, Elijah Wood spielt einem mittlerweile alles, solange es nur weit genug weg ist von HdR…

sergej
sergej

„Ex-Pornostar Sasha Grey? Zwei Pluspunkte.“
Falsches Vorzeichen.

Peroy
Peroy

„Ex-Pornostar“ ist dasselbe wie „Ex-Serienkiller“…

Marcus
Marcus

What he said. Komplett gaga, aber auch das Gegenteil von Langeweile. 7/10.

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[…] us prey ♦ Life after Beth ♥ November Man ♣ Nurse 3D ♣ Oculus ♣ On the Edge ♥ Open Windows ♣ Patch Town ♥ Patema inverted ♦ Redirected ♣ Rufus ♣ Stage Fright ♥ Starred up […]

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[…] möchte wieder zur Unwissenheit zurück. Ich will nicht wissen, dass der Frodo Beutlin aus “Open Windows” dahinter steckt, dass “Death” von den White Lies gar kein übersehenes […]

Peroy
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BUUUULLSHIIIIIT!!!!