Nurse 3DUSA 2013. Regie: Douglas Aarniokoski. Darsteller: Paz de la Huerta, Katrina Bowden, Corbin Bleu, Kathleen Turner, Judd Nelson, Boris Kodjoe

Offizielle Synopsis: Sie ist eine Krankenschwester mit besonderer Mission. Tagsüber ist sie zum Wohle der Menschheit unterwegs, doch nachts als Serienkillerin. Ihre Motivation? Irgendwas mit untreuen Ehemännern, die bestraft werden müssen. Am meisten dürfen sich Schwester Abby und Schwester Danni bekriegen. Die hatten nämlich Sex miteinander und das führt am Arbeitsplatz bekanntlich zu Konflikten. Also holt Abby die Knochensäge raus und spritzt die Reizwäsche rot. Danni hat ihre liebe Mühe, ihr Umfeld von Abbys tödlichen Neurosen zu überzeugen.

Kritik: Dieses Plakat, der Titel, 3D, Paz de la Huerta, Katrina Bowden – „Nurse 3D“ ist ein einziges schwülstiges Versprechen, ein Zelluloid gewordenes Milo Manara-Comic, das Blut und Sex enthusiastisch zu verbinden gelobt.

Weil dahinter aber der Macher des spektakulär vergeigten „Highlander: Endgame“ steckt und nur wenige Regisseure es verstehen, den schmalen Grad zwischen Tease und Terror zu wandeln, ging ich mit entsprechenden Vorbehalten in den Kinosaal.

Und siehe da – „Nurse 3D“ ist wie „Wolfcop“ genau das, was er sein will – und was er sein will, ist verdammt wenig. Katrina Bowden in Unterwäsche und kurzem Schwesternkittel, CGI-Splatter, ein paar Skalpelle, die auf die Kamera zufliegen (3D!) – der Rest ist Paz de la Huerta nackt. Und man sollte nicht glauben, wie schnell das langweilig wird.

Paz de la Huerta ist Existenzberechtigung und Sinnkrise des Film, sie lockt den Zuschauer ins Kino – und treibt ihn auch wieder hinaus. Das üppige Ex-Model zieht sich so verlässlich und nebensächlich aus, dass „Nurse 3D“ auch den Titel „Full Frontal Nudity – The Movie“ hätte tragen können. Es gibt kaum eine respektable Schauspielerin, die für einen billigen Horrorfilm mit derartiger Nonchalance den Kittel hätte fallen lassen (Katrina Bowden vermeidet sogar den kleinsten Nipple Slip).

Aber de la Huerta sieht hier entsetzlich aus, die Augen leer und von Ringen umgeben, die Haut ungesund orange, der Mund im permanenten „duck face“ eingefroren, die Frisur einer monströsen Perücke ähnelnd. Obwohl sie in New York geboren und aufgewachsen ist, hat sie einen schweren, lallenden Akzent – und ich werde das Gefühl nicht los, dass ihre Off-Stimme nachsynchronisiert wurde.

Die Frau wirkt permanent völlig breit – und das ist kein schöner Anblick. Nackt hin oder her, ihre Verführungskünste wirken aufgesetzt und unehrlich, ohne Spielfreude oder Spaß an der Kontrolle. Sie hat den Sexappeal einer osteuropäischen Prostituierten, die sich jeden Abend mit einer Spritze auf die Schicht vorbereitet.

Weil der Film darüber hinaus nur sattsam bekannte Thriller-Klischees mehr schlecht als recht abspult, beschränkt sich der Reiz auf die Midnight Crowd, die auch bei „Zombie Hunter“ oder „Wolfcop“ begeistert mitjohlt.

Vor 20 Jahren hätte Julie Strain die „Schwester Abby“ gespielt – und alles wäre gut gewesen.

runterFazit: Comic-Trash, weder gut geschrieben noch gut inszeniert, der primär pubertierende Krankenschwestern-Fetisch-Inhaber und chronische Paz de la Huerta-Masturbanten begeistern dürfte, auch wenn die neurotische Nudistin hier eine bestenfalls komatöse Performance abliefert.

P.S.: Complex hat das de la Huerta-Problem auch schön auf den Punkt gebracht:

de la Huerta delivers all of her unabashedly tongue-in-cheek dialogue (mostly heard in voiceover narration) as if she’s reading off sloppily written cue cards while strung out on Valium. Abby Russell is a human slow-motion machine.“



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Reini

Der wurde bei Deliria Italiano auch schon „gefeiert“ – ich zitiere mal: „Paz de la Huerta… Es dürfte sogar in einem Olaf Ittenbach-Film nicht ganz einfach sein, eine noch schlechtere schauspielerische Leistung zu finden“. 😀

Marcus
Marcus

Ja, der Film ist strunzdoof und sexistisch noch dazu. Aber das wussten wir vorher. Und Paz DLH spielt geradezu spektakulär schlecht (diese Sprechweise – sind wir uns SICHER, dass sie nicht mit Tommy Wiseau verwandt ist?), was dem Trash-Appeal des Films aber eher hilft. Und wie verkrampft Katrina Bowden mit angelegten Armen (und Slip!) unter der Dusche steht, um nur ja nix zu zeigen, während Paz sich wirklich andauernd nackig macht, damit der Tittenquotient trotzdem stimmt, ich auch großes Tennis.
Aber wenigstens hat der Film Drive, was um Mitternacht (und nur zwei Stunden nach der Megaschlaftablette UNDER THE SKIN) dem Film bei mir mehr hilft, als es das vermutlich sollte. Und da ich nicht vorhabe, mich dafür zu schämen, wenn ich mich mal unter meinem Niveau amüsiert habe (wenn auch nur ein bisschen): 6/10.

Marcus
Marcus

„Das schafft Bandbreite“ klingt jetzt wie eine nettere Variante von „Das ist schön. Schön falsch.“. Trotzdem danke. 😉

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sergej
sergej

Jetzt auch in der deutschen Presse.

…doch laut ihrer Aussage soll sich der Regisseur dermaßen über die Beschwerden der Schauspielerin geärgert haben, dass er sie in mehreren Szenen nachträglich schlecht nachsynchronisieren ließ. Für die 30-Jährige ein klarer Grund für den Misserfolg des Films.“

Es lag an der Synchro.

http://www.welt.de/vermischtes/article144316687/Schauspielerin-will-55-Millionen-fuer-gefloppten-Film.html