blue ruin

USA 2013. Regie: Jeremy Saulnier. Darsteller: Macon Blair, Devin Ratray, Amy Hargreaves, Bonnie Johnson, Brent Werzner, Kevin Kolack, Daniel L. Kelly, David W. Thompson, Eve Plumb

Offizielle SynopsisNach einem traumatischen Doppelmord lebt Dwight seit Jahren am Rande der Gesellschaft – ein zerzauster, verwahrloster Landstreicher, unsichtbar für die meisten Menschen, allein mit sich selbst und seinen Rachegedanken im Schutze eines rostigen blauen Pontiac. Als eines Tages der für das damalige Verbrechen verurteilte Wade Cleland aus dem Gefängnis entlassen wird, schlägt Dwights Stunde. Bewaffnet und zu allem entschlossen sucht er nach dem Mörder, doch auf seinem Kreuzweg ist die Konfrontation mit Wade nur der Beginn einer unfassbaren Tortur – ein Abstieg in die Tiefen einer Hölle, aus der es kein Zurück mehr gibt. Ohne es zu wollen, entfesselt Dwight einen Krieg, der keine Sieger kennt.

Kritik: Mein Kumpel William aus San Francisco meinte, dieser Film wäre gut beleumundet. Darum habe ich ihn mir bis zum Schluss aufgehoben.

Strukturell folgt „Blue Ruin“ dem Revenge-Muster: Dwights Leben wurde zerstört, als Verbrecher seine Eltern ermordeten. Nach 20 Jahren wird der Gangster entlassen, Dwight zieht zuerst gegen ihn, dann gegen seine nicht minder skrupellose Familie zu Felde.

Aber es wird auch von Anfang an klar, dass Dwight kein brütender Racheengel ist, sondern ein von der Gesellschaft abgekoppelter Sonderling, dessen singuläres Bedürfnis nach Vergeltung nichts mit dem Wunsch nach Gerechtigkeit zu tun hat. Er ist in rein alttestamentarischer Mission unterwegs – auch wenn er keine Ahnung hat, wie er das anstellen soll. Seine Versuche, sich eine Waffe zu besorgen und seine Gegner zu besiegen, sind unbeholfen, peinlich und mitleiderregend. Es ist nur einer bizarren Menge an Glück zu verdanken, dass er nicht augenblicklich scheitert. Dwight ist nicht Held oder Antiheld – nur ein Loser.

Dwight hat seinen Feldzug zudem nicht durchdacht – mit der Ermordung des Gangsters zieht er seine eigene Familie in die Angelegenheit hinein, denn das „Auge um Auge“ wird nun in den erweiterten Kreis getragen. Gewalt erzeugt Gegengewalt, die Spirale wird zum Schneeball. Wenn Dwight „Two of mine, two of yours – let’s leave it at that“ vorschlägt, ist es eher eine verzweifelte Bitte als eine Eastwood-eske Aufrechnung.

Das alles erzählt Saulnier langsam, aber mit einer spannenden und erschütternden Zwangsläufigkeit. Wie der Gaffer beim Unfall auf der Autobahn will man sehen, wie weit sich Dwight in die Scheiße reiten kann – und ob es für ihn überhaupt eine Chance auf Überleben gibt.

Somit überzeugt „Blue Ruin“ als sorgfältig erzählter Thriller ebenso wie als Meta-Meditation über Filmgewalt und die Emotionen, die sie auslöst.

hochFazit: Ein Revenge-Thriller ohne schlechten Nachgeschmack, der die Selbstjustiz als leere Gewalt sozial verwirrter Außenseiter brandmarkt. Kampf ohne Katharsis, die geschickt die Eleganz der Actionästhetik unterläuft.

P.S.: Ich habe zugegebenermaßen die Dominanz der Farbe Blau in Dwights Leben nicht verstanden. Kann jemand aushelfen?



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Marcus
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Genau. 9/10.

Jens
Jens

Müsste es bei den Blog-Einträgen 48 und 49 zum Fantasy Filmfest nicht auch 2014 heißen, oder wurden die von letztem Jahr nachgereicht?

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[…] Sins ♣ All Cheerleaders die ♦ Among the Living ♣ Beneath ♣ Beneath (Fessenden) ♥ Blue Ruin ♣ Cannibal ♦ Coherence ♥ Cold in July ♥ Dark House ♣ Extraterrestrial ♦ Faults […]

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[…] Jeremy Saulnier gehört in diese Liste. Vor zwei Jahren habe ich seinen Erstling „Blue Ruin“ begeistert als Selbstjustiz-Thriller ganz ohne den gerechten Zorn der Selbstjustiz gefeiert. Es […]